Tipp & Co. , Tippco

Die Geschichte von Tipp & Co.

Tipp & Co. wurde im Jahr 1912 gegründet. Die Geschichte dieses großen Nürnberger Blechspielzeug-Herstellers reicht bis ins Jahr 1971. Aber beginnen wir im Jahr 1912. Damals gründeten eine Frau Tipp und ein Herr Carstens die Firma. Tipp wurde Namensgeber des Unternehmens, obwohl sie bereits im selben Jahr von Philipp Ullmann als Teilhaber abgelöst wurde.

Tipp & Co. unter der Leitung von Philipp Ullmann

Philipp Ullmann war jüdischer Abstammung und war geschäftlich weltweit vernetzt. Insbesondere seine guten Verbindungen zu den großen Kaufhäusern in Europa und Übersee kamen der Firma Tipp & Co. zugute. Sie waren potente Abnehmer des hochwertigen Blechspielzeugs aus der Schmiede des Hauses Tippco. Die hohe Qualität betraf nicht nur die Lithografie der Spielzeuge, auch in Bezug auf die Verzapfung und Verlaschung des Weißblechs bewegte sich TCO in der vordersten Linie der Hersteller.
Die 20er Jahre waren von einer regelrechten Hausse geprägt. Tipp & Co. stellte vorwiegend Fahrzeuge her, wobei die Produktionspalette vom Limousinen, Straßenwalzen, Schlepper über Motorräder, Rennwagen, Rennbahnen, Raupen, Busse, Firmenautos bis zu LKWs reichte. Neben den Fahrzeugen produzierte Tippco zusätzlich jede Menge mechanische Blechfiguren, aber auch Karussells und Eisenbahnen mit Uhrwerk, sogenannte Bodenläufer. Die Firma gab in den 30er Jahren einen Katalog heraus, welcher an die 160 Exponate auflistete. Es spricht allerdings viel dafür, dass in diesem Katalog längst nicht alle Produkte gelistet waren.
Die bekanntesten unter Ullmann entwickelten Fahrzeugen waren der 1928 erstmals erschienene offene Omnibus, der mit Spiralfeder angetrieben wurde sowie eine 41 cm große Limousine mit einem Mops als Kühlerfigur. Beide Autos waren lithografiert; die lithografierten Blechräder der Limousine waren sogar einschlagbar! Sie werden unbespielt mit bis zu 4000 Euro gehandelt. Aus dem Jahre 1928 stammen auch verschiedene Fahrzeugtypen mit elektrischer Beleuchtung oder gar elektrischem Suchscheinwerfer. Fast alle Fahrzeuge waren lithografiert und besaßen Uhrwerksantrieb. Die Feuerwehren und Busse waren mit Figuren bestückt, welche entweder aus Blech gefaltet waren oder aus Masse bestanden. Vermutlich wurden Massefiguren unter anderem von Hausser geliefert.
Philipp Ullmann leitete das Unternehmen als Alleininhaber von 1919 bis 1933 und war wohl wesentlich für den auch späteren Erfolg von Tipp & Co. verantwortlich.

Tipp & Co. während der Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1932 wurde Philipp Ullmann im Jahre 1933 vertrieben und musste das Land verlassen. Als sein Nachfolger wurde ein ehemaliger Direktor des Spielzeugkonzerns Bing eingesetzt. Bing war jahrzehntelang das größte Spielzeugunternehmen weltweit, ging allerdings im Jahre 1932 Konkurs.
Bei Tippco wurde nun vermehrt Kriegsspielzeug produziert. Er wuchs zum größten Blechspielzeug-Hersteller in Nürnberg heran. Am bekanntesten und gesuchtesten dürfte der sogenannte „Wagen des Führers“, der von 1936 bis Kriegsende 1945 hergestellt wurde, sein. Er besaß eine Kardanwelle und Gummibereifung. Die Vorderräder konnte man einschlagen; der Wagen war vornehm in Schwarz gehalten mit silber blinkenden Zinnbeschlägen. Der Wagen gehörte nicht zu den größten, die Tipp & Co. herstellte; er maß 23 cm. Dass Tipp & Co. auch während der Kriegszeiten produzieren konnte, wirft meiner Meinung nach ein etwas fragwürdiges Licht auf die Firma zu jener Zeit. Während andere Blechspielzeughersteller ihren Betrieb während des Krieges schließen mussten, da das Metall als Herstellungsmaterial für Kriegszwecke benötigt wurde, produzierte Tippco anscheinend in gewissem Umfang weiter. Das umfangreiche Kriegs- und Propagandaspielzeug wie die unzähligen Ketten- und Halbkettenfahrzeuge, Flakgeschütze, der „Eva-Braun-Wagen“, Kanonen und Wehrdienstautos, Fliegerabwehrautos, Panzerspähwagen und ähnliche bezeugen durchaus die Nähe der Firma zu den Machthabern.Tankstelle von Tippco
Als 1935 das erste Teilstück der Reichsautobahn eröffnet wurde, erschien Tipp & Co. bereits ein Jahr später mit seiner blechernen Autobahn mit der Bezeichnung „Reichsautobahn“. Diese gab es mit Brücken, Geraden, Kurven, Abzweigungen, einer Tankstelle sowie dazugehörigen Autos. Hierunter befanden sich bereits die bekannten KDF-Wagen, die Vorläufer des späteren berühmten VW-Käfers. Die Reichsautobahn war insofern ein Renner, da sie beliebig erweiterbar war.  tippcoEs gab sie als Uhrwerk-Ausführung und auch als elektrische Variante. Die elektrische Variante war ungleich teurer, so dass sie heute relativ rar geworden ist. Autobahnen gab es jedoch auch bei anderen Blechspielzeug-Herstellern wie den Gebrüdern Einfalt, bei CKO Kellermann oder auch bei Märklin, wobei Letztere allerdings nur bedingt vergleichbar war, da ihre Autos sehr viel größer waren und die Bahn eher in Richtung Rennautobahn tendierte.

