Space Design, Space Age

Space Design – diesen Begriff habe ich, meine ich, vor vielen Jahren einmal im Zusammenhang mit einem Bericht über einen Sammler von Weltraum-Design gehört.

Was kennzeichnet Space Design und was bedeutet Space Age?

Die 50er und 60er Jahre, ja auch noch die 70er, hielten, was das Design betrifft, einige gelungene Überraschungen bereit. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die skandinavischen Möbeldesigner, an die Panton-Ära und andere.
Als Space Age bezeichnet man allgemein die Zeit von etwa den ausgehenden 50er Jahren bis weit in die Mitte der 70er Jahre. Der Höhepunkt liegt wohl in etwa zwischen 1969 und 1975. Es ist das Weltraumzeitalter, die Jahre, als es zwischen den damaligen Großmächten USA und der Sowjetunion (UDSSR) zu einem verbissenen Wettkampf kam, wer denn als erster einen Menschen auf den Erdtrabanten brächte. Der berühmte Sputnik 1

Abbildung einer Originalkopie des Sputnik, der als erster Satellit 1957 die Erde umkreiste. Foto der NASA

Das Space Design als Teil des gesamten Pop-Art-Zeitalters kennzeichnet nun all die Möbel, Haushaltsgegenstände, Alltagsrequisiten, Spielzeug, Blechspielzeug, die in diesem Weltraumzeitalter aufkamen und, und dies ist wichtig, gleichzeitig typisches Weltraumdesign zur Schau trugen. Denn natürlich war nicht das gesamte Alltagsleben von Weltraum affinen Gegenständen geprägt; es gab parallel die ganz normalen Haushalte, gänzlich alltägliche hausbackene Möbel, daneben die Utensilien, Möbel etc. mit den typischen Mustern, Formen und Farben der 50er und 60er Jahre, den Orangeton der 70er und natürlich die besonderen auch für diese Zeit typischen Designs der Firma Braun oder der skandinavischen Möbeldesigner. Auch der große Designer Panton, der Namensgeber für eine eigene Design-Ära war, designte unter anderem elektrische Geräte und auch Möbel im Space-Stil. Allgemein kann man allerdings sagen, dass der Schwerpunkt des Space Design in den Segmenten Möbel und Unterhaltungselektronik lag.

Space Design begann mit dem Sputnik

Die Geschichte begann eigentlich schon in Peenemünde. Dort wurde bereits unter nationalsozialistische Herrschaft an weitreichenden Raketen geforscht, als Wunderwaffe gegen die Alliierten einerseits und andererseits bereits mit dem Gedanken als Trägerrakete für eine eventuelle Reise zu Nachbarplaneten.
Das Kriegsende sorgte dafür, dass sich die USA und die damalige Sowjetunion (Russland) dieser weltweit wohl einmaligen Raketenschmiede bedienten und Knowhow der Schmiede als auch die Ingenieure als Kriegsbeute unter sich aufteilten. So wurden aus den Nationalsozialisten, welche in die Sowjetunion gehen mussten, alsbald gute Kommunisten und aus den Nationalsozialisten, welche sich die USA griffen, alsbald gute Demokraten. So einfach ist die Welt! So begann in der Nachkriegszeit der Wettkampf in der Weltraumfahrt, die in der Landung auf dem Mond enden sollte. Der Wettkampf wurde auf beiden Seiten auch mit dem deutschen Knowhow geführt; auf beiden Seiten arbeiteten ehemalige deutsche Ingenieure in exponierten Positionen.
In diesem Wettkampf gingen die Sowjets im Jahre 1956 in Führung; erstmals konnte am 4. Oktober jenes Jahres ein Satellit in die Umlaufbahn der Erde geschossen werden. Es war der berühmte Sputnik, der eine regelrechte Euphorie entfachte. Dabei war dieser Satellit lediglich eine Kugel mit einem Durchmesser von 58 cm und einem Gewicht von 83,6 kg. Er besaß vier Antennen und einen Funksender, der 21 Tage lang zur Erde funkte. Dann erlosch die Kapazität des Senders. Ich kann mich noch gut an den Reim erinnern, den wir Kinder damals sangen: „Schade, die Batterie ist leer. Schade, der Sputnik piepst nicht mehr…“ Gus Backus sang seinen Schlager vom „Der Mann im Mond“.
Der Hype in den Medien führte dazu, dass das runde Kugeldesign sehr bald von Designern aufgegriffen wurde. Die Bezeichnungen „Sputnik“, „Komet“ oder „Satellit“ wurden nun häufig als Namensgeber für bestimmte Konsumware verwendet. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Multifunktionstruhe der Firma Kuba, die 1958 unter der Bezeichnung „Komet“ auf den Markt kam, Radio, Fernseher und Plattenspieler beinhaltete und natürlich außergewöhnliches spaciges Aussehen besaß.

