Kleine Abhandlung über die Füllertinte

Über Farben und Lösungsmittel

Lösungsmittel

Tinten sind Mixturen, welche die Funktion haben, auf dem zu beschreibenden Blatt eine möglichst einheitliche und auch anhaltende Farbdarstellung zu erzeugen und dort auch zügig zu trocknen. Ansonsten soll die Tinte natürlich leichtfließend, ohne zu verstopfen, von der Tintenkammer des Füllers über den Tintenleiter zur Schreibfeder und damit aufs Papier gelangen. Für die Tintenmixturen werden als wichtigste Komponenten Farben sowie Lösungsmittel benötigt. Hierbei werden vereinfacht gesagt, die Farben im Lösungsmittel vermengt. Bei den Lösungsmitteln differenziert man zwischen Wasser sowie organischen Flüssigkeiten. Es wird heutzutage überwiegend Wasser als Lösungsmittel verwendet.

Farbmittel, Pigmente, Farbstoffe

Bei den Farben kann man grob zwischen Farbmitteln und Reagenzien unterscheiden.  Wenden wir uns den Farben zu. Die Farbmittel kann man wiederum in zwei Kategorien unterteilen: in im Lösungsmittel nicht lösliche Pigmentfarben, welche nach Trocknen der Tinte Rückstände hinterlassen sowie chemische oder organische Farbstoffe. Pigmente sind natürliche organische Farbträger und werden zum Färben in der Kosmetikindustrie, für Druckerfarben, für Buntstifte oder bei Streichfarben und Streichlacken verwendet. Sie können heute auch synthethisch hergestellt werden. Organische und chemische Farbstoffe  sind löslich und können in organischen Lösungsmitteln verwendet werden. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie bestimmte Materialien angreifen können.

Reagenzien

Neben den Farbmitteln existieren die sogenannten Reagenzien. Es sind Stoffe, welche erst beim Zusammentreffen mit anderen Materialien eine Farbe produzieren beziehungsweise ihre Farbe ändern. Bekannt ist noch vielen von uns aus dem schulischen Chemieunterricht das Reagenz Lackmuspapier, welches in Laugen eine blaue und in Säuren eine rote Farbe annimmt. Reagenzien sowie organische und chemische Farbstoffe sind im Gegenteil zu in Wasser gelösten Pigmenten nicht auswaschbar.Füllhaltertinte von Uhu

Das Bild rechts zeigt eine alte Werbung der Firma Uhu, welche ursprünglich auch Tinte für Füllhalter herstellte. Der Werbetext „fließt blau, wird schwarz“ deutet darauf hin, dass es sich bei der Farbe um ein Reagenz handelt.

In den Bereich der Reagenzien fällt die bekannte Eisengallustinte. Sie wird eigentlich schon seit Urzeiten hergestellt, angeblich schon vor Christi Geburt und ist eine typische Urkundentinte. Einmal aufs Papier gebracht, sollte sie dort für die Ewigkeit halten. Sie ist nicht nur nicht löschbar, sondern auch lichtecht. Die echte Eisengallustinte, die wohl berühmteste aller Tinten, ist allerdings aufgrund seiner Aggressivität nicht für Füllfederhalter geeignet, sondern lediglich für Federkiel und Schreibfedern. Heute gibt es jedoch auch für Füllhalter verträgliche eisengallushaltige Tinten mit den vergleichbaren Eigenschaften, die sich durch Zusätze allerdings vom Original unterscheiden. Eisengallustinte gewinnt nach dem Aufbringen aufs Papier nach einiger Zeit eine sehr tiefe schwarze Farbe. Es gibt andere Tinten, welche blau auf das Papier gebracht werden und danach schwarze Farbe annehmen.

