Metallbaukästen

Der Modellbaukasten – eine Idee von Otto Lilienthal

Am Anfang stand der Modellbaukasten. Einen solchen schuf der deutsche Flugpionier Otto Lilienthal bereits im Jahre 1888. Ich sage ganz bewusst Modellbaukasten und nicht Metallbaukasten, denn die einzelnen Teile waren noch aus Holz.
Diese Art eines Modellbaukastens aus hölzernen Elementen ist nicht zu verwechseln mit den auch bekannten Holzbaukästen oder Steinbaukästen zum Beispiel der Firma Anker. Solche Baukästen bestanden aus hölzernen oder steinernen Bauklötzen und Bauelementeteilen, welche eher die Neugierde kleinerer Jungs befriedigen sollte und das pädagogische Ziel hatte, aus verschiedenen Bauelementen ein Gesamtgebilde wie ein Haus oder eine Brücke zusammen zu fügen.
Die Modellbaukästen, welche auf dem Prinzip des Systemkastens von Otto Lilienthal basierten, wie die Metallbaukästen, vor allem auf der Konstruktion von beweglichen Teilen. Sie sollten den Ingenieur aus den Kleinen herauskitzeln! Ob nun jeder später ein Ingenieur wurde, der einstmals mit Metallbaukästen gespielt hatte, lasse ich einmal offen.

Die Abbildung zeigt anhand einer Achterbahn die Vielfalt der Möglichkeiten, welche ein solcher Metallbaukasten bot
Achterbahn mit dem Metallbaukasten

Die Entwicklung zum Metallbaukasten

Der Modellbaukasten von Otto Lilienthal beinhaltete bereits die wichtigsten Elemente der Konstruktions-Baukästen, nämlich die Streben,welche man miteinander verbinden konnte. Diese gestanzten, gelochten Leisten bestanden jedoch noch aus Holz und besaßen daher wohl auch keine besondere Haltbarkeit. Die Entwicklung zu den Metallbaukästen nahm in Folge jedoch Fahrt auf.
Bereits im Jahre 1892 ließ sich Julian Weiß aus Hamburg seinen Brückenbaukasten als ersten Metallbaukasten patentieren. Somit war der erste wichtige Schritt getan. Trotzdem blieb den ersten Metallbaukästen der kommerzielle Erfolg versagt! Es fehlte den Kästen ein entscheidender Bausatz! Die Kinder wollten zwar konstruieren, aber das, was sie konstruierten, sollte sich auch bewegen! Gerade nach Erfindung des Automobils und der Werbung hierfür auf Litfaßsäulen, auf Plakaten, Prospekten und in Zeitungen war die Begierde hiernach groß.
So blieb es dem genialen englischen Spielzeug-Pionier Frank Hornby vorbehalten, diese Lücke in den Metallbaukästen zu schließen. Die aus seinen Metallbaukästen entstandenen Modelle ließen sich aufgrund der von ihm zugegebenen Rädern mechanisch bewegen. Diese durch die Räder zusätzlich gewonnene Mechanik spiegelte sich im Namen seiner Metallbaukästen, „Meccano“, wieder.

In Deutschland dominierten die Metallbaukästen der Firma Walther

Ab dem Jahre 1906 gab es die STABIL-Metallbaukästen von Walther. Sie gehörten nicht nur unter den Weihnachtsbäumen anfangs des 20. Jahrhunderts zu den großen Rennern. Der „STABIL“ wurde zum bekanntesten Metallbaukasten in Deutschland. Zum Inhalt der Metallbaukästen gehörten Streben, Platten, Räder und Schrauben in den unterschiedlichsten Größen. Mit ihnen ließen sich Fahrzeuge, Kräne und sogar Flugzeuge zusammenschrauben. Ich selbst bekam meinen ersten „STABIL“ zu Weihnachten 1964. Dieser Metallbaukasten hatte die Bezeichnung „52a“, welche rechts unten auf dem Deckelbild zu finden war. Dieser Kasten hinterließ bei vielen Jungs leuchtende Augen.Stabil Metallbaukasten

Märklin und Trix als weitere Anbieter

Neben Walther mit seinen „STABIL“-Baukästen gehörten Märklin und Trix zu den wichtigsten Herstellern von Metallbaukästen. Neben STABIL gehören insbesondere auch die Metallbaukästen von Märklin zu den heute von Sammlern besonders gesuchten Raritäten. Begehrt sind bei Märklin die Kästen mit den schwarz gefärbten Metallteilen.Aus einem der vielen Metallbaukästen von Märklin

