Teppiche sammeln

Allgemeines über den Teppich

Teppiche dienen überwiegend als Bodenbelag und Wandbehang, sie werden aber auch als Decken, Stuhlkissen oder Satteltaschen verwendet. Als Herstellungsmaterial werden Pflanzenfasern, Kunstfasern, aber auch Tierhaare verwendet. Als Tierhaare kommen überwiegend Kamelhaar, Ziegenhaar und Schafwolle in Betracht. Das wertvollste Fertigungsmaterial aber ist Seide. Die bekannten Fertigungsarten sind Knüpfen, Wirken und Weben. Die uns geläufige Bezeichnung „Teppich“ für die so kunstvoll geknüpften Wandbehänge oder Bodenbeläge lässt sich unter anderem aus dem französischen „tapis“ ableiten. Jedoch ist Teppich nicht gleich Teppich, denn je nach Größe werden die Beläge als Brücke, Teppich oder Galerie bezeichnet. Allerdings ist Teppich heute eine Allgemeinbezeichnung für alle gebräuchlichen Größen. Geknüpfte Teppiche sind die wertvollsten; neben diesen gibt es noch gewirkte, gewebte und gefilzte Teppiche.

Geschichte des Teppichs

Schon vor Jahrtausenden legten unsere Vorfahren ihre Höhlen mit Tierfellen aus, um sich vor der Bodenkälte zu schützen. Die späteren geknüpften Teppiche haben keine andere Funktion erfüllt. Ab wann sich der Übergang vom Tierfell zum geknüpften Teppich vollzogen hat, wird sich letztendlich wohl kaum klären lassen, da das Herstellungsmaterial von Teppichen organisches, also vergängliches Material war. Uralte Teppiche konnten sich nur unter ganz spezifischen Bedingungen erhalten wie zum Beispiel in den Permafrostbereichen Sibiriens. In Südsibirien im Pasyryktal wurde im Jahre 1949 auch der bislang älteste Teppich als Grabbeigabe skythischer Fürsten gefunden. Der Teppich wurde auf ca. 400 bis 500 Jahre vor Christus datiert. Somit reicht die Geschichte des Teppichs zumindest zurück bis zu den zentralasiatischen Reitervölkern und Nomaden des 1. Jahrtausends v. Chr. Ihnen dienten Teppiche in ihren Zelten als Bodenbelag, als Wandbehang, als Türvorhang oder auch als schmückendes Utensil. Für den asiatischen und orientalischen Raum wurde der Teppich Teil ihrer Kulturgeschichte.

Nehmen wir aufgrund des Fundes Zentralasien als Ausgangspunkt und grobes Entstehungsgebiet des Teppichs, so hat sich schon bald später die Kunst, Bodenbelege oder Wandbehänge zu knüpfen, wohl auch durch Reiter- und Nomadenvölker bis in den türkischen und persischen Bereich ausgedehnt. Auch in den großen Reichen des alten Orients, in Babylonien und Assyrien, wurde eine hochentwickelte Knüpfkunst gepflegt. Die Kunst des Knüpfens erfasste bald auch die seßhaften und insbesondere die höfischen Bereiche. Insbesondere in den höfischen Manufakturen entstanden äußerst wertvolle Teppiche. In diesem Umfeld spielte Geld und auch der Faktor Zeit kaum eine Rolle. Gegenüber Woll- oder Baumwollteppichen sind Seidenteppiche wesentlich teurer. Aufgrund des feinen Materials war es möglich, wesentlich mehr Knoten zu knüpfen.

