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    Hummelfiguren

    Hummelfiguren sammeln

    Chinesische Porzellanfiguren wecken die Sammelleidenschaft

    Seit die Menschen die Kunst der Porzellanherstellung beherrschen, erschaffen Meister ihres Fachs aus dem zarten Material kunstvolle Abbilder von Pflanzen, Tieren und Menschen. Porzellanfiguren gehörten wohl schon im China des vierten Jahrhunderts zum Repertoire der Keramiker. Die Ming-Zeit war später berühmt für ihre Götterstatuen und Pferdeskulpturen. Doch auch Dschunken und Gegenstände des Alltags inspirierten die asiatischen Künstler zu Keramikminiaturen. Mit feinem Pinselstrich wundervoll koloriert, weckten die exotisch wirkenden Objekte im 17. Jahrhundert die Sammelleidenschaft für Porzellan in Europa. Leisten konnte sich das allerdings nur der Adel. Denn die so genannten Chinoiserien waren sündhaft teuer. Eine Sammlung von chinesischen Figurinen, Vasen und Geschirr zu besitzen, war umso mehr eine Prestigefrage, als das weiße Gold aus dem Reich der Mitte mit einem Geheimnis umgeben blieb: Niemand in Europa wusste zu dieser Zeit, aus welchen Materialien die oft transparent wirkenden Gegenstände gefertigt wurden. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelang es den Europäern, dem lange gehüteten chinesischen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Und die Kunsthandwerker lernten schnell, mit dem neuartigen Werkstoff umzugehen. Als die ersten europäischen Porzellanmanufakturen in Meißen, Kelsterbach oder Sèvres entstanden, fertigten sie neben Porzellangeschirr und kleinen Gebrauchsgegenständen wie Dosen bald schon Figurinen und pastorale Ensembles.

    Die fränkische Firma Goebel erfindet die Hummelfiguren

    Verspielt, bunt, romantisch und detailverliebt passten die üppigen Dekorobjekte perfekt zur Ästhetik des Rokoko, die lange Zeit den Stil der Porzellanfiguren prägte. Im 19. Jahrhundert wurden die Miniaturen europäischer Manufakturen schließlich größeren Sammlerkreisen zugänglich. Einer der bekannten Hersteller dieser Zeit war die 1871 in Rödental bei Coburg gegründete Porzellanfabrik F. & W. Goebel. Das Familienunternehmen orientierte sich mit seinen Porzellanfiguren anfangs am Stil des Meißener Rokoko, wie er knapp ein Jahrhundert zuvor von Künstlern wie Franz Anton Bustelli für die bayerische Porzellanmanufaktur Nymphenburger entwickelt worden war. Doch die in den USA ausgebildete junge Goebel-Generation mochte sich nicht lange mit Traditionen allein begnügen. Daher brachte Goebel in den 1920er Jahren moderne Kleinskulpturen auf den Markt, die vom Art Déco und Keramikkünstlern wie Valerie Wieselthier inspiriert waren. Mitte der 1930er Jahre überraschten die fränkischen Porzellanfabrikanten dann mit einer Innovation, für die es auf dem Porzellanmarkt kein Vorbild gab: die Hummelfiguren. Diese dem Alltagsleben abgeschauten und zugleich stilisiert-kindlichen Gestalten entwickelten eine ganz eigene Ästhetik und wurden schnell zum Inbegriff figürlicher Porzellankunst Made in Germany. Und natürlich erschloss sich mit ihnen ein neues Sammelgebiet.




