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    Tretautos

    Tretautos sammeln

    Bei dem Anblick von Tretautos werden nicht nur Kinderaugen groß. Auch viele erwachsene Sammler erfreuen sich an diesen großen Spielzeugen. Sie werden liebevoll restauriert und aufwendig gepflegt. Einige von ihnen erzielen heute einen Wert von mehreren Tausend Euros.

    Die Anfänge eines kleinen Gefährts

    Anfang des 20. Jahrhunderts konnten wohlhabende Eltern für ihre Sprösslinge Tretautos kaufen. Das erste seiner Sorte wurde im Jahr 1902 in einem Pariser Katalog präsentiert. Der Prospekt zeigte einen kleinen Landauer, welcher handgefertigt worden ist. Der Preis für dieses Kinderspielzeug betrug 65 Franc, was zur damaligen Zeit sehr viel Geld gewesen ist. Ein Ford T-Modell mit Handkurbel und Handbremse aus dem Jahr 1914 kostete damals 72 Mark. Somit war das Tretauto anfangs ein Luxusspielzeug, was mit viel Raffinesse erbaut worden ist. Dies zeigt sich auch an einem Mercedes SSK aus dem Jahr 1926. Seine technische Ausstattung ist beachtlich. Unter der Motorhaube verbarg sich ein Federantrieb. Diese wurde bei gezogener Handbremse mit den Pedalen aufgezogen. So konnte das ein Meter lange Gefährt circa einhundert Meter fahren. Neben der Handbremse besaßen die kleinen Autos auch meist Blinker, Polstersitze und eine Hupe.

    Das deutsche Unternehmen Ferbedo und die englische Marke Tri Ang beherrschten den Markt der Kindertretautos lange Zeit. Zu den früheren Herstellern dieser Spielzeuge gehörte ferner die Hamburger Firma Löffler, welche bereits im Jahr 1910 sieben unterschiedliche Modelle für Jungen und Mädchen von drei bis vierzehn Jahren anbot. Eines hatte sogar Platz für bis zu sechs Kinder. Ende der 1920er-Jahre verkaufte auch der Spielwarengroßhändler Moses Kohnstam aus Fürth ein breites Sortiment an Autos für die Sprösslinge. Einige davon waren bis zu 1,70 Meter lang und wiesen ein Faltdach auf.

    Um das Jahr 1920 brachte ferner das Traditionsunternehmen Steiff ein Tretauto heraus, welches bei den Kindern sehr beliebt wurde und heute von Sammlern sehr geschätzt wird. Das Miniaturauto weist einen mechanischen Winker zur Richtungsanzeige auf und eine Hupe. Die Kühlerform entspricht den Automobilen der damaligen Zeit. Mit festem Gummi wurden die Metallräder des Spielzeuggefährtes überzogen, was einen intensiven Gebrauch ermöglichte. Im Jahr 1928 stellte Steiff vier Wagentypen vor, welche auf dem Kühler als Erkennungszeichen einen Bärenkopf hatten.

    Die goldene Epoche der Tretautos

    In den 1930er-Jahren änderte sich die Situation, da die goldene Epoche der Tretfahrzeuge für Kinder anbrach. Verschiedene Automobilhersteller stellten für die Kleinen Abbildungen echter Automobile an. Dazu gehörten beispielsweise Citroën und Bugatti. Die Modelle waren hinsichtlich der Innenausstattung und der Karosserie ihren großen Vorbildern täuschend ähnlich. Sogar eine Beleuchtung war möglich. Anfangs wurde diese noch mit Petroleum betrieben. Später wurden Glühbirnen eingebaut. Das kleine Gefährt ging sogar in Massenproduktion. So wurden mehr als 33.000 Exemplare von dem Modell Austin Junior Car produziert. Dadurch erhielten viele Arbeitslose und Kriegsveteranen ab dem Jahr 1949 in Wales Arbeit. Vermutlich war es das meist gebaute Kindertretauto auf der Welt.

