Trachten

Trachten sammeln – manch einer wird bei diesem Gedanken leicht die Nase rümpfen! Es ist noch nicht lange her, da galt vielerorts das sich Beschäftigen mit Trachtenkleidung als spießig und hinterwäldnerisch. Es gab allerdings auch Ausnahmen. Dies gilt vor allem für das wohl bekannteste Trachtenstück, das Dirndl. Das Dirndl ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt und wird auch von vielen Nichtbayerinnen zu bestimmten Anlässen gerne getragen. Seinen Bekanntheitsgrad und seine Beliebtheit hat es außerhalb von Bayern wohl durch das jährliche Oktoberfest erlangt.

Trachten werden immer beliebter

Seit etwa den 70er Jahren habe ich beobachtet, dass Trachten in der Gesellschaft nicht mehr als Stiefkind betrachtet werden. Liebhaber von Trachten werden immer mehr. Unterstützt durch themenbezogene Berichte und Sendungen in den öffentlichen Medien wie Zeitung und Zeitschriften, Radio oder Fernsehen nimmt die Zahl von Trachtenfesten aller Art stetig zu. In Vereinen wird dieses alte Volks- und Kulturgut gehegt und gepflegt und es wird zur lokalen Kleidungsgeschichte und ihren Hintergründen geforscht. Auf den meisten Umzügen, sei es zu Heimatfesten, Karneval oder Stadtfesten werden die Trachten stolz präsentiert. Die Besucherrekorde zu solchen Anlässen steigen stetig.
Trachten waren Festtagskleidung, aber auch Alltagskleidung. In vielen Regionen unterscheidet sich die Festtagstracht von der alltäglichen durch ihre reichere Ausstattung. Da sie aus Stoff sind, sind viele Trachtenstücke schon zerschlissen oder ein Opfer der Motten geworden. Hilfreich sind in diesem Falle für den Sammler die vielen Beschreibungen und Darstellungen zeitgenössischer Künstler, welche sich dieser Volkskunst in Büchern, Malereien oder Grafiken gewidmet haben.

Die Trachten haben die Museen verlassen

Trachten waren lange Zeit ein Refugium lediglich für Museen. Hier wurden Überbleibsel, welche den Mottenfraß und stete Modewechsel überlebt hatten, ausgestellt, restauriert und erhalten. Heute kann man sagen, dass die Trachten die Museen verlassen haben und als Volkskunst wieder bei der Bevölkerung angekommen sind. Na, vielleicht übertreibe ich hier auch ein bisschen!
Aber der Zulauf zu Trachtenvereinen, die große Anzahl an Neugründungen solcher oder auch, dass Trachten mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Angebots selbst der bekanntesten Bekleidungs- und Modehäuser geworden ist, unterstützt doch diese Beobachtungen.

Geschichte und Mythen in den Trachten

Die Beschäftigung mit Trachten insbesondere in den Vereinen sehe ich als großen und wichtigen Beitrag zur landesweiten und natürlich zur lokalen Kulturgeschichte. Wie kaum ein anderes Objekt ist die Tracht an die Geschichte des Brauchtums, an die soziale und geschichtliche Entwicklung eines Landstrichs, aber auch an deren Alltag, angebunden. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die Mythen, die Sagenwelt, Glaube und Unglaube werden in den verschiedenen Trachtenteilen ausgedrückt oder finden sich in ihnen wieder. Die Trachten bestehen nicht nur aus Jacke, Hose, Rock. Sie differenzieren bereits beim Material, von der kostbaren Seide bei Trachten aus orientalischen Ländern bis hin zu rauen Wollstoffen in den nordischen Bereichen. Zur Trachtenausstattung gehört zudem die Haartracht mit Kopfbedeckung sowie die Fußbekleidung. Ganz wichtig ist der Schmuck, welcher Kopfbedeckung, Kleider und Schuhe ziert. Der Schmuck kann aus Perlen, Münzen, farbigen Stoffstreifen, Bändern, Kugeln, aus Ketten, Knöpfen, Gold oder Silber bestehen. Auch er dient sicherlich als Zierde, aber er sagt auch oftmals etwas aus die Tragenden. So ist zum Beispiel bereits beim Kopfschmuck der Akha-Frauen, einer Minderheit in Thailand und benachbarten Staaten, das Alter dieser Frauen ablesbar. Dieses korrespondiert mit der Ausstattung der Kopfbedeckung. Je wertvoller diese ist, umso älter ist diese Person.
Ein weiteres wichtiges Merkmal zur Differenzierung sind die Farben. Bei den Samen im Norden Skandinaviens ist die Farbe des Gákti ein typisches leuchtendes Blau. Dieses wird mit roten Verzierungen und Stickereien aufgelockert, wobei die Verzierungen selbst bei den Samen von Region zu Region unterschiedlich sind.

