Alte Kaffeemühlen und ihre historischen Wurzeln

Alte Kaffeemühlen und ihr Urgroßvater, der Mahlstein

Alte Kaffeemühlen und der Mahlstein: Die Geschichte der Mühlen beginnt, lange bevor die Kultivierung von Kaffee und damit auch das Mahlen von Kaffee bekannt war. Man kennt erste steinerne Handmühlen aus Mesopotamien, die auf ca. 3.700 Jahre v. Chr. eingeordnet werden.

Die Technik war denkbar einfach: Das Mahlgut wird zwischen zwei meist radähnlichen schweren Steinen zerkleinert. Während die untere Steinscheibe feststand, wurde die obere, der Mahlstein, gedreht. Auf solchen Handmühlen wurde hauptsächlich Getreide gemahlen.

Das älteste Zerkleinern von Getreiden oder Kräutern geschah mit Mörser und Stößel. Hierauf basierten später die Mörsermühlen. Hierbei wurde der Stößel lediglich mit einer Handkurbel versehen, um jenen effektiver und weniger kraftaufwendig einzusetzen.

Diese Mörsermühlen oder Handmühlen, welche schon die Römer benutzten und sie als “mola trusatilis” oder “mola manuaris” bezeichneten, waren in den Haushalten der frühen Jahrhunderte durchaus verbreitet.

Die Technik verfeinerte sich mit der Zeit. Da der Verlust durch Abrieb, z.B. beim Buntsandstein, enorm war, ersetzte nach und nach Metall den Stein als Mahlwerk. Eisen, Gußeisen oder Stahl nutzten sich weit weniger ab als Stein.

Entwicklung der Kaffeehäuser

Die Mühlen waren also da; es fehlt nun zur Vollkommenheit noch das, was gemahlen werden soll, – der Kaffee. Vermutlich ist es so, dass die Kaffeebohne sein Zuhause in Äthiopien in Afrika hat. In der dortigen Provinz Kaffa sollen Hirten die wildwachsende Pflanze zuerst entdeckt haben. Der Name der Bohne würde sich dann vom Namen der äthiopischen Provinz ableiten. Die Kaffeepflanze soll dann im 15. Jahrhundert über den Sklavenhandel, unter welchem Zentralafrika besonders zu leiden hatte, nach Nordafrika in die arabischen Länder gelangt sein. Es ist belegt, dass dere islamische Pilgerort Mekka bereits im Jahre 1511 ein Kaffeehaus besaß. Über das osmanische Reich mit Kaffeehäusern in Konstantinopel oder Istanbul gelangte der Kaffee ins restliche Europa, noch im 16. Jahrhundert nach Italien, später nach Frankreich und England.

Das erste Kaffeehaus Europas allerdings entstand in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Weitere Kaffeehäuser entstanden in Venedig 1645, in Paris 1672, in Wien 1683, in Hamburg 1679 und das Haus Schütting in Bremen 1697, um nur einige anzuführen. Bereits 18 Jahre nach Errichtung des Bremer Kaffeehauses  im Jahre 1715 konnte Amaranthus eine erste Kaffeemühle beschreiben, so wie wir sie im Grundsatz heute mit Mahlwerk und Schubfach kennen.

