• Impressum Datenschutzerklärung

    Partner
  • Hinweis:

    Zu vielen Sammelgebieten gibt es weitere Unterpunkte. Diese finden Sie in der linken Navigation unter dem aktuellen Sammelgebiet aufgeklappt.

    Wir freuen uns über Ihre Weiterempfehlung auf:
  • Lexikon

    Flakons, Parfümflakons

    Das Sammeln von Flakons oder Parfümflakons

    Seit wann gibt es Flakons?

    Flakons waren zumindest schon bei den alten Ägyptern etwa 1500 vor Christi Geburt bekannt. Es waren Behältnisse aus Glas und sie dienten der Aufbewahrung  von Kräuterauszügen, von duftenden Ölen, welche vor Allem bei rituellen religiösen Handlungen Verwendung fanden. Glasbehältnisse wurden bereits in alten ägyptischen Gräbern gefunden, deren Alter auf etwa 3500 Jahre beziffert wurde. Zeitgleich wurden solche allerdings auch in Syrien und dem Kaukassus hergestellt. Die Bezeichnung Flakon soll sich aus dem altgermanischen flasca = Flasche ableiten. Geschichtliches zur Herstellung von Glas ist unter dem Sammelgebiet Glas zu finden. Das Wort Parfüm leitet sich aus dem Lateinischen ab, per fumum = durch Rauch. Diese Bedeutung weist bereits darauf hin, dass die ersten Duftstoffe wohl vorwiegend von fester Konsistenz gewesen sein mussten; sie wurden wohl wahrscheinlich zu Kultzwecken abgebrannt und die ätherischen Öle verbreiteten sich dann mit dem Rauch. Die festen und cremigen Duftstoffe, die sich parallel zu den flüssigen bis ins hohe Mittelalter, so etwa bis ins 17. Jahrhundert, hielten, konnten statt in Glas in Gefäßen aus Terracotta aufbewahrt werden. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der Werkstoff Glas für die Flakons; hinzu gesellten sich Porzellan und Silber als Werkstoffe. Flakons aus Silber oder mit Silberarbeiten versehen waren vor allem in England verbreitet.

    Flakons und Parfüms gelangen nach Europa

    Die moderne Zeit des Parfüms begann im 10. Jahrhundert; der persische Arzt, Philosoph und Chemiker Avicenna extrahierte mittels Alkohol aus Blüten die ätherischen Öle und erhielt so ein flüssiges Duftwasser. Wie in so vielen Fällen gelangten diese wertvollen Essenzen mit den Kreuzzüglern aus dem Orient nach Europa., wo in Italien und Frankreich noch in der Zeit der Renaissance die Produktion verschiedenster Parfüms begann.

    Die Tradition der Flakonherstellung und insbesondere deren kunstvolle Ausgestaltung hat sich in Ländern wie Ägypten bis heute erhalten. Dass auch die Römer kunstvolle Flakons produzieren konnten, lässt sich bei einem Besuch des Römermuseums im nachgebauten Römerkastell Saalburg im Taunus sehr anschaulich studieren. Dass Flakons auch in den alten römischen Stadtgründungen in Deutschland eine Rolle spielten, zeigten mitunter zeitgenössische Ausstellungen wie zum Beispiel in Trier. Dort waren Flakons in Form von Kugeln und Vögeln ausgestellt. Sie dienten der Aufbewahrung für erlesene Parfüms aus Frankreich und Norditalien.

    Die Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert

    Im Mittelalter  gehörten die wertvollen Glasbehälter dann auch zum Bestandteil des höfischen Lebens. Insbesondere im französischen Rokoko gehörten aufwändig hergestellte Parfümflakons zum Bestandteil des ausufernden luxuriösen Lebens. Während der Epoche des Biedermeier ab der Wende zum 19. Jahrhundert wanderten die Parfümfläschchen auch in die bürgerlichen Haushalte ein. Gerade aus dem Biedermeier gibt es eine Vielzahl kostbarster Flakons. Besonders die böhmischen Glashütten spielten um diese Zeit eine große Rolle mit Parfümflakons aus edlem Kristall in vielen Farbnuancen wie Milchglasoptik auf höchstem künstlerischem Niveau. Günstigere Herstellungsmethoden von Glas ließen die Flakons dann allerdings bald zum Alltagsgut werden. Auch hier spielte die industrielle Revolution ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts eine bahnbrechende Rolle. Glas konnte in jeder nur erdenklichen Form bearbeitet werden, die Flakons nahmen vielfältige Formen an und sie konnten in Serie hergestellt werden. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Engländer und Franzosen mit Flakons aus Bleikristall. Bleikristall wurde insbesondere in Baccarat in Frankreich schon seit dem 18. Jahrhundert hergestellt. Ein weiterer großer Name ist Verreries Brosse. Die Flakons gab es nun gefüllt mit Duftwässern, also Parfüm, verpackt und etikettiert, mit und ohne Zerstäuber ausgestattet. Vorbei waren die Zeiten, als man mit dem leeren Flakon zum Kaufmann gehen musste, um dort die Flüssigkeit nachfüllen zu lassen. Solche Nachfüllfläschchen waren allerdings bis in die 50er Jahre gängig, wenn auch schon zuvor der Trend zu größeren Serien, welche die großen Parfümhersteller orderten, zu beobachten war. Serienflakons mit Firmenetiketten kamen um 1900 verbreitet auf. Die berühmte Molanus-Flasche von 4711 geht allerdings an den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen mit der Gründerzeit auch bei den Flakons die Formenvielfalt des Historismus zur Anwendung.