Sammeln und Pflegen von Trachten

Oberstes Ziel eines Sammlers ist natürlich, Exponate in originaler Erhaltung zu bekommen. Oftmals sind Teile von Trachten allerdings nicht mehr vorhanden. In diesen Fällen hilft eine gut sortierte Fachliteratur weiter. So gibt es eine breitgefächerte Anzahl an Trachtenbüchern; auch der Besuch eines Museums kann weiterhelfen. Ein guter Tipp sind auch alte Puppen; sie wurden oftmals mit Trachtenkleidung ausgestattet, – eben nur in Miniatur!
Wer Trachten sammelt, hat in der Regel mit dem Sammeln von heimischen lokalen Ausstattungsstücken begonnen. Wenn ich mir die Schwälmer Tracht im hiesigen nordhessischen Raum vor Augen halte, gerät eine ganze Vielfalt von Kleidungsstücken in mein Sichtfeld. Da gibt es die unterschiedlichsten Trachtenteile für Frauen, differenziert in Mädchen, Erwachsene, Verheiratete, Unverheiratete, für Männer, Knaben, für Sonn- und Feiertage, für die Wochentage. Allein diese Stücke zusammenzubringen, erfordert einen großen Aufwand. Manche Teile wird man sich auch nachhäkeln oder nachstricken müssen. Die Beschäftigung mit der eigenen lokalen Tracht entfacht aber auch oft den Wunsch, zusätzlich Trachten anderer Gebiete zu sammeln.

Was wird gesammelt, was interessiert den Sammler

Am Anfang steht natürlich der Wunsch nach der vollständigen regionalen Tracht. Danach entfacht aber irgendwann der Gedanke, auch überregionale oder gar ausländische Trachten oder Trachtenteile zu sammeln. Manche dehnen das Sammelgebiet auch aus zu benachbarten Sammelgebieten wie zum Beispiel Uniformen. Gerade in Mitteleuropa mit seiner Vielstaaterei bis in die jüngere Geschichte wird natürlich nicht nur bezüglich der Trachten und Uniformen eine ungeheure Vielfalt geboten.
Von großem Interesse ist natürlich auch der historische Aspekt. Um noch einmal zur Schwälmer Tracht zurückzukommen, so entwickelte sich diese erst ab dem frühen 19. Jahrhundert. Davor wurde eine relativ einheitliche einfache Kleidung getragen ohne die zuvor angesprochenen Differenzierungen. Hier obliegt es der Neugier und dem Forscherdrang des Trachtensammlers, herauszufinden, welche gesellschaftlichen und ökonomischen Ursachen zur Ausbildung einer lokalen Tracht mitverantwortlich waren. Hilfestellung hierbei können auch wieder zeitgenössische Heimatforscher und Forscher wie hier in Hessen etwa die Gebrüder Grimm, deren Fokus bei Weitem nicht nur auf das Sammeln und Veröffentlichen von Märchen gerichtet war.

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