Wiking Autos sammeln

Einführung in das Sammelgebiet

Unter allen Modellautos hatten in meiner Jugendzeit die Wikingautos den berühmtesten Namen. Als in den 50er Jahren Geborener kam ich in der Wirtschaftswunderzeit in den 60ern mit diesen kleinen Modellautos in Verbindung. In dem Alter von 10 oder 11 Jahren bekam man seine erste Modelleisenbahn geschenkt; in diesem Bereich war Märklin der unumschränkte Marktführer. Ich kenne übrigens keinen meiner alten Klassenkameraden, der keine Modelleisenbahn sein eigen nannte. Die Eisenbahn gehörte bei uns Jungen einfach dazu. Die Eisenbahnen gab es zu jener Zeit überwiegend in der international gültigen Spurweite und Größe H0. Und dazu passten maßstäblich die Wikingautos! Autos waren natürlich in der Wirtschaftswunderzeit der große Renner, ja, sie waren Ausdruck dieser Zeit und natürlich das liebste Spielgerät. So war es, dass WIKING-Autos unter meinen Freunden sehr verbreitet und auch Bestandteil der meisten Eisenbahnanlagen waren.

Der Beginn – Wiking vor dem Krieg

Die Firma WIKING-Modellbau wurde 1931 in Berlin von Friedrich Karl Pelzer gegründet. Am 3. Dezember 1939 wird sie auch ins Handelsregister unter der Bezeichnung „WIKING-Modellbau Peltzer & Peltzer“ eingetragen. Die Firma residiert in Berlin-Lichterfelde in der Straße Unter den Eichen. Der im Jahre 1903 geborene Friedrich Karl Peltzer war der Sohn eines Marineoffiziers; seine Leidenschaft für Schiffe und für das Bauen von Schiffsmodellen wird daher verständlich. Peltzer produzierte mit Beginn der 30er Jahre zunächst auch entsprechend dem Trend der damaligen Zeit Spielzeugschiffe. Bei der Produktion handelte es sich um Passagierschiffe als auch Schiffe der Marine. Die Schiffsmodelle besaßen einen Maßstab von 1:1250 und später 1:1275, waren also gegenüber den großen Schiffsmodellen, welche die Blechspielzeug-Hersteller herausbrachten, eher handlich und klein. So hatte das Kaiserliche Torpedoboot T11 eine Länge von 6,2 cm, der Minensucher M8 eine Länge von 4,8 cm oder das Modell des berühmten Lazarettschiffes Wilhelm Gustloff eine Länge von 16,3 cm. Je mehr sich der 2. Weltkrieg näherte, füllten Flugzeugmodelle und Wehrmachtsmodelle, darunter auch Autos, die Angebotspalette auf. Die Flugzeugmodelle bot Wiking zunächst ebenfalls im Maßstab 1:1250 an, wie zum Beispiel die Propellerflugzeuge MES-14608; später wurden die noch metallenen Flugzeuge im Maßstab 1:200 hergestellt und selbige ab 1939 dann in Kunststoff. Fahrzeugmodelle wurden ab 1938 in Metallguss hergestellt. Die Räder waren hierbei metallener Teil des Gesamtmodells, also unbeweglich.

Der Betrieb während des Krieges

Während des 2. Weltkrieges wurde der Betrieb wie viele andere Metallbetriebe auch in die Rüstungsproduktion zwangsintegriert. Die produzierten Metallmodelle, insbesondere die militärischen, dienen in militärischen Lehrgängen, Kursen und Planspielen als Anschauungsmodelle und Planmodelle. Am Ende des 2. Weltkrieges wird das Werk in Berlin schwer beschädigt und die Produktion musste eingestellt werden.

Die Firma Wiking nach dem 2. Weltkrieg

Der Wiederaufbau der Firma begann unmittelbar nach Beendigung des Krieges. Mit den Restbeständen an Kunststoff wurden zunächst Kämme und Knöpfe produziert. Der Markt für Knöpfe zum Beispiel war nach dem Krieg und der zunächst herrschenden Armut einfach vorhanden. Für neue Kleidung war kein Geld vorhanden, so dass die alten Jacken, Hosen oder Hemden immer wieder aufgearbeitet werden mussten.

