Steiff Teddys

Die Geburt des Teddybären im Jahre 1902

Steiff Teddys – die Geburt des Teddy oder Teddybären ist untrennbar mit dem Namen Steiff verbunden. In Giengen an der Brenz in Württemberg besaß Margarete Steiff (1847 – 1909) seit 1880 eine kleine eigene Spielwarenmanufaktur. Die kleine Manufaktur produzierte damals bereits verschiedene Stofftiere, darunter Haus- und Hoftiere wie Hunde und Katzen, aber auch solche, welche man lediglich in den zoologischen Gärten der Großstädte bewundern konnte, wie Affen oder Elefanten. Was dann um die Jahrhundertwende nach Eintritt ihres Neffen Richard Steiff, eines begnadeten Tüftlers, in der Firma passierte, wissen wir alle aus dem hervorragenden Fernsehfilm von 2005 mit Heike Makatsch in der Rolle von Margarete Steiff. Insbesondere die starke Nachfrage aus den USA nach neuem beweglichem Spielzeug führte im Jahre 1902 zur Produktion des ersten Teddybären.

Der „Bär 55 PB“ – der erste Steiff-Teddy

Sein Schöpfer war Neffe Richard. Es war der berühmte „Bär 55PB“. Er war voll gegliedert; das „B“ stand für beweglich und das „P“ stand für Plüsch. Den Mohairplüsch bezog die Firma von Margarete Steiff von der Duisburger Plüschfabrik Reinhard Schulte, welche dieser ein Jahr zuvor in 1901 gegründet hatte. Die Zahl 55 stand bei diesem ersten Teddy für seine Größe von 55 cm. Die Beweglichkeit wurde mit Bindfadenaufhängungen erreicht. Später wurden, wie auch bei anderen Herstellern, die Bindfäden durch Draht ersetzt, was eine größere Stabilität erzeugte. Es setzten sich dann auch Scheibengelenke durch.Steiff Teddys

Wachsender Erfolg und das Markenzeichen „Steiff – Knopf im Ohr“

In den Folgejahren boomte das Geschäft, – die Produktionszahlen lagen bald jenseits der 10.000. Der Erfolg begann mit der Entdeckung des Bären durch einen Spielzeughändler aus den USA; er kaufte 3000 Exemplare und exportierte diese in die USA. Die Bezeichnungen für die Steiff Teddys der Folgejahre lehnten sich an den „55 PB“ an. Nur maß man die Größe nicht mehr im Stehen, sondern im Sitzen. Beispiel: wenn der „Bär 35PB“ beim Sitzen 35 cm maß, so dürfte er in Wirklichkeit (im Stand) 55 cm groß gewesen sein! Im Jahre 1905 wurde eine entscheidende Neuerung eingeführt: Arme, Beine und Kopf wurden idealerweise mit Scheibengelenken verbunden und so in jede Richtung drehbar. Hierbei wurden Gelenkscheiben aus Hartpappe von Metallsplinten beziehungsweise Drahtstiften zusammengehalten. Die Kurzbezeichnung für dieses System war „PAB“, wobei das „A“ für „angescheibt“ stand. Die Steiff Teddys wurden von nun an im besten Schwäbisch als „Bärle“ deklariert; der Mohairplüsch wurde fortan standardmäßig in den Farben Braun, Weiß und Blond verarbeitet. Bei der Füllung wurde Kapok mitverarbeitet; dies machte die Bären leichter.

In den USA bekam das „Bärle“ dann auch seinen Namen „Teddy“; dies war der Spitzname des amerikanischen Präsidenten Roosevelt und kann auch als Auszeichnung für das enorme Image, welches sich die Firma in Übersee erworben hatte, angesehen werden. Der „Teddy“ ersetzte das „Bärle“ im Jahre 1908. Um diese Zeit wurden auch die Brummstimmen modernisiert und statt der Kapok-Füllungen wurde Füllungen mit Holzwolle verwendet. Der große Erfolg nötigte die Firma, seine hochqualitativen Erzeugnisse zu schützen, – das Markenzeichen „Steiff – Knopf im Ohr“ wurde im Jahre 1904 kreiert. Man muss sich die Zahlen vor Augen halten: aus einer kleinen Manufaktur mit gerade einmal 14 Mitarbeitern erwuchs innerhalb weniger Jahre eine Weltfirma, welche bereits 1907 rund 400 feste Mitarbeiter und 1.800 Heimarbeiter ernährte sowie nahezu eine Million Teddybären produzierte!

