Käthe Kruse Puppen sammeln

Käthe Kruse und die Anfänge

Käthe Kruse wurde am 19. September 1883 in Breslau als Katharina Simon unehelich geboren. Käthe Kruse wuchs in eher ärmlichen Verhältnissen auf. Ihre Mutter verdiente den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind mit Näharbeiten. Bereits mit 14 Jahren nach ihrem Schulabschluss ließ sich Käthe Kruse, damals noch Katharina Simon, am Staatstheater Breslau in ihrem Wunschberuf Schauspiel unterrichten. Als ausgebildete Schauspielerin ging sie mit jungen 17 Jahren nach Berlin und bekam eine Festanstellung am dortigen Lessingtheater. Wie in Schauspielerkreisen oftmals üblich, legte sie sich einen Künstlernamen zu: Hedda Somin; der Nachname des Künstlernamens ergab sich durch Vokaltausch in ihrem Geburtsnamen!

Bereits 2 Jahre später sollte sich ihr Leben entscheidend ändern; sie lernte den Bildhauer und Literaten Max Kruse kennen. Liebe und Heirat, – es ging ganz schnell mit den beiden. Noch mit 19 Jahren wurde sie zum ersten Mal Mutter; das Kind „Mimerle“ kam im Jahre 1902 zur Welt. Bereits ein Jahr später wurde „Fifi“ als zweites von insgesamt 7 Kindern geboren. Die Ehe mit dem bekannten Bildhauer und Mitglied der Berliner Sezession Max Kruse war von großer Inspiration erfüllt und die entscheidenden Anstösse für ihr späteres Leben als bekannte Puppenmacherin gingen von ihrem Ehemann aus. Zusätzlich zu ihrem Wohnsitz in Berlin unterhielt die Familie einen Zweitwohnsitz in Ascona im Tessin, wo sich Käthe Kruse auch künstlerisch fortbildete. Hier entwickelte sie auf Wunsch ihres Kindes Mimerle auch ihre erste Puppe. Ehemann Max wollte wohl dem Wunsch nach Kauf einer Porzellankopf-Puppe nicht nachkommen, da er diese als nicht natürlich befand. An den Beruf einer Puppenmacherin konnte allerdings noch lange nicht ernsthaft gedacht werden. Ich denke, Käthe Kruse hatte dies zu jener Zeit auch noch gar nicht im Kopf. Sie bastelte Puppen lediglich als Spielzeug für ihre Kinder, ganz einfach aus Tuch, mit Sand gefüllt und einer Kartoffel für den Kopf. Aber wie das so ist im Leben: Wenn man einmal am Basteln und Werkeln ist, versucht man, das Ganze immer schöner, immer besser zu machen. Das A und O einer Puppe ist nun einmal der Kopf, – und mit der Herstellung eines natürlichen schönen Kopfes beschäftigte sie sich sehr intensiv. Eine Kartoffel konnte da auf Dauer kein Ersatz sein. Sie war diesbezüglich ständig auf der Suche nach entsprechenden Materialien. Die sonst üblichen Pappmache- oder Porzellanköpfe waren anscheinend für sie keine Alternative.

Wegweisend für die Entwicklung von Käthe Kruse hin zur professionellen Puppenmacherin war eine Entdeckung, die sie im Jahre 1910 in München machte: ein sogenannter Fiamingo-Kopf! Dieser Fiamingo-Kopf war die Nachbildung eines Kinderkopfes des flämischen in Brüssel geborenen Bildhauers Francois Duquesnoy (1597-1643). Dieser lebte seit 1618 in Rom und wurde von den Römern „Il Fiamingo“ – der Flame genannt. Er entstammte einer bekannten Brüsseler Bildhauerfamilie: so erschuf sein Vater die berühmte Figur des Männeken Pis in Brüssel. Duquesnoy war bekannt für seine anmutigen Kinderköpfe und insbesondere Max Kruse, dem Ehemann und Bildhauer, dürfte dies bekannt gewesen sein, so dass ein Fiamingo-Kopf als Vorlage für die Kruse-Puppen wohl nicht nur Zufall war. Aber dies ist meine eigene Einschätzung. Die Nachbildung dieser Gesichtsmaske überzog Käthe Kruse anschließend mit Stoff, der im nächsten Arbeitsschritt mit Wachs ausgefüllt wurde. Danach wurde das Gesicht bemalt. Das Hinterteil des Kopfes sowie der Stoffhals wurden an die Gesichtsmaske angenäht. Diese waren fest gestopft und trotzdem angenehm weich.

