Registrierkassen sammeln

Registrierkassen begeistern mit ihrem voluminösen Aussehen, ihrer Schwere und einfachen robusten Technik. Es werden immer weniger Zeitgenossen, die sie noch aus den Kaufmannsläden, den Kolonialwarenläden der fünfziger und sechziger Jahre kennen. Sie war vielfach der Magnet, der Anziehungspunkt in den alten Verkaufsräumen und hatte ihren Platz auf dem Verkaufstresen. Ich selbst fand die Registrierkassen als Kind schon faszinierend. Mein Großvater hatte eine solche in seinem Geschäft und allein die Tatsache, dass diese Kasse sich im Laufe des Tages immer mehr mit Geld füllte, machte einen großen Teil dieser Faszination aus. Dazu dieser herrliche Klingelton, wenn nach Addition der verkauften Waren, im Geschäft meines Großvaters waren dies Elektroartikel, Lampenschirme, Glühbirnen oder Rauchverzehrer, die Geldlade zur Geldeinnahme und Wechselgeldrückgabe heraussprang. Es sind auch diese warmen Klingeltöne, die für mich typisch für diese alten Verkaufsläden sind. Es gab ja nicht nur den Klingelton der Registrierkassen; zusätzlich wurde die Geschäftigkeit auch noch durch den unverwechselbaren Klang der damaligen Telefone, in den fünfziger und sechziger Jahren zumeist des „W 48“ von Siemens aus schwarzem Bakelit, sowie des kurzen Klingels der Ladentür beim Eintritt oder Verlassen eines Kundens unterbrochen. Mir sind diese Klingeltöne in liebevoller Erinnerung geblieben, gerade wenn ich sie vergleiche mit den heutzutage verbreiteten digitalen und nervenden Pieptönen.
Auch wenn man als Junge weniger mit Puppenstuben und Kaufmannsläden spielte, – Registrierkassen aus Blech und bunt lithografiert, später aus Plastik und mit Spielgeld gefüllt, gehörten doch zur gängigen Spielzeugausrüstung.

Die Geburt der Registrierkassen war in den USA

Als Erfinder der Registrierkasse gilt James Ritty aus Dayton in Ohio. Er besaß dort ein Cafe und beschäftigte sich schon länger mit dem Problem von Fehlbeträgen bei der täglichen Geschäftseinnahme. Er wollte einen „incorruptible cashier“, also einen Kassierer, welcher sich nicht bestechen ließ, der nicht korrupt war. Das konnte eigentlich nur eine Maschine sein! Auf einer Seereise nach Europa wurde er auf einer Schiffsreise von einem Manometer inspiriert, welches die Umdrehungen der Schiffsschraube mitzählte und notierte. Sein unbestechlicher Kassierer sollte also Geld, Münzen als auch Geldscheine, einnehmen sowie die Einnahmen zugleich addieren und registrieren. Diese Grundidee liegt den Registrierkassen zugrunde und sie wurde hier auf der Schiffsreise geboren. Im Jahre 1879 setzte James Ritty seine Überlegungen um und erschuf in Zusammenarbeit mit seinem Bruder John Ritty in der South Main Street Nr. 10 in Dayton in den Räumen über seinem Cafe eine erste Registriermaschine. Eine Weiterentwicklung ließen sie sich am 4. November 1879 patentieren. Auch die dritte Registrierkasse, die die Brüder “Ritty’s Incorruptible Cashier“ nannten, kam jedoch, wie die beiden vorlaufenden Typen, nicht auf den Markt. Das Holzgehäuse besaß bereits Metalltasten, zeigte die eingegebenen Geldbeträge an sowie die Gesamtsumme. Die nächste Weiterentwicklung bestand im Einbau einer Papierrolle. Auf dieser waren die Ein- und Ausgänge eines ganzen Tages aufgezeichnet. Dies erleichterte die Arbeit im Büro ganz erheblich! Es erübrigte auch das Rechnen mit Stiften oder Füllfederhaltern. Die Brüder bezeichneten diese Maschine, welche am 30. Januar 1883 patentiert wurde und in deren Entwicklung auch Schwager John Birch involviert war, als „Paper Roll Machine“ oder auch „Detail Adder“. Wie bei allen späteren Registrierkassen waren die ersten Maschinen bereits mit dem oben erwähnten Klingelton ausgestattet. Das Ganze funktionierte mit einem Manometer. James Ritty gründete in Folge über seinem Cafe die Firma „James Ritty’s New Cash Register And Indicator“. Die kleine Firma expandierte und schon 1881 beschäftigte man zehn Leute. Sie verkauften ihre Registrierkassen bereits bis nach Duluth. Ein wichtiger Verkauf war der von drei Registrierkassen an den Händler John H. Patterson, der die Kassen in seinem Laden in Coalton, Ohio aufstellte. Dieser Verkauf sollte für die Entwicklung der Registrierkassen in den nachfolgenden Jahren noch wichtig werden. Zunächst aber verkauften die Brüder Ritty noch im Jahre 1883 ihren Betrieb einschließlich aller Rechte für eintausend Dollar an Jacob H. Eckert. Registrierkassen auf dem Flohmarkt(Quelle: www.ncr.org.uk)

