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    Alte Öfen

    Alte Öfen, Eisenöfen, gusseiserne Öfen sammeln

    Das Sammelgebiet Alte Öfen

    Alte Öfen  stellen ein ganz besonderes Sammelgebiet dar. Es unterscheidet sich schon von daher von anderen Sammelgebieten, als der Sammelgegenstand selbst recht groß, unhandlich und dazu auch noch sehr schwer ist. Man benötigt also den adäqaten Platz zum Ausstellen oder auch zum Restaurieren.Regulier-Füllofen

    Ich selbst war diesem Sammelgebiet zu Beginn meines Studiums schon einmal erlegen. Mitte der 70er Jahre trug ich mit einem Freund insgesamt etwa 40 dieser alten Öfen zusammen. Sie waren zu jener Zeit noch relativ einfach für etwa 40 bis 100 DM (Deutsche Mark) in Bauernhäusern oder auch sonst privat noch zu bekommen. Es interessierte sich keiner so wirklich richtig für diese doch oftmals künstlerisch ziselierten, aber im Moment des Erwerbs oftmals verrosteten alten Öfen. Ich kann mich noch erinneren, dass die Mehrzahl der von uns zusammen getragenen Öfen sogenannte Drei-Etagen-Öfen waren, häufig mit einem grünen Emailbezug versehen. Mehrere runde Kanonenöfen befanden sich darunter, während das Pracht- und Vorzeigestück ein Rokoko-Exemplar war, welches in Gänze verschieden bunt emailliert war. Da mein Freund allerdings erwerbsmäßig mit Antiquitäten handelte, Alter Eisenofenwährend ich selbst im Nebenfach Kunstgeschichte studierte, gelangten die meisten der Exponate letztendlich doch im Verkauf, – entweder im kleinen Antiquitätenladen, in welchem ich nebenher aushalf, oder aber auf den samstäglichen Flohmärkten, die wir schon zu Beginn der 70er Jahre regelmäßig besuchten. Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Öfen nach Aufarbeitung damals mit Beträgen zwischen 400 und 600 DM an den Mann gebracht wurden; besonders ausgefallene Exemplare erbrachten auch schon einmal Beträge zwischen 800 und 1000 DM. Heute träumt man von solchen Preisen!

    Besonders wertvoll waren immer schon die im Auftrag individuell angefertigten Öfen. Ansonsten boten auch schon früher die verschiedenen Eisenwerke Kataloge mit Eisenöfen an. Das nebenstehende Foto zeigt zwei Beispiele aus solchen Katalogen: Katalog alte Öfen und gusseiserne ÖfenWir sehen einmal eine Verkaufsseite aus einem Katalog der Warsteiner Eisenwerke sowie darunter eine Verkaufsseite des Eisenwerkes Holzhausen bei Homberg/Efze. Den kleinen Ofen auf dem oben stehenden Bild, gebaut im Eisenwerk Holzhausen, habe ich Anfang der 80er Jahre aus dem Sperrmüll gezogen! Trotz der durchbrochenen Feingussarbeiten im Vorderbereich ist es ist ein einfacher Ofen, lediglich mit einer Warmhalteplatte für einen Topf ausgestattet, und von der Seite zu befeuern.

