Meissener Porzellanmanufaktur, Meißener Porzellan sammeln

Böttger und die zweite Erfindung des Porzellans

Meissen war die erste Porzellanmanufaktur auf europäischem Boden, so dass man bei Porzellan zunächst unwillkürlich immer an Meissen denkt. Natürlich war Porzellan eine chinesische Erfindung; aber in Meißen wurde das weiße Gold Anfang des 18. Jahrhunderts ein zweites Mal erfunden. Man muss sich vorstellen, dass die europäischen Herrscherhäuser bis zu jenem Zeitpunkt bereits über einen Zeitraum von etwa 500 Jahren für sehr teures Geld Porzellan aus China importierten. Fünfhundert Jahre sind eine unglaubliche Zeitspanne und unterstreicht erst recht die hohe Kultur Chinas. Die Königs- und Fürstenhäuser im doch hochentwickelten Europa ließen forschen und forschen; die Zauberformel für das weiße Gold ließ sich nicht entschlüsseln. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Jahre 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger unter Beteiligung von unter anderem Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Gottfried Pabst von Ohain, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu enträtseln und zum ersten Mal in Europa Porzellan herzustellen, – fünfhundert Jahre nach den Chinesen! Zwei Jahre benötigte Böttger für seine Entdeckung. Auftraggeber Böttgers war August der Starke, der Kurfürst von Sachsen. Ihm, August dem Starken, war es so wichtig, das Rezept in seiner Hand zu wissen. So wichtig, dass er Böttger auf seiner Burg, der Albrechtsburg, wie einen Gefangenen hielt. Die Angst, Böttger könnte das Geheimnis, das Arkanum, weitergeben, war zu groß. Der Stolz über die Erfindung wurde zeigte sich im Januar 1710, als die Erfindung des Porzellans vom Hofe allerhöchst der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde. Am 6. Juni 1710 wurde dann die erste Porzellanmanufaktur auf europäischem Boden auf der Albrechtsburg in Meißen etabliert.

Auch strengste Geheimhaltung konnte es nicht verhindern, dass das Geheimnis der Porzellanherstellung weitergegeben wurde. Zudem wurde an anderen Höfen gleichfalls fleißig nach dem Rezept geforscht. Die Meißener blieben nicht lange alleine. Bereits 1718 wurde in Wien mit der Porzellanmanufaktur Augarten der erste Konkurrent gegründet. Die Meißener blieben allerdings bis heute die Königshersteller von Porzellan; das Produkt hat einen derart starken Namen, dass man beim Begriff Porzellan automatisch an Meissen denkt.

Die Blauen Schwerter

Die Vielfalt der Formen des Meissener Porzellans ist außerordentlich beachtlich. In seiner rund 300jährigen Geschichte sollen an die viertelmillion Formen entstanden sein! Johann Friedrich Böttger wurde der erste Leiter der Meissener Porzellan-Manufaktur. Um sich von den Konkurrenten wie den Wienern unterscheiden zu können, wurde es als notwendig angesehen, ein Unterscheidungsmerkmal, ein Logo, zu kreieren. Es entstand das berühmte Markenzeichen, die blauen Schwerter. Vorbild waren auf Vorschlag des ersten Inspektors der Meißener Fabrik Johann Melchior Steinbrück die gekreuzten Schwerter aus dem Kursächsischen Wappen. Sie wurde ab 1722 verwendet. Bis zu ihrem endgültigen Durchbruch im Jahre 1731, als die Schwerter Norm für alles Porzellan der Meissen-Manufaktur wurde, wurden bis dahin allerdings auch Abkürzungen wie K.P.F. für Königliche Porzellanfabrik, M.P.M. für Meissener Porzellan-Manufaktur oder auch K.P.M. für Königliche Porzellanmanufaktur verwendet. Letzteres bitte nicht verwechseln mit KPM für die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin, welche erst viel später gegründet wurde! Die Darstellung der Schwerter wurde unter der Glasur aufgebracht, oftmals mit Punkten, Buchstaben oder anderen Zeichen ergänzt. Sie sollen bis heute mit der Hand aufgemalt werden.

Mit Qualität durch das 18. Jahrhundert

Der große Aufschwung des Meissener Porzellans geschah unter Böttgers Nachfolger Johann Gregorius Höroldt. Das Geheimnis dieser Hausse war die hohe Qualität des Porzellans in Verbindung mit Malerei auf höchster Stufe. Einen Anteil daran hatte auch das berühmte Zwiebelmuster, welches seit 1739 zur breiten Amplitude des Angebotes zählt. Dieser höchsten Qualität war es zu verdanken, dass die Porzellanmanufaktur Meissen relativ unbeschadet die Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus wirtschaftlich überlebte. Diese Zeit war philosophisch geprägt und vorbereitet von der Aufklärung, politisch vom Ende des Absolutismus und dem einsetzenden Aussterben der Höfe sowie wirtschaftlich vom Beginn der industriellen Revolution. Diese Gründe waren verantwortlich für den Niedergang der Porzellanmanufakturen europaweit. Die Auftraggeber des überwiegend noch per Hand gefertigten teuren weißen Goldes waren ja in der überwiegenden Mehrzahl die Höfe mit ihrer verschwenderischen Prunksucht, und diese schwerreichen Auftraggeber gingen in jenen revolutionären und kriegsreichen Tagen nach und nach verlustig. Die Folge war ein Konkurrenzkampf der Manufakturen um die immer kleiner werdende Klientel. Selbst Porzellanmanufakturen mit bestem Namen und anerkannt höchster Schaffenskunst mussten ihre Tore schließen wie die Manufakturen in Kassel 1788, in Fulda 1789, in Frankenthal 1799, in Kelsterbach 1802 oder sogar die in Wien im Jahre 1864. Selbst Meissen war von der Schließung bedroht und nur die Übernahme in staatlichen Besitz in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts rettete die Manufaktur vor dem Konkurs.