    Flakons im 20. Jahrhundert

    Flakons konnten mit Beginn der industriellen Herstellung viel besser und in Mengen dem jeweiligen Zeitgeist angepasst werden. So finden wir gerade in der Epoche des Jugendstils hervorragende Sammlerobjekte. Hier traten insbesondere die großen Künstler des Jugendstils hervor wie Rene Lalique, Louis Tiffany oder der unvergleichliche Emile Galle. Lalique dominierte zeitweise ab etwa 1905 den Markt für Parfümflakons mit seinen verschiedenen Kreationen.

    Während der Epochen des Jugendstils und auch des darauf folgenden Art Deco haben so gut wie alle großen Parfümproduzenten ihre Flakons bei den großen Flakonherstellern wie den Glasmanufakturen in Baccarat in Frankreich bestellt oder haben Künstler wie Lalique oder Galle einbezogen. Große Parfümproduzenten waren damals wie heute unter anderem Nina Ricci, die auch als Designerin des Jugendstils und des Art Deco auftrat, Coco Chanel, die Modezarin, die 1922 ihr berühmtes Chanel No 5 creierte sowie die ältesten und bekanntesten Parfümerien Europas wie Roger & Gallet (seit 1862), Molinard (seit 1849) oder Guerlain (seit 1828). Beauftragt wurden die erwähnten Nachfüllflakons auch als Einzelstücke sowie als serielle Flakons.Beispiel eines Flakons der 50er Jahre

    Beispiel eines Porzellanflakons der Firma Ilona aus den 50er Jahren

    Die Welt der Miniflakons

    Miniflakons nennt man die kleinen bis ins Detail getreuen Abbilder der Originalflaschen. Sie gab es vereinzelt bereits im 19. Jahrhundert, ihr vermehrtes Auftreten ist allerdings erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu konstatieren. Miniflakons erfüllten ihre Zwecke vor allem als Probefläschchen, die es gratis in Drogerien und Parfümerien gab und noch gibt, aber auch als Mittel der Werbung und Reklame. Ich habe mir sagen lassen, dass es Sammler gibt, welche ausschließlich Miniflakons sammeln. Aber auch für seltene Miniflakons muss vom Sammler gutes Geld hingelegt werden. Man sollte bedenken, dass es insbesondere von den älteren Stücken oftmals weniger Exemplare gibt als von deren „Brüdern und Schwestern“ in Originalgröße.

    Flakons als Teil unserer Kulturgeschichte

    Das Sammeln von Flakons oder Parfümflakons ist ein äußerst interessantes Sammelgebiet, einmal weil es sich auf einen festgelegten Ausschnitt des verwandten Sammelgebietes Glas fokussiert, und zum Anderen, weil es die Zeitepochen von der Antike bis zum heutigen Tage umfasst, so dass sich unsere gesamte Kulturgeschichte in diesen Flakons widerspiegelt. Die Welt der Parfümflakons, Duftampullen oder Riechbehälter hat sich nicht nur auf Glas als Herstellungsmaterial konzentriert. Flakons gibt es auch aus Porzellan, Gold oder Silber oder aber auch aus unterschiedlichen Materialien, hin und wieder auch mit Emaille verziert.

    Als Einführung für den Sammler empfehle ich das Büchlein von Edmund Launert, „Kostbare Gefäße für erlesenen Duft“ aus dem Callwey-Verlag in München oder einen Besuch im 1. Europäischen Flakonglasmuseum am Rennsteig in Kleintettau. Das Europäische Flakonmuseum in Kleintettau existiert seit Dezember 2008 und zeigt einen Überblick aus etwa vierhundert Jahre Glasmanufaktur im Bereich Fränkischer Wald/Thüringer Wald. Das Museum gehört zu einem der größten Flakonhersteller weltweit und befindet sich am Firmensitz der Firma HEINZ-GLAS am Glashüttenplatz 1-7 in 96355 Tettau-Kleintettau. Neben der Ausstellung finden regelmäßig Vorführungen am Glasofen statt.