Weiterentwicklung durch Patterson

Im Jahre 1884 schließlich kaufte dann John H. Patterson mit der Erfahrung der drei von den Rittys erstandenen Kassen die Rechte von Jacob H. Eckert für 6.500 Dollar und produzierte fortan Registrierkassen in seiner neu gegründeten Firma NCR, der „National Cash Register Company“. Er trieb die Entwicklung in Folge auf ein hohes Niveau. Patterson entwickelte sich zum weltweiten Marktführer. Dafür tat er auch viel. So war seine Produktion gekennzeichnet von vielen Innovationen und Neuerungen. James Ritty bemerkte später, dass, wenn ein anderer als Patterson das Geschäft übernommen hätte, die Registrierkassen-Industrie nie zu diesem Erfolg geführt hätte. (Quelle: www.ncr.org.uk)
Im Jahre 1892 entwickelte Patterson eine Kasse, welche nicht nur den Geldeingang vermerkte, sondern zudem eine Quittung ausgab. Ansonsten war Patterson bemüht, andere eventuell zukunftsbahnende Entwicklungen gerade seiner Konkurrenten aufzukaufen und sie unter seinem Patent anzumelden. Beispiel hierfür ist der Ersatz des Klingeltones durch einen Kuckucksruf, wie wir ihn von den Schwarzwalduhren her kennen. Diesen Ruf erfand die Firma HCR (Heintz Cash Register). Patterson erwarb diese Erfindung im Jahre 1895; sie sollte sich allerdings nicht durchsetzen.
Die Konkurrenz für Patterson war nicht klein; neben seiner Firma NCR hatte er ein Heer von 83 Mitkonkurrenten. Aber in der Manier eines Platzhirsches sorgte er dafür, dass der Großteil seiner Konkurrenz keine Markchancen besaß und die Zahl seiner „Nebenbuhler“ sich bald auf nur noch zwei reduzierte. NCR beherrschte schlussendlich um die Wende zum 20. Jahrhundert den amerikanischen Markt zu über 95%. Seit John Patterson 1884 die Rechte von James Ritty besaß, wurden bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 über 1,5 Millionen Registrierkassen produziert, der überwiegende Teil von Pattersons Firma NCR. Die vor allem technischen Neuerungen, die den Produktionsweg bis 1915 begleiteten, sorgen heute in der Nachschau dafür, dass jene Jahre als die großen Jahre der Registrierkassen gelten. So konnte John Kettering im Jahre 1906 die erste elektrische Registrierkasse entwickeln. Formen- und Farbreichtum, unterschiedlichste Materialien von Holz, über Eisen, Messing, Silber bis hin zu Gold, alles wurde verarbeitet beziehungsweise eingearbeitet. Die Kassen konnten einschübig oder auch zweischübig sein. Es war schließlich so, dass sich ab etwa 1905 jeder Geschäftsmann oder Liebhaber seine individuelle Kasse bestellen konnte. Die Variationsbreite dieser Jahre inspiriert heute die Sammler und Verehrer von Registrierkassen. Registrierkassen aus dieser Zeit sind selten und gesucht.
Es gab natürlich auch ein Standardmodell bei NCR; es war die Kasse des Typus „NCR 422“. NCR, welche in nahezu die gesamte Welt exportierten, stellten Registrierkassen für alle benötigten Währungen her. Der Weltmarktführer der damaligen Zeit beschäftigte kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges in 1915 fast 6000 Mitarbeiter. Im Jahre 1991 erwarb der nordamerikanische Telekommunikationskonzern AT & T, der in Dallas, Texas ansässig ist, die Firma, welche sich 1996 allerdings wieder in NCR Corporation umbenannte.

