• Impressum Datenschutzerklärung

    Partner
  • Hinweis:

    Zu vielen Sammelgebieten gibt es weitere Unterpunkte. Diese finden Sie in der linken Navigation unter dem aktuellen Sammelgebiet aufgeklappt.

    Wir freuen uns über Ihre Weiterempfehlung auf:
  • Lexikon

    Distler

    Distler KG, Johann Distler

    Die Firma Johann Distler, Nürnberg – Von den Anfängen bis zum ersten Weltkrieg

    Die Metallwarenfabrik Johann Distler KG wurde wohl noch im Jahre 1899 von Johann Distler in Nürnberg gegründet.  Johann Distler produzierte ein breites Spektrum an Blechspielzeugen: Autos, Eisenbahnen und auch Blechfiguren. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges 1914 widmete er sich allerdings mehr der Herstellung von billigem Blechspielzeug ohne Antrieb, den sogenannten Pennytoys. Diese vertrieb er über die schon oft angesprochenen Grossisten wie Moses Kohnstam.Johann Distler

    Porsche Distler Electromatic 7500 FS aus der US Zone

    Eine erfolgreiche Zeit zwischen den beiden Weltkriegen

    Eine erste Hochzeit erlebte Distler in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Mit weit über 100 Mitarbeitern soll Distler um die 850 verschiedene Artikel hergestellt haben. Die hohe Mitarbeiterzahl scheint dies zu belegen. Der Erfolg trat ein mit seinen Autos, welche sich nun nicht mehr im Pennytoy-Bereich bewegten, sondern zum Teil sogar um die 30 cm groß waren. Gesuchte Exponate aus diesen Jahren sind ganz gewiß die lithographierten und mit Uhrwerk betriebenen Reise-Limousinen, seine Feuerwehr Ende der 30er Jahre, welche fast 40 cm lang war, sein Express-Lieferwagen oder die sogenannte Familie mit Motorrad. Bekannt ist auch das Anstoß- oder Wendeauto und selbstverständlich das von vielen Blechspielzeug-Herstellern wie auch Schuco adaptierte Modell des Volkswagens Ende der 30er Jahre. Distler Anstoßauto

    Das Bild zeigt ein Anstoßauto aus der Zeit nach 1945

    Wenig Erfolg hatte Johann Distler mit seinen Uhrwerk betriebenen Eisenbahnen. Diese konnten sich mit den Modellen von Bing, Bub, Doll, Fleischmann oder Märklin nicht vergleichen. Distler verkaufte seine Firma im Jahre 1938 an Völk und Partner. Völk und Partner hatten erst kurz zuvor die Firma Trix von Stephan Bing übernommen. Beide Markenzeichen, Distler und Trix, wurden unter diesen ihren Ursprungsnamen bei Völk und Partner erhalten. Zwischen dem 1. und dem 2 Weltkrieg erweiterte Distler sein Sortiment stetig. Beleg hierfür ist ein Katalog der Firma um das Jahr 1930, welcher etwa 500 unterschiedliche Artikel präsentierte. Neben den erwähnten Autos und Eisenbahnen befanden sich auch etliche Figuren darunter wie zum Beispiel der berühmte Drehorgelspieler mit dem tanzenden Affen. Der Drehorgelspieler wird heute sehr gesucht, wahrscheinlich auch aufgrund seiner beeindruckemden Lithographie.

    Distler nach 1945

    Das Markenzeichen Distler erlebte nach dem zweiten Weltkrieg nochmals eine Blüte. Der bereits vor dem Krieg produzierte Distler Wanderer trug zu diesem Erfolg maßgeblich bei. Der Wanderer wurde in der Zeit von 1939 bis 1955 hergestellt. Er hat eine Krückstock-Schaltung und lässt sich mit Hilfe eines Schlüssels aufziehen. Auf den vier Wanderer-Bildern sieht man den Wanderer mit Lenkung, Handbremse, drei Vorwärtsgängen, Leerlauf und Rückwärtsgang.

    Den Distler Wanderer gab es in verschiedenen, jeweils zweifarbigen Variationen. Unterscheidungskriterien: Die Vorkriegs-Variante hat als Nummernschild: IA-3150. Die Nachkriegsvarianten tragen auf dem Nummernschild die Kennziffern 3150 oder D-3150 (made in US-Zone). Richtig erfolgreich war Distler mit seinen anderen Krückstock-Autos wie dem Mercedes und dem Straßenkreuzer, vor allem aber seinen Elektroautos. Bei diesen möchte ich stellvertretend das Elektro Car 7000 von 1950 sowie den Jaguar von 1955 erwähnen.

