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    Historische Karten

    Landkarten Historische Karten

    Einführung in das Sammelgebiet alte Landkarten und Karten

    Catal Hüyük ist die größte bekannte ausgegrabene Siedlung der Jungsteinzeit. Sie dürfte etwa 9000 Jahre alt sein und besaß bis zu 10.000 Einwohner. Hier fand man die bis heute älteste karthographische Darstellung.
    Bis zu diesem Fund 1963 galten vorchristliche Karten aus dem Zweistromland von Euphrat und Tigris sowie dem Nilbereich aus Ägypten als die ältesten bekannten Karthographien.
    Etwa 5.800 Jahre alt ist die Tontafel von Nuzi mit der Darstellung des Nordens des Zweistromlandes, ca. 3.500 Jahre alt ist der sumerische Stadtplan von Nippur in Babylonien, ca. 3.300 Jahre alt die Kartendarstellung auf Papyrus, welche die Gegend von Koptus in Ägypten wiedergibt und ca. 2.600 Jahre alt ist die auf Ton eingeritzte babylonische Weltkarte.

    Stadtplan Nippur
    Stadtplan Nippur

    In Deutschland erweckte die vor einigen Jahren gefundene Himmelsscheibe von Nebra mit einem Alter von etwa 3.700 Jahren besondere Aufmerksamkeit.

    Zeit der Antike und Christi Geburt

    Aus der Zeit der Antike und Christi Geburt sind verschiedene Karten bekannt. Ab 200 v. Chr. konnte bei den karthographischen Darstellungen auch die Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist, eingebunden werden. Eine der bekanntesten Darstellungen jener Zeit dürfte die Tabula Peutingeriana, eine Straßenkarte des römischen Reiches, sein.




    Mittelalter

    Die Römer besaßen mit ihrer Tabula Peutingeriana und anderer Karten zwar beste Darstellungen ihres berühmten Straßen- und Wegenetzes, ansonsten waren die Karten aber noch sehr verzerrt. Für die Aufrechterhaltung ihres Reiches war die Darstellung der Infrastruktur aber auch am Wichtigsten.

    Aus dem Mittelalter kennen wir weit ungenauere Karten. Insbesondere die in den Klöstern angefertigten Weltkarten, die sogenannten mappae mundi, waren sehr von den religiösen Vorstellungen ihrer Verfasser beeinflusst. So standen oftmals die heiligen Stätten des Christentums im Mittelpunkt ihrer Weltkarten. Die bekanntesten mappae mundi sind die Epsdorfer Weltkarte von 1235 und die Hereforder Weltkarte von 1270.

    Erst die Portulan- und Rumbenkarten der Seefahrt brachten mit immer neuen Entdeckungen eine große Verbesserung. Diese auf Rinds- oder Schafhäuten gezeichneten Karten beinhalteten sehr genaue Küstenumrisse sowie die an den Küsten liegenden Hafenstädte. Erste Portulankarten sind im Jahre1285 bekannt. Beispiel für eine Portulankarte dieser Zeit ist die Pisaner Karte; zu den weiteren bekannten zählt auch die Florentiner Seekarte von 1351.

    Mit immer neuen Entdeckungen konkretisierten sich schließlich die Karten. Einer der bekanntesten Entdecker und Geografen war Amerigo Vespucci mit seinen exakten Schilderungen von Südamerika.

    Den Gang zur modernen Karthografie ebneten dann Karthographenschulen in Italien und Spanien sowie große Kartenverlage in Deutschland und in den Niederlanden. Erste Landesaufnahmen fanden statt und es entstanden systematische Kartensammlungen, welche der Geograf Mercator den Begriff „Atlas“ erfand. Die Niederländer waren Mitte des 16. Jahrhunderts führend in der Karthografie. In der Folge weitete sich das Gebiet der Karthografie aus auf Reisepläne, Stadtpläne, Entfernungskarten sowie Stadtansichten aus der Vogelperspektive. Für Letztere steht der Name Merian.

    Merian von Homberg an der Efze
    Merian Homberg Efze
    Arbeitstechnisch wurde zunehmend der Stich eingesetzt. Mit Übergang zum 19. Jahrhundert erschienen die ersten Topographischen Karten, ab 1850 auch in Farbe, um eine größere Differenziertheit zu schaffen.

    Gegenwart

    Heutzutage werden Karten kaum noch mit der Hand hergestellt. Kennzeichneten nach dem Krieg noch die Verwendung von Luftbildern oder die Glasgravur als neues Druckverfahren einen Hochpunkt in der karthografischen Entwicklung, so wird diese Arbeit jetzt am Computer mit Hilfe von Geografischen Informationssystemen (GIS) erledigt; als nicht verzichtbare Grundlagen sind neuartige Luftbilder und Satellitenbilder hinzugekommen.

    Zur Zeit erleben wir allerdings die Ablösung der gewohnten Topographischen Karten, also Karten, in welcher die sichtbaren Gegenstände der Erdoberfläche wie Geländeformen durch kartographische Zeichen wiedergegeben werden und an welche wir uns sehr gewöhnt hatten, durch ALK- und ATKIS-Daten, welchen die topographischen Höhepunkte eines Ausschnittes fehlen und die dadurch fast schon seelenlos wirken.

    Literatur zum Sammelgebiet Historische Karten

    A. Hermann: „Die ältesten Karten von Deutschland bis Mercator“, Köhler-Verlag, Leipzig 1946

    Kretschmer, Ingrid et al. (Bearb.): „Lexikon zur Geschichte der Kartographie. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg.“ , Deuticke, Wien 1986.

    ISBN 3-7005-4562-2

    Schneider, Ute: „Die Macht der Karten. Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute.“ 2. Aufl. Darmstadt: Primus Verlag, 2006

    ISBN 3-89678-292-4

    Barber, Peter (Hrsg.): „Das Buch der Karten: Meilensteine der Kartographie aus drei Jahrtausenden.“ Darmstadt: Primus, 2006.

    ISBN 3-89678-299-1

    Joachim Leithäuser: „Mappae mundi. Die geistige Eroberung der Welt“, Safari-Verlag, Berlin 1958

    Edgar Lehmann: „Alte deutsche Landkarten“, Bibliographisches Institut, Leipzig 1935

    Ina Isenbörger: „Die Erde ist rund. Die abenteuerliche Geschichte der Landkarte“, Grünewald-Verlag, Mainz 1963