Pin up, Pin-up, Pin-ups sammeln

Begriffserklärung

Ursprünglich bedeutet pin-up soviel wie aufhängen oder auch anheften. Heute benötigt man zum Verständnis allerdings kein deutsch-englisches Wörterbuch mehr, da sich nach dem Krieg viele Amerikanismen auch hier sehr verbreitet haben. So kennen wir die Pin-Wand und auch das Wort anpinnen. Ein Pin-up ist also ein Bild, welches ich zunächst nur einfach an die Wand, an die Tür oder im Büro über den Schreibtisch pinne. Es hat etwas kurzfristiges, es hat nichts zu tun mit den Dingen, die länger an der Wand verweilen, zum Beispiel Gemälde, Ahnenfotos, Landkarten oder Urkunden. Pin-up kann also erst mal alles sein, was ich an die Wand heften kann. Trotzdem hat sich der Begriff Pin-up nahezu ausschließlich auf leichtbekleidete Mädchen oder junge Frauen fokussiert mit einer durchaus erotischen Note.

Zur Geschichte des Pin-up

Der Begriff Pin-up kam meines Erachtens zum ersten Mal Anfang der 40er Jahre auf, und zwar während der Zeit des 2. Weltkrieges. Diese Zeit war ganz gewiß ein Höhepunkt der Pin-ups, als sie ständiger Begleiter des amerikanischen Soldaten waren. Gerade bei ihnen waren diese Bilder sehr beliebt und insbesondere solche, welche Themen des Soldatenalltags anlehnend aufnahmen. Hinzu kam als Teil der psychologischen Kriegsführung der Amerikaner, dass in der Heimat angehende Filmsternchen, welche einem gewissen männlichen Vorstellungsniveau entsprachen, zur Aufmunterung der eigenen Truppen diese in den Kriegsgebieten besuchten. Hierzu gehörten bekannte Größen wie Betty Grable, Lana Turner, Marilyn Monroe oder Rita Hayworth. Oftmals waren Wände und Spinde der Soldatenstuben mit solchen Abbildungen regelrecht zugepinnt. In diesem Umfeld entstand der Terminus „Pin-up“. Die Verehrung ging so weit, dass Bilder dieser weiblichen Stars und Sternchen übrigens auch die Vorderrümpfe der amerikanischen Kampfflugzeuge zierten. Man sprach in diesem Zusammenhang von der „Nose Art“.

Damit hätten wir zwar die Geburtsstunde des Begriffes „Pin-up“ einigermaßen festmachen können, nämlich das Jahr 1941 mit dem Kriegseintritt der USA sowie dessen Vorbereitungen. Die Bilder selbst wurden herausgelöst aus Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Magazinen, Kalendern und Ähnlichem. Sie dienten vor Allem Einem – der Werbung, der Förderung des Verkaufes von Produkten. Der Sinn der Bilder war es natürlich nicht, an die Wand gepinnt zu werden, sie waren Teil der Reklame. Das heißt natürlich auch, dass diese Art der Malerei älter war als die Zeit des 2. Weltkrieges, als man die Resultate zum ersten Mal als Pin-ups wahrnahm.

Genau genommen, gehört diese Art der Malerei zum Genre der illustrativen Kunst. Zunächst einmal, es handelt sich bei den Originalen natürlich um Malerei. Es handelte sich in der Regel um Auftragsmalerei von Großfirmen; anschließend fanden sich die Originale millionenfach reproduziert auf allen möglichen Gebrauchs- und Alltagsgegenständen.

Bild rechts zeigt einen typischen us-amerikanischen Pin-up-Kalender aus dem Jahre 1948. Das Mädchen trägt aufreizende Kleidung, ohne allerdings pornografisch zu wirken. Dass diese Grenze nie überschritten wurde, ist ein Charakteristikum der pin-ups.

