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    Autoprospekte

    Autoprospekte  sammeln

    Autoprospekte – ein faszinierendes Sammelgebiet

    Vielleicht hat es etwas Verklärendes an sich, aber die 60er Jahre haben für mich immer noch etwas Faszinierendes. Ich denke, es hat damit zu tun, dass man selbst als Kind den Aufbruch, das Wirtschaftswunder, das Zurücklassen der Nachkriegszeit spürte. Zumal ich im Elektrogeschäft meines Großvaters den Wandel sichtbar miterleben konnte. Der Einzug immer neuer Ware, bunte Wandkalender, wunderbare Firmenreklame und vieles mehr. Und dann die Firmenautos! Überhaupt betrifft die Faszination gerade die Autos jener Zeit.

    samba.jpg

    Kultauto der damaligen Zeit: der VW-Bus T1 Samba

    Unsere Firma kaufte seit Gründung ausschließlich Modelle von Ford und Volkswagen. Der erste Wagen, an welchen ich mich bewusst erinnern kann, war der Ford mit der Weltkugel im Grill. Kurz danach kam der ganze Stolz, der Taunus 17 M. Dieser Wagen ging als „Badewanne“, so die Volksbezeichnung ob seiner Form, in die Geschichte ein. Dieses Auto hatte so gar nichts mehr, was an die Autos der Nachkriegszeit erinnerte.

    Immer neue Formen kamen auf den Markt, alle möglichen Farben kamen vor. Und es war diese Vielfalt, die faszinierte. Manche Autos wie der Opel Rekord hatten etwas amerikanisches. Grill und angedeutete Heckflügel erinnerten uns Heranwachsende an die aus den ersten amerikanischen Schwarz-Weiß-Serien im Fernsehen so angehimmelten Straßenkreuzer, an die Cadillacs und Thunderbirds. Die Autos bestimmten schon einen Teil unserer Jugendwelt: Das Streunen über die städtischen Parkplätze mit dem Blick auf das Tacho und dem Notieren der jeweiligen Höchstgeschwindigkeit; nachmittags im Schwimmbad war Auto-Quartett Spielen angesagt.

    Aber es waren nicht nur diese amerikanischen Formen, es war natürlich auch die „Badewanne“ oder ausgefallene Kleinwagen wie der Lloyd, Plastikbomber genannt, die BMW Isetta mit dem Ausstieg nach vorne oder der Messerschmidt-Kabinenroller mit Einstieg von oben! Eines der Prachtautos war der Borgward Isabella, der schon zur Oberklasse der Autos gehörte. Als die Bremer Firma Konkurs anmelden musste, fehlte plötzlich etwas im Straßenbild. Das Alltagsbild allerdings war dominiert vom VW-Käfer. Der Käfer war das mit Abstand meistverkaufte Auto dieser Zeit und eigentlich auch das Gesicht des Wirtschaftswunders. Auch mein erstes Auto nach dem Schulabschluss war wie selbstverständlich ein Käfer!

    Es gab allerdings auch sehr kleine Autoformen; eines der urigsten war gewiss das Goggomobil, der „Goggo“, in welches man sich regelrecht hineinzwängen musste. goggo.jpgAuch aus den Nachbarländern waren einige bemerkenswerte Kleinmodelle dabei, so der DAF aus Holland, der kleine Fiat 500 aus Italien, der in jede Parklücke passte oder dieses schaukelnde Etwas, die „Ente“, der 2 CV von Citroen, schon damals ein Auto für Exoten und Extravagante.

    Die Oberklasse aber bildeten Mercedes, BMW, Porsche natürlich bei den Sportwagen, Borgward, Opel mit seinen „Schlachtschiffen“ Admiral und Diplomat, aber auch der große Sportwagen von Glas, der Glas 2600 V8, ein Achtzylinder, für damalige westdeutsche Verhältnisse eine Ausnahme. opeladmiral.jpgMan muss bedenken: Der große 2600 V8 und das kleine Goggomobil stammten beide aus dem Hause Glas! Auch die Firma Glas fiel später dem zunehmenden Konkurrenzdruck zum Opfer und wurde dann von BMW übernommen. Autoprospekte der Firma Glas sind deshalb besonders nachgefragt.

    Rechts: Werbeprospekt des Opel-Flagschiffes Admiral

    Der Wettkampf der Autobauer brachte aber auch immer wieder Innovationen auf den Markt. Überwiegend dominierten damals die Otto-Motoren. Diesel-Motoren hatten nach meiner Erinnerung, ganz im Gegensatz zu heute, nur einen sehr geringen Marktanteil, noch keine 10 % und beschränkten sich fast ausschließlich auf Taxifahrzeuge. Eine außergewöhnliche Neuerung war die Einführung des Wankel-Motores, mit welchem NSU mit dem heute noch von vielen Fachleuten gepriesenen RO 80 versuchte, Marktanteile zu sichern. Obwohl der Wankel-Motor, ein Rotationskolben-Motor, auch in letzter Zeit, immer noch als Alternativ-Motor diskutiert wurde, – die damalige Zeit erlaubte bei immer stärker werdendem Konkurrenzkampf solche Experimente nicht. Einige Motorenkollapse genügten, und der Wankel war bald vom Markt. Im Jahre 1969 übernahm die VW-eigene Auto-Union die Neckarsulmer Firma NSU; aus Auto-Union, die ja bereits aus den 4 ehemaligen Firmen Audi, Horch, DKW und Wanderer bestand, wurde bis heute die Audi AG. Man brachte in den 60ern ebenfalls für eine Zeitlang noch Modelle unter dem Namen DKW heraus. Diese 2-Zylinder-Autos von DKW, ehedem in Tschopau angesiedelt, erinnerten mich immer an fiat500.jpgdas DDR-Kultauto Trabant. Ich denke, dass DKW auch bei Trabant Pate stand.

    Allen Autos der 60er Jahre aber bleibt gemeinsam, dass sie ein jeweils unverwechselbares Design aufwiesen, während heute das Design eher vom Windkanal bestimmt wird und zu einer stromlinienförmigen Angleichung geführt hat. Die heutigen Modelle haben an Unverwechselbarkeit und Individualismus, aber auch an Liebreiz verloren. Hierin dürfte eine Motivation begründet sein, die zur Ausbreitung dieses lohnenswerten Sammelgebietes geführt hat.