Schaufensterpuppen sammeln

Schaufensterpuppen – eine kleine Einführung

Mit der Entwicklung der Innenstädte und der Entstehung größerer Geschäfte mit großen Schaufenstern erfuhr auch die Entwicklung der Schaufensterpuppen einen großen Anschub. Man kann diese Zeit auf etwa Mitte des 19. Jahrhunderts datieren.

Das mittelalterliche Paris besaß bereits kurze Zeit später um die 500 größere Kleidergeschäfte. Noch im 19.Jahrhundert wurden die heute berühmten Boulevards als Schneisen durch die Stadt gezogen. An diesen Boulevards wurde in der Folgezeit berühmte Kaufhäuser angelegt, welche modebestimmend für ganz Europa wurden! So wie die Gestaltung der Schaufenster, so wurde auch die Gestaltung der Schaufensterpuppen in den Kaufhäusern immer aufwendiger. Nicht nur das reine Gestell war von Interesse, sondern zusätzlich Kopf, Arme oder auch das Dekollete.

Dies war in der Anfangszeit doch anders. Die Kleiderpuppen sind Teil der Geschichte der Spielpuppen überhaupt. Während die Geschichte der Puppen bis weit in die Antike zurückreicht, wurden wohl erst um 1750 erste Modepuppen zur Präsentation von Kleidern aus einem Geflecht aus Weidenholz gefertigt.

Auf diesem

Geflecht konnte man nun die Kleider auslegen und darbieten. Ab 1830 wurden Kleiderpuppen mit Füllmaterial versehen; der Körper wurde oftmals mit Leder überzogen. Etwas später wurde das Weidengeflecht durch ein Drahtgeflecht ersetzt. Die ersten Schaufenster- oder Ausstellpuppen besaßen keine Beine, sondern wurden auf einem Dreifuß platziert. Dieser wurde durch die langen Röcke der damaligen Zeit bis zum Boden verdeckt.

In Frankreich wurden die Schaufensterpuppen noch Mannequins genannt, abgeleitet aus dem niederländischen. Als Mannequins wurden ursprünglich Puppenmodelle, anatomische Modelle für Schneider und Maler bezeichnet.

Die Puppen wurden um 1900 immer wirklichkeitsgetreuer, was auch dem neuen Werkstoff Wachs zu verdanken war. Sie waren teilweise sogar beweglich und den etwas teureren Modellen wurden arüber hinaus echte Haare statt Wollfäden eingesetzt. Bei diesen exquisiten Modellpuppen war der gesamte Körper aus Wachs bestanden; die etwas billigeren Modelle besaßen z.B. Köpfe aus Pappmache. Da Wachs sowohl schwer als auch nicht hitzeresistent ist, wurde zunehmend nach Alternativen gesucht.Eines der neuen Materialien war Cira dura, eine Mixtur aus Stearin, Paraffin und Pflanzenfett, eine andere ab 1922 von Pierre Imans nannte sich Carnesine, eine Mischung aus Gips und Gelatine. Carnesin wurde allerdings meistens nur für Arme und Beine verwendet.

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Der Aufschwung nach dem 1. Weltkrieg während der Weimarer Republik war auch geprägt von Lebensfreude, wofür das Berlin der 20er Jahre steht. In jener Emanzipationsphase zeigte frau nun sehr viel Bein; die langen schweren Röcke gehörten der Vergangenheit an. Die Modepuppen-Hersteller passten sich an,- die Puppen bekamen nun Beine, wenn auch zunächst nur aus Karton. Die Puppen sollten zudem den neuen Zeitgeist, die neue Freiheit wiedergeben. In dieser Zeit gab es aber durchaus ein Nebeneinander der schon älteren naturnahen Formen mit neuen stilisierenden.

