Schallplatten sammeln

Die Anfänge mit Thomas Alva Edison und Charles Tainter

Schallplatten sind gar nicht mal so jung. Sie wird in unseren Tagen im Jahre 2008 ziemlich genau 120 Jahre alt. Noch zehn Jahre früher, im Jahre 1878, erfand Thomas Alva Edison den Phonographen, eine Sprechmaschine. Die Töne, die Schallschwingungen, wurden beim Phonographen auf eine Walze, welche mit Stanniol, einer Zinnfolie, ausgelegt war, eingeritzt. Die Walze wurde später durch eine mit Wachsbelag ersetzt. Die eingegebenen Schallsignale konnten dann mit der Spitze eines sogenannten Tonabnehmers zunächst über Membran und Schalltrichter, später elektronisch, wieder hörbar gemacht werden.

Die Entwicklung ging rasend weiter. Charles Tainter entwickelte bereits zwei Jahre später, im Jahre 1880, anstatt der Wachswalze flache Wachsplatten, die heute als die ersten „Schallplatten“ der Welt bezeichnet werden. Aber Tainters Erfindung war wie die Edison’sche Wachswalze mit zu vielen technischen Fehlern behaftet. Insbesondere die Vervielfältigung bereitete große Schwierigkeiten. Aber er lag mit seiner Entwicklung von der Walze hin zu den Platten tendenziell richtig!

Die Revolution des Hannoveraners Emil Berliner

Richtig brauchbar wurde der Edison’sche Phonograph aber erst durch die Erfindungen und Entwicklungen des deutschen Kaufmannes Emil Berliner, der gleichsam und parallel zu Tainter an einer horizontal ausgerichteten Platte arbeitete. Emil Berliner gilt heute als der eigentliche Erfinder der Schallplatte. Er wurde am 20. Mai 1851 in Hannover geboren, wanderte allerdings früh mit 19 Jahren in die USA aus. Er lebte später abwechselnd in Nordamerika als auch in Deutschland. Er starb am 3. August 1929 in Washington. Der Tüftler Berliner experimentierte mit verschiedenen Materialien als Grundträger, verwendete schließlich Glas als Herstellungsmaterialie sowie Ruß als Belag, in welchen die Tonsignale eingeritzt wurden. Der Ruß wurde anschließend einer Härtung unterzogen. Dieser Grundträger wurde von Emil Berliner anschließend  galvanisiert. Beim Galvanisieren, auch Galvano-Technik genannt, wird auf elektrochemischem Weg ein Gegenstand metallisch überzogen. Als Metall verwendete Berliner Zink. Aus dem galvanisierten Grundträger konnte anschließend, ähnlich wie in der grafischen Technik ein Negativ-Abdruck hergestellt werden. Dieser Negativ-Abdruck konnte dann wie ein Druckstempel zum Vervielfältigen benutzt werden, indem man den „Stempel“ in eine weichere Masse presste. Den galvanisierten Grundträger, die Zinkplatte, ließ sich Emil Berliner im Jahre 1887 patentieren. Er nannte seine Erfindung selbst „Schallplatte“. Die Reproduzierbarkeit dieser neuen horizontalen Zink-Schallplatten war bezüglich gerade der Vervielfältigung den Edison’schen Walzen weit überlegen.

Die ersten richtigen Schallplatten waren aus Celluloid – oder was hat eigentlich Schildkröt mit Schallplatten zu tun?

In den Jahren nach seiner Erfindung experimentierte Emil Berliner sehr an der Reproduktion der Zinkplatten.  Er änderte zunächst den Grundträger und tauschte das mit Ruß behaftete Glas gegen wachsbeschichtetes Zink aus. In die Wachsschicht wurden nun die „Schallplattenrillen“ eingraviert. Die Gravur reichte durch bis auf das Metall. Das nachfolgende Säurebad ätzte sich nur dort ein, wo die Rillen auf  das Metall stießen.  Der rechtliche Wachsmantel wurde nicht angegriffen. Nach dem Säurebad wurde  die verbliebene Wachsschicht entfernt; die Zinkplatte mit den eingeätzten Rillen war die Druckvorlage. Als Pressmasse für die Positive, also die eigentliche Schallplatte, kamen schon um das Jahr 1888 zunächst Zelluloid, Celluloid, sowie Gummi zum Einsatz. Celluloid bezog Berliner vom Amerikaner John Hyatt, der zusammen mit seinem Bruder als erster aus Zellulose und Salpeter- beziehungsweise Schwefelsäure Celluloid herstellte. In diesem Zusammenhang spricht man in Sammlerkreisen auch von den sogenannten „Hyatt Disks“.  Bei der Reproduktion und Serienproduktion in Deutschland band Emil Berliner bald darauf Firmen ein, die wir vom Sektor der Spielzeugproduktion bestens kennen. So produzierte der thüringische Puppenhersteller Kämmer & Reinhardt aus Waltershausen spezielle einfache kleine Grammophone für Berliners horizontale runde Schallplatten.  Emil Berliner hatte seine Entwicklung des Grammophons ebenfalls im Jahre 1888 in Deutschland publik gemacht und vorgestellt. Die Schallplatten für diese Grammophone wurde zum Beispiel bei der Rheinischen Gummi- und Celluloidfabrik Mannheim, später bekannt als Schildkröt, aus Zelluloid  und Gummi gepresst. Dabei fertigte der Puppenhersteller in Zusammenarbeit mit Emil Berliner nicht nur die ganz einfachen Grammophone, welche mit einer Handkurbel angetrieben wurden, sondern auch eine ganz besondere Rarität: eine sprechende Puppe! Diese sprechende Puppe besaß im Inneren ein super kleines Grammophon! Die Rheinische, die spätere Firma Schildkröt, stellte hierfür Celluloid-Schallplatten mit einem Durchmesser von nur 8 cm her. Die Zelluloid-Schallplatten und wohl auch Gummischallplatten für die anderen kleinen Einfachgrammophone besaßen einen Durchmesser von etwa 12 cm.

