Kämmer und Reinhardt Puppen Kämmer & Reinhardt

Die Firma Kämmer & Reinhardt wurde relativ spät 1885 in Waltershausen in Thüringen, dem damaligen Zentrum der Puppenhersteller, gegründet. Franz Reinhardt war der Kaufmann, Ernst Kämmer der Modelleur und Künstler.
Die Firma ist insbesondere bekannt durch ihre “Charakterpuppen “, für welche sie für alle anderen Firmen wegweisend war.

Die Puppenproduktion bei Kämmer & Reinhardt verlief anfangs eher stockend. Doch nach und nach erarbeitete sich die Firma Ansehen in der Branche. Doch erst die Möglichkeit, nach dem Tode von Heinrich Handwerck im Jahre 1902 dessen Firma in Waltershausen zu übernehmen, brachte für Kämmer & Reinhardt den endgültigen Durchbruch. Heinrich Handwerck arbeitete während der kurzen Epoche seiner Firma schon eng mit dem Gräfenhainer Hersteller Simon & Halbig zusammen. Diese Zusammenarbeit setzten Kämmer & Reinhardt fort.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand nicht nur die berühmte 100er Serie von Kämmer & Reinhardt, die Serie mit den berühmten Charakterpuppen . Die von Ernst Kämmer, welcher im Jahre 1901 starb, modellierten Köpfe, wurden im Zuge der Zusammenarbeit dann als Bisquitporzellanköpfe nochmals von Simon & Halbig hergestellt. Sie erfuhren hier ihre künstlerische Vollendung. Die Endproduktion passierte dann wieder bei Kämmer & Reinhardt. Die Zusammenarbeit mit Simon & Halbig führte bei den Bisquitpuppen von Kämmer & Reinhardt zu einer Doppelmarkierung auf den Modellen: Zu dem Signum von Kämmer & Reinhardt, ein sechszackiger großer Stern zwischen den Buchstaben K und R, gesellte sich das S & H von Simon & Halbig, ab 1912 auch ausgeschrieben als Simon & Halbig. Diese Doppelmarkierung kennzeichnet auch die meisten Charakterpuppen der 100er Serie.

Mit Aufkommen des Zelluloids arbeitete Kämmer & Reinhardt schon früh auch mit der “Rheinischen”, der späteren Firma Schildkröt zusammen. Die “Rheinische” war der größte Celluloidhersteller weltweit und belieferte viele Puppenhersteller mit Rohlingen. Die von der “Rheinischen” nach Modellen von Kämmer & Reinhardt gelieferten Rohlinge wurden dort noch künstlerisch behandelt. Hierbei wurde das Celluloid aufgeraut und die Oberfläche mit Zinnoberrot oder Karminrot gefärbt. Anschließend wurden die Celluloidpuppen mit dem von K & R so bezeichneten “Lama-Lack” überzogen. Dieser Klarlack war waschfest und verhinderte das typische Auftreten von Gilb auf Zelluloidprodukten. Auch hier führte die Zusammenarbeit mit der “Rheinischen” zu einer Doppelmarkierung auf den Puppen. Zu dem Signum von Kämmer & Reinhardt gesellte sich in diesen Fällen die Schildkröte ohne Raute der “Rheinischen”.
Diese Doppelmarkierung existiert auf vielen K & R-Puppen. Da oftmals das Zeichen von Kämmer & Reinhardt sich versteckt unter z,B. Haaransatz oder Perücke befindet, werden vorschnell Puppen den Firmen Schildkröt oder Simon & Halbig zugeordnet, obwohl sie von Kämmer & Reinhardt sind.

Der Name “Charakterpuppe ” wurde 1909 geschützt. Andere Patente der Firma waren 1908 die Schelmenaugen und die Flirting-Eyes oder 1916 die “Unart “, ab 1920 modifizierte Kugelgelenkkörper oder 1930 “Nollipolli “, ein neues Universalgelenk für eine größere Beweglichkeit.

