Schwarzwalduhren sammeln

Zum Sammeln von Schwarzwalduhren

Schwarzwalduhren sammeln – ein nicht nur in Deutschland beliebtes Hobby. Kaum ein Gegenstand wird im Ausland so stark mit Deutschland assoziiert wie die Schwarzwalduhr. Der Zeitmesser mit Kuckuck, Figürchen oder Musikspielwerk galt lange als altmodisches Relikt, wird heute von Sammlern aus aller Welt aber für seine filigranen, kunstfertigen Schnitzereien, seine Präzision und handwerkliche Tradition geschätzt. Wer Gefallen an Schwarzwalduhren gefunden hat und sich zum Sammeln entschließt, sollte sich vorab in jedem Fall über die Besonderheiten der Uhren informieren, um beim Kauf nicht unnötig viel Geld auszugeben.

Schwarzwalduhren und ihre lange Tradition

Wann genau die erste Schwarzwalduhr gebaut wurde, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Sicher ist, dass die Zeitmesser im 17. Jahrhundert im Schwarzwald aufkamen, wo geübte Hände in Heimarbeit einzigartige kleine Kunstwerke aus Holz fertigten. Das Aufkommen der Schwarzwälder Uhrenmanufakturen hat viel mit der Tatsache zu tun, dass die kargen Böden die kleinen Landwirtschaftsbetriebe, die sogenannten „Hüsliburen“, kaum ernähren konnten. So war ein Zusatzeinkommen nötig, um überhaupt überleben zu können. Die Böden gaben zwar nicht viel her, dafür gab es allerdings Holz im Übermaß. Holz war der wichtigste Werkstoff, aus ihm entstanden die ersten Schwarzwalduhren, das zweite Einkommen der Hüsliburen. Erste hölzerne Uhren kamen schon früh mit Handlungsreisenden in den Schwarzwald. Es soll ein Glashändler gewesen sein, der mit böhmischem Glas auch eine Holzuhr auf seiner Reise aus Böhmen mitbrachte und damit das Interesse der Einsässigen anregte. Diese waren seit Jahrhunderten geübt mit Holzschnitzereien und konnten diese Fertigkeiten bald auf den Holzuhrenbau übertragen. Die Uhrenindustrie begann insbesondere im Raum Villingen, Furtwangen, Neustadt, Triberg, Lenzkirch, St. Georgen, Schönwald, Hornberg, Mönchweiler und Schonach, um nur die bekanntesten Orte auf diesem recht engen Raum anzuführen. Der Erfolg der Schwarzwälder Uhrenindustrie fußte auch auf ihrer arbeitsteiligen Logistik; ursprünglich war es zwar so, dass die kleinen Uhrmacher die gesamte Uhr herstellten, aber schon bald ging man zur arbeitsteiligen Produktion über. Es gab spezielle Anfertiger wie Metallgießer, Maler und Lackmaler für die Uhrenschilder aus Holz, Blech oder Porzellan, Holzschnitzer, Uhrengestellmacher, Kettenmacher, Hersteller von Uhrenglocken, von Uhrfedern aus Ton, Uhrenrädern oder Zifferblättern. Die Arbeitsteilung reichte bis hin zur Organisation des Verkaufs und dem europaweiten Vertrieb durch freie, flexible sogenannte ambulante Händler.Spielwerk einer Kuckucksuhr

Spielwerk einer Kuckucksuhr

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit der Innovationen

Die ersten selbst gefertigten Holzuhren wichen um 1740 den ersten Pendeluhren. Die ersten Pendeluhren besaßen ein kurzes Pendel noch vor dem Zifferblatt; später fand man das Pendel, welches nun länger war, hinter dem Uhrwerk. Ab 1770 entstanden richtungweisende Neuerungen, so zum Beispiel die größere 8-Tage-Uhr, die mittelgroße Schottenuhr sowie ab etwa 1890 die kleine Jockeleuhr. Uhren mussten anfangs alle 12 Stunden aufgezogen werden. Danach wurden solche entwickelt, welche lediglich alle 24 Stunden aufgezogen werden mussten; insofern war die 8-Tage-Uhr eine sensationelle Innovation. Die Uhren konnten sogar schon ein Schlagwerk oder sich drehende Figuren enthalten.

