Wandmasken

Wandmasken werden, wie der Name bereits ausdrückt, zur Beschmückung an der Wand aufgehängt. Sie unterscheiden sich daher von Masken, deren Zweck es ist, das Gesicht zu verdecken. Solche Masken können Karnevalsmasken, Clobesmasen oder solche sein, die zu gewissen Riten genutzt werden. Wandmasken werden überwiegend aus Keramik gefertigt; seltener sind solche aus Teakholz. Die Motive sind in der Regel weibliche Schönheiten, wobei der Typus vom Frauentyp unserer Breiten bis hin zur exotischen Schönheit aus Afrika oder der Südsee reicht.

Geschichte der keramischen Wandmasken, erster Höhepunkt Ende des 19. Jahrhunderts

Wandmasken waren bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Am alten französischen Töpferstandort St.-Armand-en-Puisaye produzierte Jean Cariès in seiner Manufaktur eine breite Amplitude an keramischen Wandmasken, die jedmögliche Mimik berücksichtigte und teilweise auch ans Irreale streifte. Die Inspiration zur Produktion solcher Masken ging wohl von der im Jahre 1882 in Paris stattgefundenen Ausstellung über östliche und fernöstliche industrielle und künstlerische Produkte aus. Die Inspiration erfasste übrigens nicht nur die bildende Kunst im Bereich der Keramik, sondern auch den Bereich der Malerei. Hier hatten insbesondere die japanischen Wandmasken des No-Theaters, deren Ausstrahlung und Gesamteindruck sich je nach Standort des Betrachters sowie des Lichteinfalls änderten, einen bleibenden Einfluss. Dieser Einfluss lässt sich in den Werken des Expressionismus sowie des nachfolgenden Surrealismus und Dadaismus nachweisen. Stellvertretend sei an dieser Stelle der belgische Maler James Ensor aus Ostende genannt, der als „Maler der Masken“ berühmt wurde.
Die Darstellung von Frauenportraits überwog übrigens bereits am Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts.
Der große Boom der Wandmasken verlor sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erreichte während des ersten Weltkrieges einen Tiefpunkt. Möglich, dass dies damit zusammenhängt, dass der Trend zu Wandmasken ja im Lande des damaligen Kriegsgegners Frankreich ausgebrochen war.

Neuer Höhepunkt in den 20er Jahren

Die exotischen, manchmal auch aufreizend wirkenden Schönheiten passten irgendwie zur Frivolität und Mondänität der 20er Jahre. Wohl nicht umsonst nahm die Produktion von Wandmasken in diesem Jahrzehnt wieder an Fahrt zu. Schwarzafrikanische Schönheiten sowie die Einbeziehung von bekannten zeitgenössischen und historischen Persönlichkeiten erweiterten das Repertoire beträchtlich. Nebe den bekannten Schauspielerinnen der 20er durfte natürlich auch Kleopatra nicht fehlen. Neben englischen Keramikherstellern spielten sich auch die Wiener Manufakturen von Keramos (Wiener Kunstkeramik und Porzellanmanufaktur AG) und Friedrich Goldscheider in die erste Reihe.
Die frechen und koketten Motive der Wandmasken fanden unter der Regie der Nationalsozialisten ein baldiges Ende. Diese Art von Masken wurde in den Bereich der „entarteten Kunst“ eingeordnet.

Hochphase in den 50er und 60er Jahren

So wie die Wandmasken zum Stil der 20er Jahre passten, so passten sie auch zum Stil der 50er und 60er Jahre. Es sind nicht die einzigen Gemeinsamkeiten, welche diese beiden Jahrzehnte aufweisen. Wiederaufbau und Wirtschaftswunderland, in diesem Zeitraum hatten die keramischen Wandmasken ihre wohl stärkste Zeit. Sie reichte bis zu Beginn der 70er Jahre.
Obwohl kokette Schönheiten weiterhin das Angebot dominierten, kannte das Spektrum letztendlich doch keine Grenzen. Es weitete sich auf Schauspieler, bekannte Persönlichkeiten, lokale Bekanntheiten aus Kultur, Sport, Wissenschaft oder Politik aus.
Der Hype brach dann allerdings mit Ende der 60er Jahre zusammen; die Nachfrage nach Wandmasken brach massiv ein, der immer geringere Umsatz ließ eine weitere Produktion einfach nicht mehr zu.

Bekannte Hersteller

Obwohl es viele Hersteller, auch im Ausland und hier vor allem in England, gab, orientiert sich der Sammler der heute wieder immer stärker nachgefragten alten Wandmasken an einigen bekannten Manufakturen. Ich möchte hier nur einige der bekannteren Hersteller auflisten:
Cortendorf, Deutschland
Die keramische Manufaktur Cortendorf wurde im Jahre 1890 von Jukius Griesbach gegründet. Seit 1958 stellte man Wandmasken her. Produktion von Wandmasken bis anfang der 70er Jahre. Die Firma wurde 1973 von der Porzellanmanufaktur Goebel, welche auch Hersteller der Hummelfiguren ist, übernommen.
Thomasch, Österreich
Wilhelm Thomasch gründete seine Manufaktur im Jahre 1926 in Sierndorf. Die Manufaktur produzierte Wandmasken, aber auch die in den 50ern so populären afrkanischen Darstellungen von 1950 an bis zum Ende der Firma im Jahre 1970. Produzierte auch für Goldscheider und Keramos.
Goldscheider, Deutschland und Österreich
Friedrich Goldscheider gründete die „Goldscheider’sche Porzellan-Manufactur und Majolica-Fabrik“ 1885 in Wien. Sie gehörte zu den führenden Keramik-Manufakturen nicht nur im deutschsprachigen Raum; die Werke der Manufaktur von Historismus über die Wiener Sezession, den Wiener Jugendstil bis hin zum Art Deco bezeugen dies. Als Juden mussten sie Österreich im Jahre 1938 nach England und den USA verlassen, kehrten nach dem Krieg jedoch wieder nach Wien zurück. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufte er die Lizenz der Marke „Goldscheider“ an den deutschen Hersteller Carstens. Goldscheider-Masken „made in West-Germany“ wurden schon von Carstens produziert.
Goebel, Deutschland
Achatit-Werkstätten, Köln, Deutschland
Die Werkstätten von Hans Schirner produzierten Wandmasken aus Achatit, einer Mischung aus Holzmehl und Steinmehl.
Karlsruher Majolika-Manufaktur
Gmundner Keramik
, aus Gmunden im Salzkammergut, Österreich
Lieferte bis 1961 Exemplare in das damalige Westdeutschland
Terra-Sigillate-Manufaktur, Worms, Deutschland
Der Sammler wird am ehesten fündig auf speziellen 50er-Jahre-Märkten. Auf Flohmärkten indes habe ich lange Zeit keine Wandmasken mehr gesehen.

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