Wedgwood sammeln

Das Genie Joshua Wedgwood

Das Töpfergenie Joshua Wedgwood (1730 – 1795) stellte in seiner Manufaktur sowohl Steingut als auch Steinzeug her. Auf beiden Gebieten entwickelte er, sowohl was das Handwerkliche, das Künstlerische als auch das Kaufmännische betraf, geradezu geniale Ideen. Er kam am 12. Juli 1730 in Burslem in der Grafschaft Staffordshire in Mittelengland zur Welt. Hier in Nordstaffordshire mit seinen reichen Ton- und Lehmvorkommen hatte sich um Stoke, Burslem, Henley, Langport, Tunstall, Golden Hill und anderen Ortschaften schon lange der Schwerpunkt der englischen Potteries, der Töpfereien, entwickelt. Die Familientöpferei Churchyard Potterie der Wedgwoods bestand zum Zeitpunkt der Geburt Joshuas bereits um die 100 Jahre.

Bereits mit 29 Jahren wurde Joshua Wedgwood selbständiger Unternehmer. Schon in diesen Jahren experimentierte er an der Verbesserung und Herstellung von Tonwaren, die in ihrer Qualität an das Porzellan heranreichen sollten. Steingut wurde zunächst noch unter geradezu unmenschlichen Bedingungen per Hand hergestellt. Kinder arbeiteten in den Potteries über 12 Stunden am Tag. Friedrich Engels berichtete noch 1845 in seinem Werk „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ auch über die Arbeitsbedingungen in den Potteries von Nordstaffordshire. Das Gefährlichste war wohl das Eintauchen der fertigen Tonwaren mit bloßen Händen in Flüssigkeiten, welche mit Blei und Arsen angereichert waren und zu lebensbedrohenden Krankheiten wie Schwindsucht oder epilleptischen Anfällen führten. Auch die Steinpolitur etwa von unglasiertem Steinzeug war aufgrund dadurch entstehenden Staubpartikel stark gesundheitsschädigend.

Beginn der industriellen Fertigung und Erfindung der „Cream Ware“

Wedgwood war es, der diese manuellen Arbeitsgänge, auch aus humanen Gründen, auflöste und die industrielle Herstellung der Waren einleitete. Vielleicht war es seine Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft der Quäker, die ihm dieses ausgesprochen soziale und humane Engagement verlieh. Für seine Arbeiter schuf er gar im Jahre 1769 ein ganzes Dorf und nannte es, wohl aus seiner Liebe zu Italien und der antiken klassischen Kunst, die sich ja auch in seinen Dekors wiederspiegelte, „Etruria“. Etruria, Heimat der Etrusker, kann als das Stammland des heutigen Italien angesehen werden. Die Industrialisierung im Bereich der keramischen Produktion, die in Staffordshire mit dem Namen Wedgwood begann, führte zu einer sehr viel preiswerteren Herstellung von Steingut. Zudem war es Wedgwood bei seinen Experimenten gelungen, ein ganz exquisites cremefarbenes Steingut herzustellen, das dem Porzellan ähnelte. Er nannte es „Cream Ware“ oder auch „Creamware“. Hieraus wurden sowohl Gebrauchskeramik für den Haushalt als auch dekorative Einzelstücke mit überwiegend klassischen Motiven für das gehobene Bürgertum hergestellt. Nachdem auch das englische Königshaus auf seine Waren aufmerksam wurde und bei Wedgwood bestellte, durfte er sich selbst „Töpfer seiner Majestät“, „potter of her majesty“ sowie sein Feinsteingut „Queen’s Ware“ nennen.

