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    Erinnophilie

    Erinnophilie

    Erinnophilie – Versuch einer Deutung

    Die Erinnophilie gehört wie die Ephemera zu den Sammelgebieten, bei denen man schon beim Namen zweimal hinhören muss. Kennt das überhaupt einer? Was ist denn Erinnophilie? Ich denke bei diesem Wort seltsamerweise immer an „erinnern“. Und es scheint hier hier Zusammenhänge zu geben. Die Erinnophilie bezeichnet ja das Sammeln aller Arten von Marken, die nicht postalisch sind. Es gibt sogenannte Erinnerungsmarken! Vielleicht deutet der Wortstamm „no philie“ auch auf „keine Briefmarken“ hin? Egal! Den Begriff gab es allerdings schon vor 1940!Werbemarken von Pelikan als Beispiel von Erinnophilie

    Was wird alles gesammelt?

    Bei englischen Sammlern werden sie als Cinderellas bezeichnet, obwohl Cinderella eigentlich „Aschenputtel“ bedeutet; hierunter fallen alle nichtpostalischen Marken. Es gibt sehr viele Arten von nichtpostalischen Marken, also solche, welche nicht als Äquivalent für die Zahlung einer Briefbeförderung in Anspruch genommen werden dürfen und vom Weltpostverein anerkannt sind. Da gibt es zunächst den riesengroßen Markt der Werbemarken. Wie der Name schon hergibt, dienen Werbemarken der Werbung oder Reklame (daher auch Reklamemarken) für bestimmte Produkte. Werbemarken wurden entweder auf Briefen oder anderen Schriftstücken mit aufgeklebt; manchmal waren sie in den Produktpackungen enthalten und es gab zur Aufbewahrung und Vervollständigung Sammelalben. Werbemarken waren in der Regel Verkleinerungen von Werbekarten oder gar Plakaten, welche von Plakatkünstlern im Auftrag der großen Firmen angefertigt wurden. Ich möchte an dieser Stelle auf die an anderer Stelle schon behandelten Künstler wie Alfons Maria Mucha oder Ludwig Hohlwein verweisen. Ähnlich wie die Plakate lagen die Geburtsjahre der Werbemarken oder Reklamemarken bereits im 19. Jahrhundert. Die Hochzeit dieser Marken lag am Anfang des 20. Jahrhunderts, zu einer Zeit, als es nur wenig mehr als Zeitungen, Litfaßsäulen oder Schriftstücke als Werbeträger gab. Der ungeheuren Flut an Reklamemarken, Schätzungen gehen an die 100.000 verschiedene Marken, wurde letztlich nur durch den 1. Weltkrieg Einhalt geboten. Herausgeber von Werbemarken, Gebührenmarken, Fiskalmarken, Vignetten waren nicht nur gemeindliche Verwaltungen oder Firmen, sondern auch Finanzämter, Sportvereine, Verkehrsvereine oder Wandervereine, um nur eine kleine Auswahl anzusprechen.Stadtmarke der Stadt Homberg

    Nichtpostalische Marken in der Werbung

    Werbemarken und Postkarten hatten natürlich schon immer ihre Funktion als Werbeträger für Städte und Gemeinden. Manche Postkarten, ich denke hier an einige „Ich-komme-Karten“, besaßen kleine Aufklappbilder mit Ansichten des jeweiligen Ortes. Die für Orte und Städte werbenden Marken werden auch als „Fremdenverkehrs-Marken“ bezeichnet. Neben den Reklamemarken zählen insbesondere Steuermarken und Gebührenmarken zur Erinnophilie. Andere nichtpostalische Marken sind Vignetten, Fiskalmarken, Stempelmarken, Siegelmarken. Diese Begriffe werden allerdings oftmals auch nur als alternative Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache benutzt. Nicht zu vergessen sind halbamtliche Flugmarken oder auch Wohltätigkeitsmarken und Spendenmarken.

    Die Marken als Lineal der geschichtlichen Entwicklung

    An den nichtpostalischen Marken, insbesondere den Werbemarken und Fremdenverkehrsmarken, lässt sich die geschichtliche Entwicklung wunderbar ablesen. Es ist nicht nur die gravierende Änderung in der Drucktechnik, der Grafik, des Werbestils, die das Interesse auf Geschichte erwecken; es sind vor allem auch die lokalen Änderungen im Orts- und Landschaftsbild. Der Wandel der Geschichte unter städtebaulichen und landschaftlichen Aspekten lässt das lokale Forscherherz aufleben.