Münzen Sammeln
Unter Münzen versteht man nach Material und Gewicht genau bestimmtes Metallgeld in Schreibenform, das Münzbilder (zum Beispiel Köpfe oder Wappen) und Beschriftungen (Legende) trägt. Diese bestehen aus der In- oder Aufschrift, der Umschrift und der Randschrift (auf der Kante), die oft durch eine einfache Rändelung ersetzt ist, um so die Entnahme von Edelmetall zu verhindern.
Die Vorder- oder die Hauptseite einer Münze bezeichnet man als Avers, die Rück- oder Kehrseite einer Münze als Revers. Währungsmünzen oder Kurantmünzen sind vollwertig nach dem sogeannten Münzfuß in Edelmetalllegierungen geprägt, Scheidemünzen oder Kreditmünzen, deren Metallwert unter dem Nennwert liegt, bestehen meist aus unedlen Metallen.
Die ältesten Münzen (aus Elektron) fanden sich im griechischen Kleinasien (Lydien, 7. Jahrhundert vor Christus). Die Goldmünzen und Silbermünzen des Krösus und des Darius zeigen bereits Herrscherbilder, und um 550 v. Chr. treten Prägungen beider Seiten auf. Später wurden die athenische Drachme und der mazedonische Stater Vorbild zahlreicher Münzen im Osten (bis nach Indien) und im Westen (Rom). Konstantin I. führte neben dem Silberdenar den Goldsolidus ein, der durch das ganze Mittelalter hindurch bekannt blieb. Die Weiterprägung der römischen Münzen während der Völkerwanderung mit rasch fortschreitender Wertminderung veranlasste Pippin und Karl den Großen zur Neuordnung des Münzwesens mit Einführung einer Silberwährung. Der karolingische Pfennig (auch Denar, Denier, Penny, usw.) und sein Zwölffaches, der Schilling, blieben nicht allein für fast ein halbes Jahrtausend die einzigen Münzgattungen, sie bestimmen zum Beispiel in England noch heute die Münzordnung. Der zunehmende Handel gegen Ende des Mittelalters und Anfang der Neuzeit bedingte die Schaffung größerer Münzsorten: Groschen aus Silber, Floren (Fiorino), Zechinen, Gulden und Dukaten aus Gold. Die Pfennige sanken zum Kleingeld herab.
Seit etwa 1500 tauchen Silbergulden, Taler, Dollar, Krone, Crown, Rubel, Piaster und besonders der spanische Peso als Welthandelsmünze auf. Die Münzhoheit zahlreicher weltlicher und geistlicher Landesfürsten brachte eine fast unübersehbare Fülle von Prägungen oft sehr unterschiedlicher Wertigkeit mit sich. Die zunehmende Münzverschlechterung im 17. Jahrhundert besonders in Deutschland und Italien erzwang Reformen: 1750 wurde der preußische Taler, 1753 der Konventionstaler eingeführt, daneben gab es an Goldmünzen u.a. spanische Pistolen und ihre Nachahmungen Friedrichsdor, Louisdor, Augustdor, Dublone, Guinea usw. Im 19. Jahrhundert, das in den meisten Ländern im Anschluss an die sozialen Umwälzungen auch gründliche Neuregelungen des Münzwesens mit Annahme der Dezimaleinteilung brachte, setzte mit dem Aufkommen des Papiergeldes, der Scheidemünzen und des bargeldlosen Verkehrs die umfassende Verdrängung der Währungsmünzen ein. Ihr Vorkommen ist heute zum Ausnahmefall geworden- wie der Gebrauch des schweren Silberdollars in den südwestlichen Staaten der USA oder des fast genau gleichgewichtigen Mariatheresientalers in arabischen und afrikanischen Ländern, wo diese längst außer Kurs gesetzte österreichische Münze gelegentlich die wirkliche Währung bildet.Die Münzkunde (Numismatik) ist die Wissenschaft von den Münzen, teils eine Hilfswissenschaft der Geschichte, der Chronologie, Heraldik und Paläographie, teils diese selbst benutzend und voraussetzend. Sie befasst sich mit dem Münzrecht, der Münzverwaltung. der Münztechnik usw. Ihr Beginn im 15. Jahrhundert ihr großer Aufschwung im 16. und 17. Jahrhundert liefen mit der Anlage der ersten Sammlungen parallel. Die italienischen Humanisten waren die Wegbereiter; Petrarca und Cosimo de ‘ Medici besaßen schon Münzsammlungen. Das Interesse an der Numismatik breitete sich rasch aus, sodass bald jeder europäische Fürst von Reputation ein Münzkabinett und seinen münzkundigen hatte. So konnte der Holländer Goltzius in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fast 950 Sammlungen besuchen! Die wissenschaftliche Numismatik in modernem Sinne begründete jedoch erst Hermann Grote im 19. Jahrhundert, der sie mit der Geldlehre verband. Ungefährt aus derselben Zeit stammen die grundlegenden Werke über antike und mittelalterliche Münzen, sowie die ersten numismatischen Zeitschriften. Die bedeutendsten Münzensammlungen besitzen heute das Britische Museum, London, die Nationalbibliotkek in Paris, das Schweizerische Landesmuseum in Zürich und das Kunsthistorische Museum in Wien. Die ehemals größte deutsche Sammlung, das Münzkabinett des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums mit über 400.000 Objekten, hat durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen schwer gelitten. Die größte Sammlung der Bundesrepublik ist heute die Staatliche Münzsammlung München.
Nach wie vor bilden Münzen eines der beliebtesten Sammelgebiete. Meistens beziehen Sammler auch Rand- und Nebenformen ein, wie Medaillen und Plakatten, Privatgeldm Token, münzartige Marken, Jetons, Rechenpfennige uws.
Hilfsmittel (Handbücher, Zeitschriften und nicht zuletzt die Auktionskataloge) gibt es in reicher Auswahl, sodass jeder Sammler die für diese Liebhaberei unbedingt notwendigen gründlichen Kenntnissen im Selbstudium und im Erfahrungsaustausch erwerben kann. Schon seit dem 16. Jahrhundert haben sich nämlich geschickte Fälscher auch der Münzsammler “angenommen”, wobei sie sich aber nicht auf die Falschmünzerei kursierenden Geldes einfließen. Dies wird für den Laien umso verständlicher, wenn der sich den hohen Wert numismatischer Objekte vor Augen führt.
Das neueste Sammeln Sammler Projekt: Kostenlose Internet Girokonten als Mittel zum Geldtransfer.
Quelle: F. Hadamowsky, “Kleines Lexikon des Sammelns” aus dem
Residenz Verlag Salzburg 1965. Nur noch antiquarisch erhältlich.
