Kugelschreiber sammeln

Erste Erfahrungen mit dem Kugelschreiber

Kugelschreiber sind in den letzten Jahren immer mehr in den Focus der Sammler genutzt. In den frühen Büros spielten sie noch keine allzu große Rolle. Der große Umbruch kam wohl nach dem Krieg. Ich selbst kann mich noch erinnern, wie im Geschäftsbüro meines Großvaters die ersten Kugelschreiber zu Beginn der 60er Jahre auftauchten. Auch mein Vater, der das Installationsgeschäft danach übernahm, wechselte in den 60er Jahren vom Füllfederhalter zum Kugelschreiber. Diese Erinnerungen habe ich in meiner Kindheit aufgesogen und sie sind mir wie viele Dinge aus dieser Zeit bis heute erhalten geblieben. Verkaufsladen mit angeschlossenem Büro waren für uns Kinder auch, heute kaum noch vorstellbar, Spielplatz und Abenteuerbereich. Vielleicht kommt dies daher, dass ich besonders die Ausstattung der 60er Jahre besonders heimelig finde, den Schreibgeräten, den Drehkalendern, den Telefonen und anderen Gegenständen aus Bakelit und die vielen Werbegeschenke und Werbemittel von den damaligen Zulieferfirmen.

Mein eigener Zugang zum Kugelschreiber fand erst später Anfang der 70er Jahre statt. Zur Einschulung Ende der 50er wurden wir Erstklässler mit Schiefertafel und Schiefergriffel ausgestattet. Im zweiten Schuljahr begann dann der Übergang zu Füllfederhaltern der Marken Brause und Geha. Deren Benutzung zog sich durch lange Jahre der Schulzeit. Es begann damit, dass irgendwann eine Marotte aufkam, so klein wie nur möglich zu schreiben. Dies war mit dem Kugelschreiber möglich; damit konnten wir sehr klein schreiben, was mit der doch relativ breiten Feder der Füllfederhalter nicht möglich war. Zudem war die Handhabung des Kugelschreibers einfacher. Man denke nur an das Wechseln der Tintenpatrone mit oftmals blauen Schmierflecken sowie das umständliche Löschen der feuchten Schrift mit Löschpapier. Irgendwann wurde es uns von den Lehrern freigestellt, ob wir Kuli oder Füller benutzten. Das Abitur Anfang der 70er schrieben schon alle Mitschüler mit Kugelschreiber.

Die Erfindung des Kugelschreibers durch den Ungarn Biro

Nicht nur die Tintenflecke, sondern überhaupt die umständliche Handhabung der frühen Füllfederhalter trieb in den traditionellen Erfinderländern Deutschland, England Frankreich und auch den USA etliche Tüftler an, ein Schreibgerät ohne die geschilderten Nachteile zu erfinden. Wie bei anderen großen Erfindungen befanden sich schon während der Gründerzeit mehrere Protagonisten in Konkurrenz. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann auch die ersten Patente gemeldet. Was diese ersten Patente verband,- sie waren allesamt nicht praxistauglich.

So liegt die Erfindung eines wirklich praxistauglichen Kugelschreibers auch noch nicht lange zurück. Es war László József Bíró, am 29.September 1899 in Budapest geboren, der ihn im Jahre 1938 zu einer ersten Reife brachte und sich seine Erfindung in Ungarn patentieren ließ. Es war die Geburtsstunde des wohl bedeutendsten Mittels, um Schrift auf Papier zu bringen. Das Geburtsjahr von Biro zeigt aber auch, dass es bereits erste Patente für einen Kugelschreiber gab, als Biro noch gar nicht geboren war!

Der Kugelschreiber und seine wichtigsten Teile

Biros wichtigste Eckpunkte waren die Mine sowie die Tinte. Da die Tinte schnell trocknen musste, konnte die bislang bekannte aus den Füllfederhaltern nicht verwendet werden; diese war einfach zu dünnflüssig, musste mit Löschpapier getrocknet werden und kleckste und schmierte. Orientierend an die Druckfarben, wie sie im Zeitungsdruck verwendet wurden, mischte er eine zähflüssige ölbasierende Farbe. Mit dieser zähflüssigen Farbe, welche die Konsistenz einer Paste besaß, wurde die Kugelschreiber-Mine gefüllt. Diese wurde an eine Schreibkugel am Ende der Minenspitze geleitet. Beim Schreiben drehte sich die Kugel und nahm mit der Drehung die Farbe aus dem Minengehäuse auf.

Bei der Entwicklung der Tinte wurde Biro von seinem Bruder György, der Apotheker war sowie von Andor Goy, einem Schreibmaschinen-Hersteller und Tüftler, tatkräftig unterstützt. Der erste im Jahre 1938 zur Reife gebrachte Kugelschreiber wurde nach diesem Tüftler GO-PEN benannt.