Vor und nach dem 1. Weltkrieg

In der Zeit bis zum Beginn des 1. Weltkrieges produzierte Steiff, wahrscheinlich aufgrund der harten Winter und dem Kinderwunsch auch nach warmer Teddykleidung, mehrere bekleidete Teddybären. Auch Teddybären mit ledernem Maulkorb wurden produziert. Hergestellt wurde nun in insgesamt 14 Größen. Auch die Produktion von mechanischen Teddybären beginnt. Der große Konkurrent bei den mechanischen Bären war Bing! Der Purzelbär von 1910, der bis 1916 produziert wurde, war der Konkurrent des Acro-Bären von Bing. Es war der erste mechanische Bär, der an der Brenz hergestellt wurde. Berühmt wurde er durch sein Uhrwerk. Wie beim Acro-Bären von Bing kam dieser Schwungradantrieb ohne Aufzugsschlüssel aus; er wurde gleichsam über Drehen des Armes aufgezogen. Bekannt ist auch noch der Phantombär, gleichfalls aus dem Jahre 1910.

Eine Sonderheit stellen die Schwarzen Teddybären, die sogenannten Trauerteddys, dar, die in Folge der Staatstrauer um die havarierte und untergegangene Titanic nach England exportiert wurden. Diese schwarzen Teddys gelten als teuerste Steiff Teddys überhaupt. Noch vor Ausbruch des Krieges, im Jahre 1913, erschien eine absolute Novität, nämlich die farbigen Dolly-Bären. Diese erschienen in drei Größen sowie den Farben Blau, Gelb, Grün und Rot. Sie besaßen einen Kopf mit weißem Mohair und zusätzlich einen farbigen Schal beziehungsweise Krause. Der aktuell als Replika aufgelegte Dolly-Bär hat blaues Fell und eine rote Halskrause. Zumindest ihn sollte man sich anschauen, denn von den Original-Dollys dürften nur noch vereinzelte Exemplare existieren.

Die Zeit nach dem Krieg war bestimmt von allgemeinem Materialmangel. Ausdruck dieses Mangels waren die sogenannten Papierteddys. Diese bekamen ihren Namen, da Holzfaserstoff, daher „Papier“, den teuren Mohairplüsch ersetzen musste. Weiterer Ersatzstoff war Brennesselstoff, eine billige Naturfaser, welche in manchen Ländern auch heute noch für die Fertigung von Kleidung hergenommen wird. Statt Glasaugen wurden wieder die ledernen Schuhknopfaugen eingebaut; Glas für die seit 1912 verwendeten Glasaugen war ebenfalls rar und kaum auf dem Markt zu bekommen. Diese von 1919 bis 1921 hergestellten Plüschersatzteddys sind, wie auch die Vorkriegsteddys, äußerst selten und erzielen Höchstpreise auf internationalen Auktionen.Grosser Teddy

Die 20er Jahre bis zum 2. Weltkrieg

Neben den Teddys in den Standardfarben, also Braun, Blond und Weiß produzierte Steiff ab 1924 noch einmal farbige Teddys. Mit ihren großen Augen und langem Fell passen sie irgendwie in die wilden 20er Jahre. Diese farbigen Bären sind neben Holzwolle auch mit Kapok gestopft. Die heute seltenen gelben und rosa Teddys wie der berühmte Musik-Teddy wurden in den außerplanmäßigen Größen 48 cm, 44 cm, 36 cm und 33 cm hergestellt.

