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    Bing, Gebrüder

    Bing, Gebr., Bing-Werke AG

    Die Anfänge der Firma Bing

    Die Firma Bing aus Nürnberg war ehemals bekannt als weltweit größter Spielzeug-Hersteller. Es war in vielerlei Hinsicht diese Firma, die den großen Namen des deutschen Blechspielzeugs mitbegründete. Der Betrieb wurde bereits im Jahre 1866 von den Brüdern Ignaz und Adolf gegründet. Ignaz Bing war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 26 Jahre alt. Die Firma wurde zunächst als Handelshaus etabliert; man vertrieb Haushaltswaren, aber auch Spielzeug. Erst dreizehn Jahre später, im Jahre 1879, begann man, neben dem Warenhandel, auch eigene Produkte herzustellen. Der Schwerpunkt der eigenen Produktion lag bei Spielzeug und hier zunächst vor allem bei Zubehör von Puppenstuben oder Puppenküchen. Der Produktionsbetrieb lief unter dem Firmennamen „Nürnberger Spielwarenfabrik Gebr. Bing“. Es erfolgte ein ungeheurer Aufstieg gerade im Bereich des Blechspielzeugs. Schon sechs Jahre später wurden mehr als fünfhundert Beschäftigte gezählt.

    Die Aktiengesellschaft als Folge des Aufschwungs

    Folge war die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Man nannte sich nun „Nürnberger Metall- und Lackierwarenfabrik Gebr. Bing AG“. Bing eröffnete im gesamten deutschen Kaiserreich Filialen, also weitere Betriebsstätten sowie Vertriebs- und Verkaufsstellen. Die Handelsbeziehungen reichten weltweit.  Mittlerweile war mit Stephan  die zweite Generation in der Firma in der Führungsposition vertreten. Eine enge Kooperation wurde mit der englischen, im Jahre 1899 gegründeten Firma Bassett-Lowke hergestellt. Diese stellte ebenfalls wie Bing vornehmlich Eisenbahnen her und bestimmte den britischen Markt. Bassett-Lowke und Stephan Bing kannten sich seit der Weltausstellung 1900 in Paris persönlich. Man darf vermuten, dass sie gute Freunde waren. Von 1900 an begann eine über 30jährige enge Geschäftsbeziehung. Bing belieferte Bassett-Lowke, um den englischen Markt sättigen zu können. Viele damaligen Erzeugnisse des englischen Herstellers waren Bing-Produkte, jedoch gemarkt von Bassett-Lowke. Bing nahm speziell für die Spielzeugmodelle für den englischen Markt für Bassett-Lowke auch die realen englischen Eisenbahnmodelle zum Vorbild.

    Bing, Gebr., Bing-Werke AG

    Die Bing-Bahn wurde von uns gesehen auf einem Flohmarkt in Alsfeld in Mittelhessen; sie zeigt den unverwechselbaren Charakter des Bing’schen Spielzeugs,- etwas gedrungen, stabil, konservativ im Stile des Kaiserreichs, nicht unbedingt realitätsnah wie zum Beispiel bei Märklin; ein eigener innewohnender Charakter, der bei Sammlern sehr beliebt ist.

    Bing war zu dieser Zeit, vor dem ersten Weltkrieg, der Welt größter Spielzeughersteller. Die Mitarbeiterzahl soll zu dieser Zeit über fünftausend für die gesamte Aktiengesellschaft betragen haben. Die Angebotspalette zu dieser Zeit war ungewöhnlich breit, – und wir reden hier nur von der Spielzeugsparte des Konzerns. Neben den Eisenbahnen, welche Vorbildfunktion ausübten, stellte Bing Dampfmaschinen, mechanische Figuren, natürlich Blechautos und eigentlich alles aus dem Sortiment Spielzeug her. Besonders begehrt waren in jener Zeit die gigantischen Blechschiffe, die teilweise Größen um einen Meter erreichten. Die Firma gehörte auch zu den großen Herstellern von Teddybären. Die Bing Teddys  sind heute bei Sammlern sehr begehrt. Die berühmten Eisenbahnen wurden in den damals üblichen Größen 1 und 0 sowie 00 angeboten. Bing war hier zusammen mit Märklin führend. Einen Einschnitt bedeutete der Tod von Mitbegründer Ignaz Bing im Jahre 1918, dem letzten Kriegsjahr.

    Nach dem ersten Weltkrieg

    Trotzdem wuchs die Firma in den Nachkriegsjahren weiter; die Beziehungen zu Bassett-Lowke wurden unmittelbar nach dem Krieg, während dessen Dauer sie geruht hatten, wieder aufgenommen und das Unternehmensprofil auch auf andere Konsum- und Gebrauchsartikel ausgeweitet. Ähnlich einem heutigen modernen Unternehmen war die Firma, welche sich nach Beendigung des  ersten Weltkrieges ab 1919 „Bing-Werke AG“ nannte, in unterschiedliche selbständige Betriebsbereiche beziehungsweise Eigenbetriebe geteilt.

    Bing gehörte zu den großen Vorbereitern auf dem Gebiet der Lithographie– und Verlappungstechnik für das Blechspielzeug. Durch viele gleiche Bauteile und Bauelemente konnte auch der Vorstoß in die Massenproduktion eingeleitet werden. Bing-Spielzeug war, obwohl günstig, von meist hoher Qualität. Die Teile hatten oftmals einen massiven Charakter; die Firma stellte allerdings auch billiges Blechspielzeug aus dünnem Weißblech her. Sie bediente alle Käuferschichten. Sie muss sich selbst sogar so stark gefühlt haben, Puppen von Käthe Kruse zu imitieren und anzubieten. Diesbezüglich klagte allerdings Käthe Kruse und war in dem nachfolgenden Prozeß gegen Bing im Jahre 1925 erfolgreich.