Die Entwicklung in Deutschland

NCR expandierte bereits im Jahre 1896 nach Deutschland und gründete hier ihren deutschen Ableger, die „Nationale Registrierkassen GmbH (NRK)“. Die NRK zog über verschiedene Standorte nach dem Krieg nach Augsburg und etablierte dort die wohl größte Registrierkassen-Fabrik außerhalb der USA. Augsburg wurde die deutsche Stadt der Registrierkassen. Die Stadt wurde für NCR so gewichtig, dass in den 60er Jahren sogar eine Städtepartnerschaft zwischen Augsburg und Dayton gegründet wurde. Die Belegschaft wurde bis in die 70er Jahre auf bis zu 7000 Beschäftigte gesteigert. Bis heute ist die NCR mit mehreren hundert Angestellten in der Ulmer Straße in Augsburg vertreten.
Als deutsches Unternehmen war es die Firma Anker, die Registrierkassen herstellte. Die Bielefelder Firma Anker hat ihre Entstehungsgeschichte in der deutschen Gründerzeit im Umfeld der vielen Bielefelder Fahrrad- und Nähmaschinenfabriken. Die Vorgängerfirma war die im Jahre 1876 gegründete „Bielefelder Nähmaschinenfabrik Carl Schmidt“. Eben dieser Carl Schmidt stammte aus der bekannten Bielefelder Nähmaschinenfabrik Dürrkopf. Nach einigen Inhaber- und Mitgesellschafterwechseln erwuchs hieraus im Jahre 1895 die „Bielefelder Nähmaschinen- und Fahrrad-Fabrik A.G., vorm. Hengstenberg & Co.“ Bereits ab 1894 verkaufte die Vorgängerfirma Fahrräder unter der Markenbezeichnung „Anker“. Den Kennern sind diese frühen Anker-Fahrräder bekannt. Ab 1900 stellte man dann Registrierkassen her, auch unter dem Logo „Anker“. Ab 1906 schließlich nannte sich das Unternehmen „Anker-Werke Aktiengesellschaft, vorm. Hengstenberg & Co.“ Die Firma baute nicht nur Registriermaschinen und Buchungsmaschinen, sondern auch Nähmaschinen, Fahrräder, Motoren und Motorräder. In der Geschäftssparte Registrierkassen wurde stieg man weltweit zum zweitgrößten Hersteller nach NCR auf. Trotz noch großem Erfolg in den 60er und 70er Jahren verpasste Anker den Umschwung in die digitale Welt. Im Jahre 1976 musste Konkurs angemeldet werden. Reste des ehemaligen Ankerunternehmens existierten unter verschiedenen Firmierungen, teilweise noch unter Benutzung des Markenzeichens, bis in die heutige Zeit; Teile wurden vom heutigen IT-Riesen Oracle übernommen.

Ein Kommentar über “Registrierkassen”

  1. Katja schrieb:
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    Hallo,

    Ihr Beitrag zur Geschichte der Registrierkasse hat mir gut gefallen. Von welcher Firma stammt eine Kasse mit der Aufschrift „Monopol“? Oder ist Monopol auch ein Kassenhersteller?

    Freundliche Grüße,
    Katja

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