    Die Mutter der Hummel-Kinderfiguren

    Die ersten Kinderfigurinen der Rödentaler Manufaktur wurden von den Goebel-Mitarbeitern Reinhold Unger und Arthur Möller geschaffen, die als Modellierer gewissermaßen die Väter der neuen Produktlinie des Herstellers Goebel waren. Die Mutter und eigentliche Erfinderin der Kindergestalten war jedoch die aus Niederbayern stammende Kunstlehrerin Berta Hummel (1909-1946), die nach ihrem Eintritt in den kirchlichen Orden der Franziskanerinnen im Jahr 1933 den Namen Maria Innocentia Hummel annahm. Sie lieferte mit ihren Zeichnungen die künstlerischen Vorlagen für die Keramikminiaturen von Goebel. Und ihre Urheberschaft wird mit der Unterschrift M.I. Hummel dokumentiert, die sich auf jeder Hummelfigur befindet. Die im schwäbischen Kloster Sießen lebende Ordensschwester hatte mit ihren künstlerischen Arbeiten bereits Anfang der 1930er Jahre großen Erfolg gehabt. Insbesondere die mit sanften Pastellfarben kolorierten Darstellungen von niedlich stilisierten kleinen Mädchen und Jungen in einem ländlichen Milieu machten Schwester Maria Innocentia in Deutschland bekannt. Es entstanden Bücher und Kunstpostkarten, die überaus populär waren und auch die Aufmerksamkeit des Unternehmers Franz Goebel weckten. Er selbst soll die Idee gehabt haben, nach den Kindercharakteren der Ordensfrau Keramikminiaturen zu entwickeln. Im Rahmen einer finanziellen Vereinbarung mit Schwester Maria Innocentia Hummel und ihrer Klosterleitung erhielt er im Jahr 1934 die Erlaubnis, die Motive und den Namen der Nonne für seine neue Produktlinie zu benutzen.

    Jede Hummelfigur ist ein handkoloriertes Unikat

    Ob die Hummelfiguren ein gutes Geschäft für den Unternehmer werden würden, war bei Beginn der Produktion noch nicht abzusehen. Doch Franz Goebel kannte die USA und die Vorliebe vieler Amerikaner für alles, was nach deutscher Romantik und heiler Welt aussah. Diese Sehnsucht wollte er in den im Frühjahr 1935 erstmals als Kleinkeramiken vorgestellten Kindergestalten verkörpern. Um seine Vorstellungen umzusetzen, entwickelte Goebel mit seinen künstlerischen Mitarbeitern eine spezielle Produktionsweise. Insbesondere die in den gezeichneten Vorlagen benutzte Pastellkolorierung stellte neue Anforderungen an den Herstellungsprozess. Goebels Modellierungswerkstatt erarbeitete dafür eine eigene Farbpalette, in der warme Erdtöne dominierten. Auf diese Weise gelang es, die Farbgebung der Hummel-Zeichnungen originalgetreu auf den Keramikfiguren wiederzugeben. Aufgetragen wurden die Farben stets in Handarbeit. Jede Hummelfigur ist daher ein Unikat. Das macht für den Sammler den Reiz aus und erklärt zugleich den relativ hohen Preis der Figuren. Die übrigens handwerklich korrekt ausgedrückt nicht aus Porzellan gefertigt werden, sondern aus Steingut. Grundlage für jede neue Hummelfigur bilden nach wie vor die Zeichnungen von Maria Innocentia Hummel. Nach ihnen modellieren die Künstler ihre Miniaturen, die Gesichtszüge, Kleidung, Umgebung und Farben der Originale zeigen. Gibt das Kloster Sießen seine Zustimmung zu einer Neuentwicklung, bei der Accessoires und Zusammenstellung künstlerisch durchaus auch freier gestaltet sein können, erhält die Hummelfamilie Nachwuchs. Je nach der Komplexität der Figuren und Ensembles stellen die Modellbauer bis zu 40 Gussformen her, die die Keramikflüssigkeit aufnehmen. Nach der Aushärtung wird dann aus den Einzelteilen die Miniatur zusammengefügt. Im Anschluss wird die fertige Kleinskulptur mehrfach gebrannt, glasiert und koloriert. Im Jahr 2009 verkaufte Goebel die Lizenzproduktion und die neu gegründete Manufaktur Rödental übernahm die Fertigung und Entwicklung der Hummelfiguren.

