Pez sammeln, Pez-Spender, Pezen, Pez-Automaten

Eine kurze Einführung

Pez kommt aus Österreich. Ich selbst kenne Pez aus den 60er Jahren, als ich noch ein kleiner Bub war. Ein Kolonialwarengeschäft, – so hießen die Geschäfte, die alles mögliche über Lebensmittel, Getränke, Schokoladen, Alkoholika und so weiter damals verkauften, – welches sich zwei Häuser weiter in unserer Straße befand, bot diese Erfrischungsbonbons an. An der straßenseitigen Ladenfront befand sich neben einem Zigarettenautomaten und einem Kaugummiautomaten auch ein Pez-Automat. Dort habe ich bis zum Beginn meines Studiums, welches mit dem Fortzug aus meiner Kleinstadt verbunden war, selbstverständlich auch immer dies Pez-Packungen gekauft. pez_briefmarke von 2009Damals übrigens für 10 Pfennige das Stück! Zu den Packungen gab es auch immer zusätzlich die heute so gesuchten Pez-Spender oder Pez-Boxen zu kaufen. Die gab es allerdings nur im Geschäft, nicht am Automaten. Ich glaube, sie kosteten um die 1 Mark, sie waren jedenfalls nicht so teuer.

Pez Briefmarke der Post Österreich von 2009. Sie zeigt das Mädchen mit dem blaugoldenen Oberteil und der blaugoldenen Kopfbedeckung

Wir haben sie als Kinder aber auch nicht so häufig gekauft. Warum auch, wenn man einen Pez-Spender hatte, gebrauchte man ihn, bis er kaputt war. Es konnte doch keiner ahnen, dass gerade dies Pez-Boxen später einmal zu einem beliebten Sammelgebiet mutieren würden! Ach hätte ich doch alle diese Pez-Spender aufgehoben, die ich damals gekauft hatte. Na gut, – wenn dies jeder getan hätte, besäßen sie auch heute nicht den Sammlerwert. Ich meine mich noch gut zu erinnern, dass die Pez Bonbons wie eine plötzliche Welle über uns kamen, vielleicht war ich aber auch nur zu jung, um sie schon vorher kenngelernt zu haben. Der große Charme von Pez im Gegensatz zu anderen Pfefferminzprodukten waren diese Pez-Boxen oder auch Pez-Spender. Sie haben wohl auch wesentlich zu diesem großen Verkaufserfolg von Pez beigetragen. Insgesamt dürfte ich an die 50 solcher Pez-Spender besessen haben. Wir waren damals schon ganz dolle am Pezen, – dieser Ausdruck war damals schon bekannt. Die Spender waren schön, lustig und mit den damaligen bekannten Comics-Köpfen ausgestattet wie Micky Maus, Goofy etc. Nur waren sie halt lediglich Spiel- und Gebrauchsgegenstände, so dass sie nach einiger Zeit wie selbstverständlich im Hausmüll verschwanden. Sie waren aber auch verdammt umständlich, die Pez-Bonbons musste man schon einzeln einlegen. Es machte aber Spaß. Ich besitze allerdings heute keinen einzigen Pez-Spender mehr.

Pez – Von den Anfängen bis zum 2. Weltkrieg

Die Geschichte von Pez begann im Jahre 1927 (Hinweis der österreichischen Post). Erfinder war der Kaufmann Eduard Haas, der von 1897 bis 1989 lebte. Die Dynastie Haas war damals schon wohlbekannt, auch und besonders wegen der Herstellung von Backpulver. Was Oetker in Deutschland, war Haas in Österreich. Mir selbst ist kein genaues Gründungsdatum der Firma Haas bekannt. Begonnen hatte jedenfalls alles mit dem Arzt Eduard Haas (1833 – 1878). Der Arztberuf besaß in dieser Familie  Tradition. Eine zweite Tradition sollte hinzukommen, denn von nun an hießen die männlichen Nachfolger Eduard. Der Arzt Eduard Haas wird daher auch als Eduard I. bezeichnet. Mit Eduard I. begann der Wandel der Arztfamilie zur Kaufmannsfamilie. Wie so viele Ärzte und Apotheker experimentierte er mit Rezepturen und Heilmischungen; aus diesen Experimenten entstand sein erstes Backpulver. Sein Sohn Eduard II. studierte zwar auch noch Medizin, gründete allerdings bereits einen Kaufmannsladen, in welchem er abgepackte und abgewogene Ware verkaufte, eine damals sehr innovative Idee, gab es bis dato doch nur lose Ware. Eine seiner Verkaufsprodukte war die bis dahin noch namenlose Backpulvermischung seines Vaters. Aber erst mit Eintritt von Eduard Haas III. in den Kaufmannsbetrieb begann die eigentliche Erfolgsgeschichte. Er vermarktete das Backpulver über die ganze KuK Monarchie Österreich-Ungarn.  Österreich-Ungarn war der zweitgrößte Flächenstaat in Europa und gleichzeitig ein Vielvölkerstaat. Nach dem 1. Weltkrieg 1918 und dem Zerfall des Vielvölkerstaates war es allerdings nicht mehr möglich, die Waren in die ehemaligen Teilstaaten auszuführen.  Daher wurden  Niederlassungen und Produktionszweige in Deutschland (Zittau), der Tschechoslowakei (Reichenberg) und Polen (Bielitz) gegründet.

