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    Streichholzschachteln

    Streichholzschachteln, Zündhölzer, Streichhölzer, Zündholzschachteln sammeln

    Einleitung

    Streichholzschachteln oder Zündholzschachteln dienen dem Verpacken und Transportieren von Streichhölzern oder Zündhölzern. Das Sammeln solcher Streichholzschachteln oder auch Streichholzbriefchen bezeichnet man als Phillumenie, die Sammler als Phillumenisten. Da Streichholzschachteln ähnlich wie Briefmarken zumindest vor der Einführung des Feuerzeuges weit verbreitet waren, hat sich auf diesem Gebiet auch eine große Anzahl von Sammlern etabliert. Dabei bildet jedoch nicht die Schachtel an sich oder ihr Inhalt, die Streichhölzer, den eigentlichen Gegenstand des Interesses, sondern wohl die Etiketten oder auch die Lithographien auf den Schachteln. Die Streichholzschachteln selbst können aus Karton hergestellt sein, und dies betrifft wohl die überwiegende Mehrheit der Behältnisse; weniger oft sind sie aus Spanholz beziehungsweise sehr dünnem Sperrholz, seltener aus Metall wie Weißblech, aber auch Kunststoff wurde verwendet. Natürlich sind auch die Streichhölzer oder Zündhölzer selbst interessant, gibt es doch so unterschiedliche Zündhölzer wie Sicherheitszündhölzer, welcher ausschließlich auf den Reibflächen der dazugehörigen Streichholzschachteln entflammen oder selbstzündende Hölzer oder die aus alten Filmen bekannten Streichhölzer, welche an jedweder rauhen Fläche, wie zum Beispiel Hauswänden entzündbar sind. Es lohnt in jedem Falle ein kurzer Blick in die geschichtliche Entwicklung.

    Entwicklung des Streichholzes

    Vorläufer unserer heutigen Streichhölzer waren in Chemikalien getunkte kleine Hölzchen, welche entweder entflammt wurden, sich aber auch häufig in Verbindung mit Sauerstoff, also an der Luft, selbst entzündeten. Man kennt solche in Schwefel getunkte Hölzchen schon seit der Antike und auch aus dem alten China. Solche Schwefelhölzchen wurden zum Entflammen an glühenden Zunder gehalten. Ich habe im Artikel über Feuerzeuge bereits den Zunder erwähnt, zumeist trockenes Laub, trockenes Kleingehölz oder Rinde oder anderes organisches Material.

    In unseren Breiten besonders geeignet war der Zunderschwamm (fomes fomentarius), welcher an maroden Buchen oder Birken direkt am Stamm wächst. Man kann sich vorstellen, wie experimentierfreudig unsere Vorfahren, die Jäger und Sammler der Urzeit, gewesen sein müssen, bis sie herausfanden, dass gerade das getrocknete Innere dieses Pilzes sich in geradezu hervorragender Weise dazu eignete, mittels Funkenschlag zum Glimmen gebracht zu werden. ZunderschwammDarauf muss man erst einmal kommen! Diese von unseren Vorfahren gewonnene Erkenntnis wird heute noch beim Überlebenstraining in freier Natur, – einigen besser bekannt als Survival, angewendet.

    Bild rechts: Zunderschwamm aus meinem eigenen Bestand

    Ich habe im nebenstehenden Foto einen solchen Zunderschwamm aus meiner eigenen Sammlung abgebildet. Sie wurden eigentlich im gesamten Verlauf des Mittelalters genutzt, sind heute relativ selten geworden und stehen unter Naturschutz. Sie funktionierten um so besser, wenn sie mit Salpeter oder Phosphat getränkt wurden. Ich vermute, dass auch diese Erkenntnis bereits von unseren Vorfahren herrührt. Natürlich kannten diese noch keinen Phosphor im heutigen Sinne; das Periodensystem in der chemischen Lehre gab es damals einfach noch nicht. Ich kann mir vorstellen, dass auch hier wiederum die Experimentierfreudigkeit unserer Ahnen Pate stand: ich möchte entschuldigen, dass ich ganz kurz in die Stammtischsprache eintauche, – wahrscheinlich haben unsere Ahnen ganz einfach auf diesen Parasitenpilz gepinkelt und haben ihn anschließend trocknen lassen. Im menschlichen Urin oder Harn befinden sich genügend Stickoxid-Verbindungen und Phosphate, welche die Glimmeigenschaft verstärkten.

    Phosphorbüchsen und neue Tunkhölzer

    Den nächsten Markenstein in der Entwicklung der Streichhölzer setzten ohne Zweifel die sogenannten Phosphorbüchsen. Sie setzten sich aus zwei Komponenten zusammen, nämlich einem Phosphorfläschchen, in welchem der leicht entzündliche Phosphor in Wachs oder Ölen geschützt war sowie schwefelgetränkte Hölzchen. Diese wurden nach Tunken in den Phosphor ebenfalls durch Luftsauerstoff entzündet. Die Phosphorbüchsen sollen sich Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt haben. Es war überhaupt eine sehr erfindungsreiche Zeit. So wurde allerorten mit ähnlichen Tunkhölzern experimentiert. So wurde unter anderem mit einem Kaliumchlorat-Köpfchen versehene Schwefelhölzchen in Schwefelsäure getunkt. Auch hier erfolgte die Zündung durch schnelles Ziehen des Zündholzes an die freie Luft. Was all diesen Tunkhölzern gemeinsam war, – die Handhabung war einfach sehr gefährlich, die Herstellung äußerst gesundheitsschädlich. Insbesondere trafen diese Negativeigenschaften auf den weißen Phosphor zu.