Tintenfraß und andere Schäden

Spricht man über die Eisengallustinte, so muss man gleichzeitig eines der größten Übel ansprechen, – den sogenannten Tintenfraß. Er kommt insbesondere bei den alten Eisengallustinten vor. Hergestellt wurde diese alte Tinte aus Eisensulfat (EisenIIsulfat), – eine bekannte aber ältere Bezeichnung hierfür ist Eisenvitriol, aus Galläpfeln sowie Wein oder Essig. Als Galläpfel bezeichnet man die rundlichen Wucherungen unterhalb von Eichenblättern. Eisenvitriol ist ein grünliches Salz der Schwefelsäure, welches aus Eisen und Schwefelsäure hergestellt wird:  Fe + H2SO4 = FeSO4 (Eisenvitriol) + H2. Beim Tintenfraß geschieht de facto die umgekehrte Reaktion. Der Schwefelanteil in der Tinte, im Eisenvitriol, verbindet sich im Laufe der Zeit, oftmals ein Prozess über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, mit der Luftfeuchtigkeit zurück zu Schwefelsäure und Eisen. Die Säure greift das Papier, zum Beispiel Büttenpapier an und hinterlässt dieses brüchig, löchrig und rostig, – Ergebnisse des Tintenfraßes. Viele alte historische Schriften oder Notenblätter der alten Komponisten wurden mit Eisengallustinte niedergeschrieben. Diese kostbaren Antiquitäten können heute nur sehr aufwändig mit Hilfe eines komplizierten Verfahrens, – das sogenannte Papierspaltverfahren -, restauriert werden.

Alte Tinten unterliegen zuweilen der Bildung von Schimmel. Wie auch bei anderen Produkten üblich, wurde auch bei den Tinten experimentiert; auch sie enthielten und enthalten verschiedene Zusatzstoffe. So war Gummi bei alten Tinten durchaus eine Standardzugabe; auch Zuckerlösungen, Weinlösungen, Essiglösungen können weitere Bestandteile sein. Solche natürliche Zusätze sind es, welche oftmals den Schimmel hervorrufen. Heute verhindern Konservierungsstoffe solche Nachteile.

Vielfalt der Tinten

Wir sehen, die Materie der Tinten ist äußerst mannigfaltig. Es gibt eine Vielfalt an Tinten, die das Schreibverhalten stark beeinflussen. Es gibt langsam fließende und schnell fließende Tinten, es existieren verschiedene Farbstoffe, unterschiedlichste Zusammensetzungen, es gibt zudem solche, welche bestimmte Materialien angreifen. Es gibt Tinten auf Wasserlösungsbasis, welche wieder entfernt werden können, und solche, die einmal aufs Papier gebracht, dort verbleiben. Es existieren lichtechte Tinten und solche, welche, werden sie dem Sonnenlicht ausgesetzt, mit der Zeit verblassen. In der Praxis wird dies berücksichtigt, indem wertvolle alte Schriftstücke dem Einfluss des Lichtes entzogen werden und nur bei bestimmten Raumtemperaturen und Feuchtigkeits- oder besser Trockenheitsgraden aufbewahrt werden.

Aus all dem Gesagten ergibt sich aber auch, dass Tinte und Füllhalter zusammen passen müssen! Zumeist wird dies kein Problem sein, da heute überwiegend Füller aus Thermoplast sowie Tinten mit Wasser als Lösungsmittel im Handel sind. Der Sammler aber, der gerne auch mit einem seiner alten oder antiken Füllfederhalter schreiben möchte, sollte schon beachten, welche Tinte er benutzen darf und in jedem Falle das Material seines Füllers in Erwägung ziehen, siehe hierzu auch Tipps und Tricks zum Thema Füller.

Tinte und Papier

Entscheidend für eine gute Schrift ist letztendlich auch das Papier. Es nutzt die beste Tinte nichts, wenn das Papier nichts taugt. Bei allen Tintenarten ist es so, dass nach dem Verdunsten des Lösungsmittels der Farbstoff auf dem Papier verbleibt. Je glatter, feinporiger und geleimter das Papier, desto schöner erscheint die Schrift, aber desto länger dauert die Verdunstung. Habe ich großporiges ungeleimtes Papier mit, kann die Tinte schnell in das Papier eindringen, neigt aber zum Verlaufen. Jeder von uns hat solch ein Papier schon einmal in seiner Schulzeit in den Händen gehabt. Ich denke hier an das gute alte Löschpapier.

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