Die Schreibkugel besteht aus einer extrem harten Legierung, welcher unter anderem Wolframverbindungen beigemischt sind, und die hierdurch nahezu unverwüstlich und langlebig ist. Der Durchmesser der Schreibkugel variiert heute um einen Millimeter, je nach dem, wie dick die Strichstärke gewünscht wird. Das Zusammenspiel aus Mine, Farbe und Kugel garantiert eine lange Nutzbarkeit; man muss schon eine Linie bis zu zehn Kilometern ziehen, bis die Farbe aufgebraucht ist.

Durchbruch nach bewegten Zeiten

Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges floh Biro mit seiner jüdischen Familie vor dem Nationalsozialismus über Paris nach Argentinien. László József Bíró entwickelte in Paris und später in Argentinien seinen Kugelschreiber kontinuierlich weiter und erwarb auf seine steten Neuerungen auch weitere Patente, das letzte wohl 1943 in Argentinien. In Argentinien konnte er mit Hilfe der Svenska Kullagerfabriken, ein seit 1907 renommiertes Unternehmen für Kugellager, die Schreibkugel wesentlich verbessern. Geschäftlich verwerten konnte er seine Erfindung allerdings nicht. Englische und amerikanische Geschäftemacher wie Henry George Martin übernahmen seine Erfindung und entwickelten sie ungeachtet der bestehenden Patente weiter und versuchten sie zu monetarisieren. Mit ihren patentrechtlich wohl illegalen riesigen Geschäften verhalfen sie allerdings dem Kugelschreiber weltweit und insbesondere in den USA zum Durchbruch. Trotz einer zwischenzeitlichen Hausse scheiterten jedoch auch diese Unternehmer und Händler an immer noch bestehenden Qualitätsdefiziten wie Klecksen und zeitweiligem Stocken. Auch manche Materialien wie Nickel, welches großen Erfolg bei der Herstellung von Blechspielzeug hatte, waren nicht gerade verkaufsfördernd.

Über den weiteren Werdegang von Biro gibt es leider keine gesicherten Belege. Ich vermute sehr, dass seine größten Fähigkeiten eben im Erfinderischen und weniger im Geschäftlichen lagen. Er starb am 24. November in Buenos Aires. Unvergessen ist er allerdings bis heute nicht; in vielen Ländern wie zum Beispiel England tragen die Schreibgeräte immer noch seinen Namen: Biro. Sicher ist, dass letztlich der französische Adlige Marcel Bich zumindest die französischen Patente übernahm und die geschilderte Kinderkrankheiten des Kugelschreibers beseitigte. Vor allem half Marcel Bich die frühe Hinwendung zur Verwendung von Plastik. Er hatte als einer von wenigen Unternehmern Anfang der 50er Jahre die ungeahnten Möglichkeiten dieses Werkstoffes erkannt. Gerade im Bereich Design eröffnete Kunststoff große Sprengkraft! Sein „BIC“, ein Billigkugelschreiber aus Kunststoff, ist bis heute in Erinnerung geblieben.

Der Kugelschreiber als Werbeträger

Der Plastikkugelschreiber verbreitete sich mit Beginn der 50er Jahre immer mehr und verdrängte Füllfederhalter und Bleistift als Massenschreibgerät fast völlig. Der Kugelschreiber erschien nun in den unterschiedlichsten Formen und Farben, – der neue Werkstoff machte es möglich. Die Schreibtinte gab es bald in Blau, Schwarz, Rot und Grün. Später konnte man Minen in allen möglichen Farbschattierungen erstehen. In den 60er Jahren kamen dann sogenannte 4-Farb-Stifte in Mode; sie gibt es auch noch heute. Die Büros der damaligen Zeit schmückten oftmals kleine Ständer mit vier Kugelschreibern in den vier oben genannten Grundfarben.

Die Möglichkeiten im Design haben natürlich dazu beigetragen, dass der Kugelschreiber den reinen Sektor des Schreibens längst verlassen hat. Im Bereich der Werbung als Werbeträger, als Give-Away steht er in der Beliebtheitsskala ganz oben. Am Besten ist, man kann Kugelschreiber nach seinen individuellen Wünschen bedrucken. Er wird als Massenwerbeträger in hoher Auflage genauso wirksam eingesetzt wie als Luxusgeschenk in hochwertigster Ausgestaltung.

Literatur

deutschlandfunkkultur.de/wie-der-kugelschreiber-die-welt-eroberte.932.de.html?dram:article_id=129173

zeit.de/wissen/geschichte/2013-06/kugelschreiber-erfinder-laszlo-biro

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