Das 1869 von Fred Stockman gegründete Atelier war bis dato wohl der bekannteste Hersteller; er fusioniert Anfang der 20er mit dem gebürtigen Kanadier Victor-N. Siegel, – aus der Fusion entstand der wohl größte Schaufensterauslagen-Hersteller der damaligen Zeit. Zeitgleich brachte es in Italien die Fabrikation von Giovanni Rosa zu Ruhm. In Deutschland war Berlin das Zentrum der Schaufensterpuppen und blieb dies bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Nach dem Krieg konnte dieser Fabrikationszweig leider nicht mehr an die Vorkriegstradition anknüpfen.Auch in der Schaufensterpuppenherstellung waren viele Unternehmer jüdischer Herkunft gewesen.
Auch das Spielpuppenunternehmen Käthe Kruse entwickelte zu dieser Zeit Großpuppen für die Schaufenster. Es sollen von dort mehr als 100 Typen entwickelt worden sein. Diese Tradition der Puppenherstellerin Käthe Kruse ist heute fast in Vergessenheit geraten.
Die Vorkriegszeit war zudem geprägt von dem Einfluss der Kunstrichtungen des Art Deco, des Dadaismus sowie des Surrealismus. Bekannt sind die avantgardistischen Puppenverkleidungen des Dadaisten Marcel Duchamp sowie der Surrealisten Salvadore Dali und Andre Masson.

War die Herstellung vor dem 2. Weltkrieg noch wachsbasierend, so wurde dieses Material schon in den späten 50ern zunehmend von Kunststoff, der wesentlich leichter war, verdrängt. Zwischenzeitlich, bedingt durch Rohstoffmangel während der Kriegszeiten, wurde verstärkt zu Gips, aber auch Pappmache als Herstellungsmaterial gegriffen. Lackiertes Pappmache wurde noch lange Zeit parallel zu Kunststoff verwendet. Die Starnberger Firma Mitnacht stieg nach dem Krieg zu einem der führenden Anbieter auf. Das Aussehen der Figuren selbst wurde konservativ gehalten; von der Lebensfreude der 20er Jahre war wenig geblieben. Die Vorbilder für die Puppen wurden oft von aus Filmen bekannten Diven entlehnt; zu damaliger Zeit waren dies insbesondere Marylin Monroe oder Brigitte Bardot, in den 60ern dann dem Modetrend entsprechend Twiggy.

Bei dem Herstellungsmaterial setzte sich allmählich Polyester durch, ein nahezu unverwüstliches Material. Wie auf vielen anderen Gebieten führte dies, da die Puppen nun „ewig“ hielten, zu starken Einbrüchen in der Produktion und zu Firmenschließungen. Der jetzt lange Zeit stabile Puppenkorpus brauchte nur noch je nach Modetrend mit Kunststoffperücken und Kleidung ausstaffiert werden.


Gesammelt werden heute insbesondere Büsten; der gesamte Korpus verlangt einfach nach zu viel Platz. Büsten aus der Zeit des Art Deco erfreuen sich hierbei besonderer Beliebtheit.

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5 Kommentare über “Schaufensterpuppen”

  1. Beate B. schrieb:
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    Hallo,
    ich habe eine Schaufensterpuppe ohne Kopf, ich denke sie ist älter, der Torso ist leinenbezogen und aus Holz, auch der Deckel der Halsöffnung. Arme und Torso sind abnehmbar. Arme und Beine sind anderes Material. Kann mir jemand sagen, wie alt die Puppe ist und was sie wert ist?

  2. Karin schrieb:
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    Hallo,
    Speicherfund: ArtDeco Schaufensterpuppe restaurationsbedürftig, gegen Gebot zu verkaufen. Nur Abholung möglich in 02826 Görlitz oder nach Absprache in der Gegend von Augsburg….

  3. Alfred Grund schrieb:
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    Hallo, ich suche nach Informationen von einer Schaufensterpuppe von Rootstein.
    Sie ist weiblich, sitzend und ich vermute, dass sie aus dem Jahr 1994 ist.
    Kann sie Diana B. heißen?
    Was ist so eine Puppe wert?
    Gruß A.

  4. Hega Heubel schrieb:
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    hier ist noch meine Webside zum reinschauen!
    http://www.vintage-mannequins-photos.com
    Gruss Helga

  5. Hega Heubel schrieb:
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    Hallo Ihr Mannequinssammler,
    der Text hat mir sehr gefallen!
    25 Jahre habe ich die schönsten Schaufensterpuppen von 1900-1960 restauriert und auch fotografiert. Diese Antiken sind ja kaum festgehalten worden. Vor allem, vorher-nachher.
    Schaut Euch meine Webside an. Men Text in dt.+engl. istauch ganz spannend. Drei Fotobücher habe ich aufwendig hergestellt. Meldet Euch doch mal! Gruss Helga

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