Volkskunst

Volkskunst gilt manchen als eines der wichtigsten Sammelgebiete. Aber was ist überhaupt Volkskunst und was macht sie aus? Volkskunst wird oft auch als Heimatkunst bezeichnet. Dies weist bereits auf lokal begrenzte traditionelle handwerkliche Produktion hin. Sie war überwiegend zu Hause in der Familie, war häusliche Produktion. Ihr fehlte anfangs auch das, was wir heute als Ausbildung bezeichnen. Die handwerkliche Kunst hat sich eher in der Familie, im kleineren Verbund, aus der Not heraus, entwickelt und wurde anschließend über Generationen weitergegeben, wurde vererbt. Was sie so sympathisch macht, ist wohl auch der Umstand, dass sie, umgeben von industriell hergestellten Waren, so etwas wie eine Oase der Handwerkskunst geblieben ist. Typisch ist auch ihr oftmals regionaler Charakter. Wenn man von Volkskunst spricht, denkt man zuerst an erzgebirgische Volkskunst. Deshalb soll sie auch am ausführlichsten beschrieben werden.

Erzgebirgische Volkskunst

Sie sind von keinem Weihnachtsmarkt wegzudenken, – die Stände mit handwerklichen Produkten zumeist aus Holz. Es handelt sich überwiegend um Produkte aus dem Erzgebirge. Erzgebirgische Volkskunst, Räuchermaennchen Das vielseitige Angebot umfasst nicht nur die bekannten Nussknacker aus Holz oder die Räuchermännchen und Weihnachtspyramiden; dazu kommt zumeist noch Spielzeug aus Holz, welches für sich schon ein umfangreiches Sammelgebiet ergibt, welches ich an anderer Stelle separat beschreibe. Zu bestaunen gibt es ferner Leuchterspinnen aus Holz sowie Schwibbögen, hölzernen Christbaumschmuck, Weihnachtskrippen, Räucherhäuschen, gedrechselte figürliche Miniaturen, geschnitzten und gedrechselten Schmuck, Dioramen, Spieldosen mit Musikwerken und so fort. Die Bandbreite ist außerordentlich. Oftmals ist das Hauptausgangsmaterial Holz auch kombiniert mit anderen Werkstoffen wie Stroh, Textilstoffen, Metallen, Blech oder Glas. Erzgebirgische Volkskunst ist allerdings nicht nur auf Weihnachten konzentriert; dies beweisen viele kleine Schnitzer-, Tischler- und Dekorationswaren, welche jahreszeitlich unabhängig sind. Für die Osterzeit hält die erzgebirgische Volkskunst Osterhasen, Ostereier und anderen Osterschmuck aus Holz bereit.

Wie hat sich die erzgebirgische Volkskunst entwickelt?

Ursprünglich lebten die Menschen im Erzgebirge vom Zinnbergbau. Dessen Blütezeit lag zwischen 1550 und 1600. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch war die hohe Zeit des Zinnbergbaus vorbei. Die Menschen mussten sich nach einer anderen Erwerbsquelle umsehen. Was lag näher, als das zur Grundlage des Erwerbes zu machen, was es am häufigsten gab, nämlich Holz! Hierin unterscheidet sich der Beginn der erwerbsmäßigen Volkskunst im Erzgebirge nicht von den Anfängen der Volkskunst in anderen waldreichen Gebieten wie dem Schwarzwald oder dem Alpenraum. Holzverarbeitung, zumeist waren es Spindeldreher und Holzteller-Hersteller im Rahmen von Familienarbeit, gab es vereinzelt auch schon im 17. Jahrhundert im Erzgebirge. Zum großen Durchbruch verhalf aber eine geniale Erfindung. Ein geflügeltes Rad aus Holz wurde durch aufsteigende Wärme von Kerzen zum Drehen gebracht! Mit dem Rad drehte sich auch ein mit diesem verbundener hölzerner Teller, der mit hölzernen Figuren bestückt werden konnte. Die berühmte erzgebirgische Pyramide, die Weihnachtspyramide war geboren, – irgendwo in der Nähe des Städtchens Seiffen. Vermutlich stand bei der Erfindung dieser Pyramide eine alte Tradition aus dem vergangenen Bergbau Pate, nämlich der Pferdegöpel. Der Pferdegöpel bestand aus einer großen hölzernen Pyramide, welche mit einer Spindel mit Zugseilen ausgestattet war. Das Drehen der Spindel zum Fördern von Abraum und Gestein aus der Tiefe wurde von zwei Pferden, also mit Tierkraft, bewerkstelligt.