    Zur Geschichte der Eisenöfen

    Gusseiserne Öfen kennen wir seit dem Mittelalter. Die Urform dieser Öfen war der sogenannte Plattenofen in Kastenform und mit 5 Platten ausgestattet. Er bestand einmal aus der Frontplatte, dazu kamen die beiden Seitenplatten und sowohl eine Grundplatte und eine Deckplatte. Eine hintere Platte oder Rückplatte gab es nicht; er wurde mit seiner offenen Hinterseite an einer entsprechend durchbrochenen Wand aufgebaut, so dass er vom Nachbarraum von hinten beheizt werden konnte. Man bezeichnet diese erste Form der gusseisernen Öfen daher auch als „Hinterladeröfen„. Solche Hinterladeröfen gab es bis weit ins 20. Jahrhundert. Aber auch schon früh gab es alleinstehende, frei stehende Öfen, entweder mit einer Rückplatte versehen oder aber in runder Form. Ofenplatte eines gusseisernen OfensÜberhaupt war die Vielfalt der Formen enorm, und die einzelnen historischen Bau- und Kunststile schlugen sich im Dekor nieder. So kann man Öfen der Renaissance, des Barock, des Rokoko, der Biedermeierzeit, aber auch Öfen der Gründerzeit und des Historismus, des Jugendstils oder auch des Art Deco bestimmen. Die Geschichte der gusseisernen Öfen reicht etwa bis ins 14. Jahrhundert zurück. Als Material erfreute sich nicht von ungefähr der Eisenguss, ist er doch äußerst wärmeleitfähig und wärmehaltend! Vor der Industrialisierung wurde die Vielfalt der Dekore noch von Hand vorgefertigt, indem wahre Künstler die Formen zunächst in Holz vorschnitten; anschließend wurden die vorgefertigten Holzformen ausgegossen.

    Kunstvoll hergestellte Eisenplatte eines alten Eisenofens

    Die hohe Zeit des Eisengusses war in Deutschland das 19. Jahrhundert. Inspiriert von französischen, aber auch belgischen Hüttenwerken entstanden insbesondere in der Eifel, im Harz und im Bereich des Siegerlandes eine Vielzahl von Hütten. Allein im Harz wurden über 30 Hütten gezählt. Wir wollen allerdings die anderen Hütten außerhalb dieser Schwerpunkte nicht vergessen. Ich erinnere nur an Wasseralfingen, wo seit 1671 hochwertige Eisenverhüttung in Betrieb war.

    OfenplatteNoch im 18. Jahrhundert waren die sogenannten Säulenöfen, runde Öfen, weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert kam mit dem Biedermeier ab etwa 1820 der sogenannte Etagenofen auf. Es sind solche Öfen, die ich eingangs als oftmals grün emailliert schilderte; sie gab es natürlich noch häufiger nichtemailliert. Sie waren vor allem Wirtschaftsöfen und besaßen 2 bis 5 Etagen, die eine enorme Funktionsvielfalt hergaben. Man konnte nicht nur den Raum beheizen, sondern zudem auch noch Kochen, Warmstellen, Warmhalten oder auch Backen. Nach dem Biedermeier erlebte mit zunehmender Technisierung und Mechanisierung der Feinguss, also das Herstellen auch noch so filigranster Teile, seinen Höhepunkt. Auch die ausgefeilte Technik der Öfen entwickelte sich weiter. Die ersten Kasten- oder Plattenöfen, die man bereits seit der Renaissance kannte, waren technisch einfach ausgerichtet. Ein Regulieren des Abbrandes war bei diesen Öfen zum Beispiel nicht möglich. Erst mit Aufkommen der auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Etagenöfen wurden technische Neuerungen eingeführt. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die Möglichkeit des Regulierens des Abbrandes. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Regulieröfen mit den eben angesprochenen Möglichkeiten der Drosselung oder Beschleunigung des Abbrandes.Alter Zimmerofen aus dem 19. Jahrhundert