    In den 1950er-Jahren dienten Tretautos sogar zur Verkehrserziehung der Kinder. Das Modell Shelley, welches einem Porsche nachempfunden war, wurde von der Mineralölkette Shell finanziert. Daher hieß dieses rote Kinderauto auch Shelley. Kinder aus Westdeutschland trainierten in ihm für das automobile Wirtschaftswunder. Doch auch im kommunistischen Teil Deutschlands gab es eine Verkehrserziehung mit Tretautos. Der Ferienspielplatz „Anton Saefkow“ in Berlin hatte einen Verkehrsgarten. Dort übten Kinder ebenfalls mit kleinen Tretautos den Verkehr. Der Bezug der kleinen Gefährte zur Realität drückte sich zudem weiterhin in deren Details aus. So brachte Tri Ang im Jahr 1955 ein Polizeiauto heraus, welches über Plastiktelefonhörer und eine Sirene verfügte. In den 1960er-Jahren eroberte die Firma Kettler mit ihren Kettcars den Markt der Tretautos. Sie ähnelten jedoch nicht mehr den echten Fahrzeugen.

    Noch immer werden Kinderfahrzeuge hergestellt. Die besten Ausführungen von ihnen sind noch detailgetreuer als früher. Ein eindrucksvolles Modell ist beispielsweise ein Mercedes Cabrio aus dem Jahr 1998. Der Neupreis von diesem Spielzeug ist so hoch, dass dafür sogar ein Gebrauchtauto älteren Baujahrs gekauft werden könnte. Außergewöhnlich ist sicherlich auch ein Einzelstück von VW. Dieser kleine New Beetle Cabrio ist im Jahr 1999 erbaut worden und besitzt einen richtigen Schaltknüppel sowie eine hochwertige Handbremse.

    Ein kleines Gefährt für große Sammler

    Für vier Jahrzehnte wurden die niedlichen Kinderfahrzeuge in Blech hergestellt. Danach wurden sie durch Modelle aus Kunststoff abgelöst. Einige hatten auch einen Elektroantrieb oder wiesen einen Verbrennungsmotor auf. Tretautos aus Blech sind heutzutage bei den Jungen und Mädchen nicht mehr besonders gefragt. Sammler hingegen suchen sie mit Begeisterung und betreiben dieses Hobby mit Leidenschaft. Die Modelle von damals sind jedoch nicht nur sehr schwer zu finden. Sie sind zudem sehr kostspielig. Interessierte suchen meist im Internet nach ihnen, da sie auf Flohmärkten nur noch selten auftauchen.

    Insbesondere Tretautos aus Blech aus den 1920er-Jahren und 1930er-Jahren sind begehrt. Von ihnen gibt es nicht mehr viele, da sie kaputt gegangen sind, verbastelt worden sind, dem Krieg zum Opfer fielen oder weggeworfen sind. Einige von ihnen sind ein kleines Vermögen wird. Sammler suchen vor allem nach den großen Namen, zu denen Bugatti oder der Spielzeughersteller Steiff gehören. Sind die kleinen Autos in einem guten Zustand, erreichen sie auf Auktionen Summen um die 3000 Euro. Gelegentlich wird sogar mehr geboten.

    Preiswerter hingegen sind die Tretautos aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Deutsche Firmen wie Ferbedo oder das französische Unternehmen Eureka fertigte in den 1950er-Jahren große Stückzahlen von Blechautos an. Daher werden sie heute nur zu Preisen zwischen 400 und 1000 Euro gehandelt, sofern sie starke Gebrauchsspuren aufweisen. Sind sie hingegen aufwendig restauriert worden, können sie einen deutlich höheren Preis erzielen. Die Modelle aus Kunststoff, welche aus den späten 1950er-Jahren stammen, sind erheblich günstiger als die Blechexemplare.