Silber sammeln, Silberschmiedekunst

Entwicklung in der Frühzeit

Silber, – seine Geschichte reicht über 6000 Jahre zurück, ähnlich wie die Geschichte des Goldes. Bereits in der kleinen Abhandlung über die Goldschmiedekunst unter dem Sammelgebiet Gold habe ich dargelegt, dass die Silberschmiedekunst von der Goldschmiedekunst eigentlich nicht zu trennen ist. Wir werden dies in unserer Betrachtung des Silberschmiedehandwerks oftmals feststellen.
Die ältesten Silberfunde, und zwar bearbeitetes Silber, sollen in Ägypten in den geologischen Schichten der Altsteinzeit gefunden worden sein. Dies würde bedeuten, dass manuell bearbeitetes Silber bis zu 13.000 Jahre alt sein könnte. Eine der Wiegen der Silberbearbeitung hat wohl sicherlich im Raume Ägypten und Zweistromland gestanden. Die alten Sumerer mit ihrer legendären Hauptstadt Ur waren bereits um 5000 v. Chr. für ihre Kunst der Silberbearbeitung bekannt. Die Babylonier verehrten Silber als Mondmetall. Und in Ägypten wurde bereits um etwa 3700 vor Christus Silber geschmolzen; hierzu wurde der sogenannte Blasrohrofen benutzt. Die verschiedenen Ausstellungen über Ägypten, Sumer oder Assur geben Auskunft über die umfangreichen prachtvollen Grabbeigaben aus Gold, Silber und anderen wertvollen Materialien und die hohe Kunst der damaligen Zeit. Zu den herausragenden Funden gehören zum Beispiel die Beigaben in der Grabkammer des berühmten Pharaos Tutanchamun. Möbel, Vasen, Schatullen waren aus Gold und Silber oder mit diesen überzogen.
Die frühzeitlichen Funde erstrecken sich jedoch nicht nur auf den Nahen Osten, sondern belegen, dass an vielen Orten die Kunst der Silberbearbeitung verbreitet war. Vielleicht noch älter als im Nahen Osten war diese Kultur in Indien, was die Silberspangen aus Mohenjo-Daro am Ufer des unteren Indus belegen. Ähnlich alt sind auch die ältesten Silberfunde auf Kreta. Später wurde die Verwendung von Silber bei Grabbeigaben und bei der Schmuckverarbeitung auch in unserem germanischen Raum bekannt.
Vermutlich waren die ersten silbernen Gegenstände eher Kultobjekte, bereicherten die Tempel und wurden als Grabbeigaben gegeben, um die hohe Persönlichkeit des Verstorbenen auszudrücken.

Lagerstätten und Gewinnung von Silber

Silber fällt beim Abbau anderer Erze wie Kupfer oder Blei, denen silberhaltige Sulfite beigemischt sind, an. Sehr häufig kommt es auch gediegen vor, das heißt ohne jede Beimengungen als reines Silber. Die großen Abbaugebiete befinden sich in Nord- und Südamerika, hier insbesondere Mexiko und Peru, Asien, sowie in Europa in Polen.
In der Frühzeit wurden zumeist lokale Vorkommen ausgebeutet; die Römer beuteten dann für ihren großen Bedarf bedeutende Vorkommen in Spanien aus. Später nutzten sie die Vorkommen in Jugoslawien, in Rumänien (Siebenbürgen) sowie in Kärnten. Logistisch waren diese Lagerstätten an die großen Römerstraßen angeschlossen; über diese brachten die Fuhrwerke die unzähligen Ladungen an Silber ins römische Kernreich.
In Deutschland, besser gesagt im damaligen Ostfränkischen Reich als Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wurde erstmals im Jahre 968 im Harz am Rammelsberg mit dem Abbau von Silber begonnen. Weitere Förderungen begannen 1167 im sächsischen Freiberg, 1240 in Böhmen oder auch 1483 im erzgebirgischen Annaberg. Die deutschen Abbaugebiete versorgten bis ins 16. Jahrhundert den europäischen Verbrauch an Silber in überwiegendem Maße. Ein Einbruch erfolgte erst in jenem 16. Jahrhundert, als die Spanier unter Fernando Cortez die alten Kulturen der Azteken und Inkas in Mexiko und Peru vernichteten und deren unvorstellbaren Gold- und Silberschätze auf Schiffen nach Europa verfrachteten. Die europäischen Abbaugebiete verloren dadurch an Bedeutung.