    Das Verbrennungsmaterial – Holz und Kohle

    Auch bei unseren gusseisernen Öfen muss man unterscheiden, ob sie für das Abbrennen von Holz oder für Kohle ausgelegt sind. Die Auslegung auf Kohle oder auf Holz bedingt in der Regel die Bauweise der Öfen. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, auf den Unterschied zwischen langflammigen und kurzflammigen Brennstoffen hinzuweisen. Zu den langflammigen Brennstoffen gehört das Holz sowie die Braunkohlebriketts. Andere Kohlen wie Koks, Anthrazit oder auch die noch bekannten Eierkohlen gehören zu den kurzflammigen Brennstoffen. Ausgangsmaterial bei diesen kurzflammigen Brennstoffen ist Steinkohle. Die meisten historischen Öfen sind für langflammige Brennstoffe geeignet. Geradezu prädestiniert für die langflammigen Brennstoffe waren ab dem 19. Jahrhundert die Etagen- oder Aufsetzöfen sowie die Hopewellöfen. Technisch kamen sie dem langflammigen Brennstoff entgegen, indem der langflammige Brand zunächst durch verschiedene Züge geführt wurde, die Wärme also zirkulieren konnte, bevor sie über das Ofenrohr an den Schornstein abgeführt wurde. Man spricht hier auch von Zirkulationsöfen. Der Etagenofen war ein typischer Zirkulationsofen. Diese Technik ermöglichte eine maximale Wärmenutzung bei äußerst sparsamem Brennstoffverbrauch. Heute würde man solche Öfen als „ökologisch sinnvoll“ bezeichnen. Ich selbst bin der Auffassung, dass viele unserer heutigen Kamine, welche zum Beispiel in Baumärkten angeboten werden, diese hervorragende Technik der alten Etagenöfen nicht mehr erreichen! Gute alte Öfen wurden von der Seite befeuert, vorne waren die Regulierungsmöglichkeiten installiert. Die Etagenöfen und Hopewellöfen sind, wie die meisten für langflammige Brennstoffe ausgelegten Öfen, sowohl mit Holz als auch mit Braunkohlebriketts befeuerbar. Das Abbrandverhalten ist bei Braunkohlebriketts und bei Holz in etwa gleich. Den Unterschied kennt allerdings jeder von uns, der einen Kamin sein Eigen nennen darf. Der Brennrückstand, die Asche, ist bei Holz sehr viel geringer als bei Briketts. Eisenofen Bei einem Urlaub im Schwarzwald lernte ich einen Ofen kennen, der ausschließlich mit Holz zu befeuern war. Emaillierter EisenofenDas hervorragende Merkmal solcher Öfen ist das Fehlen eines Rostes! Dies hat mit den Abbrandeigenschaften des Holzes zu tun. Zum Einen entsteht wenig Asche, aber diese anfallende Asche wird beim reinen Holzbrand benötigt, um die Glut zu halten! Wir kennen dies, wenn das Holz abgebrannt ist, und die verbliebene Holzglut, welche kaum noch Flammen entwickelt, so langsam auf Temperaturen bis durchaus 800° Celsius ansteigt. Bei einem Rost fiele dieses Haltematerial, die Glut, nach unten durch in den Aschenkasten! Benutze ich allerdings zusätzlich Braunkohlebriketts, etwa um die Wärme auch über Nacht zu halten, benötige ich ganz einfach einen Rost, um die viel größere Masse an Asche an den Aschenkasten abzugeben. Braunkohleasche würde irgendwann die Holzglut ersticken, so dass sie regelmäßig abgeführt werden muss.

    Die Bilder zeigen kunstvoll hergestellte Eisenöfen des 19. Jahrhunderts

    Neben den Holz- und Braunkohlebrikettöfen gibt es die reinen Kohleöfen, für kurzflammiges Brennmaterial wie Koks oder Eierkohlen ausgelegt.. Wir besaßen in der Werkstatt meines Großvaters einen solchen reinen Kohleofen. Auch erdürfte vielen Lesern und Sammlern bekannt sein, – es war ein sogenannter, nach seiner Kanonenform benannter Kanonenofen. Das Foto zeigt ein Beispiel eines Kanonenofens. Der Kanonenofen, der meines Wissens nach noch bis zum Kriegsbeginn Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hergestellt wurde, gehört zu den Dauerbrandöfen. Den Dauerbrandofen kennt man einmal als Unterbrandofen, der von oben nach unten durchbrennt und auch ein reiner Kohleofen ist und zum Anderen als Durchbrandofen, welcher vom Rost aus nach oben durchbrennt. Kanonenofen

