Steinzeug sammeln

Was ist Steinzeug?

Im Gegensatz zum Steingut sintert oder verglast der Scherben beim Brennen von Steinzeug. Durch die hohe Brenntemperatur bis 1300 °C wird Steinzeug so gut wie wasserdicht. Zumeist ist Steinzeug zudem noch mit einer Glasur versehen, die bereits beim Brand mit dem Scherben verschmolzen wird. Dies unterscheidet das Glasieren beim Steingut, wo in der Regel die Glasur nach dem Brand aufgebracht wird und anschließend der Scherben noch ein zweites Mal gebrannt wird.

Das Wissen über Steinzeug ist sehr alt. Glasierter Scherben war in China bereits einige Jahrhunderte vor Christi Geburt bekannt. Berühmt beim chinesischen Steinzeug sind zum Beispiel die Grünglasuren von Longquan, auch bekannt unter dem Begriff „Seladonglasur„. Überhaupt besitzt die chinesische Glasurtechnik eine über 2000jährige Tradition. Wer sich als Sammler von Steinzeug intensiver mit der chinesischen Glsurtechnik oder generell mit chinesischen Glasuren auseinandersetzen will, dem sei das allerdings englischsprachige Buch „Chinese Glaces“ von Nigel Wood empfohlen. Dieses Buch ist meiner Erkenntnis nach das einzige Werk, welches sich wissenschaftlich mit den uralten Glasurtechniken der Chinesen auseinandersetzt.



Steinzeug am Rhein, in Sachsen und in Schlesien

Die Herstellung von Steinzeug kann in Deutschland auf eine mindestens 600jährige Tradition zurückblicken. Bekannt sind Steinzeugproduktionen bereits im 14. Jahrhundert aus Sachsen und Schlesien; stellvertretend für die vielen Manufakturen seien an dieser Stelle Bunzlau, Bautzen oder Waldenburg genannt. Ein Teil der Steinzeugmanufakturen liegt heute in Polen. Etwa 100 Jahre später machten Steinzeug-Hersteller am Rhein auf sich aufmerksam.

Linkes Bild: Steinzeugtopf mit Blaufarben

Besonders berühmt war Steinzeug aus Siegburg, Raeren, aus Frechen, aber auch aus Köln und Aachen. Wir werden uns später noch im Einzelnen mit diesen Manufakturen beschäftigen. Die Blüte der Herstellung von Steinzeug erreichte man am Rhein im 16. Jahrhundert.

Steinzeug aus dem Westerwald

Ungefähr ab dem Jahre 1650 wurde Westerwälder Steinzeug bekannt. Zwar sind Töpfereien im Westerwald schon sehr früh vertreten, – belegt ist etwa die in Höhr aus dem Jahre 1402, aber die Kulmination des künstlerischen Schaffens wurde erst durch die massive Zuwanderung bekannter rheinischer Töpferfamilien ermöglicht. Sie stammten vorwiegend aus Raeren oder Siegburg. Stellvertretend nenne ich hier den Siegburger Töpfer Knütgen und den Lothringer Jaques Remy. Sie belebten die Westerwälder Keramik mit ihrem Formen- und Dekorreichtum. Westerwälder Steinzeug wurde zur erlesenen Handwerkskunst. Die Umgebung der Westerwälder Töpferorte wie Höhr, wie Hillscheiden, Bendorf oder Mogendorf wurden in Folge als „Kannenbäckerland“ bekannt. Der Name rührt übrigens von der ortsüblichen volksmundlichen Bezeichnung Kannenbacken für das Brennen von Steinzeug-Gefäßen her. Das Kannenbäckerland war und ist bekannt für sein salzglasiertes Steinzeug.

Später war auch das Kannenbäckerland von Fortwanderungen betroffen. Wahrscheinlich war es die aufkommende Konkurrenz und der zunehmende Handel, welche viele Künstler bewegten, sich an anderen Orten eine Existenz aufzubauen. Ich selbst kenne aus Nordhessen einige frühere Töpferstätten wie zum Beispiel Fritzlar südwestlich von Kassel, wo Gründer der dortigen, heute zumeist nicht mehr existenten Keramikbrennereien überwiegend aus dem Westerwald zugezogen waren.

Verwendung von Steinzeug

Steinzeug als wasserdichtes und auch säureresistentes Material wurde früher vorwiegend in der Hauswirtschaft, in der Vorratshaltung zum Beispiel beim Einkochen und anschließendem Aufbewahren von Obst oder zur Lagerung von Ölen, Gewürzen oder Senf benutzt. Den Jüngeren unter uns kennen Steinzeug fast nur noch in Form von Schmalztöpfen oder Bierkrügen.

Rechtes Bild: Schnupftabakfläschchen aus Steinzeug, 50er Jahre des 20. Jhds.

Später hat insbesondere das Aufkommen und durch Massenproduktion weite Verbreitung des zunächst sehr teuren Porzellans sowie von Glas zu einem Bedeutungsverlust der formenreichen Steinzeugprodukte geführt. Es ist allerdings gut zu wissen, dass diese hochwertigen Produktebei immer mehr Sammlern begehrt sind und in Verbindung damit auch die Kenntnisse von den Herstellungsweisen, von den geschichtlichen und sozialen Faktoren, die die Zeit dieser Manufakturen geprägt haben, als Kulturgut bewahrt bleiben.

siehe auch Keramik, Irdenware, Hafnerkeramik, Terrakotta, Fayencen/Majolika, Steingut, Wedgwood, Jasperware, Westerwälder Steinzeug, Wächtersbacher Steingut, Porzellan, Literatur Keramik

Ein Kommentar über “Steinzeug”

  1. Rüdiger G. Baerns schrieb:
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    Keramische Wand- und Bodenfliesen werden glasiert oder unglasiert als Steinzeug bezeichnet, wenn die Wasseraufnahmefähigkeit des Scherbens =<3%(in Gewichtsprozent) beträgt.

    Für Feinsteinzeug-Fliesen gilt die Wasseraufnahmefähigkeit des Scherbens =<0,5% (in Gewichtsprozent).

    Bezug DIN EN 14411.

    Freundlichen Gruesse
    Baerns

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