Space Design. Plattenspieler 22GF von Philips
Der berühmte Plattenspieler von Philips im Space Design aus den 70er Jahren

Der Weltraum-Hype setzte sich 1961 fort, als mit dem Kosmonauten Juri Gagarin an Bord einer Wostok-Rakete als erster Mensch die Erde umrundete.
Am 21. Juli 1969 schließlich schafften es die USA, eine Trägerrakete namens „Saturn 5“ mit einer Raumfähre an der Spitze bis in die Umlaufbahn des Mondes zu bringen; von der Raumfähre Apollo 11 aus gelangten die Raumfahrer Neil Armstrong und Edwin Aldrin am 21. Juli 1969 mit einer speziellen Mondlandefähre auf die Mondoberfläche.
Begleitung und Hype in den Medien stiegen natürlich nochmals an. Die Bezeichnungen „Saturn“ und „Apollo“ bereicherten nun weitere Weltraum designten Produkte.
In der Werbung, Radio und Fernsehen gab es zudem genug Anschauungsobjekte für die Designer des Weltraumdesigns. Als heranwachsende Teens hingen wir gespannt vorm Fernseher, als die Serie „Raumpatrouille – die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“, eine deutsche schwarz-weiß-Produktion, ab 1966 ein regelrechter Straßenfeger wurde. Auch die amerikanische Serie mit den Abenteuern des Raumschiffes „Enterprice“ fesselte ebenfalls ab Mitte der 60er Jahre. Höhepunkt sollte die Direktübertragung im Fernsehen von der Landung auf dem Mond sein. Spaciges Design fand in weiten Teilen der Alltagswelt Einzug.

Merkmale des Space Design

Am einfachsten begreift man das Space Design, wenn man eines der kleinen Kugelradios von Radiola, JVC oder Panasonic, welche es neben den üblichen Kofferradios gab, betrachtet. Diese kleinen Kugelradios, die auch zum Aufhängen gedacht waren, waren aus rundem Kunststoff und in allen möglichen Farben. Natürlich ist die Kugelform extrem typisch, – der kleine Sputnik war nun mal das Vorbild. Die kleinen Radios kamen vor allem aus Japan; die Japaner verstanden es vorbildlich, komplizierte Technik selbst in kleinsten Gehäusen unterzubringen. Der Kunststoff selbst bestand aus dem weithin bekannten Polyvinylchlorid (PVC) sowie Glasfiber. Glasfiber war besonders in den 70ern sehr beliebt und wirklich zu allem zu gebrauchen. Als ich an meinem ersten VW Käfer eine Beule hatte, kaufte ich mir im Baumarkt eine Dose von diesem Kunststoff und füllte die Beule mit dem Material. Nach Erhärten wurde dann gerade geschliffen.Kugelradio 70er Jahre, Klassiker des Space Design
Space Design bestand also vorwiegend aus Kunststoff beziehungsweise Plastik, wobei natürlich auch andere Materialien zur Anwendung kamen.

Kugelradio: das Modell R-70 von Panasonic zu Beginn der 70er Jahre, ein Klassiker des Space Designs

Kunststoff konnte man zudem jede denkliche Farbe zumischen. Es überwog natürlich das Kugeldesign; Werbung und Fernsehserien sorgten allerdings dafür, dass auch andere spacige Formen designt wurden. Teure und hochwertige Elektronik wurde auch in weißlichen, gräulichen und schwarzen Farbtönen gestaltet, aber allgemein war die Gesellschaft schon auf die Farbenvielfalt der Flower-Power-Bewegung eingeschwört, die ab etwa 1967 durch Sänger wie Scott McKenzie („San Francisco“) und Gruppen wie den „Mamas and the Papas“ aus San Francisco und seinem Hippie-Stadtteil Haigh Ashbury nach Europa herüber schwappte. Die Spaceform erfasste natürlich auch das Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände zum Beispiel in Form von Robotern, Menschen in Raumanzügen, sowie in Form von Raketen, wobei natürlich die Saturnrakete Pate stand.

siehe auch

Braun Design

Design der 50er/60er Jahre

Design, Industriedesign

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