Mit Einführung des Markennamens „Hasin“ für  eine  fertige Backmasse  im Jahre 1915 war der Erfolgsweg vorgezeichnet. Das Experimentieren mit Mischungen lag der Familie Haas wohl im Blut; dieses führte zu einer enormen Ausweitung des Firmenangebotes. Das Tüpfelchen auf dem „i“ war allerdings dann die schon angesprochene Erfindung des Pfefferminzbonbons Pez. Der Name leitete sich aus dem Wort „Pfefferminz“ ab. Das Hausrezept kennt wohl nur der Hersteller selbst, es scheint sich aber um eine Mischung aus Pfefferminz und Zucker zu handeln. Ein Slogan vom „Pezen“ wurde alsbald schon kreiert: „… Pezen erlaubt“. Die Bonbons wurden zunächst nur in Papier, später mit Beginn der 30er Jahre auch in Blechdosen verkauft. Diese Blechdosen sind heute sehr gesucht.

Pez nach dem 2. Weltkrieg

Im 2. Weltkrieg wurden Teile der Werke zerstört, nach dem Krieg das Werk in der Tschechoslowakei enteignet. Auch die Versorgung mit den Ausgangsmaterialien gestaltete sich schwierig. Die Werke waren mit dem beginnenden Aufschwung jedoch bald wieder aufgebaut, die Versorgungsengpässe überwunden. Bereits im Jahre 1946 konnte wieder mit der Herstellung von Backpulver und Puddingpulver begonnen werden. Im Jahre 1947 wurde auch Pez wieder ausgeliefert, allerdings immer noch in den Blechdosen, die wir aus der Vorkriegszeit kannten. Das Entnehmen der Pez-Bonbons aus den Blechdosen war allerdings umständlich, es wurde nach einer Lösung geforscht. Der nachfolgende weltweite Durchbruch war unter anderem 2 Personen geschuldet, die maßgeblich an Entwicklung der Pez-Box sowie der Vermarktung beteiligt waren: Oskar Uxa sowie Gerhard Brause. Der Wiener Ingenieur Uxa entwickelte in den 40er Jahren den Pez-Spender, welcher mit nur einer Hand funktionierte. Die Vermarktung der Pez-Bonbons mit dem neuen Spender übernahm der Werbegrafiker Gerhard Brause. Er ist der Vater der Schönheit im blaugoldenen Oberteil und der blaugoldenen Kopfbedeckung mit der Aufschrift „Pez“. Das blaugoldene Mädchen entfaltete für die Firma Haas einen ähnlichen Erfolg wie die lila Kuh für Milka, der Mohr für Sarotti oder das HB-Männchen für HB. Frühere Werbedarstellungen zeigen eine Frau noch in grüner statt blauer Farbe.

Im Jahre 1949 wird die von Uxa entwickelte Pez-Box auf der Messe vorgestellt und entwickelt sich danach zum Renner. Um Pez besser verkaufen zu können, wurden mit Beginn der 50er Jahre Pez-Automaten, sogenannte „Pezomaten“, an die Händler verteilt. Dadurch konnte man sich die Pez-Bonbons auch außerhalb der Öffnungszeiten kaufen. Auch die frühen Pezomaten der 50er und 60er Jahre sind bei Sammlern sehr gesucht. Ich selbst bin noch auf der Suche nach einem sehr schönen Stück, allerdings in meiner Eigenschaft als Liebhaber der 60er Jahre.

Die Pez-Bonbons der damaligen Zeit sind mir noch gut in Erinnerung. Es gab auch in den frühen 60ern verschiedene Geschmacksrichtungen. Zunächst waren allerdings nur Zitrone und Orange dominierend.