Es ist diese Creamware, die ab den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts durch neue Vertriebswege auf den europäischen Kontinent drängt. Hier wird das cremeweiße Steingut als „Englisches Porzellan“ gelobt; es beginnt, die sehr viel teureren Fayencen und Porzellane zum Nachteil der kontinentalen Hersteller nach und nach zu ersetzen. Die Creamware oder Queen’s Ware ist den kontinentaleuropäischen Fayencen vor allem in ihrer Härte und Bearbeitbarkeit überlegen. Festigkeit und Härte wurden unter anderem durch die Beimengungen von Feldspat für die Härte und Kaolin, welches normalerweise zur Produktion von Porzellan genutz wird, für die Helligkeit erreicht. Die Creamware wurde zudem mit 1280 ° C für Steingut außergewöhnlich hoch gebrannt.

In Deutschland hatte nicht nur die Herstellung von Fayencen und Porzellan, sondern auch die Produktion des u.a. durch die Westerwälder Keramik verbreiteten salzglasierten Steinzeuges unter der Vermarktung der Creamware zu leiden. Die Umsätze brachen enorm ein. Das neue Tongut aus England wurde in einem zweiten Brand mit einer wasserdichten Bleiglasur versehen. Der Scherben wurde vor dem Brand komplett in eine solche Glasurflüssigkeit getaucht. Die Formen- und Farbenvielfalt kam natürlich auf dem Festland groß an. Englisches Steingut beherrschte bald den Markt. Allein ca. 1700 Manufakturen stellten um 1800 in England Steingut her; viele davon kamen aus der Grafschaft Staffordshire. Steingut wurde nun geradezu industriell und in großen Massen gefertigt. Europäische und auch deutsche Häfen wurden direkt angesteuert, um die großen Mengen anzuliefern. Da Joshua Wedgwood derjenige war, der die Maßstäbe setzte, wurde besonders seine Waren immer wieder imitiert. Natürlich auch auf dem deutschen Markt, wo es um 1800 nun auch schon etwa 25 Steinguthersteller gab; angesichts der englischen Anzahl war dies allerdings gering. Für den Sammler nicht unwichtig ist, dass nicht nur die vielen Stile von Wedgwood imitiert wurden, sondern auch sein Markenzeichen „Wedgwood“ selbst. So ist heute schwer einzuschätzen, ob ein gemarktes „Wedgwood“ auch ein echter Wedgwood ist. Über die wichtigsten Stile Wedgwoods werden wir an anderer Stelle berichten.

Porzellan als Konkurrenz für Steingut

Obwohl Steingut im 19. Jahrhundert seine Hochphase hatte, wuchs die Konkurrenz durch die zunehmend günstiger herzustellenden Porzellanprodukte langsam, aber stetig an. Was sich hier wie ein Zeitraffer liest, hat in Wirklichkeit mehrere Jahrzehnte angedauert. Auch nach der Entwicklung des Steingutes war man gezwungen, ständig neu zu experimentieren, um porzellanähnliche Keramikarten herzustellen. Denn chinesisches Porzellan galt weiterhin als das Non plus Ultra. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz auf das sogenannte „Bone China“ verweisen, ein bei ca. 1200 ° C gebrannter porzellanähnlicher Scherben, bei dem das Kaolin weitgehend oder teilweise durch, wie der Name bereits sagt, Knochenasche ersetzt wurde. Dieser Scherben besaß die typische Transparenz von Porzellan, war aber aufgrund des Fehlens der entsprechenden Menge an Kaolin und der niedrigeren Brenntemperatur nicht annähernd so hart.

Aber auch bei den Innovationen gegen Ende des 18. Jahrhunderts war es wieder Joshua Wedgwood, der mit der Erfindung der Jasperware auf sich aufmerksam machte.




siehe auch Keramik, Irdenware, Terrakotta, Fayencen/Majolika, Steingut, Wächtersbacher Steingut, Steinzeug, Jasperware, Westerwälder Steinzeug, Porzellan, Literatur Keramik

Ein Kommentar über “– Wedgwood”

  1. Thieme, Lucie schrieb:
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    Toller Artikel zum Thema Wedgewood.
    Ich besitze ein „white and gold Wedgewood coffee servie, decorated with gold vine leaves“
    und würde gern wissen, was dieses für Sammler für einen Wert hat.

    Danke

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