Sehr bald wurde auch die Produktion von Verkehrsmodellen aufgenommen. Sie wurden nach dem Krieg, so weit mir bekannt ist, ausschließlich bis auf die Metallachsen, Stahlachsen in Kunststoff hergestellt. Die ersten Modelle wurden im Maßstab 1:40 gehalten. Ein großer Abnehmer war das Volkswagenwerk, welches diese Modelle als Werbemodelle entgegennahm.

Im Jahre 1948 begann der eigentliche Durchbruch auf dem Sektor der Modellautos mit der schrittweisen Annäherung des Maßstabes an die Spurweite H0. Zunächst wurden Modelle, als „Verkehrsmodelle“ bezeichnet, im Maßstab 1:100 hergestellt; etwas später gerieten die Modelle maßstäblich etwas größer im Verhältnis 1:90. Hierdurch erreichte man die Annäherung an die damalige Spurweite 00, welche später in die international übliche Spurweite H0 geändert wurde. Die Spurweite H0 entspricht einem nochmals geringfügig größerem Maßstab als 00, nämlich 1:87. Mit einer weiteren Anpassung, einem sogenannten angenäherten Maßstab 1:87 wurde die Anpassung an H0 schließlich vorerst vollzogen.

Die ersten „Verkehrsmodelle“ besaßen allerdings weder Bodenplatte noch Fenster. Diese fensterlosen Wiking-Modelle sind heute jedoch sehr gesucht. Die Fenster waren lediglich in die Kunststoffmasse eingeprägt und manchmal waren die Einprägungen auch versilbert. Zusätzlich zu den Metallachsen, auch als Drahtachsen oder Laufachsen bezeichnet, kamen ab 1952 dann die Bodenplatten hinzu. Ab 1957 wurden dann die Karosserie an der Stelle der Fenster durchbrochen und auch verglaste Modelle produziert. Ab 1959 besaßen alle Wikingautos wenigstens durchbrochene Fenster.

Im Bild rechts eine kleine Spezialsammlung mit Wikingautos zum Thema Feuerwehrautos

So konnte man auch das Innere der Modelle betrachten. Der Erfolg bei den Verkehrsmodellen animierte Wiking dazu, zu der Produktion von Schiffsmodelle und Flugzeugen in den alten Vorkriegsmaßstäben 1:1250 und 1:1275 zurückzukehren. Dieser Versuch war jedoch nicht von Erfolg gekrönt; zu sehr war man nach dem Krieg auf das Auto als das wesentliche Zeichen des Fortschritts, aber auch des Neubeginns fixiert. Die Wikingautos nehmen im Verlauf der 50er Jahre und zu Beginn der 60er Jahre immer mehr an Detailtreue zu. Im Jahre 1966 kommen dann die ersten Inneneinrichtungen hinzu. Somit endete ein erster Entwicklungsprozess vom ersten fensterlosen eher grobem Verkehrsmodell ohne Bodenplatte im Jahre 1948 bis hin zum vollendeten detailgetreuen Modellauto nach 18 Jahren im Jahre 1966!

Die 50er und 60er Jahre im Fokus des Sammlerinteresses

Für alle, die wie ich in den 60er Jahren aufgewachsen sind, sind mit den Modellen der damaligen Zeit besondere Erinnerungen verbunden. Was damals mit Preisen zwischen 50 Pfennigen und 2 Mark fünfzig gekauft werden konnte, erreicht heute auf dem Sammlermarkt oftmals das 100-fache an Sammlerwert. Hierzu zählen neben den unverglasten ersten Modellen natürlich die für die Zeit des Wirtschaftswunderlandes typischen und charakteristischen Modelle wie der VW-Käfer, die BMW-Isetta, Porsche 356, Borgward Isabella, Opel Kapitän, der Ford Taunus mit der Weltkugel, der BMW V8, Mercedes 190 SL, der Adenauer-Mercedes, um nur einige wenige Modelle der deutschen Hersteller zu nennen. Daneben sind natürlich auch amerikanische Straßenkreuzer gesucht, was damit zu tun hat, dass die Amerikaner lange Zeit als Besatzungsmacht inDeutschland geblieben sind und oftmals ihre eingeschifften Autos fuhren. Daneben war natürlich auch der Jaguar E Kult; dieser Sportwagen wurde von einer der wichtigsten Romanfiguren der damaligen Zeit gefahren, von Jerry Cotton. Bei den LKWs möchte ich den berühmten Krupp Titan hervorheben, den Wiking als blauen „Thermos-Wagen“ herausbrachte.

