Schmuck im Zeitalter des Art deco

Die neue Entdeckung – Art deco-Schmuck

Die Schmuckwelt des Art deco erscheint zunächst sehr widersprüchlich. Wir erleben sie auf der einen Seite als Handwerkerkunst kleiner Manufakturen, aber auch großer Designer und als Juwelierschmuck. Hierbei sind durchaus die wertvollen Unikate oder Produkte mit kleinen Auflagen gemeint. Auf der anderen Seite war das Art deco der eigentliche Beginn des Modeschmucks und somit auch des Massenschmucks. Lange Zeit geradezu verächtlich betrachtet, hat sich der Art deco-Schmuck in den letzten Jahren immer mehr die Bühne des wohlwollenden Betrachters und Sammlers erobert.

Einfluss der Frauenbewegung auf Schmuck und Modeschmuck

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Stellung der Frau von ihren Funktionen in Familie, Haushalt und Kindererziehung geprägt. Das Familienleben war vom Erwerbsleben strikt getrennt. Den nötigen Unterhalt für die Familie steuerte der Mann bei; Frauen war die Erwerbstätigkeit untersagt. Diese gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse strahlten natürlich auch auf die Bereiche Mode und Schmuck aus. Irgendwie war Kleidung doch Männersache und der Schmuck richtete sich noch im 19. Jahrhundert eng an der Kleidung aus. Wertvoller Schmuck war kleinteilig bearbeitet; seine Bestandteile waren wertvolle Steine und Metalle wie Gold und Silber, erschwinglich nur für Frauen wohlhabender Familien.
Die Frauenbewegung, die ihre Geburtsstunde in der Zeit des Vormärz, den Jahren vor der Märzrevolution 1848, hatte, erlebte im 19. Jahrhundert einen Höhepunkt mit den proletarischen und bürgerlichen Frauenbewegungen der Gründerzeit. Als eine der wichtigsten Vertreterinnen nenne ich an dieser Stelle nur Clara Zetkin. Diese gesellschaftlichen Umwälzungen gingen einher mit heftigen Veränderungen im Bereich Familie, Stellung der Frau bis natürlich hin zur Mode. Die Tatsache, dass nun auch Frauen arbeiten durften und damit ihre traditionell angestammte Rolle als Küchenmagd und Erzieherin verlassen konnte, sie ihr eigenes Geld verdienen konnte, ermöglichte es ihnen natürlich auch, sich selbständig mit Kleidung und Schmuck zu versorgen.

Emanzipation des Schmuckes von der Kleidung

Eines der augenfälligsten Merkmale war in den Jahren vor und nach dem 1. Weltkrieg die Emanzipation des Schmuckes von der Kleidung. Schmuck konnte nun unabhängig von Kleidung existieren. Der Jugendstil machte nur den Anfang. Die politisch ausgerichteten Kunstrichtungen oder auch Anti-Kunstrichtungen wie Dadaismus, Surrealismus, Konstruktivismus und insbesondere die geometrischen Formen des Kubismus trugen zur Gestaltung von Art deco-Schmuck bei.
In den verruchten 20er Jahren spielten Perlen eine große Rolle. Perlenketten und Armreife passten zu der immer größeren Freiheit im Art-deco-Zeitalter. Jazztänze wie der Charleston und der Shimmy eroberten nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa und standen sinnbildlich für diese neue Freiheit, welche viele Zeitgenossen allerdings als dekadent bezeichneten. Die neue Freiheit wurde bei der Kleidung dadurch sichtbar, dass man Rücken, Bein und Arm zeigte; die nicht verdeckten Körperpartien schmückte frau nun mit Ketten und Reifen. Die noch in höfischen Zeiten bis hin zur Gründerzeit wertvollen echten Perlen, die nur dem Adel beziehungsweise Geldadel vorbehalten waren, konnten seit der Erfindung des Japaners Mikimoto zunehmend durch kostengünstigere Zuchtperlen oder gar Kunstperlen ersetzt werden.

Originalität

Zur Originalität des Schmuckes, welche im Art deco ihren Höhepunkt erfuhr, trug insbesondere das Ausweichen auch auf andere Materialien wie Kunststoff, Bakelit, Email, Halbedelsteine, Koralle, Bernstein, Elfenbein, Celluloid und unechte Steine bei. Statt Legierungen aus hochwertigem Gold oder Silber wurde zunehmend günstiges Metall lediglich vergoldet oder versilbert. Auch das hochwertige Metall Platin erreichte ab etwa 1900 die Juwelierstuben. Wichtig war über Allem die Originalität, das Design. Vor allem der Kubismus bereicherte die geometrischen Gegensätze im Bereich Art deco-Schmuck, so etwa von großen Formen zu kleinen, runden und eckigen Darstellungen auf einem Exponat. Die Gegensätze reichten so weit, dass ein Schmuckstück sehr oft billige mit teuren Materialien kombinierte.

Schmuck für jede Frau – maschinelle Herstellung

Die Herstellung von günstigem Modeschmuck sowie die erkämpften neuen Freiheiten ermöglichten es nun vielen Frauen, sich mit Schmuck zu versehen und diesen auch nach außen hin zu zeigen. Die Vielfalt des Schmuckes war begünstigt durch die breite Amplitude an verfügbarem Material unübersehbar. Hinzu kam, dass Kunststoffe wie Bakelit alle möglichen Farben und Formen annehmen konnte. Besonders tat sich in dieser Beziehung der neue Kunststoff Galalith hervor.
Im Zeitalter des Art deco setzte sich die maschinelle Produktion von Schmuck auf breiter Front durch. Es gab zwar schon zu Beginn der Gründerzeit mit Erfindung von Bakelit und Celluloit erste Bestrebungen, Schmuck auch industriell zu fertigen; aber erst die Technikgläubigkeit der 20er Jahre sowie der Ersatz von Ornamentik zugunsten geometrischer Figuren führte hier zu einem Durchbruch.

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