Adventskalender Weihnachtskalender

Geschichte des Adventskalenders – vor dem zweiten WK

Die Entwicklung des Adventskalenders reicht zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es sind selbstgebastelte Formen von Adventskalendern aus dieser Zeit bekannt. Dahinter stand die Idee, den ungeduldigen Kindern die Zeit bis Weihnachten, also die Zeit bis zur Bescherung zu verkürzen. Und wie sollte dies besser funktionieren als mit kleinen täglichen Überraschungen und Geschenkchen, welche auf den „großen Tag“ vorbereiteten. Der Adventskalender half, die Tage ab dem 1. Dezember bis zum Heiligen Abend am 24. Dezember ab- oder mitzuzählen.
Am bekanntesten dürfte ehedem der Kranz mit 24 Kerzen gewesen sein. Die Idee des Abzählens bis Weihnachten erweckte auch das Interesse kommerzieller Verlage.
Kurz nach der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert erschienen erste Verlage mit gedruckten, also industriell hergestellten Adventskalendern. Gesichert scheint, dass der erste gedruckte verkäufliche Kalender 1902 in Hamburg erschienen ist. Die evangelische Buchhandlung „Friedrich Trümpler“ verkaufte dort einen Weihnachtskalender in Form einer Weihnachtsuhr mit zwölf Ziffern, ab dem Jahre 1922 mit 24 Ziffern.

Sicher ist auch, dass im Jahre 1904 Gerhard Lang, Sohn eines Pfarrers aus dem schwäbischen Maulbronn, seinen ersten Kalender fertigte. Die Kalender hießen übrigens vor dem 1. Weltkrieg zumeist noch „Weihnachtskalender“. Der Begriff Adventskalender bürgerte sich erst danach ein. Der Begriff „Weihnachtskalender“ mag daher gekommen sein, dass früher verbreitet am 1. Advent Kreidestriche an der Wohnzimmertür angebracht wurden; es waren derer so viele, wie es noch Tage bis Weihnachten war. Jeden Tag konnte ein Strich entfernt werden und die Spannung insbesondere bei den Kindern wuchs.

Der von Gerhard Lang angefertigte Weihnachtskalender war ein zweiblättriger Ausschneidekalender und erschien im Jahr 1904 als Beilage im „Neuen Tagblatt Stuttgart“. Dieser Weihnachtskalender „Im Lande des Christkinds“ wurde dann wohl erstmals kommerziell vom Verlag „Reichhold & Lang, München“ in 1908 angeboten. Der Entwurf für diesen ersten Kalender von Reichhold & lang stammt vom Stuttgarter Maler und Illustrator Richard Ernst Kepler, der wohl auch in Folge für den Verlag tätig war und zusammen mit Gerhard Lang mehrere Kalender schuf. Ich denke aber, dass Kepler auch für andere Firmen arbeitete. Da dieser erste Kalender von Reichhold & Lang als Beilage in einer Zeitung erschien, dürfte er auch schon als Werbekalender bezeichnet werden. Schon wenige Jahre später nutzten auch Hersteller von Kaffee wie Jakobs, Nürnberger Lebkuchenfabrikanten oder Sparkassen diese Form der Werbung.
Die „Geburt“ des Adventskalenders würde ich nach all dem auf das Jahr 1902 festmachen. Diese ersten käuflichen Weihnachtskalender besaßen jedoch noch nicht die uns so vertrauten 24 Türchen, sondern waren entweder als Uhr, zum Ausschneiden o.ä. konzipiert. Adventskalendervon Brück & Sohn

Kalender mit Türchen sind erst ab 1920 bekannt, also in etwa ab dem Zeitpunkt, ab welchem sich die „Weihnachtskalender“ namentlich weitgehend in „Adventskalender“ änderten. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt gab es wohl auch die mit Schokolade gefüllten Türchen und Fensterchen. Der schon erwähnte Pfarrersohn Gerhard Lang war dabei einer der Pioniere. Seine im eigenen Verlag „Reichhold und Lang“ bis zur Schließung im Jahre 1940 geschaffenen kunstvollen Adventskalender gelten heute als beliebtes Sammelgebiet der Spezialsammler. Unter seinen Kalendern befanden sich Einklebealben genauso wie Kalender mit Weihnachtssprüchen und -liedern, welche von den Kindern jeden Tag gelernt werden konnten, wohl, um sie am Heiligabend aufsagen zu können.