    Es gibt über 400 verschiedene Hummelfiguren

    Schon bei der Einführung der Hummelfiguren im Jahr 1935 präsentierte der Hersteller Goebel eine ganze Schar von Hummelkindern: Gleich 46 unterschiedliche Figuren aus der bunten Phantasiewelt von Schwester Maria Innocentia kamen bereits im ersten Jahr auf den Markt. Im Laufe der Zeit entstanden über 400 verschiedene Hummelfiguren und Ensembles. Darunter Sondereditionen, streng limitierte Auflagen und Jahresfiguren sowie Sammelteller mit Hummelmotiven. Bei jeder Neuentwicklung wachte die Ordensschwester und Künstlerin darüber, dass die Umsetzung ihrer Motive in Keramikminiaturen ihren Stil originalgetreu widerspiegelte. Nach ihrem Tod im Jahr 1946 sorgte das Kloster Sießen dafür, dass die Hummelkinder ihren Charakter bewahrten. Der Klassiker der Hummelfiguren ist zweifelsohne „Der Wanderbub“. Er war von Anfang an dabei und zeugt heute in Lebensgröße vor dem Portal der Porzellanmanufaktur in Rödental von der erstaunlichen Karriere der Hummelfiguren. Weitere frühe Motive waren „Der kleine Cellist“ oder „Das Marktmädchen“. Neuere Kreationen stellen das Mädchenensemble „Frühlingstanz“ oder das Ensemble „Weihnachtsmorgen“ dar. Der typische Hummel-Stil blieb dabei über die Jahrzehnte hinweg zwar immer erhalten. Doch neben den immer wieder aufgelegten klassischen Hummelfiguren gibt es immer öfter auch Anklänge an die Moderne. So dürfen bezopfte Hummelmädchen heute schon mal als Fußballspielerin posieren. Dazu gibt es spezielle Themenfiguren wie beispielsweise das Mädchen mit Schultüte oder die Miniatur „Der kleine Apotheker“. Zu Anlässen wie Weihnachten tauchen „Die drei Könige“ oder „Die Heilige Familie“ in Hummelgestalt auf. Aber auch kuriose Motive haben die Modellbauer sich einfallen lassen. So gibt es den kleinen Jungen mit dem flatternden Sternenbanner, der auf dem amerikanischen Markt unter dem Titel „Call to Glory“ angeboten wird. Eine Hommage an die amerikanischen Sammler, denen die Firma Goebel es maßgeblich zu verdanken hat, dass die Hummelfiguren zum Welterfolg wurden.

    In den Hummel-Clubs treffen sich Sammler auf der ganzen Welt

    Die besondere Bedeutung des US-Markts zeigte sich darin, dass der erste offizielle Hummel-Club im Jahr 1977 in den USA unter dem Namen „The Goebel Collector´s Club“ ins Leben gerufen wurde. Ende der 1980er Jahre etablierte sich der auch in Deutschland und Österreich aktive „M.I. Hummel Club“ als internationaler Treffpunkt der Sammler. Besonderer Anreiz für die Mitgliedschaft: Immer wieder gibt es Hummelfiguren, die in limitierter Auflage ausschließlich an eingetragene Mitglieder verkauft werden und somit besondere Raritäten darstellen. Darüber hinaus bieten die Landessektionen des Clubs Foren für unterschiedliche Themen rund ums Sammeln von Hummelfiguren. Es werden Neuheiten präsentiert und seltene Exemplare gehandelt. Zudem gibt es Informationen zur Restaurierung wertvoller alter Hummelfiguren oder zu ihrer Geschichte. Wie alt eine Hummelfigur ist, welcher Produktgruppe sie angehört und vor allem, ob es sich um eine echte Hummelfigur handelt, können Sammler übrigens relativ leicht selbst feststellen.