Diese Art der illustrativen Kunst zu Reklamezwecken kennen wir bereits aus dem Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Erotische Malerei selbst hat es natürlich gegeben, seit es Malerei gibt, also begonnen bei den Höhlenmalereien unserer ältesten Vorfahren. Auch in antiker und späterer höfischer Zeit im Mittelalter gab es, denken wir nur an die großen Maler der Renaissance, Akt- und erotische Malerei. Auch zu jenen Tagen handelte es sich vielfach um Auftragsmalerei, ich nenne stellvertretend die Medici in Florenz,- nur blieben diese Werke anschließend beim Auftraggeber, das heißt, das breite Publikum konnte sich daran nicht ergötzen. Nach der industriellen Revolution auch mit den mannigfaltigen Möglichkeiten der Reproduktion in Europa ergab sich eine völlig andere Situation. Reklame mit graphischen Mitteln gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch die illustrative Malerei zwecks Vermarktung setzte kurze Zeit später ein. Ich erinnere hier an die Werbeplakate und Werbekarten, mit welchen nahezu jede Firma ausgestattet war. Es gab ausgesprochene Werbegrafiker wie Ludwig Hohlwein, welche ausschließlich für die Werbung oder besser Reklame arbeiteten, aber auch Künstler, welche neben ihrer eigentlichen künstlerischen Tätigkeit auch auf dem Gebiet der illustrativen Werbemalerei tätig waren. Bestes Beispiel ist Alfons Maria Mucha, der bereits ab 1990 erotische Malereien, meist Frauenfiguren, im Rahmen der Auftragsmalerei ablieferte. Insbesondere erinnere ich an Muchas „Figures decoratives“. Hier finden wir die Vorläufer für die spätere Pin-up-Malerei. Zum ersten Mal gelangte etwas für den Normalbürger in Verbreitung, etwas, das seine erotischen Fantasien anstachelte. Das dies auch im sehr prüden Amerika möglich war, verwundert immer wieder.

Das Goldene Zeitalter der Illustrativen Kunst waren ganz gewiss die 20er Jahre. Auch in Deutschland gelten sie als das Jahrzehnt der Varietes und des Glamours. Sie waren in den USA als Siegermacht des kurz zuvor beendeten 1. Weltkrieges natürlich noch ausgeprägter und intensiver. Die sogenannten Wilden Zwanziger zeigten oftmals mehr Haut als die darauffolgenden Jahrzehnte. Die Filmindustrie boomte und benötigte ihren Anteil an Illustrations-Malern. Es begann die große Zeit des klassischen Pin-ups. Diese Großzeit des Pin-ups reichte von den 20er Jahren bis in die 60er Jahre, als die klassische Pin-up-Malerei allmählich durch die Fotografie ersetzt wurde.

In den 30er Jahren kam in den USA die sogenannte Pulp-Literatur auf. Die Pulps gehören zur proletarischen Kultur der USA wie Mickey Mouse, Burger und McDonalds. Vielleicht haben sie sich gerade aufgrund dieser breiten eher volksnahen Kultur dort durchsetzen können; eine klassische Kultur im europäischen Sinne haben die USA nie besessen. Es waren verschiedene Männermagazine, über welche die Pin-ups enorm Verbreitung fanden. Am bekanntesten ist wohl das „Esquire“, welches im Jahre 1933 den Künstler George Petty engagierte mit dem Auftrag, Cartoons zu zeichnen. Inhalt der Cartoons waren schlanke erotisierende Mädchen, die gerade im prüden Amerika für Furore sorgten und dieses erste Herrenmagazin landesweit bekannt machten. Was verständlicherweise folgte, war eine wahre Flut an neuen Herrenmagazinen, welche mit einer ganzen Schar an Illustrationsmalern als neue Konkurrenten auftraten. Als neue Konkurrenten traten Zeitschriften wie „Beauty Parade“, „Whisper“ und „Flirt“ sowie „Eyeful“ auf.

Einige wichtige Künstler des Pin up neben George Petty waren: Gil Elvgren, Fritz Willis, Earl Moran, Al Buell, Alberto Vargas, Peter Driben, Rolf Armstrong, Harry Ekman, Earl MacPherson, Enoch Bolles (schon in den 20ern und 30ern), Walt Otto, Art Frahm, in den USA, Al Moore, Billy de Vorss, Joyce Ballantyne, Edward D’Ancona, Freeman Elliot, Bill Medcalf, Al Moore, Earl Moran oder Earl Mac Pherson. Es waren fast ausschließlich Männer, welche pin-ups malten. Die wohl bekannteste Frau unter den Künstlerinnen war Zoe Mozart.

