Simon & Halbig Puppen

Die Gründerväter Wilhelm Simon und Carl Halbig

Simon & Halbig gehörten zu den größten deutschen Puppenproduzenten. Ihre Puppen zählen heute zu den schönsten, seltensten und daher wohl auch teuersten, welche der Sammlermarkt bietet. Wilhelm Simon und Carl Halbig besaßen bereits eigene Firmen, bevor sie beschlossen, diese zusammenzuführen. Wilhelm Siemon gründete bereits im Jahre 1846 im südthüringischen Hildburghausen seine Fabrik „Feine Spielwaaren & Puppen“. Es muss wohl ein richtiger Gemischtwarenladen gewesen sein, denn sein Betrieb stellte Musikspielwaren, Puppenkleidung, Puppengeschirre her und er verarbeitete auch Porzellan. Da der Betrieb in den Chroniken von Hildburghausen nur wenig Erwähnung findet, gehe ich davon aus, dass er wie viele andere kaum über das Stadium familiärer Manufaktur herausgewachsen war, also eher kleinstrukturiert war. Zudem waren diese kleinen Gemischtmanufakturen gerade in Thüringen sehr häufig. Viele sind früh wieder eingegangen oder arbeiteten später auf der Basis von Familienbetrieben in Zuarbeit für die verbliebenen größeren Betriebe. Auch die Puppenmanufaktur von Andreas Voit, ebenfalls aus Hildburghausen, findet in den lokalen Chroniken kaum Erwähnung. Sie wurde dort 1804 gegründet und wurde bis 1875 von Voits Stiefsohn Ernst Conrad weitergeführt. Heute sind Exponate dieser Kleinmanufakturen begehrt.
Im Jahre 1856 gründete der Kaufmann Carl Halbig im Dorf Gräfenhain am Nordhang des Thüringer Waldes eine Porzellanmanufaktur. Gräfenhain wurde von Ohrdruf, einem Zentrum der Porzellan- und Puppenindustrie, verwaltet. Carl Halbig stellte dort Puppenköpfe her. Wie die Ortschronik von Gräfenhain vermeldete, reichten seine Geschäftsbeziehungen bis in die USA. Er war im Ort selbst auch als Mäzen tätig.
Wie sich Carl Halbig und Wilhelm Simon kennenlernten, immerhin lag der Thüringer Wald zwischen den beiden Betrieben, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls führten sie die beiden Betriebe im Jahr 1869 zu Simon & Halbig mit Sitz in Gräfenhain zusammen und spezialisierten sich auf die Herstellung von Puppenköpfen. Auf diesem Gebiet besaßen beide ihre Erfahrungen. Vorerst wurde wohl weiterhin an beiden Standorten, Gräfenhain und Hildburghausen, produziert. Der Firma kam nicht nur die Erfahrung der beiden Gründer zugute, sondern auch die fast schon weltweiten Geschäftsbeziehungen, die Carl Halbig in den Vorjahren aufgebaut hatte.

Über die Produktion bei Simon & Halbig

Simon & Halbig produzierten vorwiegend Puppenköpfe aus Bisquitporzellan (auch in der Schreibweise Biskuitporzellan). Ihre Biskuitköpfe waren von außerordentlicher Qualität, besser als die anderer Hersteller, was dazu führte, dass viele namhafte Puppenhersteller ihre Porzellanköpfe bei Simon & Halbig bestellten. Sie waren quasi die Experten für Bisquitköpfe! Simon & Halbig produzierten allerdings auch für den Eigenbedarf. Die Firma stand mit ihren Puppenköpfen an vorderster Front, denn das 19. Jahrhundert gilt bis heute als das schillernste Jahrhundert im Puppenbereich und der wichtigste Grund hierfür war die Erfindung des Porzellans und in dessen Folge die Produktion von Puppenköpfen aus zweifach gebranntem Porzellan, dem Biskuitporzellan, welches im Aussehen dem Teint der menschlichen Haut so nahe kam! Wilhelm Simon und Carl Halbig müssen Künstler, müssen Virtuosen auf dem Gebiet der Kopfmodellierung gewesen sein. Wohl keine andere Puppenfabrik, oder soll ich sagen Porzellanwarenfabrik, hat eine solch breite Amplitude, ein solch großes Sortiment an Puppenköpfen produziert wie Simon & Halbig. In der Kunst der Puppenkopfherstellung, der Ausformung der Köpfe, dürften Simon & Halbig zusammen mit Kestner aus dem benachbarten Waltershausen weltweit führend gewesen sein.
Zu den ersten eigenen Puppen gehörten übrigens auch männliche Exemplare. Die Bemalung war überragend, selbst Haare, Locken mit Schleifen oder Schmuck waren modelliert. Simon & Halbig verwendeten Glasaugen als auch gemalte Augen. Im Jahre 1870 wurden die ersten Porzellanschulterköpfe hergestellt. Die ersten Schulterplatten mit Kurbelkopf wurden vornehmlich für den Export nach Frankreich produziert.

