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    Carrera

    Carrera Johann Neuhierl Fürth Carrera Autorennbahn

    Eine kleine Einführung in die Carrera-Rennbahn

    Die Geschichte der Firma JNF (Johann Neuhierl Fürth), insbesondere als Blechspielzeughersteller, steht an anderer Stelle beschrieben.
    Als Hermann Neuhierl im Jahre 1957 den Betrieb von seinem Vater Johann übernahm, begann die Zeit des Kunststoffes. Es sollte allerdings noch etwa 20 Jahre dauern, bis mit CKO Kellermann der letzte reine deutsche Blechspielzeug-Hersteller seine Pforten schließen musste. Bei Neuhierl wurden jedoch schon früh die Zeichen der Zeit erkannt.

    Mit dem Aufkommen der ersten japanischen Plastik-Autos Anfang der 60er Jahre kreierte Neuhierl die Kunststoffserie „Struxy „. Es war eine Modellbaureihe aus Kunststoff; die einzelnen Modelle waren im Baukastenprinzip zerlegbar und förderten so den kindlichen Forscherdrang. Erfolgreich war die Serie allerdings nicht.

    Auf einer Auslandsreise entdeckte der Tüftler Dr. Hermann Neuhierl, von Beruf übrigens Chemiker, eine elektrische Autorennbahn. Der Pionier der Autorennbahnen war der englische Hersteller Scalextric , der Rennbahnen seit den 50er Jahren herstellte. Mit seinem Gespür für den Markt entwickelte Hermann Neuhierl ein Slotcar-System im Maßstab 1:32, welches unter dem Namen „Carrera-System “ 1963 auf den deutschen Markt kam. Den Namen „Carrera“ entlieh sich Neuhierl von Porsche; die Firma Porsche benannte ihr Modell Porsche Carrera wiederum nach der „Carrera Panamericana“, einem Straßenrennen im größeren Raum Mexiko. Das Wort „Carrera “ bedeutet dabei im spanisch sprechenden Südamerika übersetzt soviel wie Wettrennen, aber auch Rennbahn.
    Das 1963 auf den Markt gebrachte Carrera-System bot die Auswahl unter 3 unterschiedlich großen Basispackungen; jede enthielt einen Ferrari Formelwagen Tipo 156 sowie einen Porsche Formelwagen 804 . Diese beiden Autos sind auch heute noch recht häufig vorzufinden. Es gab jedoch auch seltenere Varianten.
    Diese ersten Automodelle waren einfach, aber stabil. Die Ausstattungselemente der Rennbahnen mit Fernsehturm, Zuschauertribünen, Rennfahrerfiguren oder gar Strohballen zur Sicherung in den Kurven ließen realitätsnahes Spielen zu; man konnte die Autorennen vom Nürburgring regelrecht nachahmen.
    Die recht erfolglose Struxy-Serie wurde 1965 eingestellt, auch weil man zusätzliche Arbeitskapazitäten für das Carrera-System benötigte. Noch im Jahr 1964 erweiterte Neuhierl sein Angebot des Carrera-Systems auf insgesamt 7 Fahrzeuge. Drei Modelle konnten mit Licht fahren. Angeboten wurden jetzt 19 Streckenteile, mit welchen man eine 6-spurige Bahnanlage aufbauen konnte. In den nächsten 2 Jahren wurde das Angebot an Ergänzungsteilen immer mehr erweitert, um zum Beispiel Rundenzähler, Kreuzungen oder Schikanen, so dass man 1966 schließlich auch eine 10-spurige Bahnanlage bauen konnte.

    1966 Gründung der Neuhierl GmbH & Co. KG, Inhaber Dr. Hermann Neuhierl sowie seine Mutter Frieda Neuhierl.
    Im Jahre 1967 bringt Carrera ein neues Rennbahnsystem im Maßstab 1:24 heraus, etwas größer als das im Maßstab 1:32 und als Rennbahnsystem 124 bezeichnet. Den kleineren Maßstab 1:32 bezeichnet man ab nun als Carrera 132 Universal , unter Sammlern ist sie auch abgekürzt als Uni-Serie bekannt.

    Ein genialer Marketing-Schachzug war die Durchführung der Carrera-Bundesmeisterschaft, in welche die lokalen Fachhändler involviert waren. Es gab Preise und Pokale; die Endausscheidung fand im November 1966 in Hamburg statt. Dies war für Neuhierl wollkommener Anlass, das vorher schon erwähnte Rennbahnsystem im Maßstab 1:24 einem breiteren Publikum vorzustellen.
    Bei den Rennautobahnen war Neuhierl die Nummer 1 und baute diese Position fortan weiter aus. Eine Voraussetzung, – ein unbedingter Marktvorteil -, war hierbei, dass Carrera 3 Stromleiter in den Fahrspurteilen bereitstellte, anstatt nur 2 wie bei der Konkurrenz. So konnten die Modelle in beiden Fahrtrichtungen bewegt werden, also authentischer Fahrbetrieb simuliert werden! Bei der Vermarktung des Produktes ließ Carrera zudem prominente Sportler für die Rennbahn werben, z.B. Porsche-Pilot Huschke von Hanstein, Idol der damaligen Zeit.