Die Amerikaner nennen es „ sex sells“ – Sex verkäuft. Das Geschäft mit den Pin-ups lief immer mehr an. Güter mit Pin-ups ließen sich einfach besser verkaufen. Die Pin-ups zierten nun alles Mögliche: Magazine, Zeitschriften, Leuchtreklamen, Verbrauchsverpackungen, sogar Gebrauchsgüter wie Aschenbecher, Feuerzeuge, Trinkgläser, Streichholzschachteln. Pin-ups wurden längst nicht nur gepinnt, sondern auf jede nur erdenkliche Art und Weise vervielfältigt, kopiert, gebrannt, gedruckt etc. Es gab keine erwerbsmäßigen Fläche, welche nicht belegt werden konnte. Wir kennen dies bestens aus unseren Autoverkaufsanzeigen, in welchen spärlich bekleidete Models auf der Motorhaube liegend für die Automodelle werben. Indes, eines muss gesagt werden: Die Pin-up-Malerei hatte nie pornographischen Charakter.

Bild links zeigt pin-ups auf Bargläsern aus den 50er Jahren. Kein Gebrauchsgegenstand war vor den pin-up Werbungen sicher

Die Erwartungshaltung war auch so, dass man Nacktheiten weniger mit Pin-ups in Verbindung brachte. Es war eher ein Bekleidetsein an der äußersten Grenze, mit Reizen nicht geizend, aber nie pornographisch. Es hat gewissermaßen etwas Burleskes. Es ist bei vielen Pin-up-Malern zu bestaunen, wie vielfältig sie mit dieser sensiblen Grenze umgehen, nämlich erotisch zu wirken, ohne pornografisch zu sein. Diese Grenze wurde auch nie überschritten, als später der Konkurrenzkampf im Waren orientierten Bereich stärker wurde.

Das Ende als Werbemittel und Anerkennung als „Pin-up-Art“

Die Pin-up-Malerei wurde in den 60er Jahren allmählich von den neuen Medien ersetzt; insbesondere die Fotographie setzte neue Maßstäbe im Bereich der Werbung, welche mit der illustrativen Malerei längst nicht mehr abgegolten werden konnten. Fotografien konnten zudem sehr viel schneller, günstiger porduziert, vervielfältigt und eingesetzt werden. Nicht zu vergessen sind außerdem die völlig neuen Werbemöglichkeiten, die das Medium Fernsehen ab Mitte der 50er Jahre bot.

Aber es ist wie mit vielen Dingen. Mit dem Überhäufen neuer Werbemedien und auch diesbezüglicher Beliebigkeit wurde erst der Blick auf die doch sehr reizvolle Art der Werbung der Vor- und Nachkriegszeit geschärft. Erst als schnöde Alltagskunst gemieden, gelangte die Pin-up-Malerei immer mehr in den Fokus von Sammlern und Liebhabern und eroberte bald die ersten Kunstgalerien. Seit den 80er Jahren gilt diese einst eher gemiedene Alltagskunst als Vorläufer und später eines der Grundelemente der Popkultur; sie sieht sich heute sogar mit dem Kunstbegriff „Pin-up-Art“ geadelt. Insbesondere die als Vorlagen dienenden Original-Gemälde sind heutzutage äußerst rar und erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Aber auch die Werbemittel, welche mit Reproduktionen arbeiteten, sind bei Sammlern sehr begehrt. Ein gutes Beispiel sind originale Pin-up-Kalender aus der Hochphase der klassischen Pin-ups.

siehe auch Erotica

2 Kommentare über “Pin-ups, Pin up-Kalender”

  1. Ingo Dieter schrieb:
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    Hi Thorsten,
    hätte an den Vargas Interesse.
    Bitte melde dich, danke Dieter

  2. Thorsten Grützmacher schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    Sicherheitsfrage (Spamschutz):
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    Hallo erstmal,
    ich habe einige originale Pin up Kalenderbilder von Varga(s) Jahrgang 1946. Da ich derzeit arbeitslos bin würde mich interessieren was diese Bilder wert sein könnten. Desweiteren gefällt mir diese Seite sehr gut da sie auch sehr umfangreich und informativ ist.
    Wenn mir da einer weiterhilft wäre ich sehr dankebar!

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