Alte Kaffeemühlen und ihre Definition und Beschreibung

Kaffeemühle Zassenhaus

Eine sehr genaue Definition gibt es in der Oekonomischen Encyklopädie von D. Johann Georg Krünitz, welcher ab 1784 die technologische Entwicklung seiner Zeit in 242 Bänden beschrieb, – für Krünitz eine Aufgabe, welcher er seine gesamte Lebenszeit widmete:
“Damit bey der Bereitung des Kaffegetränkes durch das Kochen, das Wasser die Kräfte desto besser heraus ziehen könne, werden die gebrannten oder gerösteten Bohnen vorher gemahlen, oder, welches Einige für besser halten, in einem Mörser zerstoßen, wie es die Türken noch thun. Die Kaffemühle, worin man den gebrannten Kaffe mahlt, ist eine kleine, runde oder viereckige, bewegliche oder an einem Orte fest gemachte Maschine, welche in einem cylindrisch ausgehöhlten, und inwendig nach flachen Schrauben=Zügen geschnittenen Eisen besteht, darein ein aussen herum gleichfalls also geschnittener eiserner Cylinder oder Welle dergestalt gepaßt ist, daß ein geringer Raum dazwischen bleibt, in welchem die oben in die eiserne Schüssel oder in das hölzerne Fach geschütteten Kaffebohnen, durch Umdrehung der an die Welle oben befestigten Leyer oder Kurbel, nach und nach fallend gebrochen und klein gemahlen werden. Unten ist ein hölzernes Fach, oder ein Schubkästchen, darein der gemahlene Kaffe fällt. Die beweglichen Kaffemühlen werden unter andern in Nürnberg hergestellt…

Die Kaffemühle und Kaffetrommel sind, wo nicht nürnbergische Erfindungen, doch daselbst sehr bald nachgemacht worden. Sie werden noch jetzt bey Millionen ausgeführt, und der größte Theil von Deutschland mahlt jetzt noch auf Nürnberger Kaffemühlen.
und Leipzig so compendiös verfertiget, daß man sie bequem in die Tasche stecken, und auf Reisen und sonst überall bey sich tragen kann. Man hat, ausser diesen beweglichen, auch solche, die an einem Orte fest gemachet werden können, dergleichen man insonderheit in den Material= und Gewürz=Läden, wo gemahlener Kaffe verkauft wird, antrifft.

Man hat mancherley Arten von Kaffemühlen, was ihre Kasten betrifft. Einige sind viereckig, andere cylindrisch, und werden in der Mitte zusammen geschraubet, wovon der untere Theil den gemahlenen Kaffe empfängt. Man hat auch einige, die ein messingenes Gehäuse haben, von einander geschraubet, und in der Tasche getragen werden können; alle aber kommen in Ansehung des Mechanismus mit einander überein.

Nach Anzeige des 3 St. des Wittenberger Wochenblattes a. d. J. 1768, S. 27, f. verfertigt Mftr. Ge. Auerbach, Bürger und Sägeschmid in Wittenberg, einige Sorten von Kaffemühlen, die an Dauer und Güte diejenigen weit übertreffen, welche ordentlicher Weise mit hölzernen Gestellen, oder auch mit eisernen, leicht weg, gearbeitet sind. Die kleineren Sorten, welche in Familien gebraucht werden, haben einen Kasten und ein Gehäuse von starkem Eisenbleche; und das eigentliche Werk, oder die Mühle, ist von Stahl, und erhält sich, wenn täglich etliche Mahl darauf gemahlen wird, über 6 bis 8 Jahre, ehe sie im geringsten geschärfet werden darf, und nachdem solches geschehen ist, hält sie sich eben so lange gut, so daß man solche Mühle in die 18 Jahre in einer Familie gebrauchen, auch allerley andere harte Dinge, als: Pfeffer, Gerste, u. s. w. vermittelst einer Stellschraube grob oder fein mahlen kann. Die andere Sorte ist größer, etwa 1/2 dresdn. Elle in die Höhe, für Kauf leute und Gewürzläden eingerichtet, und von der ersten Sorte nur durch die Größe und Stärke des eigentlichen Werkes unterschieden. Da solche größere Mühle täglich in den Läden ohne Unterlaß gebraucht wird, so erhält sie <32, 167> sich im recht feinen Mahlen doch ganze 3 Jahre, ehe sie eine Schärfung nöthig hat, und kann, ohne irgend eine andere Reparatur, allezeit 18 bis 20 Jahre genutzet werden. Der Verfertiger ist dafür so sehr Bürge, daß er jede Sorte, falls sie in den ersten 2 Jahren die angezeigten Proben nicht aushalten, gegen ein anderes taugliches Stück Waare seiner Arbeit, für den Kaufwerth allemahl wieder anzunehmen sich erbiethet. Er verfertigt auch Mühlen von solcher Stärke und Größe, die bey jedesmahligem Umdrehen ein ganzes Loth Kaffe sehr fein durchmahlen. Die erste kleine Sorte liefert er, wenn sie bestellet wird, in wenigen Tagen darauf, für 1 Rthlr. bis 1 Rthlr. 6 Gr., und die größern für 2 Rthlr. von welcher letztern Gattung man eine bey ihm gegenwärtig zu sehen bekommen kann.” (D. Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, Band XXXII, S. 164)