Exporte nach England und die USA und Neubau im Triebischtal

Nach dem Überstehen der schweren Zeit zog die Meissener Porzellanmanufaktur von der Albrechtsburg um in das Triebischtal in Meißen, wo ab 1861 die neuen Fabrikgebäude entstanden. Die Meißener Fabrik überlebte das 19. Jahrhundert auch aufgrund der hohen Nachfrage aus England und den USA. So waren die Engländer versessen auf alte Formen aus der Zeit des Rokoko, die Lockerung der Zollformalitäten ab den 1820er Jahren kamen dem Export zugute.

Berühmte Modelleure des 18. und 19. Jahrhunderts waren bis 1731 Johann Gottlieb Kirchner, nach 1731 Johann Joachim Kändler, danach Michel Victor Acier und bis 1794 der Schüler Kändlers Johann Carl Schönheit. Im 19. Jahrhundert trugen auch die Weltausstellungen zum Aufschwung des Meissener Porzellans bei. Berühmte Künstler wie Gottfried Semper waren in jenen Tagen beteiligt.

Bürgertum und Märchenkönig als Klientel des ausgehenden 19.Jahrhunderts

Vor allem war es aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das neue Klientel, das Bürgertum, welches an die Stelle der höfischen Auftraggeber getreten war, dem die Meissener Porzellanmanufaktur einen großen Anteil des neuen Aufschwungs schuldete. In diesen Kreisen wurden die Tische vorwiegend mit dem Zwiebelmuster dekoriert. Das blaue Zwiebelmuster besitzt seine Vorbilder übrigens in den blauen Ornamenten der chinesischen Ming-Zeit. Der Begriff Zwiebelmuster ist leicht verwirrend, denn mit Zwiebeln hat das Muster nichts zu tun. Dargestellt sind im Spiegel-, Kehlen- und Fahnenmotiv Pfirsich, Granatapfel, Melone, Chrysantheme, Pfingstrose u.a. und alles sehr stilisiert. Vielleicht erinnerte die Melone manchmal an eine Zwiebel? Ich weiß jedenfalls nicht, woher der Ausdruck Zwiebelmuster kommt. Aufgrund der vielen Fälschungen des Zwiebelmusters hat die Manufaktur schon Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, zusätzlich im Zwiebelmuster selbst, in der stilisierten Wurzel seine blauen Schwerter darzustellen.

Und es gab natürlich noch einen höfischen Kunden und er war neben dem Bürgertum der Auftraggeber der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts: Ludwig II., der Märchenkönig von Bayern. Dieser ließ selbst überdimensionale Einrichtungsgegenstände wie Türrahmen, Waschgarnituren oder Kronleuchter aus dem weißen Gold aus Meißen herstellen.

Die Meissener Porzellan-Manufaktur im 20. Jahrhundert

Der Erfolg und das große Interesse der Öffentlichkeit veranlassten die Porzellanmanufaktur dazu, in den Jahren 1912 bis 1916 ein Porzellanmuseum zu bauen. Natürlich wurde mit dieser Marketingstrategie auch an die damals schon zahlreichen Sammler von Meissener Porzellan gedacht. Nach dem 1. Weltkrieg waren es Max Adolf Pfeiffer als Leiter sowie Künstler wie Ernst Barlach, Paul Scheurich oder Max Esser, welche zum weiteren Erfolg des Unternehmens beitrugen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Teile der Fertigung durch die Sowjets demontiert, die Porzellanmanufaktur in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Trotzdem entwickelte sich die Meissener Manufaktur zu einem der wichtigsten Devisenbringer der ehemaligen DDR. Nach der Wende 1991 wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt, in die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH. Das Land Sachsen beteiligt sich seitdem als Gesellschafter.

Abschließend noch kurz zur Benamung: Meißen mit „ß“ heißt der Ort; Meissener Porzellan mit „Doppel-S“ ist die Markenbezeichnung!

7 Kommentare über “Meissener Porzellan”

  1. Nils Kleine schrieb:
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    Meissen Mocca Service 24 teilig. sehr alt

  2. Nils Kleine schrieb:
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    24 teiliges Meissen Mocca-Service.

  3. Nils Kleine schrieb:
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    Meissen Mocca-Service 24 teilig.
    Jedes Tei individuelles Blumenmotiv.

  4. Gabi Hofmann schrieb:
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    Hier noch ein Foto – Sorry

  5. Gabi Hofmann schrieb:
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    Hallo liebe Sammler,

    habe von meiner Oma diese Schale geerbt. Kann mir jemand etwas darüber sagen, wie alt sie ist oder was sie einen Wert haben könnte. Vielleicht hat auch jemand Interesse an ihr?

    Vielen Dank im voraus

  6. Golz schrieb:
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    Hallo, können Sie mir sagen was das für ein Geschirr ist? Siehe Anlage Bilder.

    Mfg
    Golz

  7. Susanne Paatsch schrieb:
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    Woran erkenne ich das Alter des Porzellans?
    Ich besitze komplettes Kaffee-+Essservice vom Typ „indisch purpur“
    Vielen Dank für die Hilfe!!

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