Eine einschneidende Änderung passiert im Jahre 1927; Steiff führt aufgrund der hohen Nachfrage die Fließbandproduktion ein! Und es waren nicht nur Teddybären, die nachgefragt wurde. Höchste Auflagen erfuhr zum Beispiel „Molly“, ein süßer Plüschhund, der bis 1932 eine halbe Million mal verkauft werden konnte. Aus der Vorkriegskollektion der Teddys besonders begehrt sind auch die Bärenteddy-Babys wie „Petsy“, der 1928 erschien, „Teddy-Baby“ aus dem Jahre 1929 und „Dicky“ aus dem Jahre 1930. Von ihnen existieren allerdings viele Größen bis zu 75 cm und ebenso recht viele Farbschattierungen, die es dem Sammler schwer machen, die Babys nach Entstehungszeit zu differenzieren. Auch der zum Teil lange Produktionszeitraum barg Schwierigkeiten; so wurde das „Teddy-Baby“ wohl bis zu Beginn der 60er Jahre produziert. Ich werde daher den Babys später ein besonderes Kapitel widmen.

Neben den Babys ist aus der Vorkriegskollektion noch der sogenannte „Bambusbär“ zu erwähnen. Dieser im schwarz-weißen Mohair hergestellt Teddy ist natürlich ein Panda-Bär. Der Begriff Bambusbär ist lediglich eine andere Bezeichnung für Panda-Bär, die darin ihren Ursprung hat, dass der Panda-Bär sich vorwiegend von Bambus ernährt. Der Pandabär wurde in den 30er Jahren in Europa eingeführt und erregte sofort allgemeines Aufsehen. Er wurde als beliebtes Motiv im künstlerischem und gestalterischen Umfeld des Art Deco als auch in der Warenproduktion, so natürlich auch beim Spielzeug, aufgenommen. Auch diesen „Bambusbären“ gab es nach dem Krieg wieder, so dass die Einordnung in Vor- und Nachkriegsbären nicht immer gelingt.

Materialmangel während des Krieges

Wie zu den Zeiten vor und nach dem 1. Weltkrieg war auch die Zeiten des zweiten geprägt von Materialmangel zum Beispiel beim Mohairplüsch. Von 1942 bis 1946 fand so gut wie keine Produktion statt. Statt Mohair wurde auf Kunstseide zurückgegriffen. Einfaches Leinen ersetzte nach und nach den Filz an den Unterseiten der Pfoten und Tatzen. Diese Mangelerscheinungen wirkten sich in der Ausführung der Steiff Teddys bis etwa 1950 aus. Mohair gab es wieder ab etwa 1949. Die frühen Steiff Teddys nach dem Krieg bis 1954 sind mit „Made in US-Zone Germany“ gekennzeichnet.

Die 50er und 60er Jahre

Steiff begann seine Produktion nach dem Krieg wieder in 1947 mit nahezu 1000 Mitarbeitern. Der Umsatz kletterte sofort orbitant; im Jahre 1953, dem Jubiläumsjahr der Teddys, waren gut 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Das große Zugpferd jener Zeit war neben den Teddys das Maskottchen „Mecki“ der Fernsehzeitung „Hör Zu“, eine Igelpuppe, die in Trick- und Puppenfilmen der Firma Diehl auftrat. Post- und Ansichtskarten der 50er, sogenannte Mecki-Karten, trugen dazu bei, Mecki bundesweit zu verbreiten. Die Stoff-Puppe Mecki wurde von Steiff seit 1951 in Lizenz gefertigt.