Mit dem 18. Jahrhundert änderte sich auch die Produktion der Schwarzwälder Uhren: Die Industrialisierung und Massenfertigung setzte ein, Metall und Messing ersetzten einige Holzbestandteile wie Holztriebe und Holzräder, – Zulieferer und neue Werkzeuge wie Spindelbohrer und Räderschneidzeug ließen die Produktionsmengen ansteigen. Die beliebteste Schwarzwalduhr zu dieser Zeit sollte die Lackschilduhr werden; rund die Hälfte der Produktion entfiel allein auf sie und sie errang im im darauf folgenden 19. Jahrhundert ihren größten Erfolg. Die Schilduhr oder Schilderuhr unterschied sich lediglich in der äußeren Form von der Gehäuseuhr. Das Schild war anfangs lediglich ein Holzbrettchen, welches mit bedrucktem oder auch bemaltem Papier beklebt war. Erst später wurden die Holzschildchen lackiert und statt Holz kam auch Blech als Schildmaterial oder Porzellan zum Einsatz. Holzschilde wurden filigran geschnitzt. Die Schilde wurden auf die quadratische oder rechteckige Grundform der Uhr aufmontiert. Lackschilduhren ab 1770 trafen den Zeitgeist der Bevölkerung und sie gehörten zu den billigsten Standarduhren in Europa. Dagegen werden sie heute hoch gehandelt! Die Lackschilduhren sollten insbesondere im anschließenden Zeitalter des Biedermeier äußerst beliebt werden! Die Schilde wurden auch auf die älteren Exemplare mit vorgesetztem Kurzpendel montiert. Pate für die Lackschilduhr war wohl die englische White Dial Clock, was darauf hindeutet, dass die europäischen Handelsbeziehungen und Wirtschaftsverflechtungen zu jener Zeit bereits weit gediehen waren. Der Lack enthielt „einen Leimwassergrund von Bleiweiß und Kreide“, in welchem die Holzschilder getränkt wurden und auf welchen anschließend „mit Terpentin die Farben aufgetragen und mit Mastix-Firnis überzogen wurden“. Da der Lack mit der Zeit nachdunkelte, wurde die Mischung immer wieder verbessert.Eine der beliebtesten Schwarzwalduhren - die Kuckucksuhr

Originale Schwarzwälder Kuckucksuhr

Boom der Schwarzwalduhren im 19. Jahrhundert

Ab Beginn des 19. Jahrhunderts fanden die Zeitmesser aus dem Schwarzwald auch international Beachtung und Gefallen. Die steigende Produktion führte zeitweilig sogar zu Lieferproblemen. So wurden bereits um 1850 mehr als eine halbe Million manuell gefertigte Schwarzwalduhren bis in die USA und in Europa bis nach Russland exportiert. Insgesamt sollen bis um 1850 um die 15 Millionen Wanduhren in den Manufakturen des Hochschwarzwaldes entstanden sein! Dies soll mehr als ein Drittel der gesamten europäischen Uhrenproduktion jener Zeit gewesen sein! In vielen Städtchen und Dörfern des Hochschwarzwaldes arbeiteten ja auch nahezu ein Drittel der Bevölkerung an der Produktion der Schwarzwalduhren. Viele der Wanduhren waren bereits mit weißen Holzlackschilden versehen, insbesondere die großen 24-Stunden-Uhren und 8-Tage-Uhren. Aber auch die kleineren Jockeleuhren, Sorguhren oder auch die Kuckucksuhren wurden damit versehen. Wie bereits erwähnt, waren die Lackschilduhren insbesondere im Zeitalter des Biedermeier ab etwa 1820 sehr beliebt. Auf dem Land hielt sich die Liebe zu dieser Uhr noch über Jahrzehnte, während die schnelllebigere Bevölkerung in den Städten sich nach neuen Formen sehnte. Nicht nur die im Jahre 1877 gegründete Furtwanger Uhrmacherschule widmete sich der Entwicklung neuer Formen. Insbesondere die mittelgroße Schottenuhr sollte um die Mitte des 19. Jahrhunderts zur Lokomotive der Schwarzwalduhren werden.

