Kewpies und Googlies sammeln

Kewpies und Googlies – woher kommt die Bezeichnung – Entstehung

Kewpies und Googlies sind Puppen mit kreisrunden oder fast kreisrunden Augen. Sie bekommen dadurch ein ganz besonderes Aussehen, welches oftmals als grotesk oder bizarr beschrieben wird. Diese manchmal staunenden, mal mit offenen Mündern schauenden Googlies und Kewpies können einen schon in ihren Bann ziehen.

Die Entwicklung der Puppen mit den großen runden Augen nahm ihren Anfang im Jahre 1909. Zu jener Zeit begann Rose O’Neill in New York die ersten Kewpies im „Ladies Home Journal“ zu illustrieren. Erstmals geschah dies in der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift. Vorbild der Kewpies soll der kleine Bruder von O’Neill im Babyalter gewesen sein. Die Figur sollte einen lustigen kleinen Kobold darstellen mit dem Schalk im Nacken. Abgeleitet hatte sie die Bezeichnung von der englischen Bezeichnung „Cupid“ für den römischen Liebesgott Amor, welcher auch unter dem Namen „Cupido“ bekannt ist und in der bildenden Kunst als kindhafter und schalkhafter Versender von Liebespfeilen dargestellt wird. Die Flügel oder Flügelchen des Amor wurden auch zu einem unverwechselbaren Kennzeichen der Kewpies.

Die kleine illustrierte Fortsetzungsreihe fand in den USA wohl großen Anklang, da sehr bald kleine Püppchen auf den Markt kamen, die den illustrierten Kewpies von Rose O’Neill sehr ähnelten. So warb die Campbell Soup Company schon ab 1910 in ihren Anzeigen für ihre Suppen mit ihren Zeichenfiguren „Campbell-Kids“, welche unverwechselbar große runde Augen besaßen, die an die Kewpies erinnerten. Diese Zeichenfiguren gab es alsbald natürlich auch als sogenannte Werbepüppchen. Für die Campbell Soup Company wurden diese von Grace Drayton entworfen; die Firma Horsman & Co. produzierte nach diesen Entwürfen ab dem selben Jahr die ersten Kewpies ähnlichen Püppchen. Diese Campbell-Püppchen hielten sich bis in die 40er Jahre.

Kewpies und Googlies unterscheiden sich

Der Name Googlies leitet sich wohl ab vom englischen „goggle“, was auf Deutsch in etwa stieren, Stielaugen machen oder glotzen bedeutet. Man nennt die Googlies ja hin und wieder auch ganz frech „Glotzaugen“, aber auch „Schielaugen“ oder „Groteskaugen“ sind oder waren durchaus gängige Bezeichnungen. Sowohl Kewpies als auch Googlies besitzen diese Ausstrahlung durch ihre Augen. Trotzdem ist ein Googlie nicht unbedingt ein Kewpie.Beispiel eines Kewpies

Kewpies besitzen die Amorflügelchen, Googlies besitzen keine! Googlies besitzen in der Regel eine Perücke, tragen also Haare. Googlies besitzen zudem einen Kugelgelenkkörper. Da die Amorflügel mancherorts fälschlicherweise auch als Engelsflügel interpretiert werden, fehlen sie zum Beispiel in Thailand, wo religiöse Darstellungen dieser Art verboten sind. Kewpies waren zuerst da; man kann die Googlies aber durchaus als eine Variante oder Unterspezies der Kewpies betrachten, eine Variante ohne Flügel.

Patentierung und Produktion in Ohrdruf

Um überhaupt noch vom Erfolg ihrer Kewpies profitieren zu können, musste Rose O’Neill ihre Kewpies patentieren lassen. Zu groß war der weltweite Erfolg dieser kleinen Figuren mit ihren Kulleraugen und Schelmengesichtern. Die Figuren fanden nicht nur bei der Campbell Soup Company Anklang. Zu dem großen Erfolg trug natürlich auch die Idee von Rose O’Neill bei, die Kewpies in der Illustrierten zusätzlich als Anziehpuppen zu veröffentlichen. Man konnte die Püppchen und zugehörige Kleidungsstücken ausschneiden; Püppchen als auch Kleidungsstücke waren beidseitig bebildert. Der Schritt zur richtigen Puppe war also nicht mehr weit.

