Perücken sammeln

Einleitung

Befasst man sich mit der Kulturgeschichte, so kommt das Thema Perücken darin nur selten vor. Dabei sind doch gerade Perücken Ausdruck der Kulturgeschichte. Sie spiegeln nicht nur den Geist und Stil der jeweiligen Epoche wieder, sie sagen auch so viel über das Alltagsleben und natürlich auch den jeweiligen Träger aus! Es ist schon aus diesem Grunde eines der interessantesten Sammelgebiete.

Eine kleine Geschichte der Perücke

Es fing eigentlich schon bei den alten Ägyptern an, dass man sich zu besonderen Gegebenheiten mit einer Perücke schmückte. Man wollte sich doch, wie auch heute, den Leuten präsentieren und gegenüber anderen hervorheben. Aus Grabfunden wissen wir, dass es Perücken schon vor circa 5000 Jahren gegeben haben muss. Das Wort Perücke leitet sich ab von dem französischen „perruque“, was soviel bedeutet wie „Zweitfrisur“. Auch die antiken Zweitfrisuren waren teilweise schon gefärbt und mit Düften behaftet und mit Spangen und anderen Schmuckstücken verziert.

Betrachtet man die Büsten und Standbilder in römischen Museen, so wird deutlich, dass Perücken auch im römischen Reich eine bedeutende Rolle spielten. Das Capitolinische Museum in Rom bietet hierfür besten Anschauungsunterricht. Die römischen Frauen, eher mit dunklen Haaren ausgestattet, hatten großes Bedürfnis nach blonden germanischen Haaren; Ausgangsmaterial ihrer Perücken waren oftmals die blonden Haare ihrer germanischen Dienstmädchen. Aber nicht nur die Römer, auch die Griechen, die Perser, Trojaner, sie alle kannten bereits die Perücke und ihren Wert als Statussymbol.

Höhepunkt im Mittelalter

Den Höhepunkt als Modeerscheinung erlebte die Perücke im Mittelalter. Bis dahin war der Bedarf an einem Zweithaar bereits sehr hoch. Nicht nur menschliches Haar wurde zur Perückenherstellung genutzt, sondern auch das Haar von Tieren, speziell von Pferden, welches sich besonders gut eignete. Bekannt ist auch die Verwendung von Ziegenhaar. Die Perücke hielt im Mittelalter Einzug in das höfische Leben. Insbesondere in diesem Umfeld gehörte sie quasi zum Muss! Sie war auch Ausdruck der Standeszugehörigkeit. So ist verständlich, dass sie dem gemeinen Menschen weniger zugebilligt wurde. Der berühmteste Perückenträger des hohen Mittelalters war der Sonnenkönig Ludwig der Vierzehnte. Unter ihm wurde die Perücke Pflicht bei Hofe. Mitte des 17. Jahrhunderts sorgte er dafür, dass fortan allein 48 Perückenhersteller für den Hof arbeiteten. Die Perücken am Hofe wurden mit der Zeit immer monumenter, türmten sich regelrecht auf. Die Mode als Statussymbol wurde von den Höfen in Europa übernommen. Paris blieb allerdings das Zentrum der Herstellung. Bereits im Jahre 1656 wurde die erste Innung der Pariser Perückenhersteller gegründet. Unter Ludwig dem Achten wurde in Paris bereits um in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts die sogenannte Allonge-Perücke eingeführt. Wie ihr Name sagt, fiel sie lang in Locken nach unten.

Das Bild links zeigt eine typische Allongeperücke, welche ihre Hauptverbreitung etwa von 1625 bis 1720 hatte

Sie reichte in der Regel hinab bis auf Brusthöhe. Ludwig der Vierzehnte erhob die Allongeperücke später zur Staatsperücke; sie war allerdings nur Männern erlaubt. Aber auch für die Frauen gab es bald sehr viele Perückies und Coiffeure. Die Allongeperücke hielt sich ins 18. Jahrhundert. Sie war Statussymbol des Adels, der hohen Stände wie die der Richter und hatte sich über Europa verbreitet. Bis heute hat sie sich in Großbrittanien gehalten. Noch immer tragen Richter dort die Allongeperücke. Das 17. und das 18. Jahrhundert war die Hochkultur der Perücke. Sie gab es nun in nahezu allen Farben, es gab kleine und hohe Aufbauten, spezielle Düfte, Puder etc. Die Herstellung einer Perücke entwickelte sich zu einer regelrechten Kunst. Sie weiteten sich aus auf Personen des Alltagslebens, auf Lehrer, Musiker, Komponisten; die Perücke hielt sogar Einzug in die Kreise des Militärs und anschließend auch in die Kreise einfacherer Leute.

Herstellung

Die Herstellung einer Perücke war überaus aufwendig. Zunächst wurde ein Seidennetz hergestellt, auf welchem anschließend mit Nadeln menschliche oder tierische Haare befestigt wurden. Besonders teuer, weil begehrt, war menschliches Haar. Dies wurde zuvor gesäubert, gewaschen und von Schuppen befreit. Eine solch aufwendig hergestellte Perücke konnte auch schon einmal einen vierstelligen Betrag in Talern erreichen. Für eine Perücke wurden etwa 200 bis 400 Gramm Haar benötigt.

Perücken heute

Ende des 19. Jahrhunderts verlief sich die Mode, Perücken zu tragen. Auch hatten die höheren Stände längst nicht mehr das Ansehen und die Macht ehemaliger Tage. Die Französische Revolution war ein ganz entscheidender Einschnitt. Sie schnitt im wortwörtlichen Sinne alte Zöpfe ab. Die immer größer werdenden Aufbauten wurden zudem auch nicht mehr als bequem empfunden. Man schwitzte regelrecht unter diesen Monstern.

Heute kann man sich jede Art von Perücke für alle möglichen Anlässe besorgen. Sie werden aus menschlichem Haar oder aus Tierhaar oder auch Kunsthaar hergestellt. Männer tragen Perücken so gut wie überhaupt nicht mehr, es sei denn als Ersatz für krankhaft ausfallendes Haar. Bequemer sind Toupets oder Teiltoupets. Benötigt werden Perücken weiterhin in einigen Bereichen wie der Schauspielerei, beim Theater, beim Karneval. Statussymbol allerdings besitzen sie längst nicht mehr.

Aufbewahrt werden Perücken auf sogenannten Perückenköpfen oder auch Haubenköpfen.

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