Schreibmaschinen sammeln

Bei meinen ersten Flohmarktbesuchen Anfang der 70er Jahre am Frankfurter Mainufer spielten Schreibmaschinen als Sammelgebiet, so wie ich mich erinnern kann, noch kaum eine Rolle. Günstig erstehen konnte man zum Beispiel alte Römergläser aus Kristall oder auch Jugendstil, vor allem Jugendstil-Lampen, aber auch jede Menge Blechspielzeug oder Modelleisenbahnen. Alles Dinge, welche man heute auf den Flohmärkten so gut wie nicht mehr sieht. Nun gut, viele der Firmen besonders aus dem Bereich Spielzeug gab es ja noch auf dem Markt. Insgesamt waren diese ersten Flohmärkte schon sehr hochwertig und ein Paradies für Sammler.
Als Sammler gab es nicht nur die Flohmarkttermine, – auch die Sperrmüll-Termine wurden eifrig notiert. Zu jener Zeit wurde das Sammeln alter Dinge erst langsam hoffähig; die Menschen warfen ihren Hausstand lieber regelmäßig auf den Müll. Dort lagen also durchaus Emailschilder, alte Uhren wie Regulatoren, alte Schränke und so fort, so dass sich des Nachts regelrechte Autoschlangen bildeten mit Insassen, welche vom Fahrersitz die Sperrmüllberge ableuchteten. Diese Bilder kennt man heute nicht mehr.

Zur Geschichte der Schreibmaschine

Für Schreibmaschinen hatten sich allerdings nur die wenigsten interessiert. Die Geschichte der Schreibmaschinen begann wohl bereits im frühen 18. Jahrhundert, also noch vor Beginn der industriellen Revolution. Es war die Zeit der Tüftler wie von Henry Mill. Diesem soll bereits im Jahre 1714 ein Patent für eine solche Maschine zum Schreiben und Drucken erteilt worden sein. Diese Geschichte liegt allerdings sehr im Nebulösen und ob man dieses frühe Datum wirklich als Geburtsstunde der Schreibmaschine annehmen soll, sei dahingestellt. Wenn dem wirklich so sein sollte, so muss es sich jedenfalls um ein sehr einfaches Modell gehandelt haben; die wesentlichen Elemente einer Schreibmaschine jedenfalls wurden erst ein gutes Jahrhundert später erfunden.

Die wichtigen Teile von Schreibmaschinen und für die Schreibmaschine

Natürlich benötigt man zunächst Papier oder Pergament, auf welches man drucken konnte. Dies gab es schon seit langem, aber das Kohlepapier zum Verfertigen von Kopien wurde erst im Jahre 1808 erfunden. Der dazu heute benutzte Papierwagen kam sogar erst 1855 auf, fast 50 Jahre später! Der Schlaghebel wurde zwar schon 1833 erfunden, aber das so wichtige Farbband mit dem Unteranschlag, welcher den Buchstaben sehbar auf das Papier trieb, gab es erst seit 1855. Fast schon Luxus war der Glockenton, der an das Ende der Zeile erinnert, und dem man ab 1867 lauschen konnte.
Im Jahre 1864 kreierte Peter Mitterhofer, ein Schreiner und Erfinder aus Partschins in Tirol, seine erste Schreibmaschine, das sogenannte „Wiener Modell 1864“. Bis auf den metallenen Typenhebelkorb sowie die metallenen Typen bestand seine Schreibmaschine aus Holz. In einem kleinen Schreibmaschinen-Museum in Ziegenhain-Treysa im Schwalm-Eder-Kreis befindet sich ein Nachbau dieses Modells. Die Buchstaben wurden von Nadeln so stark eingestanzt, dass der Text sogar von Blinden gelesen werden konnte. Aber mit Mitterhofer ging es wie mit vielen Tüftlern und Erfindern in dieser an Erfindungsreichtum goldenen Zeit des 19. Jahrhunderts; er war kein Vermarkter! Es interessierte sich einfach keiner für seine eigentlich großartige Maschine. Sie nahm den Weg vieler Erfindungen; statt auf den Markt wanderte sie ins Museum und sorgte so wenigstens dafür, dass wir den Namen Mitterhofer noch in Erinnerung haben. Ähnlich ging es auch dem Dänen Rasmus Malling-Hansen, den ich stellvertretend für die vielen anderen „Versucher“ anführen möchte. Er brachte eine sogenannte „Kugelschreibmaschine“ zur Serienreife. Sie hatte ihren Namen daher, dass die Buchstabentasten in Kugelform organisiert waren. Diese „Schreibkugel“ wurde sogar in einer größeren Stückzahl hergestellt. Sogar Friedrich Nietzsche soll einmal auf dieser Maschine geschrieben haben. Die wahre Entlastung war aber auch diese Maschine nicht. Es gab keine Idee, diese Maschine noch mehr zu perfektionieren und besser an den Gebrauch anzupassen; sie verlor daher beim Publikum bald das Interesse.