Die Puppen von Kämmer & Reinhardt lassen sich relativ gut zuordnen. Die Firma verwendete ein 3-stelliges Nummernsystem. So gibt es 100er, 200er, 300er, 400er bis schließlich 900er Nummern. Die erste Stelle der 3-ziffrigen Nummer gibt stets das Herstellungsmaterial oder die Kopfart an; die folgenden 2 Nummern bezeichnen den Puppentyp, oder herstellungstechnisch ausgedrückt die Formnummer. So stehen die 100er Nummern allgemein für die meist frühen Bisquitkurbelköpfe; die 200er für Bisquit- und Zelluloidbrustköpfe; die 300er für Zelluloidringhalsköpfe; die 400er für überwiegend Zelluloidkurbelköpfe; die 500er und 600er für Puppen dunkler Hautfarbe; die 700er für die Charakterpuppen aus Zelluloid; die 800er für Gummikurbelköpfe und die 900er für zumeist Massekurbelköpfe. Diese Einteilung ist eine recht gute Hilfe, obwohl es innerhalb der Nummern immer wieder Ausnahmen gibt. In diesen Fällen hilft ein gutes Fachbuch weiter.

Kämmer & Reinhardt begannen bereits im Jahre 1902 damit, den Puppen Namen zu geben; dies erwies sich als erfolgreiches Marketing-Modell! “Mein Liebling ” war die erste benamte Puppe. Sie war so erfolgreich, dass sie auch nach Europa und bis nach Übersee und hier insbesondere in die USA verkauft wurde. Sie erhielt für den Export verschiedene englische Namen, z.B. My Darling, My Rose Darling u.a.

Die Charakterpuppen von Kämmer & Reinhardt ab ca. 1909 sind schließlich der erste Versuch im Bereich der Puppenhersteller, den Modellen mehr Natürlichkeit, Ausdruck und Realität zu geben. Sie wurden vielfach von Künstlern modelliert, weshalb sich auch der Begriff “Künstlerpuppen ” gehalten hat. Es ist Jürgen und Marianne Cieslik zu verdanken, dass wir zumindest heute wissen, dass die Nummern 100, 101, 103 und 105 der Modellierung des Bildhauers Prof. Arthur Lewin-Funcke zu verdanken sind. Bei Nummer 114 stand der Enkel des Firmengründers Reinhardt Pate.

Wir haben auf einer separaten Seite die Charakterpuppen zur besseren Übersicht nochmals gelistet. Das Angebot wurde später noch einmal erweitert; so kamen ab 1930 die Modelle “Puz-Unser Lieblingsbaby ” und “Pummelchen-Mein weicher Liebling ” in verschiedenen Größen noch dazu. Sie wurden ab Größe 33 cm mit der patentierten “Unart” ausgestattet. Die Unart verhinderte das Schließen der Augen beim Hinlegen der Puppe.

Beim Lesen der Tabelle ist zu beachten, dass in der Regel auch noch die 3-stellige Nummer des Nummernsystems angegeben ist. Das Sternchen zwischen den Buchstaben K und R besaß fast die gleiche Größe der Buchstaben; es war ein 6-zackiger Stern, der in Computerschrift leider nicht anders dargestellt werden konnte.

Die Firma wurde übrigens 1916 mehrheitlich vom damaligen Spielzeug-Giganten Bing aus Nürnberg übernommen. Reinhardt starb 1933, die Firma selbst produzierte noch bis 1958.

Hinweis: sämtliche Texte auf diesen Seiten sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art sind ohne Einverständnis unsererseits nicht gestattet.

Hinweis zum Markenschutz:
Alle in unseren Texten möglicherweise genannten durch Dritte geschützten Marken- und Warenzeichen unterliegen selbstverständlich uneingeschränkt den rechtlichen Bestimmungen und den Besitzrechten der jeweiligen eingetragenen Eigentümer. Sollten eventuell Probleme auftreten, bitten wir uns umgehend über die im Impressum angegebene Emailadresse zu kontaktieren. Vielen Dank! Wir werden uns bemühen, Ihr Anliegen so schnell wie möglich zu klären. Weiterer Hinweis: sämtliche Texte auf diesen Seiten sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art sind ohne Einverständnis unsererseits nicht gestattet.

Kommentare sind geschlossen.