Wir sollten über diese heute so gesuchten Lang-Kalender hinaus allerdings nicht die vielen anderen Verlage vergessen, die sich im Soge von „Reichhold und Lang“ gebildet hatten! Einer der bekannteren Konkurrenten war Meissner & Buch aus Leipzig, welcher ab Ende der 20er Jahre etliche Adventskalender als Wand- Stell- oder Abreißkalender auf den Markt brachte. Zeichner vieler dieser „Leipziger Adventskalender“ war der 1966 verstorbene Friedrich Karl Baumgarten, der für diesen Verlag auch noch in den ersten Jahren der DDR tätig war. Charakteristisch für seine Kalender waren Wichtel- und Märchenfiguren.

Adventskalender in der Epoche des Nationalsozialismus

Auch Adventskalender können als Spiegel der Zeit herhalten. Wie viele andere Waren und Güter waren auch die Adventskalender der Instrumentalisierung seitens der Politik oder natürlich der Werbung ausgesetzt. Schon zu Beginn des Nationalsozialismus anfang der 30er Jahre wurden Adventskalender im typischen Stile der Nazikunst herausgegeben. So gab es Kalender, auf welchen das Christkind mit seiner Geschenkekutsche von SA-Angehörigen oder Hitlerjungen begrüßt wurde. Oftmals war das Ambiente dann auch militärisch ausgeschmückt. Solche Kalender aus der Frühzeit des Dritten Reiches sind heute allerdings kaum noch zu finden. Bis der zweite Weltkrieg begann, gab es allerdings noch die vielfältigsten Adventskalender, welche von einer Vielzahl von Verlagen und Herstellern herausgegeben wurden. Meine kleine Auswahl an Fotobeispielen zeigt, dass es nicht nur die klassischen Wandkalender gab. Es gab sie, wie auch heutzutage, schon als Bastelsatz, zum Bekleben mit weihnachtlichen Motiven, in Form von Abreißkalendern, zum Hinstellen als Stellkalender oder in Form eines Hauses. Mit der Bekämpfung der Kirchen in den nachfolgenden Jahren wurde das Drucken von Adventskalendern allerdings eingestellt. Die Mangelwirtschaft der Kriegszeit gab ihr Übriges hinzu. Der Mangel an Rohstoffen betraf Papiere, Pappen wie auch sämtliche Metalle. Nicht nur viele Hersteller von Blechspielzeug mussten aus diesen Gründen schließen; natürlich betraf der Mangel an Rohstoffen auch die Verlage. Nicht nur „Reichhold und Lang“ mussten schließen oder aber kürzer treten. Ideologie und Mangelwirtschaft führten somit dazu, dass es ab 1942 keine klassischen Adventskalender mehr gab. Ein Heft mit dem Titel „Vorweihnachten“, herausgegeben und inhaltlich auf einer Ebene mit der NSDAP, ersetzte die beliebten Weihnachtskalender.

Adventskalender in der DDR

Auch in der 1949 gegründeten DDR geriet die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft und die Ausübung religiöser Tätigkeiten eher zum Nachteil. So wie die Kommunion und die Konfirmation in der christlichen Erziehung der Jugendweihe weichen musste, so wurden auch die christlichen Motive der Adventskalender sehr schnell zugunsten eher winterlichen Motiven aufgegeben. Statt Christkind mehr Weihnachtsmann, statt Krippe mehr Tanne, örtliche Motive und Weihnachtsmärkte. Die Kalender glichen eher Bastelkalendern; hierfür typisch waren die jährlichen Beilagen in der Jugendzeitschrift „Fröhlich sein und Singen“. Die Zeitschrift wurde später abgekürzt in „Frösi“ umbetitelt. Ab 1953 in der Dezember-Ausgabe und dann ab 1956 bis 1991 in der November-Ausgabe besaß sie als Beigabe einen Adventskalender oder auch weihnachtlichen Bastelkalender. Über die „Frösi“ war es wohl am einfachsten, in der DDR an einen Adventskalender zu kommen. Ich habe schon selbst hin und wieder alte November-Ausgaben der Zeitschrift ersteigert, aber eine Ausgabe, aus welcher die Beilage nicht entnommen wurde, ist sehr selten! Viele der „Frösi“-Kalender wurden vom Zeichner Richard Hambach gestaltet.
In der DDR war es eine Ausnahme, dass ein christlich inspirierter Verlag wie der Wartburg Verlag Max Kessler aus Jena weiter bestehen konnte. Dieser vertrieb ab 1951 Adventskalender, zum Teil auch mit christlichen Motiven. Dem Verlag wurde Druckgenehmigungen für jeweils kleine Auflagen erteilt. Überhaupt konnte ohne eine Druckgenehmigung in der DDR nicht gedruckt werden; der Nachweis über eine Genehmigung erfolgt über eine Druckgenehmigungsnummer, welche auch auf vielen Kalendern ersichtlich ist. Bekannter Entwerfer der Kalender des Wartburg Verlages war Helmut Rudolph. Seine heute gesuchten Adventskalender sind unter den Titeln „Adventskapelle“, „Adventsdorf“ oder „Adventsaltar“ bekannt. Da die Nachfrage nach ihnen sehr groß war und die wenig verbliebenen Schätze schon lange bei Sammlern untergekommen sind, werden sie bis heute vom Wartburg Verlag wieder aufgelegt und als Reprint angeboten. Sammler von Adventskalendern schätzen bei jenen, welche zu Zeiten der DDR dort hergestellt wurden, dass sie überwiegend ohne den nicht immer beliebten Glimmer auskamen.