    Das Bild zeigt einen typischen Kanonenofen

    Unser Kanonenofen gehört zu den Durchbrandöfen und ist somit ein Dauerbrandofen und reiner Kohleofen. Nach dem irischen Typus besitzt er in der Regel 3 Türen, mit welchen die Luftzufuhr geregelt und auch Kohle nachgelegt wird. Die unterste Tür liegt unterhalb des Rostes und ist die Aschenkastentür, mit welcher zugleich Luft zugeführt werden kann. Die zweite Tür ist die Schürtür, mit welcher die Luft über den Rost geregelt werden kann und die oberste Tür, die Feuerungstür, dient neben der zusätzlichen Regulierung im Wesentlichen dem Zugeben von Brennmaterial. Den Kanonenofen in unserer Werkstatt haben wir damals überwiegend mit Koks und Eierkohlen befeuert, zeitweise so stark, bis er zu glühen anfing.

    Wissenswertes

    Beim Kauf von alten Öfen und Küchenherden gilt es von vornherein zu bedenken, welchem Zweck diese dienen sollen. Bei der Verwendung als Sammlerobjekt oder Schmuckstück ist der nachfolgende Hinweis überflüssig. Will ich die alten Schmuckstücke aber wieder in Funktion setzen, zum Beispiel heizen, muss ich die Verordnung der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) beachten. Sie müssen dann die Normen dieser Verordnung erfüllen. Spezielle Ofenseiten liefern hierzu das nötige Hintergrundwissen. Der Kauf von antiken Öfen bei Ofenspezialisten oder im Fachhandel ist auf jeden Fall anzuraten.





    Wer sich selbst einfuchsen will, dem kann ich dieses lohnenswertes Buch empfehlen:Öfen und Kamine: Raumheizungen fachgerecht planen und bauen (Beuth Praxis)

    Zusätzliche Sammelgebiete rund um alte Öfen, alte Eisenöfen und gusseiserne Öfen

    Die Sammelleidenschaft, wenn sie denn Einen ergriffen hat, beschränkt sich bei unseren alten Eisenöfen und gusseisernen Öfen nicht auf die alten Öfen selbst, sondern erfasst zumeist auch die Zubehörteile, die ganz einfach zu den alten Öfen dazugehören. Ein großes, fast schon selbständiges Sammelgebiet sind die alten Ofenplatten. Ist ein alter Ofen nicht mehr reparabel, lohnt sich doch der Blick, ob eine der kunstvoll hergestellten Ofenplatten als Einzelstück nicht doch sammelswert ist. Oftmals werden gerade für alte Platten hohe Preise erzielt. Ich habe auf der Hauptseite „Alte Öfen“ einige schöne Beispiel für solch alte Platten abgebildet.



    Aber das Zubehör umfasst nicht nur die Platten, sondern auch Einzelteile wie die Ständer für alte Bügeleisen, welche auf den alten Öfen warmgehalten wurden oder auch Teile von altem Gesteck, zum Beispiel Blasebalg, Feuerzange oder Kohlegabel. Ein besonderes Sammelgebiet sind die verschiedenen, zumeist kunstvoll ziselierten Ofenfußsteine. Auch das Sammeln von Kohlebecken ist durchaus lohnenswert und abwechslungsreich. Ein wichtiges Requisit, ohne welches kein alter Ofen auskommt, sind die Behältnisse für das Holz oder die Kohle, welche neben den alten Öfen aufgestellt werden. Ein besonders interessantes Gebiet stellen hier die Kohlebehälter dar, die je nach historischer Epoche ihre eigene Ausgestaltung aufweisen.

    Nachfolgend noch einmal aufgelistet eine Auswahl an zusätzlichen lohnenswerten Sammelmöglichkeiten:

    Ofenplatten, Ofengesteck, Blasebalg, Feuerzangen, Kohlegabeln, Ofenfußsteine, Kohlebecken, Kohlekästen, Holzbehälter, Bügeleisenständer

    Literatur

    Empfehlenswerte Literatur für Ofensammler gibt es hier.

    Siehe auch unsere anderen Seiten über Ofentypen sowie über Restaurierung, Umgang und Pflege alter Eisenöfen.

    Empfehlenswerte Museen, Anbieten und Suchen, Ofentypen, Sammler von alten Öfen