Die Pez-Spender oder Pez-Boxen

Die Pez-Spender kennt man eigentlich nur mit Köpfen. Die Kreation dieser Köpfe oblag lange Jahre bis weit in die 70er Jahre dem auch für die Werbung zuständigen Werbegrafiker Gerhard Brause. Meine ersten Spender besaßen allerdings keine solchen, sondern nur eine Art Schnappverschluss an Stelle der Köpfe. Hieran kann man die älteren Pez-Spender erkennen. Insgesamt ist die Menge an Pez-Spendern nahezu unübersichtlich. Natürlich musste man damals den Bedürfnissen von uns Kindern nachkommen und nicht nur den Geschmack der Bonbons erweitern und variieren, sondern die Oberteile an diese kindlichen Verhaltensmuster anpassen. Comics wie Micky Maus oder Fix und Foxi waren bereits Anfang der 60er groß in Mode; daher war es nicht verwunderlich, dass der alte Schnappverschluss bald durch Comics-Köpfe ersetzt wurde. Die Firma Haas produzierte hierbei nicht nur für den deutschsprachigen Markt, sondern auch für den europäischen und speziell für den amerikanischen Markt. Ich gehe davon aus, nachdem was mir Sammler erzählten, dass mehr als die Hälfte der Pez-Spender in den USA vertrieben wurden beziehungsweise überhaupt nur für diesen Wachstumsmarkt hergestellt wurden. Eine komplette Sammlung aufzubauen, wird daher kaum möglich sein, da viele dieser Spender hierzulande nicht bekannt sind und überhaupt nicht in Auslieferung gekommen sind. Auch wurden die für den amerikanischen Markt vorgesehenen Köpfe dessen Bedürfnissen angepasst, und da waren die Amerikaner immer schon ein paar Jahre voraus. Während wir hierzulande in die Micky Maus- und Fix und Foxi-Hefte vertieft waren, Comics waren ja etwas Neues, interessierten sich die amerikanischen Kinder schon für Halloween oder Roboter und dergleichen. Dementsprechend wurden dort andere Köpfe vertrieben.

Neben den einfachen Schnappverschlüssen oder Schnappdeckeln gibt es weitere Hinweise auf das Alter der Pez-Spender. So lagerten anfangs die Schnappdeckel und später die Köpfe noch in einer Stahlfeder. Stabilität gab eine Stahlachse. Nach und nach wurden in den nachfolgenden Jahren die Metallteile ersetzt. So wurden etwa ab 1965 die Schnappdeckel bereits mit Plastikteilen gehalten. Ab etwa 1975 gab es keine Metallteile mehr in den Köpfen der Boxen. Lediglich die Magazinfeder wurde noch aus Metall hergestellt. Einige Jahre später bereits wurden die Pez-Spender mit Füßen ausgestattet.

Resümierend zu diesem doch schönen Sammelgebiet muss man sagen, dass, wer sich einigermaßen komplettieren möchte, den Kontakt zu amerikanischen Sammlern nicht scheuen sollte. Oder aber man engt sein Sammelgebiet bewusst zum Beispiel auf den deutschsprachigen Raum ein. Wie bei anderem Spielzeug auch, so wandelte sich die Produktion der Spender von langen Jahren Handherstellung zur automatisierten Produktion. Die Grundelemente wurden sukzessive in Billiglohnländer vergeben, während das Zusammensetzen allerdings in österreichischen Behindertenwerkstätten geschah. Produktionsstandorte waren unter anderem Ungarn, Jugoslawien, Hongkong, aber auch die USA.

Unter der Rubrik Wissenswertes werden immer wieder mal Hintergründe zum Pez-Sammeln dargelegt.

4 Kommentare über “Pez”

  1. PEZ Spender aus Acrylglas schrieb:
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    Dieser Spender wurde für PEZ für eine Messe gebaut. Er ist 1,50 hoch und das obere Stück lässt sich öffnen. Vielleicht ist das ja was für einen SAMMLER. Versand ist schier unmöglich, Preis VB, Standort Witten

  2. Johannes Friederich schrieb:
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    Vielen Dank!
    der rechte (rote) Automat ist genau der gesuchte. Hat damals (vor 50 Jahren) wohl 5,- bis 10,- DM gekostet. Ich hätte nie gedacht, dass er heute ein so wertvolles Sammlerstück ist. Leider ist mein Automat bei diversen Aufräumaktionen in meinem Elternhaus verschollen.

  3. PEZ schrieb:
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    Hallo Johannes Friedrich,

    meinen Sie diesen Automaten hier?
    http://www.pezlist.com/mcpez/images/pezpics/miscnondisp/originals/gamabk-r.jpg

    Ist leider äußerst rar. Sammlerwert über 500 USD.

  4. Johannes Friederich schrieb:
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    Hallo,

    ich hatte in den 60-Jahren einen kleinen roten Pez-Automaten (H=ca. 20cm, B=ca. 8cm) aus Kunststoff mit Sichtfenster zum Aufhängen an die Wand. Hinein passte der Inhalt einer Pezstange. Man musste einen Pfennig in den Schlitz einwerfen und konnte sich dann an der Schublade ein Pez herausziehen. Über diesen Automaten habe ich noch keinerlei Hinweise gefunden….

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