Tipp & Co. nach dem zweiten Weltkrieg

Der Neubeginn nach Ende des Krieges war zunächst bestimmt vom Wechsel an der Spitze des Betriebes. Der bisherige Leiter Horn wurde abgesetzt; der 1933 enteigneten Familie Ullmann wurde die Firma zurückgegeben. Diese setzte Herrn Dr. Eddmeier, der zum Familienkreis gehörte, als Firmenleiter ein.
Die Firma, die jahrelang Kriegsspielzeug als wichtigstes Standbein hatte, musste sich quasi neu erfinden. Es wurde ab sofort kein Kriegsspielzeug mehr produziert. Ich weiß noch selbst aus meiner Jugend, wie verpönt Militärfahrzeuge und Ähnliches als Spielzeug war. Ein gutes Beispiel ist das Raketenauto aus der Rollo-Serie von Kellermann; dieses erzielt heute deshalb hohe Preise, da es in den 60er Jahren so gut wie nicht nachgefragt und die Produktion eingestampft wurde.
Das neue Sortiment ahmte den Wiederaufbau des Landes nach; die Fahrzeuge des Wiederaufbau und des Wirtschaftswunderlandes bestimmten den Warenbestand der Spielzeuggeschäfte. Tipp & Co. stellte in

 tippco

den 50er und 60er Jahren jede Menge Nutzfahrzeuge her. Diese spiegelten das tägliche Leben auf der Straße wieder, was für den Nachwuchs natürlich den Anreiz erhöhte, mit diesen Fahrzeugen das wirkliche Leben nachzuspielen. Die Spielkiste war gefüllt mit Kipplastern, Traktoren, Straßenwalzen, Baggern, Kränen und so weiter. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass auch andere Hersteller wie Schuco, Distler, Günthermann oder Kellermann in diesem Segment unterwegs waren. Auch der Handel und Vertrieb von Waren spiegelte sich im Sortiment der Blechautos wieder. Ich erinnere an die wunderschönen Postautos, Lieferwagen mit Coca-Cola, Milchlaster, Benzinlaster und und und.
In ähnlicher Form weiterproduziert wurden verschiedene nichtmilitärische Fahrzeuge der Vorkriegsjahre. Hinzu kamen Motorräder und Roller und natürlich das, was man in Reiseprospekten, Zeitschriften oder auf Fotos jener Zeit ganz neu offeriert bekam wie Schiffe, Flugzeuge, Reisebusse oder amerikanische Straßenkreuzer.
Ein wichtiges Standbein blieben weiterhin die Autobahnen. Der Begriff „Reichsautobahn“ war natürlich verpönt. Die Autobahnen verschiedener Hersteller waren übrigens oftmals kompatibel, so dass die Bahnen durchaus gleichzeitig mit Modellen von Tipp & Co., Huki oder Technofix bespielt werden konnten.
Die Firma blieb bis zum bitteren Ende anfang der 70er Jahre ihrem Anspruch treu, reines Blechspielzeug herzustellen. Auch die Formen der mechanischen Produktion wurden konserviert, auch die der Bebilderung in Form der Lithografie. Man überhörte den Weckruf, als die japanischen Hersteller die Einführung von Kunststoff und Plastik vorantrieben oder man wollte ihn nicht hören. Es kam, wie es kommen musste. Im Jahre 1971 wurde einer der bekanntesten und größten Blechspielzeugbetriebe Deutschlands geschlossen. Für den Sammler stehen die Produkte von Tipp & Co. jedoch weit im vorderen Bereich.

Firmenlogo, Firmenzeichen: TCO

 

5 Kommentare über “Tipp & Co / Tippco”

  1. Senn Richard schrieb:
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    Kann mir jemand weiterhelfen, die Kinderküchenmaschine ist an der Kurbel defekt.
    Wie kann ich das reparieren.

  2. Wolf-Peter Fenner schrieb:
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    Suche Ersatzteile für tco- vw bus.
    Zum Beispiel Türen ,Stoßstange,Leiter, usw Gruß Peter

  3. Joop Plasmeijer schrieb:
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    Information über Tippco
    Rotations-Druckapparat.
    nr.210
    Grusze Joop Plasmeijer Niederlanden

  4. Holger Kolb schrieb:
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    Hallo würde gerne meinen tippco postroller verkaufen könnten sie mir einen ca wert mitteilen

  5. Marco schrieb:
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    Gibt es eine mailadresse einer Klub mit Sammler Tipp&co militair Spielzeuge mitten 30er jahre?
    Danke!

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