Käthe Kruse beteiligte sich mit ihren Familienpuppen öfters an Ausstellungen, ähnlich wie dies auch in heutiger Zeit Amateur-Künstler tun, vielleicht mit dem Ziel, bekannt zu werden oder einfach nur, um in Kontakt mit anderen privaten Laien- oder Amateurkünstlern zu kommen. Jedenfalls wurde das damals größte Warenhaus in Berlin, jenes von Hermann Tietz am Alexanderplatz, neben dem Potsdamer Platz die zweite große Adresse im Berlin der Jahrhundertwende, auf die noch ganz private Puppenbastlerin Käthe Kruse mit ihren nach Fiamingo-Vorbild hergestellten und eine ganz besondere Natürlichkeit ausstrahlenden Puppen aufmerksam. Das Warenhaus Tietz veranstaltete im Jahre 1910 wieder einmal eine von vielen Ausstellungen; diese widmete sich dem Thema „Spielzeug aus eigener Hand“ und war entsprechend dem Thema an private Hobby- und Amateurkünstler gerichtet. Käthe Kruse bekam eine Einladung zur Teilnahme. Sie nahm an der Ausstellung mit mehreren Puppen teil, wobei sie wiederum gerade beim Modellieren der Köpfe von den bildhauerischen Fähigkeiten ihres Mannes Max profitierte. Die Ausstellung war wohl ein großer Erfolg und gab den entscheidenden Impuls, die bis dahin ausschließlich privat betriebene „Puppenmacherei“ zu professionalisieren, das heißt zu versuchen, diese von vielen Seiten hochgelobte Puppen auch für den Verkauf herzustellen. Ich möchte an dieser Stelle das Schicksal des Warenhauses Tietz und seines jüdischen Besitzers Hermann Tietz nicht unerwähnt lassen. Das bekannte Warenhaus wurde noch während der Nazizeit enteignet; nach dem Krieg befand es sich im Besitz der Großbanken und es entstand das neue Kaufhaus Hertie. Die Firmenbezeichnung „Hertie“ leitete sich aus dem Namen von Hermann Tietz ab.

Die Puppenwerkstatt Käthe Kruse und der Start in Bad Kösen

Käthe Kruse machte sich noch im selben Jahr 1910 selbständig. Dies zeigt uns, welchen Mut und welche Umsetzungsfähigkeit diese Frau besessen haben muss. Denn die Suche nach einem natürlichen Gesicht für ihre Bastelpuppen, die Entdeckung der anmutigen Kinderbüsten von Duquesnoy, die anschließende Fertigung der neuen Puppen, deren Bekanntmachung durch Teilnahme an Ausstellungen, das darauffolgende Knüpfen von unternehmerischen Kontakten bis zur Gründung der eigenen Firma: Dies alles geschah in der Zeitspanne eines Jahres! Wenn man dazu bedenkt, dass sie zur selben Zeit zum dritten Male schwanger war und ihre beiden anderen noch nicht einmal 10 Jahre alten Kinder erzog, bekommt man eine Ahnung von der Kraft dieser Frau!

Der Beginn der Selbständigkeit fand zu Allem angesichts des Fehlens geeigneter Werkräume in der eigenen Wohnung statt. Hier nahm sie im Jahre 1911 auch die richtungsweisenden ersten Aufträge aus den USA entgegen, nämlich den Auftrag zur Lieferung von 150 Puppen und später noch einmal für 500 Puppen. Hierdurch wurde die eigene Wohnung als Ort der Puppenherstellung doch zu eng, zumal Käthe Kruse bereits etliche Heimwerker beschäftigte. So wurde im Jahre 1912 in Bad Kösen in Sachsen-Anhalt eine Puppenwerkstatt eingerichtet, die dann für die nachfolgenden fast 40 Jahre Stammsitz der Firma Käthe Kruse werden sollte! Wieso man gerade Bad Kösen wählte, kann ich allerdings nicht sagen. Bekannt war Bad Kösen zu diesem Zeitpunkt jedoch schon länger. Ein kleiner feiner Ort, in welchem schon Goethe und Liszt sich erholten und im östlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands, dem Weinland Unstrut-Saale, gelegen. Der Landstrich ist auch als „Toskana des Ostens“ bekannt.

