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    Zwerge, Gartenzwerge

    Zwerge, Gartenzwerge, Wichtel und Gnome sammeln

    Zwerge und Gartenzwerge als Sammelgebiet

    Die kleinen Kerle tauchen nicht nur in Vorgärten und Gärten auf, sondern natürlich auch in Märchen und neuerdings hat sie auch die Werbung entdeckt. Zwerge und Gartenzwerge sind meist sympathisch vom Aussehen her und kümmern sich rührend um alle anfallende Arbeit. Man sieht sie mit Rechen und Sägen, mit Schubkarren oder Schippe. Viele Leute lieben sie, aber viele Zeitgenossen verachten diese kleinen Kerlchen als Kitsch. In der Regel tragen sie eine rote Zipfelmütze. Man kennt die Zwerge jedoch auch vom Bergwerk her. Vielleicht liegt es daran, dass diese schwere Arbeit in den niedrigen Stollen im Mittelalter zumeist von kleineren Menschen ausgeführt wurde. Zwerge mit Spitzhacke oder mit Laterne erinnern an diese Herkunft. Wenn sie in der Werbung eingesetzt werden, dann werben sie für Kräuter oder Heilmittel, ganz so, wie man es aus der Mythologie her kennt. Man sagt, das Sammeln von Gartenzwergen sei typisch deutsch. Sie sind jedoch auch in unseren Nachbarländern sowie ganz stark in England vertreten. Dass das Sammeln dieser kleinen Kerle fälschlicherweise als spießig bezeichnet wird, kann ich allerdings nicht unterstützen. Vielleicht liegt der Grund für dieses Vorurteil im sympathischen Aussehen dieser kleinen Gesellen, die ja doch irgendwie eine heile Welt vermitteln.




    Etwas zur Geschichte der Gartenzwerge

    Wie lange es diese Figuren schon gibt, kann man nur vermuten. Bekannt sind sie bereits aus Märchen und frühen Mythologien. Figürlich kennt man sie aus den Zeiten des Barock; hier waren sie in höfischen Gärten ausgestellt. Als Material diente zu diesen Zeiten Stein, zumeist Marmor oder Sandstein. Später wurden Gartenzwerge auch aus Porzellan hergestellt. Hier sind insbesondere die Porzellanmanufakturen Meissen und Wien zu nennen. Mit dem Niedergang der höfischen Gesellschaft und mit Aufkommen des Biedermeier wanderten sie in den bürgerlichen Gärten und Vorgärten ein. Als Material wurde nun zunehmend Terracotta verwendet; wegweisend waren thüringische und englische Manufakturen. Thüringer Manufakturen waren es auch, welche ab etwa 1871/72 die Herstellung von Zwergen aus Ton im Massenherstellung übernahmen und damit einen regelrechten Boom auslösten. Der bekannteste Geburtshelfer war zweifellos August Heissner, der seine Manufaktur zur Herstellung von Gartenzwergen im Jahre 1872 in Thüringen gründete. Gartenzwerge wurden bald in die ganze Welt versendet. Noch vor Beginn des 2. Weltkrieges errang der kleine Kerl, der doch eigentlich nur auf die Vorgärten aufpassen sollte, weltweit Kultstatus. Beliebt ist der deutsche Exportschlager besonders in Fernost. Chinesen und Japaner lieben die Zwerge. Der Exportboom wurde erst durch den zweiten Weltkrieg gebremst. Heute verläuft der Verkauf der Gartenzwerge, durch neue Motive aufgefrischt,  scheinbar wieder ungebremst. Heissner Gartenzwerge aus den 60er Jahren

    Gartenzwerg aus den 60er Jahren. Der Gartenzwerg ist noch aus Ton gefertigt.

    Die angeblich über 20 Millionen starke Zwergenarmee in deutschen Gärten scheint dies zu bestätigen. Die Zwerge haben auch ihr Aufgabengebiet erweitert. Sie hüten und pflegen mittlerweile nicht nur die Gärten, sondern zieren auch Schreibtische und Büros. Sie tragen zudem nicht mehr nur Eimer und Schaufel oder einen Gartenrechen, -nein, sie provozieren auch schon mal den Nachbarn, indem sie den nackten Po herausstrecken. Oder ist der Nachbar gar nicht gemeint? Nun denn, das Nachdenken hat schon zu manchem Prozess geführt, was zeigt, dass, wenn es um Gartenzwerge geht, es auch schon mal sehr emotional hergehen kann. Neuerungen haben sich auch auf der Ebene des Herstellungsmaterials vollzogen; Kunststoff hat den Ton oder Keramik weitgehend abgelöst. Handgemalte Tonexemplare werden immer seltener und geraten somit zunehmend in den Fokus der Sammler, für die das Sammeln von Gartenzwergen auch eine interessante Beschäftigung mit der Zeit- und Sozialgeschichte ist. Eines bleibt jedoch. Eine Zwergin wird es wohl nie geben; der Gartenzwerg ist immer männlich.