    Um den Vorsprung zu halten, erweiterte Neuhierl sein Angebot stetig. 1967 zeigte der zum ersten Mal vierfarbig gestaltete Katalog auf 60 Seiten 12 verschiedene Modelle. 6 Modelle waren nach dem Baukastenprinzip hergestellt, ähnlich der eingestellten Struxy-Serie .

    Stark erweitert wurde auch das System „Carrera 132 Universal „. In diesem Jahr 1967 kam auch das neue Rennchassis auf den Markt. Es war eine tiefliegende Lexankarosserie, welche die „Straßenlage“ der Rennmodelle verbesserte und fortan Standard wurde.
    Carrera 132 Universal umfasste zu dieser Zeit 17 Automodelle, welche gegenüber der Konkurrenz mit deren Zweileiter-Stromsystemen sehr aufwendig verarbeitet waren. So bestand etwa der Stromabnehmer der Rennautos schon aus 17 Einzelelementen.
    Gegenüber dem größeren System 1:24 war des 132er Universal der eigentliche Verkaufsschlager bei Carrera!




    In den anschließenden Jahren versuchte Neuhierl, sein Marktsegment, welches bis dato ausschließlich die 132er und 124er Bahnen umfasste, zu erweitern.
    So stellte man 1969 auf der 20. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg das dreidimensionale Flugspiel „Carrera Jet “ vor. Bei diesem Spiel bestanden die Flugbahnen aus durchsichtigen Schienensträngen aus Kunststoffmaterial, welche zusammenmontiert eine dreidimensionale Flugbahn simulierten. Das System „Carrera Jet “ war, wie von Neuhierl gewohnt, technisch hochwertig und umfassend ausgestattet. Die Flugzeuge, die Jets, waren z.B. mit Schleudersitzen versehen. Die Bahnstränge ermöglichten viele Varianten an Flugbahnen. Selbst eine Apollo-Raumkapsel samt Mondmodell war in Ansehung der Erstlandung auf dem Erdtrabanten der Grundpackung beigegeben.
    Vielleicht aufgrund der Komplexität dieses Spielzeuges war diesem kein größerer Erfolg beschert. 1971 wurde das System „Carrera Jet “ wieder eingestellt. Das Spiel selbst und seine Einzelelemente werden allerdings heute von Sammlern vermehrt nachgefragt und erzielen entsprechende Preise. So dürfte die Raumkapsel in entsprechender Qualität kaum noch unter 250 Euro zu haben sein!

    Neuhierl, der Unermüdliche, experimentierte weiter und offerierte bereits auf der Spielwarenmesse 1970 ein LKW-System für die Universal 132, das „Carrera Transpo System „. Diese LKWs mit eigenem Bahnsystem konnten problemlos in die 132er Bahnen eingebunden werden. Betonmischer, Muldenkipper, Gabelstabler oder auch der Thermozug (dieser ab 1971) waren bevorzugte Modelle. Steuergeräte ermöglichten die LKWs zu rangieren, zu be- und entladen; weiters Zubehör wie Förderbänder, Kiesgruben, Silos etc. ließen realitätsnahes Spielen zu.

    Ein anderes neues System aus dem Jahre 1070 war „Carrera Tempo „. Es war im Maßstab 1:60 gehalten und den bekannten weichen Darda-Bahnen nachempfunden. Der Antrieb der Modelle erfolgte elektrisch oder auch mechanisch. Das System wurde wegen Erfolglosigkeit bald wieder eingestellt.

    Gleichzeitig wurde für Kindergartenkinder das Spielsystem „Struxi „, in Anlehnung an die in den 60er Jahren eingestellte Struxy-Serie, angeboten.
    Die Autos und Bauteile waren entsprechend der ihnen zugedachten Klientel zwar robust, passten aber nicht so recht ins ansonsten hochwertige Carrera-Programm, so dass auch hier der Geschäftserfolg hinter den Erwartungen zurückblieb.

    Im Jahre 1972 wird der Firmenname in „Carrera Spielwarenfabrik Neuhierl GmbH & Co. KG“ umbenannt. Im selben Jahr tritt die Firma wiederum mit einer Neuerung auf. Die „Structo “ -Reihe wird eingeführt. Es sind Fahrzeuge, Autos, Schiffe, Flugzeuge in unterschiedlichsten Maßstäben, teils mit Funksteuerung, Fernlenkung per Kabel oder auch mit Friktionsantrieb. Es handelt sich um nicht bahngebundene Einzelfahrzeuge. Sie weisen wieder die gewohnt hohe Qualität und Vielseitigkeit der Neuhierl-Spielzeuge auf.
    Bezüglich seiner Rennbahnen versieht Carrera im Jahre 1975 seine Transpo-LKWs mit Dachschaltern; sie werden endgültig in das System Universal 132 integriert.