Die industrielle Revolution förderte die Entwicklung der Schreibmaschine vor allem in den USA

Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts begann dann allerdings unaufhaltsam der Siegeszug der Schreibmaschine. Neben vielen anderen spielte dieser Name ein herausragende Rolle: Franz Xaver Wagner. Er wurde 1837 in der Nähe von Neuwied in einem Dorf namens Heimbach am Rhein geboren. Er wurde ein begnadeter Mechaniker. Als solcher baute er zum Beispiel Nähmaschinen in Stuttgart, bevor er im Jahre 1864 als 27-jähriger in die USA auswanderte. Dort experimentierte er an verschiedenen technischen Erfindungen wie einem Wassermesser. Seine Erfindungen ließ er sich patentieren. Auch sein Interesse an der Entwicklung der Schreibmaschine war groß; sie resultierte wohl aus seinen Jahren, die er bei der Schreibmaschinen-Firma Remington verbrachte. Es trieb ihn an, endlich eine Sichtschriftmaschine auf den Markt zu bringen.
Bis dato gab es lediglich die oben erwähnten Maschinen mit Unteranschlag oder auch Unteraufschlag. Der Nachteil dieser Maschinen bestand darin, dass die Schrift nicht sofort sehbar war. Der Wagen der Schreibmaschine musste dazu erst angehoben werden. Auch das danach entwickelte System des Oberaufschlags machte die Schrift nicht sofort sehbar. Beide Systeme hatten ihre Vor- und Nachteile, aber ausschlaggebend für den Schreibenden war doch, dass er sein Geschriebenes nicht sofort sah, er also gar nicht überprüfen konnte, ob er zum Beispiel Fehler gemacht hatte, die es zu korrigieren galt. Zusammen mit seinem Sohn Hermann Wagner gelang es ihm schließlich, Tastenhebel und Typenhebel so zu organisieren, dass eine sofortige Sichtbarkeit gegeben war. Die Typen schlugen nun nicht mehr von unten auf die Walze; die Typenhebel waren aufgrund dieser neuen Funktion in dem uns heute bekannten Kreissegment geordnet.
Die Wagners gründeten zur Herstellung und Vermarktung die Wagner-Typewriter-Company. Allerdings waren die Wagners bessere Erfinder und Mechaniker als Geschäftsleute. Eine Firma namens Underwood, welche Farbbänder für den damals führenden Schreibmaschinen-Hersteller Remington produzierte, übernahm die Wagner-Typewriter-Company und die dazugehörigen Patente.

Erfinder und Profiteure

Bei der Entwicklung der Schreibmaschine spielten auch andere Namen eine wichtige Rolle. Es waren häufig Erfinder oder Konstrukteure, aber auch Händler, Vermittler und Agenten, Industrielle aus anderen Sparten oder auch Patentjäger. Das große Geld machten oftmals nicht die Erfinder selbst, sondern gewiefte Geschäftsleute, welche sich unter vielmals dubiosen Umständen der Patente bemächtigen konnten, sie auch den Erfindern abschwatzten oder aber ganz einfach über die notwendigen Mittel verfügten, eine Erfindung auch zur Serienreife, zur Produktionsreife zu bringen. Die Geschichte von Coca-Cola ist hier eines der besten Beispiele.
Neben den Wagners sind Samuel Soulé, Charles Glidden und Latham Sholes zu erwähnen, welche ab 1868 mehrere Schreibmaschinen beim Patentamt anmeldeten. Auch sie fielen gerissenen Patentanwälten, aber auch fehlendem Geld und somit Perspektivlosigkeit zum Opfer. Die Erfindungen wurden später von der Firma Remington, welche Schusswaffen und Nähmaschinen produzierte, übernommen und zur Serienreife gebracht. Im Gerangel um die Patente war auch ein gewisser George Washington Newton Yost involviert, der zunächst selbst bei Remington angestellt war und auch mit den Wagners paktierte. Seine Firma, die Yost Writing Machine Company in Bridgeport brachte 1880 den „Caligraph“, die erste Volltastaturmaschine, heraus und 1887 die berühmte „Yost 1“. Die „Yost“ funktionierte mit Unteranschlag; sie besaß 78 Tasten, die in acht Reihen angeordnet waren. Um den Text zu sehen, musste der Wagen hochgeklappt werden. Die Schrift war ja bei den Unteraufschlagmaschinen nicht sofort sehbar. Yost, Underwood und Remington entwickelten sich zu den damals größten und bekanntesten Herstellern von Schreibmaschinen.