Adventskalender in der BRD

Als es nach dem Krieg wieder Papier geliefert werden konnte, erlangte der Richard-Sellmer-Verlag aus Stuttgart die Genehmigung zur Herstellung von Adventskalendern. Der erste Kalender nach dem Krieg erschien dann zu Weihnachten 1946 und hatte den Titel „Kleine Stadt“. Die Kalender von Richard Sellmer waren die ersten in der neuen Bundesrepublik. Sellmer hatte riesigen Erfolg mit der Präsentation seiner Weihnachtskalender auf den ersten Messen in Westdeutschland wie zum Beispiel der internationalen Frankfurter Messe. Richard Sellmer baute seinen kleinen Verlag stetig aus. Nach seinem Tode im Jahre 1969 blieb der Verlag weiterhin in der Familie. Der Verlag ist bis heute erfolgreich mit der Produktion der Kalender und vertreibt diese weltweit. Von Sammlern sehr gesucht sind die frühen Adventskalender von Sellmer; diese wurden in Kulissenform dreidimensional hergestellt. Die Kulissen wurden noch mit Hand eingearbeitet, ein Aufwand, welcher sich bald nicht mehr lohnen sollte. Der Verlag stellt heute alle möglichen Formen von Adventskalendern her, seien es Wandkalender, Stellkalender, Kalender aus Glas oder Schokoladenkalender. Sie sind mit oder auch ohne Glimmer zu erhalten. Besonders zu beachten finde ich einen Blanko-Kalender, welcher ohne jede Bedruckung samt der 24 Türchen zum Selbstgestalten ausgeliefert wird. Ein weiteres Segment bei Sellmer nimmt die Produktion von Werbekalendern ein. Erkennbar sind die Sellmer-Kalender in der Regel an ihrem Logo, einem Herz mit den Initialen „R“ und „S“.

In der Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre schließlich blieb der Adventskalender der aufkommenden Werbung nicht verborgen und wurde verstärkt auch als Werbemittel eingesetzt. Ich selbst kann mich noch gut an die Adventskalender von Coca-Cola mit den roten Weihnachtsmännern erinnern. Die Werbekalender sollten die Auswahl der Weihnachtsgeschenke beeinflussen. So gab es viele Kalender aus der Kaffeebranche. Aber auch aus den Branchen Bier und Brauereien oder Kosmetik überschwemmen uns bis heute Jahr für Jahr Millionen von Kalendern, zum Teil mit extravaganter Grafik, welche mit der anheimelnden Gestaltung, die noch bis in die 80er Jahre anzutreffen war, nur noch wenig gemein hat. Sogar aus dem Bereich der Erotica sind immer mehr Weihnachtskalender anzutreffen. Neben dem Verlust der Gestaltung ist auf den Kalendern aus der Werbeindustrie auch der eigentliche Sinn, nämlich der christliche Gedanke und die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken, verloren gegangen. Die traditionelle Gestaltung der Adventskalender wird heute von nur noch wenigen Herstellern beziehungsweise Verlagen aufrechterhalten. Die bekanntesten sind der Richard Sellmer Verlag aus Stuttgart, der Korsch Verlag aus Gilching, ars edition aus München sowie Brück & Sohn aus Meißen.

Tipps zum Kauf

Zum Glück ist man heute nicht mehr auf die doch recht kurze Zeit vor Weihnachten angewiesen, sondern man kann seinen Lieblingskalender wunderbar im Internet bestellen. Gerade die großen Hersteller haben ihre besten Adventskalender online gestellt. Mir haben es insbesondere die Adventskalender der Firma Brück & Sohn angetan. Sie bieten ein großes Reservoir an Kalendern mit Motiven aus vielen Städten Deutschlands. Es gibt keine schönere Gelegenheit, Weihnachtskalender mit einer feierlichen Stimmung und Motiven aus der eigenen Stadt zu erstehen.

 

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