    Die Datierung von Hummelfiguren anhand der Bodenmarken

    Grundsätzlich erfolgt die Motividentifizierung der Miniaturen anhand eines Nummerncodes mit dem Zusatz „Hum“ für Hummel. So kennzeichnet etwa „Hum 396“ die Figur mit der Betitelung „Fahrt in die Weihnacht“. Der Zusatz römischer Ziffern I, II etc. verweist auf eine Neuedition. Die Echtheit der Figur wird durch die meist im hinteren Sockelbereich der Miniaturen angebrachte Sütterlin-Unterschrift von M.I. Hummel dokumentiert. Die Zuordnung der Produktionszeit wird durch den am Boden angebrachten Firmenstempel ermöglicht. Da sich diese Stempel oder Aufdrucke im Laufe der Zeit gewandelt haben, lässt sich der Herstellungszeitraum anhand der Marke relativ gut eingrenzen. So nutzte die Firma Goebel in der ersten Produktionsphase der Hummelfiguren von 1938 bis 1949 eine blaue Krone mit den darunter angebrachten und ineinander verschlungenen Initialen „WG“ für Walter Goebel.

    Mit Beginn der 1950er Jahre führte der Hersteller erstmals eine Hummel als Namenssymbol ein. Die Hummel wurde in einem blau gestempelten „V“ platziert und in der ersten Hälfte der 1950er Jahre für kurze Zeit durch den Schriftzug W. Goebel ergänzt.

    Im Zeitraum von 1957 bis 1960 wurde das V im Stempel von einem Doppelkreis umschlossen.

    In den 1960er Jahren kam der Hinweis W. Germany auf der Bodenmarke hinzu, der ab dem Jahr 1964 bis 1972 teilweise durch den Aufdruck W. Goebel ergänzt wurde.

    In der Phase von 1972 bis 1979 trugen die Hummelfiguren das Hummelsignet mit dem großen Firmenschriftzug Goebel W. Germany.

    Von 1979 bis 1991 verschwand die Hummel zugunsten des Namens Goebel aus der Bodenmarke.

    Im Zeitraum von 1991 bis 2000 zeigte der Stempel neben Goebel Germany das alte Firmenlogo mit Krone und Initialen.

    Von 2000 bis 2008 nutzte der Hersteller neben Goebel Germany wieder das Hummelsymbol.

    Seit dem Jahr 2009 schließlich lassen sie die Hummelfiguren durch den von einem Oval umschlossenen Stempel „Original M.I. Hummel Germany“ und den Zusatz „Manufaktur Rödental“ zeitlich einordnen. Die Hummel als Symbol blieb erhalten, jedoch wurde sie nun in gelber Farbe als Kennzeichnung in die Bodenmarke aufgenommen.

    Der Wert von Hummelfiguren ist nicht nur vom Alter abhängig

    Aufgrund ihres Unikatcharakters und der aufwändigen Produktionsweise mit in Handarbeit aufgetragenen Farben gehören die Hummelfiguren zu den hochwertigsten und teuersten Miniaturen aus Feinkeramik. Preiswerter sind naturgemäß die einzelnen Figuren, während Ensembles aus mehreren Figuren und mit vielen Accessoires ausgestattet entsprechend teurer sind. Besonders wertvoll für Sammler sind die Hummelfiguren, die nur in limitierte Auflage hergestellt werden. Dazu gehören auch Sondereditionen wie etwa Miniaturen zum 75jährigen Bestehen der Firma Goebel. So können auch Hummelfiguren neueren Datums hohe Preise erzielen. Originale aus der Anfangszeit der Produktion sind selten und werden als Raritäten entsprechend hoch gehandelt. Wie immer in solchen Fällen kommt es bei der Preisermittlung allerdings sehr auf den jeweiligen Zustand der Figur an. Perfekt erhaltene Stücke ohne Beschädigungen von Glasur und Farbauftrag erzielen Bestpreise.