Entwicklung der Silberschmiedekunst

Bereits in der Frühzeit und Antike bestand das Bearbeiten des Edelmetalls aus Schmelzen, Gießen, Treiben, Polieren und Ziselieren, um nur die wichtigsten Arbeitsschritte anzuführen. Hieran hat sich bis in unsere heutige Zeit nicht viel geändert. An den Grabbeigaben der Frühzeit und Antike ist die Kunst dieser frühen Meister abzulesen.
Endgültig verloren die Silberschmiedearbeiten aber ihren kultisch-mystischen Charakter bei den Römern, welche diesen Gegenständen neben solchen aus Glas und Keramik verstärkt auch eine Gebrauchsfunktion zuordneten. So kannten die Römer silberne Trinkgefäße, Schüsseln oder Teller. Im Mittelalter mit der Romanik und der Zeit Karls des Großen begann die hohe Zeit der Schmiedekunst. Die damaligen Meister befassten sich allerdings nicht nur mit der Silberbearbeitung, sondern waren zumeist auch Meister im Bereich der Plastik, Grafik und Malerei. Beispiel hierfür war später das Allroundgenie Albrecht Dürer, der große Meister aus der Zeit der Renaissance.
Zunächst jedoch verblieb die Ausgestaltung, Bearbeitung und der Gebrauch von Silber an den Höfen und insbesondere in den Klöstern und Abteien. Hier befanden sich im frühen Mittelalter die wichtigsten Silberschmiedestätten. Erst zur Zeit der Gotik öffneten sich die Pforten der Klöster und die Kunst der Silberschmiede eroberte die sich immer mehr entwickelnden Städte mit ihren handwerklichen Gilden und Zünften.

Es war fortan nicht nur der Klerus, sondern die sich immer mehr herausbildende reiche Oberschicht in den Städten, reiche Händler und Adlige, welche von den Silberschmiedestätten beliefert wurden. Beliebt waren in dieser Zeit bis zum Ende der Renaissance der Trinkbecher oder Trinkkelch sowie Trinkpokale. Hochburgen waren Augsburg, Schwäbisch Gemünd und Nürnberg.
Nur unterbrochen von den Verwüstungen des 30jährigen Krieges erweiterten die Meisterstätten die Amplitude ihrer Silberobjekte. Sie orientierten sich unter anderem an der Ausstattung der Höfe, insbesonderen des französischen Hofes. Die Vielfalt, welche der Sonnenkönig Ludwig der Vierzehnte in Versailles bot, fand peut à peut Einzug in die hiesigen Silberschmieden. Das Repertoire umfasste nun alle möglichen Teile von Essgeschirr; hierzu gehörten neben den Trinkbechern auch Messer, Gabeln, Löffel, Kannen, Schalen, Platten und andere Behälter.
Die handwerkliche Kunst erreichte dann im Rokoko einen ihrer Höhepunkte. Ich sage ausdrücklich „handwerkliche“ Kunst, denn bereits im Biedermeier um 1820 war der Atem der nahenden industriellen Revolution zu spüren. Das Rokoko aber erlebte noch die Blüte der Handwerkskunst. Ob es nun Gewürzbehälter, Kaffeekannen, Tee- oder Kaffeebehälter, Flakons, gar Kronleuchter waren, – alle möglichen Requisiten wurden ganz oder teilweise mit Silber bearbeitet.