Die weltweiten Geschäftsbeziehungen von Simon & Halbig

Die äußerst hohe Qualität ihrer Köpfe führte dazu, dass viele namhafte Hersteller ihre Köpfe von Simon & Halbig giessen ließen. Vielfach war es auch so, dass bereits vorgeformte Köpfe oder feste Wünsche bezüglich Form und Bemalung an die Firma herangetragen wurden und diese dann die Bestellung ausführte. Zu den vielen namhaften Kunden von Simon & Halbig, zu welchen auch große Warenhäuser, Export- und Importgesellschaften, Hersteller von Automaten und Androiden zählten, gehörten:
Heinrich Handwerck aus Waltershausen, Gebrüder Bing aus Nürnberg, Cuno & Otto Dressel aus Sonneberg, Arranbee Dolls aus New York USA, George Borgfeldt & Co aus New York USA, John Wanamaker aus Philadelphia USA, C.M. Bergmann aus Waltershausen, Fleischmann & Bloedel aus Fürth Sonneberg und Frankreich, Franz Schmidt aus Georgenthal, Pierre und Emile Jumeau aus Paris, Wiesenthal Schindel & Kallenberg aus Waltershausen, Wagner & Zetzsche aus Ilmenau, Welsch & Co aus Sonneberg, Edison Phonograph Toy Manufacturing Company USA, Bawo & Dotter New York USA, Carl Bergner aus Sonneberg, Hamburger & Co, Adolf Hülß aus Waltershausen, Gimbel Brothers New York USA, Louis Linder, Frederick August Otto (FAO) Schwarz New York USA, Schoenau & Hoffmeister aus Burggrub, Strobel & Wilken aus Cincinnati USA, Catterfelder Puppenfabrik (Carl Trautmann), Adolf Wislizenius aus Waltershausen, Roullet & Decamps Automaten Frankreich, Hugo Wiegand aus Waltershausen, Kämmer & Reinhardt aus Waltershausen oder auch die Société Francaise de la Fabrication des Bébés et Jouets (S.F.B.J.).
Dies sind bei weitem nicht alle Geschäftspartner von Simon & Halbig. Es macht aber auch deutlich, dass es nicht leicht ist mit der eindeutigen Zuordnung von Puppen. Wieviel komplette Puppen von Simon & Halbig stammen, ist bis heute gar nicht mal so sicher. Sicher scheint nur, dass ab 1879 die ersten eigenen Geschmacksmuster und Seriennummern registriert wurden. Am häufigsten aber sind die Puppenköpfe, welche die Firma für andere Hersteller produziert hat. Diese Köpfe sind zumeist durch zweifache Logos oder Marken am Hals gekennzeichnet, z.B. S&H für Simon und Halbig sowie K*R für Kämmer & Reinhardt oder auch S&H sowie CB für C.Bergmann.

Die Zeit der Charakterpuppen

Der Export nach Frankreich zu Jumeau und den anderen großen Franzosen begann mit Geschäftsgründung im Jahre 1869; wahrscheinlich lieferte Halbig aber bereits mit seiner Vorläuferfabrik seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts Biskuitköpfe nach Frankreich. Die Köpfe wurden in Frankreich auf die ersten Körper der französischen Charakterpuppen, aber auch auf Automaten und Androiden wie sprechende Puppen montiert. Der Exportfluss nach Frankreich wurde durch die Jahre des Krieges 1870/71 unterbrochen, aber wenige Jahre später wieder aufgenommen, da selbst die großen Pariser Hersteller nicht in der vergleichbaren Qualität und auch nicht so günstig wie die thüringer Hersteller zu produzieren in der Lage waren.
Wenig später gab es die Charakterpuppen auch in Deutschland. Die berühmteste Serie ist wohl die von Kämmer & Reinhardt. Die gesamte Serie wurde von Simon & Halbig gegossen, und zwar ab 1902. Allerdings wurde erst ab 1905 die Markung S&H eingeführt, so dass man davon ausgehen kann, dass Hälse ohne diese Markung aus den Jahren vor 1905 stammen. Die Entwürfe für die Charakterpuppenserie stammten von Kämmer & Reinhardt. Die Serie der Charakterpuppen von Kämmer & Reinhardt umfasste die Seriennummern ab Nr. 100. Bis zur Nummer 149 wurde für etwaige Exemplare von Kämmer & Reinhardt reserviert. Simon & Halbig produzierten anschließend ab der Nr. 150 selbst vier eigene Charakterpuppen. Von den eigenen Puppen sind noch die Puppenserien I – IV sowie die Nummern 1488 oder auch 1448, 1388, 1308, 1303 und 1398 bekannt, sehr selten und gesucht. Mir persönlich gefällt die Charakterpuppe, die Dame mit der Nr. 152, von allem am besten. Im Jahre 1909 wurde zudem noch eine Babypuppe kreiert.

Das Ende eines großen Herstellers

Im Jahre 1923 starb der Sohn des Gründers, Arno Halbig, und 1926 der Gründer Carl Halbig. Ernst Rosenstock, der Schwiegersohn von Carl Halbig, führte die Porzellanmanufaktur noch einige Jahre weiter. Die Keramischen Werke Gräfenhain wurden schließlich zu Beginn der 30er Jahre der Nachfolger von Simon & Halbig.

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2 Kommentare über “Simon & Halbig”

  1. Rückschloss Eva schrieb:
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    2tes Foto zu Simon + Halbig Püppchen Nr. 126

  2. Rückschloss Eva schrieb:
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    Hallo, ich habe ein kleines farbiges Babypüppchen von Simon + Halbig Nr. 126 mit Kleidung sehr sehr alt. Ich sende Fotos anbei. Könnten Sie mir einen Tipp geben – denn ich möchte diese verkaufen. Habe keine Ahnung wie ich den Wert ermitteln könnte.
    Freue mich über eine Auskunft
    ganz lieben Dank
    Eva Rückschloss

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