Die kleine Firma produzierte in den folgenden Jahren nicht nur Puppen, die im Aussehen oft den Kindern von Käthe Kruse angelehnt waren; sie produzierte auch sehr bald Püppchen für Puppenstuben und richtete ihr Produktionsspektrum auch an den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten aus. So wurde mit Beginn des 1. Weltkrieges in 1914 die Produktion der Struwwelpeterpuppen eingestellt und dafür, entsprechend der Kriegsstimmung im Lande, kleine Soldatenpuppen hergestellt. „Der kleine Soldat“ von 1915 war die erste Puppe, die ein Drahtskelett besaß. Dieses ermöglichte natürliche Bewegungen der Arme und Beine. Verbesserte Skeletttypen wurden in den späteren Kruse-Puppen „Schlenkerchen“, „Das deutsche Kind“, Schlummerchen“ und „Däumelinchen“ verwendet. Auch in den ab Mitte der 30er Jahre für wenige Jahre von der Firma produzierten Schaufensterpuppen findet man sie. Wichtig war es, sich alle Neuerungen patentieren zu lassen, denn der Ideenklau ist kein Kind unserer heutigen Zeit. Ein Meilenstein war der Prozess um die Urheberrechte ihrer Puppen, den sie mit der Firma Bing aus Nürnberg ausfocht. Bing imitierte in großem Stil die Puppen von Käthe Kruse und warb mit deren Namen. Es dauerte sieben Jahre, bis Käthe Kruse vor Gericht Recht bekam; sie gewann den Prozess gegen den damals größten Spielzeughersteller der Welt, der nicht nur Blechspielzeug und Holzspielzeug, sondern auch Puppen und Spielzeug jeglicher Art herstellte, verkaufte und exportierte. Damit wurde zum ersten male einem Spielzeug ein künstlerischer Urheberschutz zugestanden. Der Gewinn des Prozesses war auch deshalb bedeutend, weil Frauen zu damaliger Zeit nahezu keine eigenen Rechte besaßen; sie durften ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner weder prozessieren noch arbeiten und auch kein Konto führen. Auch bezüglich der Durchsetzung von Frauenrechten spielte Käthe Kruse also eine wegweisende Rolle.

Von den in Bad Kösen geborenen Kindern wurde insbesondere der 1922 geborene Max, der das Vorbild für das „Däumelinchen“ abgab, berühmt, und zwar als bekannter Kinderbuchautor. Am bekanntesten dürfte seine Bücherreihe mit Urmel sein; heute kennt fast jedes Kind „Urmel aus dem Eis“ aus dem Fernsehen. Die Kruse-Puppen wurden in der Zeit bis zum 2. Weltkrieg weltberühmt.  Die bekanntesten sind „Der kleine Soldat“, „Schlenkerchen“, „Hampelchen“, „Du mein“, „Das deutsche Kind“, „Träumerchen“, „Sandbaby“, „Däumelinchen“ und „Schlummerchen“. Ausgestopft waren die Puppen mit Rentier- und Rehhaaren; ab 1928 gab es neben den Puppen mit angemalten Haaren auch solche mit Echthaarperücken, insofern ein für den Sammler oder die Sammlerin wichtiger Zeitpunkt. Zur weltweiten Bekanntheit der Puppen hatte sicherlich auch die Teilnahme der Firma an der Weltausstellung 1937 in Paris beigetragen.


Nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg waren die Rohstoffe insbesondere in der späteren DDR knapp, so dass nur noch wenige Puppen produziert werden konnten. Zudem war die Firma von Enteignung bedroht. Bereits vor der Enteignung verlegten Käthe Kruse und ihre Söhne große Teile ihrer Puppenwerkstätten in den Westen nach Bad Pyrmont und Donauwörth. Donauwörth ist seit 1949 neuer Stammsitz der Firma. Die Werkstätten in Bad Kösen existierten nach der Enteignung als Volkseigener Betrieb (VEB) weiter. Puppen wurden in Bad Kösen noch bis 1964 produziert. Es fehlt diesen Puppen allerdings der Schriftzug der Firma Käthe Kruse. Sie tragen stattdessen auf der linken Fußsohle den VEB-Stempel. Bis heute werden die Kruse-Puppen in altbewährter Tradition in Handarbeit hergestellt. Erwähnt werden sollte ein kurzes Intermezzo, nämlich der Versuch der Zusammenarbeit beziehungsweise Kooperation mit der Firma Schildkröt, welches bereits im Jahre 1963 endete. Ergebnis der Kooperation war eine Schildkrötpuppe „Käthe Kruse“ aus dem Nachkriegsmaterial und Zelluloidersatz Tortulon. Da die Tortulonpuppen jedoch nicht in die Unternehmensphilosophie passte, wurde die Zusammenarbeit nicht weiter geführt. Käthe Kruse starb im Jahre 1968. Im Jahre 1990 wurde der Betrieb, der bis dahin von ihrer Tochter Hanne-Adler-Kruse sowie deren Ehemann Heinz Adler geleitet wurde, an Andrea und Stephen Christenson übergeben. Kruse-Puppen werden weiterhin in Handarbeit und aufbauend auf den alten Techniken hergestellt und werden daher aufgrund ihres schon hohen Herstellungspreises auch speziell für den Sammlermarkt produziert.

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2 Kommentare über “Fa. Käthe Kruse”

  1. Veronika schrieb:
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    Guten Tag,
    gerne würde ich mich mit Käthe Kruse Sammlerinnen aus der Gegend von Freiburg / Emmendingen zusammentun zum Austausch und einen Besuch in Donauwörth planen.
    Wer hat Interesse?

  2. Brigitte schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    hallöchen
    ich hatte da mal eine frage …
    wisst ihr , woran man eine käthe kruse puppe erkennt?
    danke schonmal im voraus.

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