Geknüpfte Teppiche

Die Knüpftechnik kennt verschiedene Knoten, Teppiche zu knüpfen. Die beiden bekanntesten und häufigsten Knotentechniken sind der persische Senneh-Knoten, auch als Senne-Knoten oder Perserknoten bekannt sowie dem ursprünglich wohl aus dem anatolischen Raum stammende Gjördes-Knoten; Synonyme sind hier Ghiodes-Knoten oder auch Smyrna-Knoten. Beide Techniken sind jedoch in Asien und im Orient verbreitet und nicht auf ihre namengebenden Provenienzen beschränkt.Den Gjördesknoten kann man als symmetrischen Doppelknoten bezeichnen. Dieser Knoten benötigt nicht nur mehr Knüpfzeit, sondern auch mehr Wolle. Beim symmetrischen Doppelknoten ragen beide Enden des Knotenfadens zwischen den beiden Kettfäden nach oben. Die Enden der Knotenfäden bilden somit den Flor des Teppichs.

Der Ghiordes-Knoten, wie er um die beiden Kettfäden (schwarze Punkte) geführt wird

Der Sennehknoten ist hingegen ein asymmetrischer Knoten und charakteristisch für die persischen Teppiche. Beim diesem Knoten ragt lediglich nur ein Ende des Knotenfadens zwischen den beiden Kettfäden nach oben. Das andere Ende ragt neben den beiden Kettfäden nach oben. Der persische mit Senneh-Technik hergestellte Teppich wird aufgrund dieser Herstellung als stabiler bezeichnet; er fühlt sich auch glatter und schmiegsamer an. Oftmals werden beide Techniken auch an einem Teppich ausgeführt.

Da beide Knotentechniken sehr anspruchsvoll und aufwändig sind, werden auch Teppiche hergestellt, welche statt zwei Kettfäden derer vier umfassen, ganz einfach, um die Herstellung zeitlich zu optimieren. Solche Abwandlungen werden als Dschufti-Knoten bezeichnet; sie besitzen natürlich nicht die herausragende Qualität der Senneh- oder Ghiordes-Knoten. Wichtig wäre noch zu wissen, dass die angeführten Knotentechniken je nach ihren Herstellungsorten variieren können, eine Tatsache, die das Bestimmen eines Knotens für den Teppichlaien sehr erschwert.

Rechtes Bild: Senneh-Knoten, nur ein Ende des Knüpffadens ragt nach oben heraus

Gewirkte Teppiche

Bei Wirkteppichen oder geflochtenen Teppichen sind die Schußfäden flachliegend; durch das Fehlen der Knoten besitzen sie keinen Flor. Das Wirken ist eine alte Form des Webens, wobei die Schußfäden nicht über die gesamte Breite eingebaut werden. Entsprechend einer unterliegenden farbigen Vorlage werden die Schußfäden für jedes einzelne Motiv der Vorlage eingewirkt. Die gewirkten Teppiche sind aufgrund des Fehlens des Flores flacher als geknüpfte Teppiche und eignen sich eher als Wandbehang. Die bekanntesten Vetreter der Wirkteppiche sind die Kelims, welche sich bei Teppichsammlern großer Wertschätzung erfreuen, sowie die Sumakteppiche. Eng verwandt mit den Wirkteppichen sind im europäischen Raum die Gobelins. Sie gelangten in Europa bereits im 14. Jahrhundert zur ersten Blüte und waren auch in den nachfolgenden Jahrhunderten im Umfeld der Höfe und des Geldadels sehr begehrt.

Webteppiche

Der Webteppich ist ein typisch europäisches Produkt. Webteppiche finden sich in den meisten Haushalten. Bahnbrechend war die Entwicklung des vollmechanisierten Webstuhles. Etliche Tüftler und Entwickler brauchte es, bis Joseph-Marie Jaquard Anfang des 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der Vorgängerentwicklungen einen vollmechanisierten Webstuhl vorstellte, der als Webmaschine einer der bedeutendsten Eckpfeiler der nachfolgenden industriellen Revolution werden sollte. Nicht nur, dass die Produkte sehr viel billiger wurden; es war nun möglich, jeglichen nur denkbaren Zeitgeschmack zu bedienen. Nicht nur billige Gebrauchsware, sondern auch qualitativ hochwertige Ware konnte nun je nach Auftrag produziert werden.

