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    Kofferradios

    Kofferradios sammeln

    Hier trifft sich der Radiosammler

    Das Kofferradio, eine Erfindung aus den USA

    Soweit ich mich zurückerinnern kann, spielte das Kofferradio in meiner Jugend in den 60er Jahren eine doch herausragende Rolle. Obwohl die Bezeichnung Kofferradio üblich war, hörte und sprach man doch häufiger von Transistorradios. Der Name Kofferradio leitet sich natürlich von Koffer ab. Tragbare Radios waren mit einem Griff ähnlich wie beim Koffer ausgestattet und auch wie ein solcher zu transportieren. Oftmals waren sie auch in einem kofferartigen Behältnis integriert, welches aufgeklappt werden musste, um das Radio zu bedienen. Die Geräte wurden daher auch Kofferempfänger genannt. Sie sollten allgemein unabhängig machen von den stationären Geräten zu Hause.

    Bereits in den 20er Jahren setzte in den USA ein Boom der Kofferradios, der portable radios, ein; in Europa gab es erste Anfänge in England ebenfalls in den 20er Jahren. Dabei gab es überhaupt noch kein flächendeckendes Empfangsnetz! Schon normale Radios waren selten und für den Durchschnittshaushalt nahezu unerschwinglich. Die Kofferradios der ersten Stunde waren zudem nicht gerade leicht mitzuführen. Sie waren noch mit Röhren ausgestattet und dazu noch relativ schwer. So verwunderte es nicht, dass der erste Rausch bald verflog.

    Eine Renaissance des Kofferradios stellte sich dann, wiederum von den USA ausgehend, mit Beginn des 2. Weltkrieges ein. Um die Kriegsnachrichten überall empfangen zu können, waren die tragbaren Radios das geeignete Medium. In Deutschland gab es während der Kriegsjahre im Handel nur wenige Kofferradios und Radiotypen. Da die Geräte immer noch sehr teuer waren, gingen die Bestrebungen eher verstärkt in die Richtung, die Haushalte mit einem einheitlichen günstigen Heimgerät auszustatten, – dem sogenannten Volksempfänger. Die Preise für Kofferradios bewegten sich überwiegend zwischen 150 und 500 Mark.

    Der Nachkriegsaufschwung bei den Kofferradios

    Ein regelrechter Aufschwung setzte dann nach dem 2. Weltkrieg ein. „Schuld“ war unter anderem das neue aus den USA importierte Lebensgefühl sowie damit verbunden die Musik des Rock’n Roll. Um auf den neuen Hype überhaupt reagieren zu können, wurden die Form, Aussehen und Ausstattung der Kofferradios häufig von den Amerikanern kopiert. Loewe Opta ReklameDaher sehen sich einige Geräte aus dem Deutschland der Nachkriegszeit und den USA auffallend ähnlich. Die Kofferradios waren in den 50er Jahren und auch noch Anfang der 60er vielfach mit Röhren ausgestattet und immer noch verhältnismäßig groß und schwer. Einiges Gewicht besaßen auch die mitzuführenden Batterien. Insgesamt konnte das Gesamtgewicht durchaus 5 bis 6 Kilogramm erreichen! Noch schwerer wurden die Geräte, wenn sie einen integrierten Schallplattenspieler für Single-Schallplatten enthielten.

    Foto links: Frühe Reklame für Loewe-Opta Radios

    Das erste wirklich leichte und handliche Kofferradio auf dem deutschen Markt war der „Boy Junior“ von Grundig aus dem Jahre 1952, – immer noch ein Röhren-Kofferradio!

    Grundig Elite Boy

    Foto rechts: Einer der Nachfolger des „Boy Junior“ war das Transistorradio „Elite Boy“ mit einer einzigen 9-Volt-Batterie

    Mit ihm konnte man abends die Musiksendungen von Radio Luxemburg oder dem Piratensender Radio Caroline auch gemütlich unter der Bettdecke empfangen. So konnten die Eltern die ungeliebte „Negermusik“ nicht mithören. Ich glaube, dieses Gefühl, seine Lieblingsmusik unter der Bettdecke zu hören, kann ein heutiger Jugendlicher gar nicht mehr nachvollziehen. Viel besser und leichter funktionierte dies dann in den 60er Jahren mit den Transistorradios, welche den insgesamt dritten, und diesmal richtig großen Boom bei den Kofferradios ausübten.

    Vom Röhrenradio zum Transistorradio

    Nicht nur der Schritt vom Röhrenradio zum Transistorempfänger war revolutionär. Schon einige Jahre zuvor gab es eine bemerkenswerte Entwicklung in der Empfangstechnologie. Noch bis in die 50er Jahre waren die Radios als sogenannte Geradeausempfänger konzipiert, wobei vereinfacht gesagt, die empfangenen Frequenzen ohne vorherige Mischung durch Oszillatoren geradeaus zum Demodulator geleitet wurden. Der bekannteste Geradeausempfänger in Deutschland dürfte der sogenannte Volksempfänger gewesen sein. Diese Art Empfänger waren wesentlich auf Lang- und Mittelwelle fokussiert. Neckermann TransistorradioDie Einführung des UKW-Bereichs verlangte jedoch zunehmend eine vorherige Änderung und Mischung des empfangenen hochfrequenten Signals, um die Filterung des Signals zu erleichtern und letztlich eine höhere Trennschärfe und damit besseren Empfang zu gewährleisten.