Die Entwicklungsepochen kurz zusammengefasst

Die Phase der Tüftler, der Versuche und Einzelentwicklungen könnte man man beginnend mit Henry Mill von 1714 bis zur Patenteinreichung von Soulé, Glidden und Sholes im Jahre 1868 ansetzen. Die serielle Herstellung begann dann im Jahre 1873 in den USA durch die Firma Remington. Das „Remington Modell No. 1“ wurde übrigens noch bis 1877 nach ihren Erfindern „The Sholes & Glidden Typewriter“ benannt. Entsprechend seiner Vergangenheit als Nähmaschinen-Fabrikant montierte Remington seine ersten Schreibmaschinen auf Nähtische! In den nachfolgenden Jahren ersetzte man den Typenhebel durch Zylinder oder auch Typenräder, immer auf der Suche nach der Sofort-Sichtbarkeit.
Die Zeit der Versuche, die Schrift sofort sichtbar zu machen, reichte bis ins 20. Jahrhundert ins Jahr 1908. Erst dann gelang es Underwood, den Unteranschlag durch den Vorderanschlag zu ersetzen; das Geschriebene war sofort sichtbar! Mit diesem Exemplar von Underwood begann die moderne Zeit der Schreibmaschine. Ab 1939 schließlich setzte die Epoche der elektrischen Schreibmaschine ein. In dieser Zeit entwickelten sich auch die Kugelkopf-Schreibmaschinen. Parallel zum Computer-Zeitalter setzte auch bei den Schreibmaschinen die Entwicklung zur elektronischen Maschine ein. Solche Maschinen mit Display erschienen meines Wissens nach ab 1981.

Die interessantesten Schreibmaschinen für den Sammler und Liebhaber

Neben den ersten Maschinen von Yost, Remington und Underwood, die ich oben teilweise angesprochen habe, sind noch die Schreibmaschinen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert interessant wie die „Blickensderfer“ von G. C. Blickensderfer aus Stamford, die ab 1893 auf den Markt kam und nur 3 kg wog oder die „National“ der National Typewriter Company of Philadelphia von 1889. Sie wurde von Henry H. Unz erfunden. Weiterhin möchte ich erwähnen die „Smith Premier Reihe“, die ab 1888 von der Smith Typewriter Company in New York herausgegeben wurde. Der maßgebliche Entwickler war Alexander T. Brown. Alle diese Maschinen besaßen in Einzelteilen technische Neuerungen, die gerade für technik-interessierte Sammler so wertvoll sind. Des Weiteren möchte ich anführen die „Fox“ und hier insbesondere die „Fox Visible“ von Glenn J. Barrett ab 1902, die Reihe „Halda“ des Schweden Hammerlund ab 1896, die „Hammond“ – Maschinen von James B. Hammond ab 1880 sowie natürlich auch die ersten deutschen Schreibmaschinen. Von den deutschen Herstellern möchte ich die bekannteren wie Adler (jawohl, der Fahrradhersteller!), die Firma Ideal, Triumph, Stoewer, Mignon, Mercedes und natürlich Olympia auflisten. Näheres über die einzelnen Büromaschinen kann man in Museen wie dem Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer bestaunen. In Partschins gelegen, im heutigen Südtirol, kann dort auf vier Etagen die Geschichte Mitterhofers nachvollzogen werden und rund 2000 Schreibmaschinen bestaunt werden. Darunter befindet sich auch die Schreibmaschine des berühmten Erfinders Thomas Alva Edison. Für wahre Liebhaber von Schreibmaschinen ist ein Besuch nahezu Pflicht. Er kann hervorragend mit einem Urlaub verbunden werden, denn Südtirol gehört nicht umsonst zu den beliebtesten Reisezielen Europas, mit geschichtsträchtiger Vergangenheit. In der Nähe des Museums befindet sich beispielsweise das Naturhotel Gruberhof, Hotel Schenna, in dem man hervorragend übernachten kann. Die Aussicht von dort ist atemberaubend und man kann im Urlaub das Angenehme mit dem Hobby verbinden. Peter Mitterhofer hat Zeit seines Lebens nicht die Anerkennung erfahren, die er eigentlich verdient hätte, hat er doch mit seinem Prototyp den ersten großen Schritt für die Entwicklung der Schreibmaschine getan.

Und was ist meine Schreibmaschine heute wert?

Vom Design her sind die eckigen schwarzlackierten Modelle der Vorkriegszeit zwar nicht so interessant; ihre Stärke liegt dagegen in der Feinmechanik und das macht sie daher für Sammler äußerst interessant. Für seltene Exemplare wie die zuvor angeführten kommen leicht einmal vierstellige Summen zusammen. Ganz entgegengesetzt verhält es sich mit den schnörkellosen Schreibmaschinen der Nachkriegszeit. Nur wenige sind hier wirklich nachgefragt und für den überwiegenden Teil der Schreibmaschinen der 50er, 60er oder 70er Jahre werden nur wenige Euro geboten. Hinzu kommt, dass interessierte Sammler für dieses Sammelgebiet genügend Platz vorhalten müssen und die Exemplare zudem nur umständlich zu verschicken sind.

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