Das Diorama links zeigt, dass die Wikingautos auch mit den Häusern von Faller maßstäblich genau zusammen passen.

Die Zeit nach 1966

Noch einmal gab es im Bereich der Maßstäblichkeit eine Revolution, nämlich die Anpassung an die Spur N im Bereich der Modelleisenbahnen. 1965 beschritt Trix mit der Minitrix neue Wege. Im Jahr 1969 kamen dann die ersten Wiking-Modelle im Maßstab 1:160, angepasst an die Spur N, auf den Markt, mit allerdings noch unbeweglichen nur angedeuteten Rädern.

Im Firmenbereich bedeutete der Tod von Friedrich Karl Peltzer im Jahre 1981 einen tiefen Einschnitt. Da Friedrich Peltzer als Alleinunternehmer auftrat, war die Existenz von Wiking lange Zeit gefährdet. Schließlich übernahm der Konkurrent von Wiking, die Firma Sieper Kunststoffe, bekannt unter ihrem Kürzel SIKU, den Betrieb und führte ihn ab dem 1. Juli 1984 unter der Bezeichnung WIKING Modellbau GmbH & Co. KG weiter. SIKU selbst sah seinen Schwerpunkt schon zu jener Zeit in der Produktion von Modellen aus Zinkdruckguss.

Ein Jahr später, im Jahre 1985, wurde der angenäherte H0-Maßstab endgültig in den exakten Maßstab 1:87 überführt. Anschließend wird in die Firma investiert, die Produktionsstätte nach Berlin-Tempelhof in die Industriestraße verlegt. Um seine Produktlinie zu erweitern, legt WIKING seine berühmten Modelle im Maßstab 1:40 als Exklusivmodelle im Bereich der Werbung im Jahre 1994 neu auf und belebte Ende der 90er Jahre einige seiner alten Klassiker.

Das Bild rechts zeigt die Logos von WIKING, einmal den Schriftzug WIKING und des Weiteren die beiden aufeinandergestellten Buchstaben W

2 Kommentare über “Wiking”

  1. Wulf schrieb:
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    Alte Wikingautos = wertvoll ist relativ,
    die Modelle der ersten Zeit erzielen nur hohe Preise, wenn es Sonder- und Werbemodelle – oder seltene Serienmodelle (seltene Farbe, Variante) sind, die nach Möglichkeit
    komplett sein müssen und möglichst wenig Gebrauchsspuren haben.
    Aus der Zeit vor 1960 sieht es noch recht gut aus mit den Preisen. Bei den Verglasten sagt man,
    dass auch die häufigsten Serienmodelle noch
    gute Preise erzielen können, wenn sie denn
    kaum Gesprauchspuren aufweisen. Das gilt aber meist für die Modelle vor 1970!
    Da viele Modelle der 40-60er Jahre aus der Zeit der Entstehung noch damals kaum gesammelt und eher bespielt wurden, sind die üblich verfügbaren
    Erhaltungsgrade heute eher mäßig oder mittelmäßig, daher folglich selten Rekordpreise zu erwarten sind, wenn nicht neuwertig oder explizit selten.
    Eine Orientierungshilfe bieten da Kataloge bspw.
    von Saure, Gelber katalog – Markt-Preis-verlag, Battenberg etc. oder
    erfolgreiche Gebote von Auktionshäusern und Portalen wie Ebay.
    Ferner darf man bei diesem Hobby auch nicht
    außer Acht lassen, dass die demografische Entwicklung bei den Sammlern (Überalterung)
    sicherlich in den Sammlerpreisen auch in Zukunft
    negativ auswirken kann, durch Sammlungsauflösungen und Verkäufe.
    Da können selbst einzelne Spitzen nicht darüber hinwegtäuschen.
    MFg WR

  2. Heidi Borghardt schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    Sicherheitsfrage (Spamschutz):
    6 + 2 = ?

    Koennen Sie mir sagen wo man genau raus finden kann was diese Wiking Autos fuer eine wert haben heut zu Tage ?
    Mein Mann hat sie spaet 1949 bis vielleicht 1952 gekauft.
    Nun sind wir hier in Canada und haben gerade raus gefunden das diese “ kleinen Dinger “ ganz schoen gestiegen sind .
    Ich versuche diesen Gelben Katalog zu finden ( sind Preise drin ) hab aber keinen Erfolg.
    Vieleicht koennen Sie mir helfen ?
    Danke

    Heidi

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