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    Fa. Moser, Ludwig

    Ludwig Moser Glasveredelung Karlsbad

    Böhmisches Glas

    Die Glasveredelung Ludwig Moser wurde im Jahre 1857 von Ludwig Moser, von Beruf Glasschneider und in der böhmischen Glastradition stehend, in Karlsbad gegründet. Ludwig Moser (1833-1916), der lange Zeit keine eigene Glashütte besaß, besorgte sich Rohlinge anderer Hütten und veredelte diese in seinem Betrieb. Erst 36 Jahre nach Betriebsgründung im Jahre 1893 besaß die Glasveredelung Moser eine eigene Glashütte. Diese befand sich in der Nähe Karlsbads in Meierhöfen (heute Dvory). Vase von Ludwig MoserIn Folge bekam die Glasveredelung Moser einen Namen als Hoflieferant der damaligen Donaumonarchie. Es war feinstes Glas, welches geliefert wurde. Aber auch in der Herstellung von einfachem Haushaltsglas gehörte Moser zu den wichtigsten böhmischen Produzenten.

    In dieser wirtschaftlichen Hausse, nach dem Tode des Firmengründers, wurde die Firma Moser 1922 in eine Aktiengesellschaft gewandelt; man konnte zugleich die Firma „Meyr’s Neffe“ im Örtchen Adolf erwerben. Das Unternehmen hieß nun bis zur Trennung von Meyr’s Neffe im Jahre 1932 „Karlsbader Kristallfabriken AG Ludwig Moser & Söhne und „Meyr’s Neffe“. Die Vereinte Böhmische Bank übernahm anschließend im Jahre 1933 die Karlsbader Kristallfabrik AG Ludwig Moser.

    Auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt in den 20er Jahren gelang der Firma Ludwig Moser eine sensationelle Neuerung. Vase von Ludwig MoserEr stellte auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1929 sogenannte „Lebende Gläser“ vor. Diese neuatigen Farbgläser, die Moser dann von 1922 bis 1938 herstellte, sind bis heute charakteristisch für den Betrieb. Es handelte sich in der Regel um schweres geometrisch geschliffenes Kristallglas, welches durchgehend gefärbt war. Die geometrischen Formen waren an die Philosophie des Werkbundes angelehnt und entsprachen dem Modestil der Zeit. Hatte Moser zuvor noch Gläser im Jugendstil produziert, so kann man die „Lebenden Gläser“ durchaus dem Art Deco zuordnen.

    Die Bezeichnung „Lebende Gläser“ ist der Eigenart der Gläser abgeleitet, durch viele Schattierungen, Lichtbrechungen etc. immer wieder neue Farbnuancen hervorzurufen und auf eine andere Umgebung differenziert zu reagieren. Großartig die Transparenz und Vielfarbigkeit! Zudem besaßen diese Gläser eine große Leuchtkraft! Der Grund für diese überragenden Attribute lagen in der Verwendung der Seltenen Erden. Die Firma sprach selbst von „Gläsern aus seltenen Erden“. Der Ausdruck Seltene Erden leitet sich von einer Gruppe des Periodensystems, den Seltenerdmetallen, ab.Es sind Metalle wie Scandium, Yttrium, Lanthan sowie die 14 Lanthanoide.

    Die neuen Tönungen seiner Gläser entwickelte Moser lange Zeit in Zusammenarbeit mit der Gasglühlicht-Auer-Gesellschaft in Berlin. Die Vorgeschichte war, dass der junge Student Auer bei seinem Professor Robert Bunsen (Erfinder des Bunsenbrenners!) mit seltenen Erden experimentierte und 1885 das Gasglühlicht erfand. Der Gasglühstrumpf, der sogenannte „Auerstrumpf“ bestand aus einem Aschengemisch aus Seltenen Erden und besaß eine besondere Leuchtkraft. Man fand auch heraus, dass die Seltenerdmetalle Einfluss auf die Brechung des Lichtes haben oder auch phototrope Eigenschaften. Die heutige Industrie benutzt die Metalle der Seltenen Erden zur Tönung und Färbung von Glas; die phototropen Eigenschaften werden zum Beispiel in selbsttönenden Brillen eingesetzt. All diese Erkenntnisse nutzte Ludwig Moser bereits 1922 bis 1938 bei der Herstellung seines Farbglases. Insofern muss diese Neuerung als revolutionär bezeichnet werden!

    Der Jugendstileinfluss in seinen früheren Gläsern sowie der Stileinfluss der Neuen Sachlichkeit beziehungsweise des Art Deco hat sicherlich auch mit den engen Beziehungen Ludwig Mosers zur Wiener Werkstätte zu tun. In Österreich hatte die Wiener Werkstätte auf die Entwicklung des Designs einen ähnlichen Einfluss und war von den selben Vorstellungen geprägt wie in Deutschland zur gleichen Zeit der Werkbund oder das Bauhaus in Weimar. Einer der Gründer der Wiener Werkstätte im Jahre 1903 war Josef Hoffmann, der viele Entwürfe, sowohl im Jugendstil als auch im Art Deco, für Moser lieferte. Beispiel hierfür sind die Schwerschliffgläser Mosers, manche davon mit Golddekor. Moser wandte verschiedene Schlifftechniken an, unter anderem den Facettenschliff, der gerade in Verbindung mit der Verwendung der Seltenerdmetalle die Pracht an Farbnuancen zauberte.