Optisches Spielzeug sammeln

Optisches Spielzeug hat eine lange Historie. Wissenschaftliche Erkenntnisse stellten die Basis für diese unterhaltsamen Spiele dar. Kindgerecht wurden sie aufbereitet und erfreuten sich einer großen Beliebtheit in der breiten Bevölkerung. Trotzdem stellt es sich nicht einfach dar, gut erhaltene und komplette optische Spielzeuge zu finden. Häufig wurden sie aus Pappe und Papier gefertigt, seltener aus Blech, sodass sie schnell kaputt gingen. Sammler suchen insbesondere nach Exponaten mit einer reizvollen Grafik, nach grafischen Darstellungen, die eine hohe Qualität hinsichtlich Ausschmückung, Einfallsreichtum und Fertigung aufweisen.

Ein kleiner Trick – Wunderscheiben

Der erste Vorläufer des Films war vermutlich das Thaumatrop, welches auch als Wunderscheibe bezeichnet worden ist. Auf der Rück- und Vorderseite einer kleinen Scheibe aus Pappe waren zwei sich ergänzende Bilder gemalt. An den sich gegenüberliegenden Seiten waren zwei kurze Bänder angebracht, welche das Zwirbeln der Scheibe mithilfe der Daumen und Zeigefinger ermöglichte. Wurde eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht, überlagern sich die zwei verschiedenen Abbildungen der Rück- und Vorderseite. Sie bildeten ein Bild, was beispielsweise ein Reiter mit einem Pferd gewesen ist. Aufgrund der sogenannten Nachbildwirkung konnten die beiden Bilder nicht als zwei verschiedene Abbildungen erkannt werden. Dieser Effekt besagt, dass ein einwirkender Lichtreiz auf die Augennetzhaut für eine gewisse Zeit bestehen bleibt. Solche Spiele wurden circa ab dem Jahr 1825 vertrieben. Der Spielzeugfabrikant Trentsensky & Vieweg aus Österreich beispielsweise vertrieb solche Spiele unter dem Namen „kleine optische Zauberscheiben“ und war damit sehr erfolgreich.

Ein komplizierter Name für ein einfaches Prinzip – das Phenakistiskop

Etwa zur gleichen Zeit widmeten sich diverse Wissenschaftler wie Michael Faraday der näheren Erkundung des stroboskopischen Effekts, welcher auf einer Identifikationstäuschung beruht. So empfindet der Betrachter räumlich separierte Bilder zusammengehörig, wenn sie unter gewissen Voraussetzungen in sehr rascher Abfolge vorgeführt werden. Auf einer runden Pappscheibe wurden dafür einzelne Zeichnungen zu einer zyklischen Bewegung zusammengeführt. Am äußeren Rand befanden sich ausgestanzte Schlitze, welche beim Anschauen vor einer Spiegelwand zum Auslösen dieses optischen Effektes führten. Spätere Varianten dieser Spiele bedienten sich einer separaten Scheibe mit Schlitz.

Einer der Entdecker dieses Effektes konnte den Londoner Verleger Ackermann als Hersteller und Vertreiber seiner Phantasmascopescheiben gewinnen. Auch der Erfinder Stampfer brachte zeitgleich seine Zauberscheiben bei Trentsensky heraus. Nur kurze Zeit später erschienen überall in Europa ähnliche Spiele im Handel, welche auf demselben Prinzip beruhten. Sie trugen so fantasievolle Namen wie Lebensräder, Phorolyt, Magis discs, Periphanoscope und Phenacistiscope. Viele von ihnen waren nur billige Plagiate, welche selten an die hochwertige Ausführung der Werke der ursprünglichen Erfinder dieser Spiele heranreichten.

Die Spiele entwickelten sich weiter

Eine Weiterentwicklung dieser optischen Spielzeuge sind sogenannte Zoetrops gewesen, welche auch unter den Namen Schlitztrommel und Wundertrommel bekannt gewesen ist. Bei ihnen waren die Phasenzeichnungen auf einen Band zusammengefasst und wurden auf der internen Wand einer Trommel mit kleinen Schlitzen angebracht. Dies ermöglichte, dass mehrere Menschen gleichzeitig die animierten Szenen sehen konnten. Unter anderem boten Spielzeughersteller aus Nürnberg wie Plank, Bing oder Carette diesen Artikel an. Die dargestellten Themen waren sehr vielfältig. Besonders gern wurden tanzende Paare, turnende Sportler und stampfende Maschinen abgebildet.

Ein verbesserter Bewegungsfluss

Mithilfe des Praxinoskops konnte der Bewegungsfluss erneut verbessert werden. Diese Bilderanimation ist im Jahr 1877 von dem Franzosen Emile Reynaud entwickelt worden. Die Bilder wurden nun nicht mehr durch mitdrehende Schlitze betrachtet, sondern über Spiegel konnten sie gesehen werden. In der Innenseite der Trommel befand sich der Bildstreifen. Dieser wurde in Rotation gebracht. Die verschiedenen Szenen spiegelten sich nun auf dem Spiegelkranz, welcher in der Mitte des Gerätes angebracht gewesen ist. Die Anzahl der Spieloberflächen entsprach den einzelnen Szenen auf dem Bildstreifen. Auf der Rotationsachse war ferner eine Kerze angebracht mit einem winzigen Lampenschirm, sodass eine zusätzliche Lichtquelle vorhanden gewesen ist. Das Bild war nun deutlich heller. Fortan war das Praxinoskop sehr populär, sodass der Franzose verbesserte Variationen entwickelte. Zu denen gehörten Modelle wie das Praxinoskop a Projection.

Das Ende des optischen Spielzeuges und eine neue Begeisterung dafür

Im Jahr 1895 wurde mit der Erfindung des Films durch die Brüder Lumiére das Ende des optischen Spielzeuges eingeläutet. Die Menschen bevorzugten fortan die bewegten Bilder im Kino und strömten in die Filmpaläste. Das vorher so beliebte optische Spielzeug war vergessen. Dies sollte sich jedoch wieder ändern. Insbesondere in den letzten Jahren gibt es eine verstärkte Faszination bei Sammlern für diese Vorläufer der Kinematografie. So hat das optische Spielzeug wieder viele Liebhaber gefunden, was es zu begehrten Objekten auf Auktionen macht. Zum Schluss noch eine eigene Meinung: Auch wenn sich hierüber trefflich streiten lässt, -ich zähle gewisses Spielzeug der 50er und 60er Jahre, wie die berühmten Pleistoskope, durch aus in die Kategorie des optischen Spielzeugs.

Rechts eine Abbildung zweier Pleistoskope in Form von Fernsehapparaten, typisch für die 60er Jahre

Das optische Spielzeug ist eine herrliche Möglichkeit, um sich dem Medium Film auf eine andere Art und Weise zu nähern. Wir sehen derzeit so viele Weiterentwicklungen im Bereich der medialen Bilddarstellung, dass eine Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen Prinzip besonders spannend und interessant ist.

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