    Auch beim Neckermann-Versand bekam man Transistorradios

    Die mit einer solchen Schaltung versehenen Empfänger nennt man Überlagerungsempfänger oder in der Fachsprache Superherterodynempfänger. Die Abkürzung Super findet besonders in der Radiowerbung der 50er und 60er Jahren Verwendung. Man sprach vom Reisesuper oder Autosuper und meinte damit das diesem Zwecke dienen sollende Radio. Es sollte auch den Unterschied der neuen Technik zu der alten einfachen Geradeaustechnologie herausstellen. DDR Transistorradio IlonaHeutzutage braucht man die Ausstattung mit Superhet nicht mehr herauszustellen, da alle elektronischen Empfangsgeräte hiermit ausgestattet sind.

    Bild links: Das Ilona Röhrenradio war in den 60er Jahren Teil der DDR-Jugendkultur

    Kurz danach vollzog sich der Schritt vom Röhrenempfänger zum Transistorradio. Im Zuge der elektronischen Entwicklung wurden die bislang verwendeten Elektronenröhren zunächst durch Geranium-Transistoren, später durch Silizium-Transistoren ersetzt. Das erste Transistorradio erschien in den USA Ende des Jahres 1954, der Regency TR- 1.

    In einer ersten Entwicklungsphase kamen Kofferradios auf den Markt, welche sowohl mit Röhren als auch Transistoren versehen waren, um die unterschiedlich frequentierten Schaltungsstufen bedienen zu können. Die Entwicklung zum Volltransistor-Empfänger vollzog sich jedoch sehr schnell. Telefunken Bajazzo TS 201Die Geräte kamen vor allem bei der Jugend der 60er Jahre an und waren Teil des Ausdruckes der damaligen Jugendkultur.

    Bild links:

    Geradezu Kultstatus besaßen in den 50er und 60er Jahren die Bajazzo Serie von Telefunken. In den früher 50ern bereits als Röhrenversion erschienen, zeigt das linke Foto ein Telefunken Bajazzo TS 201 Transistorradio aus den 60er Jahren. Der Bajazzo TS 201 wurde mit 5 1,5-Volt-Batterien betrieben und empfing auf Kurzwelle, Mittelwelle, Langwelle und UKW.

    Akkord Pinguette Der Transistor konnte jetzt auch aufgrund der neuen Leichtigkeit und der Minimierung der Ausmaße überall mit hingenommen werden.

    Rechts ein Akkord Pinguette aus den 60er Jahren

    Nicht nur der Ersatz der Röhren durch Transistoren verringerte das Gewicht; die bis dahin schweren Batterien konnten durch kleine 9 Volt Batterien ersetzt werden und das Gehäuse bestand immer seltener aus Holz. Das Gehäuse wurde vermehrt durch Kunststoffe wie Bakelit oder Pressstoffe hergestellt. Die Transistoren benötigten auch sehr viel weniger Platz als die alten Elektronenröhren und sie waren natürlich auch sehr viel robuster als die Röhren mit ihren empfindlichen Heizdrähten. Nordmende Transita de LuxeMit dem Transistorradio war allgemein eine höhere Flexibilität im Alltag, im „Höralltag“ gegeben. Transistorradios wurden öffentlich mitgeführt; in den 60ern war es gang und gäbe, solche Radios in der Öffentlichkeit abspielen zu lassen.

    Rechts: Nordmende Transita de Luxe aus den 60ern

    Die Werbung unterstützte dies zudem, – die damals gängigen Radionamen wie Freizeitsuper, Reisesuper, Camping Luxus, Radio Weekend, Autosuper oder Picknick Super belegen dies eindeutig. Das Transistorradio wurde Statussymbol bei vielen Jugendlichen. Die weltweite Verbreitung der Transistorradios wurden durch niedrige Preise, geringen Strombedarf sowie eine außergewöhnlich hohe Qualität, die nicht nur meiner Ansicht nach in heutigen Kleinradios nicht mehr erreicht wird, unterstützt.Blaupunkt Reklame



    Insbesondere die westdeutsche Elektronikindustrie perfektionierte den Bau der Transistorradios. Führend bei dieser Entwicklung waren Firmen wie Blaupunkt, Grundig, Telefunken, Schaub-Lorenz, Loewe-Opta, Braun, Metz, AEG, Nordmende, Graetz, Saba, Siemens oder Akkord.

    Bei Händlern und guten Onlineauktionen lassen sich hin und wieder noch seltene alte Kofferradios erstehen.