Alte Kaffeemühlen und ihre Technik

Da der Geschmack des Kaffees wesentlich mit dem Mahlgrad in Zusammenhang steht, besitzen schon sehr alte Kaffeemühlen Möglichkeiten zur Einstellung des Feinheitsgrades. Je nachdem, ob diese Einstellmöglichkeit oberhalb des Trichters, also außerhalb des Mühlenkorpus zumeist an der Achse, gegeben ist oder ob sie sich unterhalb der Achse im Inneren der Kaffeemühle befindet, unterscheidet man zwischen oberstellige Kaffeemühlen und unterstellige Kaffeemühlen.

Eine Zuordnung zu Herstellungszeiträumen und Epochen lässt sich gut anhand des Materials, der Trichterformen, der Handkurbel oder der Ausschmückungen vornehmen. Auch am Mahlwerk sind die technologischen Änderungen der Zeit nicht vorübergegangen. Wie in anderen Bereichen, zum Beispiel beim Blechspielzeug oder bei den Puppen, beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts eine Welle der Mechanisierung, der Technisierung und Massenproduktion. Das Mahlwerk, bis dahin handgeschmiedet, wird zunächst in einzelnen Bereichen, später komplett maschinell bearbeitet. Da das Mahlwerk sich allerdings recht unzugänglich versteckt im Gehäuse befindet, dürften alte Kaffeemühlen ausschließlich per Augenschein schwierig zu klassifizieren sein.

Signifikant äußern sich die zeitlichen Diffenzierungen am Einfülltrichter. Die Einfülltrichter sind bis 1800 entweder noch sehr flach gehalten, ja fast tellerförmig ausgebildet und in diesen Fällen zumeist aus geschmiedetem Eisen. Sehr oft bestand der Trichter auch aus Messing oder Eisenblech; in diesen Fällen waren die Trichter eher walzenförmig, tonnenförmig oder zylindrisch ausgelegt. Die Trichter sind zu der Zeit nach oben offen.

Um das Jahr 1800 kommen hohe, nach unten schmaler werdende Trichter auf; sie sind eckig, besitzen Kanten. Die Skizze zeigt ein Beispiel einer solchen Kaffeemühle um 1820.

Alte Kaffeemühle

Auf diese hohen kantigen Trichter folgen offene Glockentrichter. Statt glockenförmig konnten die Einfülltrichter auch kelchförmig offen sein. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts werden Trichter erstmals, so wie wir es heute von Kaffeemühlen kennen, nach unten in die Mühle versenkt.
Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts kommt dann der verschließbare Trichter mit verschiebbaren Öffnungen immer mehr auf.
Die Trichter werden mit Ausgang des Jugendstils dann allerdings wieder höher. Sie sitzen wie eine Kuppel erhaben auf dem Korpus der Mühle. Die unten dargestellte Skizze zeigt ein solches Beispiel.

 Kaffeemühle alt

Während der anschließenden 30er Jahre des 20. Jahrhunderts werden die Trichter dann allerdings wieder niedriger. Nach dem 2. Weltkrieg verschwindet der Einfülltrichter schließlich nach und nach wieder in das Innere der nun meist würfelartigen hölzernen Kaffeemühlen.
Ein typisches Beispiel ist die oben abgebildete Kaffeemühle von Zassenhaus Ende der 50er Jahre.