Herkunft

Ganz grob gesagt, kann man die Herkunft der echten, also handgeknüpften Teppiche, in mehrere Gruppen einteilen. Zunächst wären die Perserteppiche zu nennen. Diese sind wiederum einzuteilen in ihre Herkunftsmanufakturen Täbris, Schiras, Kaschan, Mesched, Bidjar, Hamedan, Ferraghan, Senneh, Mir, Mahal, Herat, Isfahan, Kirman, Ghom, Ispahan oder Nain, um nur einige anzuführen. Türkische Teppiche, zu welchen auch die kleinasiatischen zu rechnen wären, als erstes natürlich aus Gjördes, dann Ladik, Uschak, Kula, Siwas, Smyrna, Sparta, Bergamo, Panderma, Hereke. Turkestan Teppiche aus Khotan oder Samarkand. Transkaspische Teppiche aus Beschir, aus Jamuth oder die Buchara der Teketurkmenen. Verwandt mit den transkaspischen Teppichen sind die Teppiche aus Afghanistan und Belutschistan. Kaukasische Teppiche aus Kabistan, Karabagh, Derbend, Kasak, Schirwan, Kabistan oder Kuba. Kaukasische Teppiche zeichnen sich mit vorwiegend geometrischen Mustern aus. Pakistanische Teppiche, welche von den Motiven her eine Ähnlichkeit mit den turkmenischen Teppichen aufweisen. In vielen Fällen handelt es sich um reine Wiedergaben turkmenischer Motive. Indische Teppiche, welche zumeist aus höfischen Werkstätten wie Agra stammen. Als weitere wichtige Provenience sind Chinesische Teppiche anzuführen. Ihre große Zeit liegt in den zweihundert Jahren zwischen den Anfängen des 17. Jahrhunderts und den Anfängen des 19. Jahrhunderts.

Natürliche und synthetische Farben

Natürlich muss man auch ein Wort über die Teppichfarben verlieren. Jahrhundertelang wurden natürliche Farben aus Pflanzen und Tieren gewonnen. Synthetische Farben wurden in Europa ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die Entwicklung der Anilinfarben oder Teerfarben wird um das Jahr 1850 datiert. Diese neuen Farben gelangten auf Handelswegen natürlich auch in den Orient, wo sie nach und nach Naturfarben ersetzten. Synthetische Farben sind wesentlich preisgünstiger und weisen eine unvergleichliche Farbpalette auf. Heute werden mehrere Tausend Farben industriell verwendet. In Persien allerdings wurden die synthetischen Farben um die Jahrhundertwende verboten. Naturstoffe sind zum Beispiel das Rot oder Violett aus der Echten Färberröte, Gelb aus Kurkuma oder Gelbwurz, Purpurrot von der Schildlaus, Orange aus Safran, das Blau der Indigo und des Blauholzes, Rot aus zerstampften Schildläusen (Koschenille), Gelb aus dem Chlorophyll der Pflanzen, Sepia oder Hämoglobin. Die Kunst im Umgang mit natürlichen Farbstoffen entwickelte sich parallel mit der Fertigkeit des Teppichknüpfens; sie besitzt daher eine uralte Tradition. Bei handgefärbten Teppichen sind Farbnuancen und geringe

Bild rechts: Alte Satteltasche aus handgearbeitetem Teppich mit Naturfarben

Farbabweichungen natürlich und charakteristisch. Diese Abweichung wird als Abrasch oder Abrash bezeichnet und dientdurchaus als Erkennungsmerkmal guter handgearbeiteter mit Naturfarben hergestellter Teppiche.