Die Vielfalt begann schon bei den Gehäusen, manchmal teilweise aus Glas, die als Rahmenkästen oder Säulenkästen mit Bronzeeinlagen daherkamen. Es gab gesägte oder geschnitzte Gehäuse, solche in Form eines Bahnwärterhäuschens, aber auch Standuhren aus Lenzkirch, die dort zu Tausenden produziert wurden. Es gab nun konstruktiv die 12-Stunden-Uhren, 24-Stunden-Uhren, 8-Tage-Uhren, 14-Tage-Uhren und Jahres-Uhren. Ansonsten wurden Stockuhren, das sind Uhren mit Zugfeder ab etwa 1840, wobei die kleinsten von ihnen als Nippuhren bezeichnet wurden, Regulatoren, Schiffsuhren, aber auch Reisewecker, hergestellt.

Ab etwa 1840 wurden die Schwarzwalduhren grundsätzlich nach Typen und entsprechenden Größen kategorisiert. Die größeren Modelle werden nach Laufdauer geordnet; so ist die 8-Tage-Uhr mit 20 cm Gestellhöhe die größte Uhr und die Uhr mit 24-Stunden-Werk besitzt circa 16 cm Gestellhöhe. Die kleinen Schwarzwalduhren, die jeweils nach ihren Erfindern Schott (Schottenuhren), Jakob „Jokele“ Herbstreit (Jokeleuhren) und der Gebrüder Sorg (Sorgührchen) benannt wurden, besitzen die Größen 11 cm für die Schottenuhren, 8 cm für die Jokeleuhren sowie 5 cm für die kleinen Sorguhren. Die Größe wird hierbei von Oberkante des Rahmengestells bis zur Unterkante gemessen. Die Gestelle der Schwarzwalduhren kann man differenzieren in Rahmengestell, Pfeilergestell und Platinengestell.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Gründerzeit, änderten sich auch die Grundformen der Uhrenherstellung grundsätzlich. Wurde bis dahin noch vielfach im häuslichen Bereich produziert, entstanden nun die ersten großindustriellen Formen. Es war nun einfacher möglich, auch größere, massivere Uhren herzustellen. Aber bis weit ins 19. Jahrhundert galt die Uhrenmanufaktur noch als Kleingewerbe!

Der Erfolg der Schwarzwalduhren hält bis heute an

Die heute wohl bekannteste Art von Schwarzwalduhren ist die um 1740 entstandene Kuckucksuhr, die die Schilderuhr auf der Beliebtheitsskala ablöste. Diese Wanduhr, traditionell mit mechanischem Pendel, Schlagwerk und Kettenzug ausgestattet, verdankt ihren Namen einem mechanischen Kuckuck, der hinter einem Türchen über dem Ziffernblatt angebracht ist und sich zu jeder vollen Stunde zeigt. Gleichzeitig ertönt je nach Uhrzeit ein Kuckucksruf, der von Pfeifen im Inneren der Uhr erzeugt wird. Sie wurde ab 1860 konsequent mit Tannenzapfengewichten und kunstvollen Schnitzereien weiterentwickelt. Sie ist bis heute ein beliebtes Dekorationsobjekt und Mitbringsel aus Deutschland. Aufwändigere Uhren besitzen darüber hinaus weitere Figuren und Zierelemente und werden auch „Männleuhr“ genannt. Oftmals sind Kuckucksuhren auch in Form eines kleinen Häuschens gebaut und heißen dann Chalet-Uhren. In modernen Kuckucksuhren ist in der Regel ein Quarzuhrwerk verbaut, der Ruf wird elektronisch erzeugt und Pendel sowie Ketten dienen lediglich der Dekoration. Kuckucksuhren waren bei Weitem nicht die einzigen Figurenuhren, welche produziert wurden. Ich erinnere auch an die anderen Figurenuhren mit Spielwerken wie die Trompeteruhren oder Wachteluhren.