Die Zünfte sorgten für hohes Ansehen

Die Zünfte der Silber- und Goldschmiede genossen in der damaligen Gesellschaft hohes Ansehen. Die Meßlatte wurde von von ihnen allerdings sehr hoch gelegt. Die Ausbildung war lang und hart; an diese schloss sich die sogenannte „Mutzeit“ an. Diese konnte bis zu 6 Jahren dauern. Die Mutzeit ist vielleicht vergleichbar mit unseren heutigen Gesellenjahren. Nach dieser mehrjährigen Probezeit konnte der „Geselle“ dann um die Zulassung zur Meisterprüfung ersuchen. Dieses Ersuchen um die Zulassung ist aus dem Mittelalter als „Mutung“ bekannt.
Auch konnte nur zur Prüfung zugelassen werden, wer verheiratet war. Einem Meister auf Brautsuche traute man wohl nicht den Blick auf das Wesentliche zu, die Konzentration auf die schwere Arbeit im Schmiedehandwerk! Zudem gab es den sogenannten Zunftzwang. Wer seine Meisterprüfung bestand, musste sich der örtlichen Zunft anschließen. Ansonsten war es allerdings auch nahezu unmöglich, sich einer Zunft anzuschließen. Nur durch die Mitgliedschaft in der Zunft war es möglich, Aufträge zu erhalten.
Die Sicherung dieses fast schon elitären Zirkels wurde außerdem dadurch erreicht, dass festgelegt wurde, wieviel Lot Edelmetall der jeweilige Gegenstand aufweisen musste. Zu dieser Qualitätssicherung gesellte sich noch die Pflicht des Aufbringens der Ortsmarke, also des Beschauzeichens, sowie des Meisterstempels. Verletzungen dieser Liste an Vorschriften und Qualitätsmerkmalen führte zum Ausschluss aus der Zunft. Man war sodann von den lukrativen Aufträgen abgeschnitten.
Die Zeit der Zünfte endete in etwa mit dem Beginn der Industrialisierung Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Zeit mit ihren hohen Qualitätsansprüchen, welche einige Jahrhunderte überstand, sorgte für eine hohe Handwerkskunst. Ausdruck dessen waren allein die jeweils über zweihundert Gold- und Silberschmiede in den Hochburgen Schwäbisch-Gemünd und Augsburg. Die Hochzeit des Silberbooms ging einher mit dem Aufstieg des Engländers Josiah Wedgwood, der ab Mitte des 18.Jahrhunderts Europa regelrecht mit feinstem Porzellan und Steinzeug überschwemmte. An den Höfen kultivierte man die Mischung aus feinem Porzellan oder Steinzeug mit feinstem Silber. So soll Katharina die Große ein tausendteiliges Service bei Wedgwood geordert haben. Die Exponate, welche zur Zeit der Zünfte hergestellt wurden, dürften für den Sammler am Interessantesten sein.

Beginnende Industrialisierung

Mit dem ausgehenden Biedermeier setzte spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung ein, die Zünfte verloren ihre Bedeutung, die Gründerzeit begann. Die Industrialisierung bedeutete die Abkehr von der manuellen Herstellung hin zur serienmäßigen Fabrikation silberner Waren. Stilmäßig lief der Historismus, der Rückgriff auf Formen der Antike, der Gotik, der Renaissance, des Barock oder des Rokoko parallel. Dieser Rückgriff auf die historischen Stilformen, die ich durchaus als Einfallslosigkeit bezeichnen möchte, wurde erst beendet durch den Jugendstil um die Jahrhundertwende mit seinen floralen Formen und unmittelbar darauf oder schon fast gleichzeitig mit den eher sachlichen, funktionalen Formen des Werkbundes, des Bauhauses, die sich dann auch im Art Deco wiederfinden sollten.
Technisierung und Rationalisierung haben aber nicht verhindern können, dass sich immer noch manuelle Handwerksschritte erhalten haben. Das Ausgangsprodukt, das Silberblech, mit Hammer und Amboss zu bearbeiten, das Silber zu treiben, wird heute starken Pressmaschinen überlassen, des weiteren werden natürlich viele Montage-, Ansetz- und Lötarbeiten von Maschinen getätigt. Die Anfertigung der plastischen Modelle anhand der künstlerischen Entwürfe ist dagegen weiterhin Handarbeit. Auch hochwertige Ziselierungen werden weiterhin manuell angefertigt.

