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    Tipps und Tricks zum Sammelgebiet Porzellan

    Porzellan Fälschungen, gefälschtes Porzellan

    Eine kurze Einführung

    Fälschungen sind aus nahezu allen Sammelgebieten bekannt und ein großes Ärgernis. Wir kennen solche aus dem Bereich der Malerei, der bildenden Kunst überhaupt oder auch aus dem Bereich des Blechspielzeugs. Dort haben wir es häufig mit sogenannten Replikaten zu tun. Diese sind zumindest überwiegend als solche ausgewiesen und man kann sie sammeln oder es bleiben lassen. Wertsteigerungen sind bei Replikaten nur selten zu erwarten. Aber dass Fälschungen im Bereich Porzellan vorkommen, und dies nicht selten, wissen wohl nur die wenigsten Sammler.

    Man muss sich wahrscheinlich in die Zeit vor 1700 zurückversetzen, als man an den Fürstenhöfen und in adligen Kreisen wirklich gierig nach dem chinesischen Porzellan war. Als um 1700 in Meißen das Porzellan in Europa quasi neu erfunden wurde, kannte seine anschließende Ausbreitung kaum Grenzen. Die Nachfrage nach dem weißen Gold war enorm. Eine solche Situation gab aber schon immer den idealen Nährboden für Nachahmer und Fälscher. Man muss davon ausgehen, dass bereits unmittelbar nach dem gelungenen Versuch von Johann Friedrich Böttger, Porzellan herzustellen, die Nachahmungen und Fälschungen starteten. Viele Sammler haben eh schon Schwierigkeiten, gute Porzellanmarken zu erkennen und qualitätvolles Porzellan von minderwertigem zu unterscheiden. Um so schwieriger ist es daher, gute Fälschungen und insbesondere solche, welche vielleicht aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen, zu identifizieren.

    Welche Art von Fälschungen gibt es?

    Die plumpesten Fälschungen dürften noch die sein, unbemalenes und ungemarktes Porzellan mit Signaturen wertvoller Marken zu versehen. Zusätzlich sind häufig Nachkolorierungen zu bemerken. Besonders fies wird es, wenn Bruchstücke wertvoller Marken in weniger wertvolles Porzellan eingebracht werden. Ich habe selbst einmal ein gutes Erbstück zur Reparatur in eine der vielen Porzellankliniken gegeben und war doch sehr überrascht, als ich das gute Stück zurückbekam. Die Reparaturstellen waren nicht mehr zu erkennen. Man hätte meine Vase schon röntgen müssen, um die Einsatzstellen auszumachen. Eine Porzellanklinik ist schon etwas Feines.

    Tür und Tor sind für gute Fälscher dann geöffnet, wenn Auslaufmodelle oder Zweitware von führenden Markenherstellern billig an Weiterverarbeiter abgegeben werden. So genanntes Weißporzellan ist weder bemalt und besitzt in der Regel auch keine Markierung. Nicht selten kommt es vor, dass schon aufgebrachte Markungen durchgeschliffen, damit also für ungültig erklärt wurden. Das Durchschleifenbesitzt die gleiche Funktion wie das Durchstreichen eines Wortes oder Buchstaben auf Papier. Solche Schleifspuren lassen sich nachträglich mit Geschick und moderner Technik wieder auffüllen mit einer entsprechenden Wiederherstellung der ursprünglichen Markung.

    Bei nicht gemarkter vollständig weißer Ware wurden oft die Markungen anderer Firmen nachträglich aufgebracht, zuweilen mit der für die jeweils gemarkten Firma typischen Colorierung. So entsteht aus einem billigen Porzellan ein vermeintlich wertvolles Exponat, für den Laien kaum zu erkennen. Erst der erfahrene Sammler wird eine zeitlich später vorgenommene Kolorierung differenzieren können, da die Technik der Colorierung oder des farbauftrages sich im Laufe der Zeit oft änderte. Jede Menge weißer Ware fiel dann an, wenn eine der vielen Manufakturen ihre Produktion einstellte; die Restbestände und halbfertigen Exponate konnten günstig erworben und natürlich nach eigenem Gusto fertig gestellt werden. Deshalb mein dringender Rat: Sollte der Erwerb eines guten Stückes beabsichtigt sein, bitte vorher ähnliche Exponate des Herstellers in Ausstellungen oder Museen eingehend betrachten.

    Häufig betroffen von Fälschungen und Nachahmungen ist das Meißner Porzellan. Allein die gekreuzten „Blaue Schwerter“ wurde von etlichen anderen Herstellern ähnlich verwendet. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das lesenswerte Büchlein von W. Neuwirth: Meißener Marken. Original, Imitation, Verfälschung, Fälschung aus dem eigenen Neuwirth-Verlag in Wien von 1980 hinweisen. Das Büchlein ist auf dem Markt mittlerweile sehr vergriffen; große Antiquariate wie abebooks führen es hin und wieder. Auf jeden Fall lohnt es sich, in abebooks zu stöbern, da auch andere uns Sammler interessierende Literatur dort hin und wieder zu finden ist.

    Solche Ähnlichkeiten entspringen allerdings nicht immer böser Absicht. Ich verweise zum Beispiel auf die  Hersteller Limbach,  Wallendorf oder Longton Hall. Insbesondere das W als Markung von Wallendorf aus den Jahren 1764 bis 1778 in blau sieht, da die beiden V des Buchstaben W ineinander verschoben sind, den Blauen Schwertern täuschend ähnlich! Bezüglich der Markungen der Porzellanhersteller kann ich nur das Buch von Emanuell Pocher: Porzellanmarken empfehlen. Es werden über 2000 Marken vorgestellt. Das Buch ist dabei sehr gut aufgeteilt; alle Marken sind leicht findbar. Unbekannte Marken lassen sich anhand eines einfachen Schlüssels leicht identifizieren! Es gehört einfach zum Handwerkszeug des Porzellansammlers!

    Auch beim Kauf von Stücken mit Meißener Zwiebelmuster ist Vorsicht angebracht. Meine Großmutter besaß ein solches  Kaffeegedeck mit blauem Zwiebelmuster, rückseitig jeweils versehen mit den berühmten blauen Schwertern. Ich war eine Zeitlang überzeugt, dass sie damit ein wirklich wertvolles Geschirr besaß. Erst später fand ich heraus, dass solche Gedecke, auch mit den blauen Schwertern, in Massen produziert wurden. Oft war das Dekor bei diesen Massenwaren, die etwa ab 1900 zu finden sind, nicht aufgemalt, sondern aufgedruckt, allerdings in einer Perfektion, die Sammlernovizen schon sehr verwirren kann.

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