Beliebte und begehrte Schwarzwalduhren

Mit der Industrialisierung der Uhrenproduktion im Schwarzwald wuchs auch die Zahl der Uhren. Die moderneren Zeitmesser mit Messing und Metall ersetzten die handgefertigten Schmuckstücke aus Holz peu á peu. So erklärt sich, warum vor allem hölzerne und noch funktionsfähige Kuckucks- und Lackschilduhren unter Sammlern besonders begehrt sind. Für besonders gut erhaltene und seltene Exemplare wie handbemalte vollmechanische Lackschilduhren mit Kuckuck oder Wachtel im Halbbogen oder filigran geschnitzte Kuckucksuhren aus Holz zahlen Sammler weltweit hohe Beträge.

Was man beim Sammeln von Schwarzwalduhren beachten sollte

Wer Gefallen an den Schwarzwälder Uhren in ihren vielfältigen Formen gefunden hat, sollte beim Kauf die folgenden Punkte beachten:

1. Handelt es sich um ein restauriertes Original, einen Nachbau im Antikstil oder um ein neueres Modell handelt. Die Art der Uhr bestimmt die Höhe des Preises.

2. Ebenfalls preisbestimmend ist ihre Gestaltung: Handelt es sich um ein aufwändig handgeschnitztes Modell oder um Massenproduktion? Um ein reich dekoriertes mit filigranen Figürchen und hochwertigem Musikwerk?

3. Auch die Art des Uhrwerks und der Hersteller bestimmen Preis und Wert einer Schwarzwalduhr. Eher preisgünstige Souvenir-Uhren aus Massenproduktion werden von Sammlern eher gemieden – kein Wunder, geht es beim Sammeln von Schwarzwalduhren doch darum, besonders schöne, handwerklich herausragende Stücke zu bewahren.

Für erste, aber auch vertiefende Informationen zum Thema Schwarzwalduhren möchte ich auf das Uhrenmuseum in Furtwangen verweisen. Das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen im Schwarzwald bietet für den Sammler und Liebhaber alter historischer Uhren einen wunderbaren Überblick, der von den Bahnhäusle-Uhren, den Sorg- und Jockele-Uhren, den Spiel- und Musikuhren, über bemalte Tafeluhren, den berühmten Kuckucksuhren, über Lackschilduhren bis zu astronomischen Uhren und den Taschensonnenuhren reicht.

siehe auch

alte Uhren

IWC-Uhren

Armbanduhren

Küchenuhren

Rolex

Taschenuhren

Die Bilder wurde freundlicherweise von WIBROS Management oHG zur Verfügung gestellt.

3 Kommentare über “Schwarzwalduhren”

  1. Valentin Weber schrieb:
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    Ich sammele antike Schwarzwalduhren seid ein paar Jahren.Das Bild zeigt eine Kuckucksuhr im Bahnhäusle-Design aus dem Jahre c. 1860-70.

  2. Dieter Pfa schrieb:
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    Hallo kann mir jemand sagen was man für die uhr kriegt ? Oder würde sie sogar jemand kaufen wollen ?

  3. Rebecca Schramm schrieb:
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    Hallo 🙂 ich würde gerne mal den Wert einer Schwarzwälder Kuckuckuhr erfahren. Kennt sich damit jemand aus ? Sie ist älter als 1936. Besitz ein Kuckuck und eine Wachtel. Läuft im 1 Tages Rythmus. Sie ist geschnitzt und läuft ohne Probleme.
    Wäre nett wenn jemand Anhang hat und sich bei mir melden würde. Beccy.schramm@gmail.com vielen Dank 🙂

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