Erzgebirgische Volkskunst wurde zum Exportschlager und Sammlerobjekt

Volkskunst Weihnachtspyramide Die hölzerne Drehpyramide jedenfalls wurde zu einem Exportschlager und steht wie kaum ein anderes Produkt für die erzgebirgische Volkskunst. Sie wurde immer mehr verbessert und verfeinert, umfasste bald mehrere Etagen, auf welchen sich schließlich diverse Märchenfiguren, Bergleute, Hirten, Tiere, Weihnachtsfiguren oder Engel, angetrieben von der Wärme der Kerzen, drehten. Die Weihnachtspyramide spielt in den erzgebirgischen Orten eine so große Rolle, dass sie noch heute zu Weihnachten den ansonsten obligatorischen Weihnachtsbaum ersetzt.
Auch die Räuchermännchen wurden in großen Stückzahlen in alle Welt exportiert. Auch sie gibt es in unendlich vielen Motiven, sei es als klassischer Schornsteinfeger, als Bergmann, Türke, als Nachtwächter oder auch Förster. Gleich ist ihnen allen die obligatorische Pfeife. Auch die Räuchermännchen wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts in großen Stückzahlen produziert. Die älteren Räuchermännchen besaßen bis um das Jahr 1900 noch Gliedmaßen aus Masse, einem Gemisch aus Holz- und Roggenmehl, Schlämmkreide und Knochenmehl. Die Rezepte für Masse oder auch Pappmaché variierten oft. Viele Hersteller und Familien besaßen ihre eigenen Mischungen. Bei Sammlern sind solch alten erzgebirgischen Figuren natürlich äußerst beliebt, sie sind aufgrund der Teilverarbeitung aus Masse allerdings auch labiler und daher nur noch selten anzutreffen.

Ein begehrtes Sammelobjekt sind auch die erzgebirgischen Nussknacker

Das Erzgebirge besitzt noch immer viele Manufakturen, in denen Wert auf die detailverliebte Fertigung von Nussknackern gelegt wird, die sich gut als Sammlerstücke eignen. In ihren Anfangsjahren wurden sie auch in der Funktion als Kinderspielzeug hergestellt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann im erzgebirgischen Seiffen die Entwicklung des für das Erzgebirge typischen Nussknackers. Der Holzkünstler Wilhelm Füchtner schnitzte eine Figur nach dem Kindermärchen „König Nussknacker und der arme Reinhold„. Dessen Form hat sich bis heute bewährt, auch wenn sich verschiedene Gestaltungsdetails im Laufe der Zeit mitunter änderten. Das inspirierende Märchen handelt von einem kleinen kranken Jungen, den im Traum ein Nussknacker durch eine Welt voller Spielzeug führt. Nachdem er unter dem Weihnachtsbaum eben jene Spielsachen findet, gesundet der Junge. Seit jeher ist die Geschichte des Holzmännchens also an die Weihnachtszeit geknüpft. Da die Figur die Verhältnisse der früheren Erzgebirgs-Bevölkerung widerspiegelt, wurde sie oft als König, Ortspolizist oder Soldat gestaltet und hatte einen entsprechend grimmigen Gesichtsausdruck. Insofern sind diese traditionellen Holzfiguren auch ein Spiegel der Zeit, der jeweiligen sozialgeschichtlichen und kulturellen Verhältnisse. Die klassischen Nussknacker stellten Autoritätspersonen dar, deren Gesetze und Auftreten den Bewohnern häufig sprichwörtlich harte Nüsse zu knacken gaben. Unter anderem können noch immer Nussknacker in der traditionellen Gestaltung als König im Erzgebirge-Palast  gekauft werden. Mittlerweile werden auch zahlreiche Holzfiguren gefertigt, die weniger Respekt oder Angst einflößen, indem sie zum Beispiel weniger große Mundöffnungen besitzen. Als Sammelobjekte optimal sind die Nussknacker, die die Vielfalt der Berufe früher und heute darstellen. Vom traditionsreichen Bergmann bis hin zu modernen spezialisierten Arbeitern lassen sich die Nussknacker-Manufakturen stetig neue kreative Spielzeuge und Weihnachtsdekorationen einfallen. Neben Berufen werden somit auch Hobbies oder einzelne zeitgenössische Bevölkerungsgruppen thematisiert. Nussknacker als Koch Jeder Nussknacker wird handgefertigt und handbemalt, wobei bis zu 60 Einzelteile zusammengesetzt werden. Die erzgebirgischen Sammelobjekte werden zwar auch „Holzmännel“ oder „Nussbeißer“ genannt, dennoch eignen sie sich weniger zum Knacken von Nüssen. Sie bestehen heute zumeist aus sehr weichem Holz, oft Fichtenholz, welches dem Druck dabei nicht dauerhaft gewachsen wäre. Es ist also besser, die traditionsreichen Figuren zum Ansehen im Regal oder auf dem Fensterbrett zu belassen.