Viele Zusatz- und Ergänzungskästen

Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Spezialteile zur Ausstattung der Grundkästen. Da sich das Angebot nicht mehr nur auf das Zusammenschrauben von einfachen beweglichen Autos und Ähnlichem beschränkte, sondern sich auch auf Achterbahnen, Dampfwalzen, Drehbänke, Transportanlagen oder Schlachtschiffe erweiterte, wurden zusätzliche Teile wie Zahnstangen, Leitspindeln, Scharniere, Kugellager, Zahnkränze, Gelenkstücke, Verbindungs- und Abschlußlaschen, Kurbelwellen, Sägeblätter, Lagerstützen, unterschiedlichste Räder, Kupplungsmuffen, Verbindungsbügel, Schnurlaufräder, Achsen, Winkelträger, Handkurbeln oder Antriebsketten, um nur einige Zusatzteile anzuführen, eingeführt. Sie konnte man in vielen Zusatzkästen kaufen.

Aufkommen des Kunststoffes führte zum Ende der Metallbaukästen

Wie auch das Blechspielzeug hatten die Metallbaukästen ab Ende der 60er Jahre und insbesondere in den 70er Jahren mit der Einführung des Plastikspielzeuges zu kämpfen. Sie konnten deren Konkurrenz nicht lange standhalten. Es waren insbesondere die Systembaukästen von Lego und später von Fischertechnik, die mit zum Ende der beliebten Metallbaukästen beitrugen. Zusätzlich erwuchs den System-Baukästen eine große Konkurrenz im Bereich des elektronischen Spielzeugs wie Robotern sowie des Weltraumspielzeugs.
Im Jahre 1970 wurde die Produktion des STABIL-Baukastens eingestellt. Märklin und Trix mit ihren Metallbaukästen folgten im Jahre 1999.

Derzeitiger Stand

Wie generell im Bereich des Blech- und Metallspielzeugs erscheinen hin und wieder Replika auf dem Markt. Zudem existiert die fast 80jährige tschechische Firma Merkur weiterhin. Auch die damals in der DDR parallel zur alten Bundesrepublik weitergeführten und selbständig weiterentwickelten STABIL-Baukästen mit der Bezeichnung „Construction“ existiert weiterhin und ersetzt für viele Sammler die alte BRD-Version von Walther.

2 Kommentare über “Metallbaukästen”

  1. Ulrich Thiemann, Bremen schrieb:
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    Krönung jedes Baukastenmodells ist der Antrieb :
    Mit Uhrwerk-Motor, später aber Elektromotor, den eigentlich alle Produzenten im Lieferprogramm hatten.

    Das war noch zu steigern (neudeutsch „toppen“):

    Antrieb per implementierter Dampfmaschine, in England , dem Mutterland dieses anspruchsvollen
    Spielzeuges noch nach 1970 nicht ungewöhnlich.
    Hier vertrieb bis in die 70er Jahre Meccano
    von der Kult-Firma Mamod produzierte Baukasten-
    Maschinen, die noch heute in funktionsfähigem Zustand zu ersteigern sind .
    Einfacher :
    1.Fa WILESCO , Lüdenscheid, Modell „D 11“;
    pfiffiger, und eng am angelsächs. Vorbild
    orientiert :
    2. Baukastenmodell Kleinemeier-Modellbau, Verl.
    3.Fa. Kassner-Motor Frankfurt / Oder.

    Alle modelle (Stand Anfang 2016) zw. 145 und 180 €uro.
    Mit Lego/ Fischtechnik oder Matador (Buchenholz-Traditionsbaukasten , Austria)
    ging und geht das in Zukunft nicht.
    Die Faszination der schwer arbeitenden Maschine in einem selbstgebauten Kran unter Last oder einem Dampftraktor ist einzigartig.

  2. Ulrich Thiemann schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    Das Manko der heutigen Metallbaukästen sind die Bauteile, die früher ihren Reiz ausmachten : Nämlich die Zahnrad-/ Getriebeteile. Wirklich gute Metallzahnräder ohne („Karies“) erzielen inzwischen aberwitzige Preise, den Baukästen z B von MERKUR oder „eitch“ ist Kunststoffschrott beikepackt. Diese Hybrid-Kästen haben qualitativ leider um Klassen schlechtere Getriebeteile als die originären
    Kunststoff-Kästen von Fischertechnik oder LEGO technic. Als Kind imponierte mir ein Nachbar, ein „very british“ agierender Offizier der Rheinarmee, der sich aus seinem Meccano- Baukasten einen Wagenheber mit einem batteriebetriebenem Elektromotor (!) gebastelt hatte, natürlich intelligent mit Versteifungen. Der funktionierte unter seinem Morris mit Holzfachwerk am Kombiheck tatsächlich.
    Später „tunte“ („frisierte“) der Mann seinen MINI Cooper und kroch voll Gottvertrauen unter
    den augebockten Wagen :
    Wer wollte ihm das mit LEGO-Steinen nachmachen ?

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