Ab 1912 erfolgte der gesetzliche Schutz und 1913 erhielt O’Neill das Patent auf ihre Puppen. Um zu Puppen zu werden, wurden die Illustrationen von Joseph Kallus, einem deutschstämmigen Bildhauer, überarbeitet. Das ebenfalls in New York ansässige Export- und Importkaufhaus für Puppen, Spielwaren und Porzellan George Borgfeldt & Co. erlangte für die Darstellung der Püppchen die Rechte. Borgfeldt ließ, da die deutschen Puppen- und Porzellanmanufakturen weltweit einen hervorragenden Ruf besaßen, die Kewpies fortan im thüringischen Ohrdruf in der Porzellanfabrik J.D. Kestner in der Haberlandstraße 12 komplett in Biskuitporzellan herstellen. Kestner galt zu jener Zeit als „König der Puppenmacher“. Rose O’Neill begutachtete den Herstellungsprozess im Rahmen eines Besuches in Ohrdruf im Jahre 1912 höchstpersönlich.

Für manchen Sammler stellt sich immer die Frage, was die Porzellanfabrik Kestner in Ohrdruf mit dem Puppenhersteller Kestner in Waltershausen zu tun hatte. Nun, ganz einfach. J.D. Kestner war zu damaligen Zeiten durchaus als Großfabrikant anzusehen. Die Kestners besaßen schon lange Jahre verschiedene Manufakturen, angefangen bei Hemdenknöpfen über Pappmache für Spielzeug und Puppen bis hin zur bekannten Puppenmanufaktur in Waltershausen. Im Jahre 1836 kam die Porzellanmanufaktur in der Haberlandstraße in Ohrdruf dazu. Die hier produzierten Porzellanpuppen oder Puppenteile wurden nach Fertigstellung nach Waltershausen geliefert.

Die erste Kewpie, die in Ohrdruf gefertigt wurde, war der „Denker“. Der Erfolg des „Denker“ im Jahre 1912 brach in den USA alle Dämme. Das Logo auf den ersten Kewpies zeigt die bekannte Kestner-Krone mit dem Band „Kronen Puppen Kestner“.




Weltweiter Erfolg

Die kulleräugigen Kewpies wurden allerdings bald von anderen Herstellern nachgeahmt. In Ohrdruf wurden solche Puppen auch vom Porzellanhersteller Hertel, Schwab & Co in der Suhler Straße hergestellt. Ein weiterer Porzellanhersteller mit ähnlichen Püppchen war Alt, Beck und Gottschalk, eine Manufaktur in Nauendorf.

Der Erfolg der Kewpies war nicht auf die USA beschränkt, hier währte er bis zum Beginn der 30er Jahre, sondern erfasste auch den internationalen Markt von insbesondere Deutschland bis Asien. Die japanischen Kewpies unterschieden sich lediglich durch die aufgemalten asiatischen Gesichtszüge von den europäischen. In den USA waren die Kewpies so erfolgreich, dass dort noch heute der der 25. Juni als „Kewpie-Day“ gefeiert wird. Der 25. Juni ist der Geburtstag der Kewpie-Erfinderin Rose O’Neill.

Die Geschichte der Googlies

Der Sammler von Puppen weiß, dass die Jahre vor dem ersten Weltkrieg als die großen Experimentierjahre in der deutschen Puppenindustrie galten. Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle die Charakterpuppen von Kämmer & Reinhardt erwähnen. Die Charakterpuppen mit ihren ausdrucksstarken Zügen waren typisch für diese Experimentierfreudigkeit. Die Entwicklung der Googlies auf der Basis der Kewpies, nur ohne die Flügelchen des Amor und mit richtigen Gelenken, aber genau den gleichen Kulleraugen und schelmischen Gesichtszügen, war daher fast schon voraus zu sehen. Kämmer & Reinhardt brachten in ihrer Charakterpuppenserie die Nr. 131, eine Puppe mit Perücke und geschlossenem Mund aus Bisquitporzellan heraus. Die großen schielenden Augen waren typisch für diese „Googly“ genannte Puppe. Googlies gab es nun auch von den anderen großen deutschen Herstellern wie Armand Marseille in Sonneberg oder Ernst Heubach aus Köppelsdorf. Die Experimente gingen soweit, dass die eingesetzten Augen von rechts nach links und umgekehrt wandern konnten und somit das Schelmische am Gesichtsausdruck unterstrichen. Bei billigeren Varianten waren die Augen lediglich aufgemalt. Kewpies wie auch Googlies wurden im Zuge der industriellen Fertigung natürlich nicht nur aus Porzellan hergestellt. Der Großteil der Googlies entstand in den kurzen Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Ihre Blütezeit ging allerdings nach dem Krieg auf ihr Ende zu.

Später gab es Schelmenaugen noch einmal bei Modellen des italienischen Herstellers Lenci. Er stellte Puppen mit großen Kulleraugen von Ende der 20er Jahre bis in die 50er Jahre her.

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