Neben Trichtern und Ausschmückung lässt auch die Ausarbeitung der Kurbeln auf die Entstehungszeit schließen. Flache lange, oftmals demontierbare Handkurbeln ohne jedweden Zierat kennzeichnen die frühen Kaffeemühlen. Mit Fortschritt des 19. Jahrhunderts kommen, insbesondere nach der Biedermeierzeit, verzierte Handkurbeln auf.
Üppig, teilweise durchbrochen, dekoriert werden die Kurbeln mit etwa Beginn der Gründerzeit, als auch der Historismus sich nach den üppigen Formen von Renaissance und Barock sehnte und anschließend im Jugendstilzeitalter mit seinen vorwiegend floralen Elementen.
Nach dem Jugendstil setzt sich auch bei den Kurbeln ein Design durch, welches auf den tatsächlichen gebrauch, die reine Zweckbestimmung und Funktionalität zielt. Sie ähneln in ihrer Einfachheit den Kurbeln der frühen Kaffeemühlen, sind jedoch kürzer und in der Regel auch nicht mehr seitlich des Gehäuses angebracht.

Literatur alte Kaffeemühlen

“Nostalgische Kaffeemühlen. Deutsche Kaffeemühlen des 20. Jahrhunderts”, Werner Schindler, Verlag Marlen Schindler, 2006

ISBN-10: 3939571008, ISBN-13: 978-3939571001 Das Buch ist recht rar!

“Alte Kaffeemühlen”, Elisabeth von Walderdorff, Callwey-Verlag, 1982. Eigentlich ein Standardwerk, das Büchlein ist allerdings vergriffen und schwer zu bekommen!

Alte Kaffeemühlen kann man sich bei völliger Entspanntheit in einem guten Museum oder bei einem Sammler betrachten.

 

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5 Kommentare über “Kaffeemühlen”

  1. Herbert schrieb:
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    Ich mußte daheim als Kind so eine der Mühlen zwischen die Beine klemmen und mahlen.
    Schöne Erinnerung an die alte Kaffeemühlenzeit!
    Gute Informationen auf ihren Seiten!

  2. juraj ferenczy schrieb:
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    hallo lieber Fachman fur kaffeemuhlen,,ich habe eine grosse bitte,, konnten sie mir bitte sagen ungefaer welches Jahrgan,und ungefaer was fur ein wett das haben keonnten . auf der muhle steht ,, GARANTIE G.K.S. WIEN… N.2original holz skelet masen grose12cm,,breite unten 15cm oben 10 cm wahrscheinlich kupfer,, danke schoen juraj aus der sloweikei,, bratislava,,-pressburg

  3. Fritz Müller schrieb:
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    Liebe Sammler!
    Danke für die vielen Informationen. Ich mache mit meinem Freund ein Referat über die Kaffeemühle. Leider dürfen wir nur informationen der Internetseiten verwenden, wenn einzelne Autoren-Namen angegeben sind.

    Vielleicht könntet ihr uns ein paar eurer Namen schicken.

    Lg Fritz Müller

  4. Reka schrieb:
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    Guten Tag!

    Ich haette eine Frage zu den Kaffemühlensammler.
    Neulich habe ich eine Kaffemühle gekauft ueber die ich nichts weis. Es hat aber die Initialen B.O.L. an sich. Koennten sie mir einige Informationen ueber diese Kaffemühlen geben. (Umgefaehr welches Jahrgang, wo wurden solche Mühlen gemacht, was fur ein wert das haben keonnnte).

    Danke im Voraus.

  5. Torsten Schindler schrieb:
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    Eine Frage. Ich habe auf dem Dachboden eine alte Kaffeemaschine Baujahr 1961 gefunden originalverpackt und unbenutzt.
    Veb Elektrogerätebau Leipzig.
    Sie heißt Aracati.
    Kann sie nirgend wo finden .Können sie mir weiterhelfen,was so etwas wert ist oder haben sie Interresse an so einem Stück???

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