Wert und Einschätzung eines Teppichs

Wie bei vielen anderen Antiquitäten auch, macht nicht unbedingt das Alter den Wert eines Teppichs aus. Maßgeblich für den Wert sind natürlich auch die Anzahl der Knoten und der Knoten überhaupt, die Herkunft des Teppichs, seine Muster und Motive, die handwerkliche Manufaktur und natürlich die Farbverwendung mit seinen natürlichen Farbnuancen. Auch das Material spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Perserteppiche werden aus Seide und Schafwolle hergestellt, seltener aus Kamelhaar. Für den Novizen wird es schon schwierig sein, echte Seide festzustellen. Man will ja nicht unbedingt die Probe mit dem Feuerzeug oder Zündholz am wertvollen Stück ausführen.
Es ist zudem oftmals sehr schwierig, natürliche von synthetischen Farben zu unterscheiden. Manche Farben können mittlerweile wie zum Beispiel das Blau der Indigo genau chemisch nachgestellt werden. Auch ist es für den Nichtfachmann kaum möglich, die vielen Varianten eines Knotens zu identifizieren. Betrachtet dieser die Rückseite eines Teppichs, so ergeben sich für ihn auf den ersten Blick oftmals keine Unterschiede. In jedem Fall trägt die Knotendichte zur Werteinschätzung eines Teppichs bei. Um diese grob abzuschätzen, bestimmt man mit einem Zentimetermaßstab einen Quadratzentimeter und zählt, am besten mit Hilfe einer Lupe, die Anzahl der Knoten auf dieser Fläche. Um die Anzahl Konten pro Quadratmeter zu bekommen, muss ich die ermittelte Zahl mit 10.000 multiplizieren, denn eni Quadratmeter besitzt 10.000 Quadratzentimeter. Angenommen, ich habe 18 Knoten auf dem Quadratzentimeter gezählt, so dürfte die Knotenzahl auf dem Quadratmeter 180.000 betragen. Grob geknüpfte Teppiche weisen einen Knotenzahl von 20.000 bis 60.000 Knoten/qm auf, mittlere bis fein geknüpfte eine Knotenzahl von etwa 60.000 bis 200.000 Knoten/qm und sehr fein geknüpfte weisen Knotenzahlen bis zu 400.000 Knoten/qm auf. Darübergehende Knotendichten gehören zu den absoluten Seltenheiten und werden schon aus diesem Grunde hoch bewertet.

Die Muster und Motive eines Teppichs können allein schon zur Bestimmung eines Wertes beitragen. Es gibt in der Regel immer ganz bestimmte Muster und Motive der einzelnen Herkunftsmanufakturen. Da je nach Können des Knüpfers diese Muster variieren können, überträgt sich diese ganz persönliche Fertigkeit natürlich auch auf den Wert.

Viele Teppiche und Motive, insbesondere alte Muster, werden an anderen Orten nachgeahmt, auch mit guter Qualität. Selbst die für handgearbeitete Teppiche so typischen Unebenheiten können mittlerweile industriell täuschend nachgestellt werden.

Insbesondere auf Basaren muss man mit zu teuren Preisen angebotenen Imitaten rechnen. So wird man kaum die Gelegenheit bekommen, einen echten alten Gebetsteppich, wie sie dort oft angeboten werden, zu erstehen. Solche sind für den Moslem sehr wichtig, da er sie vor unreinem Boden schützt. Die in Basaren angebotenen sind nahezu gänzlich für Touristen, in der Regel Andersgläubige, hergestellte Massenwaren.

Ein Kommentar über “Teppiche”

  1. Antonio schrieb:
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    Hallo,
    durch meine Tätigkeit bin ich an ca 15 Perserteppiche und Indische Teppiche rangekommen…hatten einen Gesamtwert von ca 60.000DM damals mit Zertifizierungen/Kaufbelege und Echtheitszertikate…
    In Euro gibt es noch welche in Gesamthöhe von ca 20.000€
    …würde Sie gerne am liebsten als Konvolut verkaufen- zu erschwinglichen Preisen!
    015122304632 gerne Whattsapp
    LG

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