Puppen Sammeln
Eine kleine Geschichte der Puppen – Puppengeschichte
Die Puppe ist eine Nachbildung des Menschen! Ihre ursprüngliche Bezeichnung lautete Tocke oder Docke. Hieraus leiteten sich im Mittelalter die Dockenmacher, aber auch solche wie Dockenschrank (Puppenschrank, Spielzeugschrank) ab. Die Bezeichnung dürfte aus der Baukunst entlehnt sein, denn hier bezeichnete man als Docke geschnitzte oder gedrechselte kleine Säulen mit Fuß, Körper und Kopf oder Capital.
Erste prähistorische Funde von puppenähnlichen Figuren aus Horn, Knochen, Ton oder Stein stammen aus der jüngeren Epoche der Altsteinzeit, dem Jungpaläolithikum, welche durch das Auftreten des Homo sapiens charakterisiert ist. Diese Funde sind etwa 35.000 bis 40.000 Jahre alt.
Die Figuren waren vor allem Frauenkörper, welche vor allem die Mutter als Synonym für die Fruchtbarkeit verkörpern sollten. Insofern besaßen diese Gegenstände kultischen, aber auch magischen oder religiösen Charakter. Zum Spielen waren sie wohl weniger gedacht. In alten Gräbern in Ägypten, ebenfalls mehrere Jahrtausende alt, wurden Holzpuppen als Grabbeilagen gefunden, – Beilagen, welche den Toten im Jenseits begleiten sollten.
Andere vorchristliche Puppen bestanden aus Bronze (Bronzezeit), aus Stoff oder einer Art Pappmache; sogar Figuren aus Kuhfladen oder Pflanzenfasern sind bekannt.
Gegliederte Puppen mit separaten Extremitäten sind aus der Antike des Frühen Griechenlands mehrere Jahrhunderte vor Christus nachgewiesen.
Der Wandel zum Spielzeug vollzog sich erst im frühen 15. Jahrhundert. Nürnberg, den Sammlern bekannt als die Hauptstadt der frühen Blechspielzeughersteller, kam auch hier eine Vorreiterrolle zu. Hier entstanden in Deutschland die ersten Dockenmacher. Es entstand eine regelrechte gewerbliche Produktion der Docken, der Puppen als Spielzeug! Der kultische, mythische Balast war zu dieser Zeit endgültig abgestreift. Nur wenig später hat die Spielwaren- und Puppenproduktion auf Sonneberg am Thüringer Wald, welches zum zweiten großen deutschen Spielwarenzentrum werden sollte, übergegriffen. Die ersten Dockenmacher nutzten in der Regel Holz zur Herstellung. Wahrscheinlich schon lange Zeit vor ihrer ersten Datierung wurden sie im heutigen Bayern und in Sonneberg, aber auch vom 18. Jahrhundert an in England produziert. Auffallend war die “rustikale Art”; so waren die Haare teilweise nur per Farbauftrag angedeutet, manchmal geschnitzt oder gar angenagelt.
In die Theaterkunst fanden die Puppen, vor allem in Italien, Eingang, – sie standen hier als Marionetten stellvertretend für gesellschaftliche Charaktere, sei es der sprichwörtlich dumme Bauer oder der Spaßvogel. Der Kaspar hatte hier seinen Ursprung! Das Publikum identifizierte sich mit den verschiedenen Charakteren.
Aber weder Nürnberg noch Sonneberg waren später in der Puppenproduktion wirklich führend; das eigentliche Zentrum der Puppenherstellung entwickelte sich im 19. Jahrhundert, – und zwar etwa ab 1815- , auf der anderen Seite des Thüringer Waldes in Waltershausen. Dort produzierten in Folge Dutzende der bekanntesten Hersteller: Otto Gans, Kämmer & Reinhardt, Seyfarth & Reinhardt, König & Wernicke, Heinrich und Max Handwerck, Johann Kestner oder Bruno Schmidt, um nur einige zu nennen.
Ebenbürtig waren zu dieser Zeit den Waltershäusern lediglich die französischen Puppenhersteller.
Das 19. Jahrhundert war überhaupt eine Blütezeit in der Puppenherstellung. Als Material kam Wachs, Porzellan und Zelluloid (Celluloid) zur Anwendung. Wachs war schon seit dem 17. Jahrhundert bekannt, während Zelluloid erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam. Die Puppen stellten nun öfter Kinder oder gar Babys dar; bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Produktion wesentlich auf die Darstellung Erwachsener, meist Frauen in ihrer jeweiligen Modetracht, konzentriert. Die Puppen des 19. Jahrhunderts waren besonders kunstvoll und wurden beweglich. Viele Innovationen unterstützten nun die Bearbeitung, wie Kugelgelenke oder Gummi für die Verbindung der einzelnen Gliedmaßen. Viele Puppen trugen Echthaar; gefüllt wurden sie oft mit Sägemehl, Kleie, Pflanzenfasern oder auch Tierhaar (Roßhaar). Die beweglichen Gliedmaßen waren vorwiegend aus Holz gefertigt.
Die aufwendige Bearbeitung mit Wachs, überwiegend Handarbeit, wurde mit zunehmender Mechanisierung und Technisierung gegen Ende des Biedermeier bis zur Gründung des Deutschen Reiches immer unrentabler; die rationeller herstellbaren Formen aus Porzellan und Zelluloid bestimmten immer mehr die Arbeitsgänge in der Puppenherstellung.
Vollwachs oder Wachsüberzug des Holz- oder Pappmachekorpus hatte natürlich den Vorteil, dass man lebensechten Modellen sehr nahe kam, – man denke nur an die erzielte Natürlichkeit und Lebensechtheit in Wachsfigurenkabinetten!
Diese Funktion konnte Porzellan allerdings auch erfüllen. Hier war es vor allem Biskuitporzellan, welches unglasiert blieb. Biskuitporzellan wir zweimal gebrannt. Der Name leitet sich ab vom lateinischen “bis coctus”, was soviel bedeutet wie zweimal gebacken. Nach dem ersten Brand wurden die Gesichtstönungen aufgetragen, danach wurde ein zweites Mal sauber eingebrannt. Ungefärbtes Biskuitporzellan ist als Parianporzellan bekannt; der Name leitet sich hier von dem bekannten weissen Marmor der ägäischen Kykladeninsel Paros ab, welcher schon von den Bildhauern der Antike bevorzugt wurde. Parianporzellan wurde bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts verwendet.
Besonders berühmt wurden nach 1900 die sogenannten “Künstlerpuppen” oder “Charakterpuppen“. Vorreiter war hier die Firma Kämmer & Reinhardt. Porzellan in der Puppenherstellung wurde grob bis zum Beginn des 2. Weltkrieges verwendet. Auch bei seiner Verdrängung war der Fortschritt in der Technisierung sowie Rentabilitätsabwägungen mit entscheidend. Zunächst Zelluloid und später diverse Kunststoffe fanden immer mehr Eingang in die Puppenproduktion. Führend in der Celluloid-Verwendung war die Rheinische Gummi- und Celluloid-Fabrik in Mannheim-Neckarau, welche bereits 1896 ihre erste Puppe aus Celluloid produzierte. Das Warenzeichen dieser Puppen war die “Schildkröte”. Die Firma, seit 1993 in Sonneberg in Thüringen angesiedelt, wurde unter ihrem späteren Namen Schildkröt-Puppen weltbekannt. Sie produziert bis zum heutigen Tage.
Hinweis: sämtliche Texte auf diesen Seiten sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art sind ohne Einverständnis unsererseits nicht gestattet.