Volkskunst in anderen Regionen

Neben der erzgebirgischen Volkskunst, die als „Erzgebirgische Volkskunst“ mittlerweile auch eine eingetragene Wortmarke ist, ist auch die Volkskunst anderer Regionen in den Fokus der Sammler und Liebhaber geraten. Es ist wesentlich die Liebe zum Detail, dieses Einbringen von Inbrunst und der eigenen Verliebtheit und Phantasie in den Herstellungsprozess, die für die Faszination sorgen, die von diesen Volkskunstprodukten ausgeht. Zum Teil liegt dies wohl auch daran, dass nicht immer für den Verkauf, sondern auch für den Eigenbedarf produziert wurde. Als Beispiel für die Produktion überwiegend für den Eigenbedarf möchte ich auf die Trachtenstickereien einiger Regionen hinweisen. Weit bekannt ist hier die bäuerliche Weiß- und Trachtenstickerei der Schwalm in Nordhessen. Tief im Mittelalter entstanden, hat sich die Technik der Herstellung nur in einigen Regionen überlebt. Aber nicht diese Technik ist hier Volkskunst, sondern die sich oft wiederholenden Formen, Symbole und Motive, die über Generationen weitergegeben werden und in der kulturellen Vergangenheit der Region ihren Ursprung haben.
Dass Volkskunst sich durchaus in einem Übergangsbereich von Kunst und Alltagsleben bewegt, zeigt sich besonders an den Bauernmalereien des Alpengebiets, wobei ich besonders auf die bemalten Bauernmöbel hinweisen möchte. Sie zeigt sich weiter an den Trachten zum Beispiel der Sorben oder an der Kunst der Keramik im Bereich des Westerwaldes. Viele dieser Bereiche ehemals häuslicher Produktion haben mittlerweile die Enge der familiären Manufakturen verlassen, sind zu bekannten Produktionsstandorten geworden, haben ihren Regionen ein Gesicht gegeben und sind so auch zu beliebten eigenständigen Sammelgebieten geworden. Dies trifft nicht nur auf die erzgebirgische und weitere oben angesprochene Volkskunst zu, sondern in hohem Maße auch auf Regionen wie dem Schwarzwald als Standort für Uhren und Schwarzwalduhren oder dem Bereich des Thüringer Waldes als weltbekannter Standort für die Produktion von Puppen.Nussknacker als Skifahrer

Volkskunst gehört zum Heute

Volkskunst als Heimatkunst war in den Nachkriegsjahren schnell in den Bereich von Deutschtümelei und Andenkenkitsch geraten. Von diesem Stigma hat es sich mittlerweile befreit. Als man bemerkte, dass die industrielle Entwicklung, die mit der Gründerzeit ihren Aufschwung nahm, zum steten Niedergang der handwerklichen Traditionen und des handwerklichen Wissens wesentlich beitrug, befasste man sich mit den verbliebenen Oasen und entdeckte ihren historischen Wert als Teil unserer Kultur und Entwicklung. Dort, wo diese Kultur aufrecht erhalten werden konnte, wird heute versucht, mit der ursprünglichen Authentizität, der ursprünglichen Unmittelbarkeit und Inbrunst, die Volkskunst im heutigen Kunst- und Produktionszeitalter zu integrieren. In den Regionen des Erzgebirges, des Schwarzwaldes oder der Alpen ist dies besonders gut gelungen.

Die beiden unteren Abbildungen wurden freundlicherweise von ©erzgebirge-palast.de überlassen.

Ein Kommentar über “Volkskunst”

  1. capriOla4ever schrieb:
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    Nachttopf Puppenstube ca. 4,4 cm hoch
    alte Volkskunst Rumänien TURDA
    Alter unbekannt
    leichte Chips am Rand
    Henkel unbeschädigt
    Verkauf aus Anfrage

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