Was wird alles aus Silber hergestellt

Neben dem Einsatz im Bereich der Technik werden eine Vielzahl an Silberwaren hergestellt, welche sich in drei Kategorien unterteilen lassen. 5-Mark-Stück aus Silber, bis 60er JahreDa wäre zum Einen der fast schon unüberschaubare Markt an sogenannten Kleinsilberwaren. Hierunter fallen Toilettenartikel wie Döschen, Cremebehälter, Puderdosen, Etuis für Make-ups oder Zigaretten, aber auch Flaschenverschlüsse, Feuerzeuge, silberne Kämme, Schmuck, Münzen, Hülsen für Lippen- oder Brauenstifte und Ähnliches. Die nächste Gruppe umfasst alle Formen des Flachsilbers wie Anrichteplatten, Teller, Tablette oder Tortenheber. Die Großsilberware, auch als Korpusware bezeichnet, besteht dagegen aus Kronleuchtern, größeren Gefäßen und Behältern, Kannen, Vasen, Obstschalen und so weiter.

Die Legierungen

Da Silber als solches für den Alltagsgebrauch zu weich ist, muss es mit anderen Metallen legiert werden. Die gebräuchlichsten Legierungen sind 800/000, 835/000 sowie 925/000. Der Querstrich mit den nachfolgenden 3 Nullen bedeutet „in eintausend Teilen“. In der Regel wird Kupfer beigemischt. Je mehr Kupfer, um so härter wird die Legierung. 800er Silber besitzt einen Anteil von 200 Teilen Kupfer, 835er Silber 165 Teile Kupfer und 925er Silber besitzt lediglich 75 Teile Kupfer, ist also von den Legierungen die Weicheste.
Die Regelung der Zünfte mit Meisterstempel und Beschauzeichen wurde im Jahre 1884 vom „Gesetz über den Feingehalt von Gold- und Silberwaren“ ersetzt. Nach diesem Gesetz sind lediglich Silberwaren ab einem Feingehalt von 800 als Handelsware zulässig. Mit dieser relativ harten Legierung werden unter anderem Essbestecke hergestellt. Die weiche 925er Legierung wird auch als Sterling-Silber bezeichnet. Dieser Begriff leitet sich von den Sterling-Münzen ab, deren Gehalt eben diese 925 Anteile Silber ausmachte.
Silberschmuck beginnt in der Regel bei 835er Silber; Schmuckstücke mit diesem Gehalt sind allerdings noch günstig, was daran liegt, dass der Silberglanz, welcher mit dem Feingehalt zunimmt, bei dieser Legierung noch nicht so ausgeprägt ist. Richtig guter, teurer Schmuck liegt bei 935 Anteilen Feingehalt. Sehr gutes Besteck besteht aus 900er Silber; darüber hinaus würde es für diesen Gebrauch wiederum zu weich werden. Das feinste Silber ist jenes mit 1000er Feingehalt, welches ähnlich wie beim Gold nicht wirklich vorkommt; dieser Feingehalt ist nicht erreichbar. Der wahre Feingehalt liegt beim 1000er Silber bei 99,99%.Silber-Stempel ab 1884

Ab 1884 ist die Prägung dieses Silberstempels bei allen deutschen Silberwaren ab Feingehalt von 800/000 Pflicht

Für den Sammler bietet das Gesetz von 1884 über den Feingehalt von Gold- und Silberwaren die Sicherheit über sein Sammlerstück als auch einen Überblick über die zeitliche Einordnung. Natürlich gibt es immer wieder Silberstücke, welche lediglich einen Gehaltsstempel aufweisen. Aber das Gesetz, welches auch die Stempelungen, auch als Punzierungen bezeichnet, vorschreibt, stellt sicher, dass die betreffende Ware aus einer seriösen Schmiede stammt. Silberwaren aus deutschen Schmieden müssen seit dieser Zeit das Firmenzeichen tragen und den Feingehalt aufgestempelt haben. Zudem muss jede Ware den sogenannten Silberstempel besitzen, der aus einem Halbmond und einer Krone wie in meiner Nachbildung besteht. Oft gesellt sich dazu noch, allerdings ohne Verpflichtung, das Beschauzeichen (Stadtmarke), Jahreszahlen oder Modellbezeichnungen und Modellnummern, welche es dem Sammler zusätzlich erleichtern, sein Fundstück einzuordnen.

Ein Kommentar über “Silber, Silberschmiedekunst”

  1. Nicole Tyka schrieb:
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    Sicherheitsfrage (Spamschutz):
    10 + 9 = ?

    Wo kann ich einen Diözesenring aus 1911 schätzen lassen? In Dortmund

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