    Distler Wanderer

    Distler Wanderer in der Nachkriegsversion

    Mir persönlich fällt noch das kleine Anstossauto aus den 50er Jahren sowie die herrliche Tankstelle von 1958 ein. Meiner Meinung nach gehört die Distler-Tankstelle neben der kleinen Tankstelle von Georg Fischer zu den schönsten. Als Besonderheit besaß die Distler Tankstelle ein mit Elektromotor betriebenes Zählwerk. Am meisten gesucht dürfte heute allerdings der berühmte Distler Porsche 7500 sein. Der Porsche 356 stand Pate. Der von Distler ab 1955 angebotene Porsche 356 dürfte der wohl schönste, gesuchteste und aber auch teuerste Blechspielzeug-Porsche aller Hersteller sein. Das Besondere war seine Gangschaltung sowie die Fernlenkung. Der Distler Porsche war ganz einfach der große Renner.

    Dieser Porsche „Electromatic 7500 FS“, später auch geschieben „Elektromatik 7500 FS“, steht stellvertretend für das letzte große Aufbäumen Distlers. Er wurde bis 1962 in doch sehr großen Stückzahlen hergestellt. Übrigens bedeuten die Buchstaben FS die Abkürzung für Fernsteuerung. Auf dem Foto ist der Distler Porsche im seltenen Grün zu sehen. Produziert wurde auch er im Zeitraum 1955-1962.  Der Distler Porsche war mit einem Elektromotor ausgestattet, Zweigangschaltung, Leerlauf sowie Rückwärtsgang. Er besitzt eine Lenkung, die ebenfalls mit einer Fernlenkung gesteuert werden kann. Der Zündschlüssel des Wagens ist in einem schönen Ledermäppchen mit Shell-Emblem bestens aufgehoben. Die Bezeichnung Electromatic oder Elektromatik steht für Elektromotor. Der Electromatic wurde also nicht mehr mit Schwungradantrieb oder Uhrwerkantrieb ausgestattet wie zum Beispiel die meisten Blechautos anderer Hersteller wie z.B. Kellermann CKO. Der Elektromotor funktionierte mit einer Flachbatterie mit 4,5 Volt oder ersatzweise mit 2 Monozellen. Distler WandererMit der Fernsteuerung oder Fernlenkung konnten Gangschaltung und Lenkrad bedient werden. Die Fernlenkung bestand aus einer 95 cm langen biegsamen Welle, wie wir sie heute zum Beispiel vom Dremel oder Proxxon her kennen. Alternativ konnte man mit den Hebeln im Auto das Lenkrad auch manuell bedienen sowie die Gänge der Gangschaltung ebenfalls mit der Hand einlegen. Die Gangschaltung besaß immerhin 2 Vorwärtsgänge, einen Leerlauf sowie den Rückwärtsgang. Andere Hersteller wie Schuco konnten dies allerdings auch bieten. Der Clou war übrigens der Start des Autos, und dies war für uns Kinder schon etwas ganz Besonderes: Der Motor wurde, wie bei „richtigen“ Autos auch, mit einem Zündschlüssel gestartet. Der Zündschlüssel bestand aus einem metallenem Stift; für diesen gab es am Armaturenbrett ein Loch zum Einstecken und Starten.

    Distler in Belgien 1962 – 1965

    Nach Schließung der Werkstore der Firma Distler im Jahre 1962 und Ende der Fertigung wurden die Werkzeuge des Distler Porsche nach Belgien verkauft. Dort wurde der berühmte Distler Porsche noch einige Jahre hergestellt. Meines Wissens wurde die Produktion dort im Jahre 1965 eingestellt. Die belgische spätere Variante besaß bereits Stoßstangen aus Kunststoff und auf der Bodenplatte war „Made in Belgium“ aufgedruckt. Auch sah das Armaturenbrett etwas anders aus. Distler PorscheIn Belgien wurden auch die beiden Polizei-Varianten hergestellt, eine mit Blaulicht und die andere ohne. Die Polizei-Varianten sind sehr gesucht, man kann allerdings nicht sagen, dass sie selten wären. Obwohl gerade die Distler Porsche eine außergewöhnliche Qualität und Langlebigkeit aufweisen, überrascht mich immer wieder, wie hoch sie gehandelt werden, denn sie sind wie gesagt alles andere als selten. Auch für den Distler Porsche hat sich der Sammlermarkt mittlerweile eingerichtet und hält eine Vielzahl von Ersatzteilen vor wie Windschutzscheibe oder Zündschlüssel, um nur zwei Beispiele zu nennen.

    Distler verwendete verschiedene Logos. Die Weltkugel mit den Buchstaben JDN stammt aus den Jahren vor 1945, die Kugel mit der Aufschrift Distler wurde nach 1945 verwendet.

    Logo vor 1945

    Logo nach 1945

    Empfehlenswerte Literatur zum Thema Johann Distler
    Zu Johann Distler gibt es nur wenig Literatur. Die Firma wird zumeist im Zusammenhang der Nürnberger Hersteller beschrieben. Zu empfehlen ist allerdings das Werk von Leonhard Dingwerth:  Lexikon Historisches Blechspielzeug, I. Eisenbahnen, Band I.1.A.: Nürnberger Hersteller (Bub – Distler)