    Das Ende der Bing-Werke AG

    Es waren die vielen internationalen Verflechtungen, die letztlich mitausschlaggebend für das Ende der Bing-Werke sein sollten. Besonders auf dem amerikanischen Markt war man stark vertreten. Die dortige konzernzugehörige Vertriebsfirma geriet im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die am Schwarzen Freitag des 24. Oktober 1929 begann und ihren Höhepunkt in den USA Anfang der 30er Jahre hatte, so sehr unter finanziellen Druck, dass 1932 die gesamte Spielzeugproduktion des Konzerns eingestellt werden musste. Die anderen Konzernteile außerhalb der Spielzeugproduktion konnten so erhalten werden und noch einige Zeit weitergeführt werden. In der Neuzeit sind vom ehemals breit aufgestellten Konzern nur noch die Bing-Vergaserwerke verblieben. Für den Sammler interessant ist, was mit den Spielzeug-Restbeständen der Bing-Werke geschah. Ein großer Teil des Blechspielzeugs wurde an die Firmen Josef Falk sowie Kraus-Fandor abgegeben, aber auch Doll und andere Hersteller wurden aus den Restbeständen bedient. Fleischmann sicherte sich die Sparte der großen Blechschiffe. Eisenbahnen und Werkzeuge hierfür gingen zum großen Teil an die Firma Karl Bub. Dies ist insofern wichtig, da  Exponate der erwähnten Firmen aus jener Zeit unwillkürlich an Bing erinnern. Wir wissen nun, weshalb dies so ist.

    Ein Neuanfang

    Was dann personell weiter geschah, darüber kann nur vermutet werden. Ob Stephan Bing nun die Entwicklung vorausgeahnt hatte oder ob es Unstimmigkeiten in der Führung gegeben hatte, ich weiß es nicht; gewiss ist nur, dass Stephan als Geschäftsführer der Bing-Werke AG sich schon rechtzeitig im Jahre 1927 die Rechte an dem Blechspielzeug-Hersteller Anfoe, Johann Haffner mit einigen seiner Bing-Mitarbeiter wie Erlanger und Oppenheimer sicherte. Heute wissen wir , dass dies die Geburtsstunde der Firma Trix war. Stephan Bings Sohn Franz ging ebenfalls mit zu Trix. Er brachte dort die berühmte Trix-Bahn in der Spur 00 heraus. Vieles von diesen ersten Bahnen erinnerte natürlich noch an Bing. Über die Firma Trix berichten wir ausführlicher unter dem Kapitel Modelleisenbahn; schließlich ist Trix über Modelleisenbahnen sowie seine Metallbaukästen berühmt geworden. Das Schicksal spielte jedoch weiter hart mit der Familie Bing; wie viele andere Hersteller von Blechspielzeug waren auch die Bings jüdischen Glaubens und hatten unter der Naziherrschaft zu leiden. So musste Stephan Bing im Jahre 1938 nach England emigrieren. Er bereitete dies bereits frühzeitig vor, indem er im Jahre 1935 in England eine unabhängige Firma gründete, die „Trix Limited“. Ich vermute sehr, dass ihm bei der Emigration sein alter Freund und Geschäftspartner Bassett-Lowke unterstützt hatte. Aber dies ist nur meine Vermutung. Nach dem Ende von Bing als Hersteller von feinem Blechspielzeug setzten in Deutschland andere Hersteller die gute Tradition deutschen Blechspielzeugs fort. Im Bereich Modelleisenbahnen war dies, was Produkt, Design und Qualität anbelangt, der kommende Weltmarktführer dieser Sparte Märklin. Im Bereich Blechautos, Modellautos und Funktionsspielzeug drängten ebenfalls ehemalige Bing-Mitarbeiter mit ihren Firmen an die Weltspitze; der ehemalige Bing-Konstrukteur Hermann Müller unterstrich mit seiner Firma Schuco und den Funktionautos ab den 30er Jahren den ungebrochenen Weltruf der deutschen Spielzeug-Hersteller.

    Die Logos und Firmenzeichen der Bing-Werke

    Die dynamische Entwicklung der Firma Bing drückt sich unter anderem in der Vielzahl ihrer Firmenzeichen und Logos aus. Kaum ein anderer Blechspielzeug-Hersteller hat so viele Logos und Zeichen aus unterschiedlichen Epochen seiner Entwicklung vorzuweisen wie Bing. Außer den bekannten Initialkürzungen wie GB für Gebrüder Bing oder GBN für Gebrüder Bing Nürnberg oder einfach BING sind mir noch folgende Markenzeichen odser Logos, diese Bezeichnung gab es damals übrigens noch nicht, bekannt:

    Bis zum Jahre 1902 folgendes Firmenzeichen, einmal als Prägung auf dem Exponat und einmal stilisiert:

    Bing, Gebr., Bing-Werke AG Bing, Gebr., Bing-Werke AG

    Firmenlogo bis 1902-1925: Dieses Markenzeichen existiert in einer Vielzahl von Abwandlungen

    Bing, Gebr., Bing-Werke AG

    Firmenlogo bis 1925-1934: für Bing-Werke AG
    Bing, Gebr., Bing-Werke AG