Solche Grammophone und auch die Sprechpuppen sind heute sehr selten; dies trifft auch auf die erwähnten ersten Schallplatten zu. Von diesen ersten, in Zusammenarbeit mit Kämmer & Reinhardt sowie der Rheinischen serienmäßig hergestellten Schallplatten wurden im Zeitraum von Ende 1889 bis zur Einstellung in 1891 etwa 25.000 Platten gepresst. Es gibt von ihnen nur noch sehr wenige. Diese Serienproduktion war auch deshalb kommerziell nicht sehr erfolgreich, weil die Qualität der Schallplatten, und hier insbesondere ihre Klangqualität, nicht sehr ausgeprägt war. Ohne mitgelieferte Texte waren die Aufnahmen nur schlecht verständlich! Emil Berliner, der Wanderer zwischen den USA und Deutschland, gründete noch zu Zeiten der Zusammenarbeit mit der Rheinischen und Kämmer & Reinhardt im Jahre 1889 in den USA die American Gramophone Companie und nach deren Einstellung in 1893 die United States Gramophone Companie. Schon zwei Jahre später im Jahre 1895 gründete er zusätzlich mit anderen Kompagnons die Berliner Gramophone Companie in Baltimore. Dies zeigt die Umtriebigkeit von Emil Berliner, sein großes Ziel, nämlich seiner Erfindung zum endgültigen Durchbruch zu bringen, zu erreichen. Immer war er parallel zum Marketing an der Verbesserung seiner Schallplatten und Grammophone beschäftigt.

Der kommerzielle Durchbruch gelingt mit der Schellackplatte

Der Durchbruch sollte Emil Berliner allerdings erst im Jahre 1896 gelingen, als er die Schallplatten völlig neu aus einer Mischung aus Schieferpulver, Baumwollflocken, Ruß und Schellack presste. Der Schellack wurde aus Gummilack gewonnen, der aus bestimmten Bäumen und Sträuchern, die in Südostasien beheimatet sind, tritt, nachdem diese von der sogenannten Lackschildlaus angeritzt und mit deren Ausscheidungen infiziert wurden. Die Schellackplatten und weiter perfektionierte Grammophone brachten endlich den wirtschaftlichen Durchbruch für den Deutschamerikaner. Bis zum Jahre 1900 erweiterte er seinen Konzern durch Tochterunternehmen auch in Europa, eines davon die Deutsche Grammophone-Gesellschaft 1898 in Hannover, seinem Geburtsort.

Die Deutsche Grammophone-Gesellschaft wurde von seinem noch in Hannover lebenden Bruder Joseph Berliner geführt. Die deutsche Grammophone-Gesellschaft produzierte und vertrieb auch das von den Berliner-Brüdern erfundene Grammophone in Europa. Das besondere Merkmal des Grammophons, der große Schalltrichter, gehörte zu den Charakteristika der Epoche der Jahrhundertwende bis Anfang der 20er Jahre. Um die Jahrhundertwende produzierte Berliner  zusätzlich etwa eine Million Schallplatten im Jahr.

Weiterer Aufschwung und Carl Lindström

Die neue Klangqualität sowie die durch den Schellack gegebene Robustheit führte zu einer neuen Marketing-Offensive, der sich immer mehr Firmen anschlossen. So entstanden in Deutschland bis zum Beginn des 1. Weltkrieges mehrere Hundert Schallplattenfirmen. Die größte dürfte dabei die Aktiengesellschaft des gebürtigen Schweden Carl Lindström mit seinem Label „Odeon“ gewesen sein. Carl Lindström kann mit Fug und Recht als Nachfolger von Emil Berlinger, was das weite Gebiet der Innovationen im Schallplatten- und Grammophonbereich betrifft, bezeichnet werden. Er entwickelte das Grammophone mit dem beweglichen Tonarm entscheidend weiter und brachte auch die ersten beidseitig gepressten Schallplatten heraus. Carl Lindström wurde bis zum Beginn des ersten Weltkrieges führend auf dem Gebiet der Schallplatten- und Grammophonherstellung in Europa.