    Die Entwicklung der Reibungsstreichhölzer

    So gingen die Überlegungen durchaus in die Richtung, die Hölzchen ohne Phosphor zu entwickeln. Dies gelang im Jahre 1826 dem englischen Apotheker John Walker. Seine Zündhölzer bestanden im Wesentlichen aus einer Mischung von Antimonsulfit und Kaliumchlorat und ließen sich an jeglicher rauen Oberfläche entzünden. Er nannte seine Zündhölzer „Friction Lights“, also Friktionszündhölzer oder Reibungszündhölzer. Wenig später, ab 1828, wurden diese auch von Samuel Jones als „Lucifers“ verkauft, und dies in einer Streichholzschachtel! Wir können dieses Jahr durchaus als den Beginn der Streichholzschachtel bezeichnen. Die Reibungsstreichhölzer waren längst nicht so gefährlich wie die Tunkhölzer, so dass man in Folge wiederum mit der Zugabe von Phosphor experimentierte. Der weiße Phosphor hatte neben seinen negativen gesundheitlichen Auswirkungen zumindest die positive, dass die Flamme gleichmäßig brannte.

    Sturmzündhölzer in Streichholzschachteln aus der DDRJakob Friedrich stellte solche Phosphorstreichhölzer ab 1832 als erster industriell her. Das Problem der Phosphorstreichhölzer war die äußerst leichte Endzündlichkeit, nicht selten entzündeten sie sich von selbst. Da

    Links eine Streichholzschachtel aus der ehemaligen DDR

    man diese Reibungsstreichhölzer in der Regel in Tasche oder Kleidung aufbewahrte, war eine solche Selbstentzündung nicht ungefährlich. Der nächste Schritt in der Entwicklung zum Sicherheitszündholz sollte daher die Minimierung dieser Gefährdung sein. Dies gelang mit dem Ersatz des Kaliumchlorats durch Bleidioxid in der Zündmischung! In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts gelang es zusätzlich, den gefährlichen weißen Phosphor durch roten Phosphor zu ersetzen. Diese neuen Zündhölzer waren allerdings auch an jeder rauhen Fläche entzündbar. Auch die Gefahr der Selbstentzündung war nicht vollständig behoben.

    Die Entwicklung des Sicherheitsstreichholzes

    Grundlage der Entwicklung der Sicherheitszündhölzer war die einfache wie geniale Idee, eine Reibfläche zu kreieren, an welcher sich die Streichhölzer ausschließlich entzünden konnten! Der rote Phosphor wurde aus der Zündmischung am Köpfchen des Streichholzes entfernt und in die Mischung der neu entwickelten Reibfläche gegeben. Da man aus der Geschichte der Reibungsstreichhölzer wusste, dass gerade die Mischung von rotem Phosphor und Kaliumchlorat äußerst leicht entzündlich war, wurde nun wiederum zusätzlich das Bleidioxid durch das bis einige Jahre zuvor noch benutzte Kaliumchlorat in der Zündmischung ersetzt. Das Sicherheitsstreichholz hatte nun hochentzündlichen Charakter, war allerdings ausschließlich an der speziellen Reibfläche zu entzünden! Diese Entwicklung des Sicherheitsstreichholzes durch den Frankfurter Chemieprofessor Rudolf Christian Böttger ist ins Jahr 1848 zu datieren. Streichholzschachtel Sherlock-Holmes-Museum LondonDas Zündsystem Böttgers bestand aus Antimonsulfid, dem genannten Kaliumchlorat und Glasmehl im Zündkopf sowie rotem Phosphor in der Reibfläche. In modernen Sicherheitszündhölzern befindet sich diese Mischung nur leicht modifiziert. Da die neuen Sicherheitszündhölzer in deutschen Reich schwer vermarktbar waren, verkaufte er die Patente nach Schweden, die nun wiederum diese Sicherheitshölzer, heute noch bekannt als Schwedenhölzer, erfolgreich nach Deutschland exportierte.

    Rechts eine etwas ältere Streichholzschachtel des Sherlock-Holmes-Museums in London

    In Deutschland bestand von 1930 bis 1983 ein staatliches Zündwarenmonopol. Dieses entstand nach der Weltwirtschaftskrise durch Anschub der nun führenden schwedischen Zündholzindustrie in Gestalt des Zündholzmagnaten Ivar Kreuger, der dem wirtschaftlich geschwächten deutschen Staat dieses Monopol über die Laufzeit von 53 Jahren erfolgreich diktierte. Kreuger war infolge wirtschaftlich am deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft beteiligt und mögliche deutsche Konkurrenzunternehmen durften ausschließlich unter dem Schirm der Monopolwaren-Gesellschaft produzieren. Die Grafiken auf den Streichholzschachteln waren einheitlich und wurden mit den Verkaufstiteln „Welthölzer“ oder „Haushaltsware“ versehen. Streichholzschachtel aus London

    Ältere Streichholzschachtel aus London

    Die Grafiken auf den Streichholzschachteln änderten sich allerdings alle paar Jahre. In Deutschland erschließt sich die Vielfalt der Streichholzschachteln, bedingt durch ihre oft wunderbaren und den Zeitgeist wiedergebenden Grafiken und Lithografien in der Zeit vor den Jahren der Monopolgesellschaft sowie nach 1983. Außerhalb der Jahre der Monopolgesellschaft fungierte die Streichholzschachtel überwiegend als Werbeträger und zu Zwecken der Reklame.