Missionsspardosen

Missionspardosen – ein Relikt des 20. Jahrhunderts

An Missionsspardosen, man nannte sie auch Missionssparbüchsen oder Missionssammelbehälter, kenne ich nur noch aus etwas verwaschener Erinnerung an die Zeit meiner Konfirmation in den 60er Jahren. Zu jener Zeit standen nicht nur in den Kirchen, sondern auch in den verschiedensten kirchlichen Institutionen jene Sammelbehälter, deren Inhalt für die kirchliche Missionstätigkeit bestimmt war. Diese verfolgte gute Zwecke wie Unterstützung der Armen, Bau von Krankenhäusern, von Kirchen überwiegend in Afrika, ansonsten aber in allen Bereichen des Erdballs. Zu der Missionstätigkeit zählte nicht nur der humanitäre Einsatz, wie am Beispiel des Arztes Albert Schweitzer, der durch die Gründung seines Krankenhauses in Lambarene in Zentralafrika bekannt wurde, sondern auch der Bau von Schulen, die dem kirchlichen Ziel dienten, die afrikanischen „Heiden“ zu „guten Christen“ umzuerziehen. Die Missionstätigkeit hatte halt viel zu tun mit dem kirchlichen Auftrag, das Christentum in „heidnischen“ Ländern zu verbreiten. Nicht umsonst werden die Missionsspardosen zudem auch mit der deutschen Kolonialzeit verbunden, welche in der Gründerphase des Deutschen Reiches begann.

Woraus bestanden die Missionsspardosen?

Die Missionsspardosen bestanden aus dem eigentlichen Sammelbehälter, der mit einem Schlitz zum Zwecke des Geldeinwurfs versehen war. Auf den Sammelbehältern befanden sich Figuren in Form von Schwarzafrikanern, Chinesen, Engeln, Mönchen oder Indianern. Zumeist korrelierten die figürlichen Darstellungen mit dem Sammelzweck, man wusste also, wofür man seinen Groschen einwarf. Die Größe solchen Missionsspardosen variierte von einer Breite von etwa 10 bis 15 cm, einer Länge, die schon einmal 25 cm erreichen konnte sowie einer Höhe inklusive der Figur bis um die 30 cm. Diese Größen sind allerdings nur vage Annäherungen. Auf der Vorderseite des Behälters waren zumeist Sprüche oder Hinweise über den Aufsteller angebracht. So konnte sich dort ein Aufkleber über ein päpstliches Hilfswerk befinden oder aber ein Aufkleber mit dem wohl am bekanntesten Vers:
Ich war ein armer Heidensohn
nun kenn ich meinen Heiland schon
Ich bitte darum jedermann
nehmt Euch der armen Heiden an.
Als Material kam vornehmlich Pappmaché zu Anwendung oder auch Gips. Auch in anderen westlichen Ländern waren Missionsspardosen bekannt.

Eine andere Geisteshaltung

Es ist natürlich auch der heutigen Geisteshaltung geschuldet, dass es Missionsspardosen in der beschriebenen Form heute nicht mehr gibt. Insbesondere die häufige figürliche Darstellung von Schwarzafrikanern auf den Behältern mit der Funktion des Nickens hat dazu beigetragen. Diese Funktion hatte dazu geführt, dass die Missionsspardosen unter der Bezeichnung „Nickneger“ fast schon am bekanntesten waren. Das Nicken der Figuren, welches nichts anderes als Dankeschön bedeutete, machte allerdings neben der farbigen Aufmachung den Charme der Missionsspardosen aus und erklärt den Reiz des Sammelns.
Das Nicken wurde jedesmal beim Einwurf einer Münze erzeugt. Die Mechanik, die auch hin und wieder beim Blechspielzeug beobachtet werden kann, war einfach, aber genial. Der Kopf der Figur war nicht befestigt, sondern war lediglich oben im Schulterbereich mit Draht eingehängt. Der Kopf konnte also leicht nach vorn und hinten bewegt werden. Dies war die erste Voraussetzung; nun wurde der Kopfbereich mit einer metallenen Lasche verbunden, welche vom Kopf bis direkt unter den Einwurfschlitz geführt wurde. Die gespendete Münze fiel nach Einwurf unweigerlich auf die unter dem Schlitz befindliche Metalllasche. Durch den Aufprall wurde die Lasche etwas nach unten gedrückt; diese Bewegung der Lasche übertrug sich auf den Kopfbereich. Der Kopf „antwortete“ mit einem Nicken.

Missionsspardosen als Zeugen der Zeitgeschichte

Neben diesem Mechanismus und der wunderbaren Aufmachung sind die Missionsspardosen natürlich ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte. Kaum ein anderer Sammelgegenstand eignet sich mehr dazu, den Geist der Kaiserzeit, der Kolonialzeit, aber auch der nachkolonialen Zeit bis nach dem zweiten Weltkrieg darzustellen. Heute wäre das Aufstellen solcher „Nickneger“ nicht mehr möglich; es würde als diskriminierend angesehen. Dies hat auf der anderen Seite allerdings dazu geführt, dass solche Missionsspardosen äußerst selten geworden sind. Der Sammler sollte zudem beim Kauf einer solchen peinlich genau auf die Originalität achten. Bereits seit den 90er Jahren werden Missionsspardosen lediglich als Sammelobjekte neu aufgelegt. Da eine Pappmaché-ähnliche Masse verwendet wird, ist die Unterscheidung gerade bei älteren Duplikaten nicht einfach.

Ein Kommentar über “Missionsspardosen”

  1. Ruth Ikier schrieb:
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    Sehr geehrte Damen und Herren,

    gibt es irgendwo eine schematische Zeichnung zur Missionsspardose. Wir haben in unserer Kirche einen „Nickengel“ und Kinder fragen manchmal, wie das funktioniert.

    Alles Gute
    Ruth Ikier

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