Der Siegeszug der Vinylschallplatte

Nach vielen Neuerungen in den 20er und 30er Jahren wie der Einführung des elektrischen Schallplattenspielers und weiterem geradezu revolutionären Aufschwungs der Schallplatten- und  ihrer Zubehörindustrie kam es während des 2. Weltkrieges zu einschneidenden Änderungen. Wenn wir bedenken, dass Schellack ein nicht sehr häufiges Naturprodukt war und ist, so kann man sich gut vorstellen, dass aufgrund der immer größeren Nachfrage hiernach der Preis dieses wertvollen Rohstoffes stetig in die Höhe getrieben wurde. Eine der beliebten Schallplatten, eine VinylschallplatteEs ist einfach das Prinzip von immer knapper werdendem Angebot und stetig steigender Nachfrage. Die starke Einschränkung durch die Auswirkungen des Weltkrieges kamen in immer gravierenderem Maße hinzu. Es wurde in Folge nach Alternativen gesucht. Nicht leicht in einer durch Kriegszerstörungen und kriegsbedingten Betriebseinstellungen und Produktionsumstellungen darnieder liegenden Branche. Mit Ende des 2. Weltkrieges nahm die Schallplattenindustrie einen neuen Anfang. Entscheidend für den einsetzenden Erfolg war die Einführung der Vinylschallplatte. Sie verdrängte relativ rasch die Schellackplatte vom Markt. Die Schellackplatte mit ihren 78 Umdrehungen pro Minute präsentierte dabei ein einziges Musikstück. Das konnte die während des 2. Weltkrieges von Peter C. Goldmark erfundene Single, die sich allerdings erst ab 1948 durchsetzte, bei 45 U/min bei sehr viel höherer Qualität, ungleich besser. Auch die 1931 erstmals vorgestellte Langspielplatte mit 33 1/3 U/min nahm nach dem Kriege allmählich Fahrt auf. Es dominierten in den frühen 50er Jahren und in meiner Erinnerung auch anfangs der 60er Jahre noch die Singles. Sie waren auch für die in nahezu jeder Kneipe stehenden Jukeboxen zugeschnitten. Auch meine zuerst erstandenen Schallplatten waren Singles. In  der alten Bundesrepublik Deutschland erschien die erste Single im Jahre 1953. Nur  etwa fünf Jahre später wurde die Herstellung von Schellackplatten eingestellt. In der damaligen DDR lief die Produktion der Schellackplatte noch bis 1961. Während in Westdeutschland der Konkurrenzkampf der Schallplattenindustrie begann, wurde die Produktion in der DDR verstaatlicht. Der VEB (volkseigener Betrieb) Deutsche Schallplatten brachte die heute von Sammlern wiederentdeckten Labels Litera, Amiga, Nova, Schola, Eterna sowie Aurora heraus. Sie werden hin und wieder in Online-Auktionen angeboten. Die Schallplatte erreicht durch die Online-Vermarktung eine immer stärkere Renaissance. Eine Druckerei bietet mittlerweile sogar den Service, eigene Fotos auf Schallplatte drucken zu lassen. Eine witzige Idee, so erlebt manch eine Vinylplatte ihren zweiten Frühling.

Trotz Einführung der CD Anfang der 80er Jahre hat sich bis heute ein fester Stamm von Anhängern der Vinylschallplatte erhalten. Während die digitalen I0I0I0-Aufnahmen nicht alle Extremtöne erfassen, gibt die analoge Vinylplatte, wie es der Begriff „analog“ schon aussagt, alle Töne, also auch Zwischentöne wieder; die Wiedergabe klint dadurch weicher.

 

siehe auch

Sammlerwert Schallplatten

6 Kommentare über “Schallplatten”

  1. Kai schrieb:
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    Ich besitze eine Märchen Schallplatte von Schildkröt und würde gern mehr darüber herausfinden, sowie den etwaigen Wert dieser ermitteln.

  2. Martin schrieb:
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    Hallo Schallplattensammler,
    ich habe auf dem Speicher 2 seltene Schallfolienplatten von Coca-Cola mit Cover von 1976 gefunden TOP erhalten.
    Vielleicht kann sie ja jemand gebrauchen für 15,- Eurole würde ich sie verkaufen

  3. robert schrieb:
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    hallo ich habe bitte mal eine frage in die runde…gibt es ein verzeichnes für polyphon symphonion Blechplatten???habe da einen fund bei opa im keller gemacht von 25Platten 5 platten mit duchmesser 22,5…& 20 platten mit durchmesser 27cm….die plattennummern sind alle zu lesen aber leider nicht bei allen die songs…vielen dank im vorraus….???

  4. Petr schrieb:
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    Mir sind die auch unter dem Begriffen Folien- und Gelatine-Platten bekannt.

  5. www.werbefiguren-museum.de schrieb:
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    Hierbei handelt es sich um die bis in die 70er Jahre populäre Schallfolie. Wurde gerne für Werbezwecke (z.B. Lurchi oder Diolen-Tobi) oder als Beigabe von Zeitschriften verwendet.

  6. Ilse schrieb:
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    ich habe eine Frage: wie nennt man die Schallplatten, die (Werbe-) Aufdrucke haben? Sie sind weich und biegsam – haben die einen bestimmten Namen? Vielen Dank für Hilfe

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