Der Neuanfang in den 50er Jahren schlug sich im Hause Steiff auch bei den Bären nieder. Ein neuer Teddy erblickte die Welt. Es war der „Original Teddy“. Er besaß nicht mehr so lange Arme und Füße wie seine Vorgänger und wurde in den Farben Dunkelbraun, Caramel, Gold und Weiß produziert. Seine Größen reichten von winzigen 10 cm bis zu stattlichen 75 cm. Der „Original Teddy“ wurde bis 1966 in der bekannten Form hergestellt. Daneben gab es noch, wie an früherer Stelle erwähnt, die Teddy-Babys, welche ihr Vorkriegstradition fortsetzten. Der „Teddy-Baby“ wurde noch bis 1957 hergestellt, die beiden letzten Jahre mit Leder statt Filz unter den Füßen. Auch der „Bambusbär“ war noch bis 1961 in der Produktion. Von 1953 bis 1955 begrüßte uns zu Ehren des 50. Geburtstages des Teddy der Bär „Jackie“ in den Größen 17cm, 25 cm und 35 cm.Bärenwerkstatt Da der Entstehungszeitraum recht eng war, ist auch dieses Exemplar entsprechend rar. Neben dem „Original Teddy“ und „Mecki“ erblickte ein weiteres Steiff’sches Highlight Anfang der 50er das Licht der Welt. 1951 stellte sich der mittlerweile berühmte und vielleicht erfolgreichste Teddybär, der „Zotty“ vor. Er lief äußerlich nahezu unverändert bis 1978, war aber das erste Modell, welches bereits ab Mitte der 50er Jahre seinen Mohairpelz peu a peu gegen eine solchen aus Dralon austauschte.

Blick in eine Bärenwerkstatt

Wie auch bei den anderen Herstellern wie Hermann wurden auch bei Steiff ab den 50er Jahren zunehmend Kunststofffasern verwendet. Dralon verdrängte zunehmend den Mohairplüsch. Er ist ganz einfach leichter zu händeln, abwaschbar obendrein. Lediglich der „Original Teddy“ blieb ausgenommen, wird mit Holzwolle und Mohair gefertigt. Ab 1966 bekam er eine Schnauze mit kurzem Plüsch, ab 1968 wurden die Filzsohlen durch samtenen Stoff ersetzt. Von „Zotty“ und dem „Original Teddy“ gab es immer wieder recht rare Varianten, die bei Sammlern beliebt sind, aber deren Beschreibung den Umfang der Seiten an dieser Stelle sprengen würden.

Repliken

In den 80er Jahren begann Steiff mit der Reproduktion alter Erfolgsmodelle. Der Sammler hat damit die Möglichkeit, sich ein Replika eines besonders seltenen Exemplars der Steiff Teddys zuzulegen, welches er nach menschlichem Ermessen sonst nicht in die Hände bekommen würde. Nicht nur dem erfahrenen Sammler, sondern auch dem Anfänger sei der Besuch des Steiff-Museums in Giengen sehr ans Herz gelegen.

siehe auch

Teddybären, Teddys

Hermann Hirschaid

Bing Teddys

4 Kommentare über “Steiff”

  1. Margit Breitfeld schrieb:
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    Hallo, kann mir bitte jemand helfen? Habe 1993 einen Teddy geschenkt bekommen, der schon mindestens 50 Jahre alt ist. Er hat leider keinen Knopf mehr im Ohr, aber ich weiß, dass es ein steiffteddy ist. Ich würde gerne wissen wie alt er tatsächlich ist und ob er noch was wert ist. Lieben Dank Margit

  2. Natasa schrieb:
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    Hallo Steifftier-Sammler,

    limitierter Steiff-Teddy zu verkaufen. Er war nur ihm Regal, daher komplett neu.

    Freue mich über eure Anfragen.

    Viele Grüsse

  3. Sonya Grüger schrieb:
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    Hallo liebe Steifftiersammler,

    ich habe 14 Steifftiere zu verkaufen alle bis auf einen großen liegenden Steiffbären nicht bespielt, sondern immer im Regal gestanden.
    Freue mich über Anfragen,
    mit bärenfreundlichen Grüßen
    Sonya Grüger

  4. Bianca Boswell schrieb:
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    Hallo
    Habe einen Bären von steiff geschenkt bekommen! Wie kann ich den wert feststellen? Ich hoff es kennt sich jemand aus! LG bianca

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