Steingut sammeln

Die Erfindung des Steingutes

Man muss sich diese Zeit um das Jahr 1600, die Jahrzehnte davor und danach vorstellen! Da taucht auf den Handelswegen eine Ware aus China auf, das Porzellan, – in Europa unbekannt! Der Geldadel, Fürstenhäuser und Höfe reißen sich um dieses „weiße Gold“. Die Herstellung ist völlig unbekannt, ein Geheimnis der Chinesen! In Südeuropa kannte man schon die Fayencen, in Deutschland allerdings gab es außer dem Steinzeug und niedrig gebrannten Tonwaren keine Keramik, die annähernd an das „weiße Gold“ heranreichte. In einigen Teilen waren Gebrauchsgeschirre von Ofenbauern, sogenannte Hafnerkeramik, im Umlauf. Das war im Großen und Ganzen alles!




Was folgte, war ein regelrechter Wettlauf, eine qualitativ gleichwertige Keramik zu erfinden oder aber gleich das Geheimnis der chinesischen Ware zu lüften. Steinzeug wurde so stetig verbessert, wurde immer höher gebrannt und verfeinert. Am nahesten kamen dem Porzellan aber die Fayencen oder Majolika. Sie wurden, je mehr Porzellan importiert wurde, auch in ihren Dekoren an die blau-weißen chinesischen Motive angeglichen.

Vorreiter waren die Holländer im Bereich von Delft. Aber die Herstellung der Fayencen war zeitaufwendig und teuer und das Experimentieren zur Produktion eines ähnlich weißen und harten Scherbens wie dem „weißen Gold“, dem Porzellan, nahm zu. Nicht nur in Deutschland und dem gesamten europäischen Festland wurde eifrig experimentiert, sondern auch in Großbritannien in der Grafschaft Staffordshire.

Der Paukenschlag allerdings gelang dann im Jahre 1708 in Dresden und Meißen den begnadeten Tüftlern Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried von Tschirnhaus! Sie lüfteten das Geheimnis der Chinesen und erfanden das Porzellan ein zweites Mal! Der Erwerb dieser besonderen Keramik blieb aber weiterhin den Höfen, Fürstenhäusern und Reichen vorbehalten. Das Geheimnis der Herstellung verbreitete sich allerdings sehr schnell und an vielen Orten entstanden neben den Fayence-Manufakturen solche für Porzellan. Vielfach wurden beide Keramiken parallel produziert.

Der nächste Paukenschlag aber kam aus England, aus der Grafschaft Staffordshire. Hier erfand das Töpfergenie Joshua Wedgwood einen harten weißen Scherben, der dem Porzellan nahe kam und zudem wesentlich günstiger zu produzieren war als Fayencen oder Porzellan, – das Steingut! Steingut eroberte in Folge das europäische Festland und wurde zur Keramik des 19. Jahrhunderts. Viele Keramik-Hersteller verlagerten nun ihren Schwerpunkt auf die Produkt

ion von Steingut. Ende des 18. Jahrhundert gibt es schon an die 100 Steingutmanufakturen in Deutschland, die bekanntesten hiervon in Amberg und Bayreuth, Ansbach, Mettlach, Saargemünd oder Wächtersbach.

Wie kann ich Steingut von Steinzeug unterscheiden?

Steingut wird am ehesten und auch oft mit Steinzeug verwechselt. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Steingut, wie wir aus unserer Tabelle unter dem Oberbegriff Keramik ablesen können, ganz einfach bei nicht so hohen Temperaturen gebrannt wird. Die durchschnittlichen Brandtemperaturen liegen bei etwa 900 – 1100 ° C. Die Temperaturen erreichen also bei Weitem nicht die Sintergrenze, ab welcher der Scherben wasserdicht wird. Steingut bleibt also immer porös! Damit es wasserdicht werden soll, muss Steingut glasiert werden, und zwar von innen und von außen. Oftmals ist allerdings auch Steinzeug glasiert. Den Unterschied erkennt man nach längerer Zeit, weil dann beim Steingut feine Äderchen in der Glasur auftreten. Diese Haarrisse sind auf die geringere Brenntemperatur sowie ein Nacharbeiten der Masse als auch auf die unterschiedliche Glasurtechnik zurüc

kzuführen. Steingut ist aufgrund seines hellen Scherben excellent für die Unterglasurmalerei prädestiniert, wobei die niedrige Brenntemperatur die Lebendigkeit der Farben weitgehend erhält.

Verwendung von Steingut

Mir liegt immer noch der Satz meiner Großmutter: „Steinzeug ist gut, aber Steingut ist Zeug“ in den Ohren. Erst kürzlich habe ich diesen Satz in irgendeinem Magazin wieder gelesen. Er stimmt natürlich, was die Höhe der Brenntemperatur und damit die Härte und Haltbarkeit angeht. Von der Farbenfreude und den künstlerischen Inspirationen bietet das Steingut allerdings sehr viel mehr Möglichkeiten. Ich erinnere schon an dieser Stelle an das Feinsteinguteines Joshua Wedgwood oder die vom Weimarer Bauhaus inspirierten künstlerischhochwertigen Produktionen, zum Beispiel von HAEL.

Mit der Möglichkeit seiner massenhaften industriellen Produktion und Verwendung hat Steingut dem Steinzeug im Alltagsleben schon lange den Rang abgelaufen. Da es viel kostengünstiger gerade als Porzellan ist, wird es im Haushaltsbereich oft genutzt.

Steingutkanne 50er jahre

Das Bild links zeigt eine Steingutkanne aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit der für diese Zeit typischen Musterung

Ob nun ganze Geschirre, Teller oder einzelne Tassen, alles kann günstig und auch ansprechend aus Steingut hergestellt werden. Darüber hinaus findet Steingut Verwendung zum Beispiel im Bau- und Sanitärbereich (Toiletten, Wandfliesen etc.)

siehe auch Keramik, Irdenware, Terrakotta, Fayencen/Majolika, Wedgwood, Wächtersbacher Steingut, Jasperware, Hafnerkeramik, Westerwälder Steinzeug, Steinzeug, Porzellan, Literatur Keramik

Ein Kommentar über “Steingut”

  1. monika pöhlmann schrieb:
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    hallo,ich habe,glaube ich,eine
    „alte“ eieruhr, die ziemlich
    schwer ist (ob es das uhrwerk
    ist oder die masse drum herum,
    weiß ich nicht.)an der unterseite ist an einer kleinen
    farbfreien stelle ist weißes material zu erkennen.nun würde
    ich gerne wissen,ob dieses
    stück aus steinzeug o. -gut oder
    aus einem anderen material
    hergestellt wurde, wenn
    sie an hand des fotos das
    überhaupt feststellen können.
    im voraus meinen dank !!
    gruß
    monika pöhlmann hamburg,27.7.
    ’15

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