    Bereits 1 Jahr später, 1976, stellt die Firma eine Rennbahn im Maßstab 1:60 vor, die bislang kleinste in der Palette der Bahnen. Sie ist der „Carrera Universal 132 “ nachempfunden, nur dass sie kleiner ist. Sie bekommt den Namen „Carrera 160 „. Manche der Modelle basieren auf der 1972 mangels Nachfrage eingestellten Serie „Carrera Tempo“. Das System ist spurgebunden, das heißt, ein Wechsel auf eine andere Spur ist nicht möglich. Sie war der zeitgleich existierenden AMS Faller nicht unähnlich.

    Kurz vor dem Höhepunkt der Firmengeschichte in 1979 kreiert Neuhierl in 1978 eine neue Rennbahn mit Namen „Carrera Servo „. Sie erschien in 2 Variationen: einmal als „Carrera Servo 132 “ und zum anderen als „Carrera Servo 160 „. Der Carrera 132 Servo war allerdings kein Erfolg beschieden. Die Modelle stammten zwar von der 132er Universal, aber das Bahnsystem war völlig neu überarbeitet. Das System, obwohl technisch absolut zuverlässig, wurde nach 5 Jahren wieder eingestellt.
    Mehr Erfolg hatte die Carrera Servo 160 . Sie basierte ebenfalls auf der Carrera Universal 132 , war dieser eigentlich gleich bis auf den kleineren Maßstab, aber der entscheidende Unterschied war, dass sie nicht spurgebunden war, das heißt, es war möglich, die Modelle von einer Spur auf die andere zu manövrieren. Dieser entscheidende Fortschritt bedeutete allerdings auch das Aus für die spurgebundene Universal 160.

    Carrera versuchte den Erfolg der 160er, wie schon in der Vergangenheit, auf das größere Spursystem 140 zu übertragen. Im Jahre 1979 wurde das lenkbare, nicht spurgebundene System „Carrera Servo 140 “ vorgestellt. Der Erfolg dieses Systems währte bis zum Jahre 2000. Ab 1998 wurde es als „Carrera Servo plus “ verkauft.

    Die technologische Entwicklung und damit auch günstigere Herstellung von Spielzeug war nicht aufzuhalten. So wurde „Carrera Profi “ entwickelt und im Jahre 1984 vorgestellt. Es war im Maßstab 1:40 gehalten und spurgebunden. Es trat an die Stelle der Erfolgssysteme Carrera 124 und Carrera Universal 132 , welche nun eingestellt wurden. Das neue System war deutlich billiger herzustellen. Es hielt sich bis ins Jahr 2006.

    Trotz allem war der Niedergang der Firma nicht mehr aufzuhalten. Zu viele Neuerungen der vergangenen Jahre waren ein Mißerfolg. Die Kapazitäten waren bei Weitem nicht mehr ausgelastet. So kam der Antrag auf Insolvenz Anfang 1985 nicht überraschend. Es muss eine außerordentliche Belastung für Hermann Neuhierl und seine Mutter gewesen sein; sie nahmen sich nur eine Woche nach Konkursantrag Anfang Februar 1985 das Leben. Es war dies einer der tragischsten Tiefpunkte der einst blühenden deutschen Spielzeugindustrie.

    Nach diesem tragischem Einschnitt übernehmen andere die Firma, welche nun in „Carrera Century Toys“ umbenannt wird.
    Im selben Jahr erscheint die Serie „Carrera Strax „. Die mit einer Funkfernsteuerung versehenen Modelle werden nun von einer Batterie betrieben. Ein absolutes Novum ist die Bahnanlage; sie besteht aus unzählig vielen sogenannten Sticks, aus denen man nahezu jede vorstellbare Bahnführung gestalten kann. Mit den vormaligen Slotcar-Bahnen hat diese Serie allerdings nichts mehr zu tun.
    Später, als sich der Verkauf der Produkte immer mehr aus dem Einzelhandel heraus in die großen Kaufhaus- und Marktketten verlagerte hatte, erscheinen Billigausgaben von Carrera Profi wie „Car Racing“ 1988 sowie Neuauflagen der alten Carrera 124 wie „Carrera Exclusiv “ im Jahre 1989. Bei letzteren wurden sogar anfangs die alten Modelle wieder aufgelegt. Aufgrund des Erfolges dieser Serie wurde 1998 die Serie „Carrera Evolution “ nachgeschoben, im Prinzip das gleiche System nur im Maßstab 1:32.
    In den folgenden Jahren wird die Firma nochmals veräußert, sie hat es angesichts großer ausländischer Konkurrenz schwer, sich zu behaupten. Sie erhält 1999 den neuen Namen „STS Racing GmbH“ und hat ihren Sitz in Nürnberg statt in Fürth. Die Systeme werden ausschließlich in Fernost produziert. Erwähnenswerte neuere Systeme der letzten Jahre sind noch „Carrera Go!! „, das digitale „Carrera Evolution Pro X “ auf der Basis der Carrera Evolution, später Carrera Pro X sowie neuerdings „Carrera Digital 132 “ als Fortentwicklung der Pro X mit der Möglichkeit, bis zu 6 Modelle gleichzeitig fahren zu lassen.

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